Studieren in den Niederlanden

Die Niederlande sind ein flächenmäßig zwar kleiner, aber politisch, wirtschaftlich und kulturell wichtiger Nachbar der Bundesrepublik Deutschland. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind trotz der Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges eng.

Wissenswertes über die Niederlande

Das niederländische Königreich ist eine parlamentarische Monarchie, deren repräsentatives Oberhaupt König Willem-Alexander darstellt. Es gliedert sich in das europäische Mutterland und in drei autonome überseeische Gebiete. Der europäische Landesteil erstreckt sich auf rund 42.000 Quadratkilometer. Auf dieser Fläche leben etwa 16,9 Millionen Menschen, was eine der höchsten Bevölkerungsdichten weltweit bedeutet.

Die meisten Einwohner wohnen im westholländischen Ballungsgebiet Randstad um Amsterdam, Den Haag und Rotterdam. Zu den autonomen Überseegebieten des Königreiches gehören die ehemaligen Kolonien Aruba, Caracao und Sint Maarten in der Karibik.

Landschaftlich weisen die Niederlande reizvolle Küstenanteile und landwirtschaftlich genutzte Ebenen auf. Bekannt sind die Niederlande für ihre großflächigen Tulpenfelder und ihre Käseindustrie. Der Wasserverkehr spielt noch immer eine große Rolle. Mit Rotterdam verfügt Holland über den größten europäischen Hafen. Und auch die Hauptstadt Amsterdam liegt nicht nur am Wasser, sondern ist mit ihren zahlreichen Grachten vom Wasser geprägt.

Die niederländischen Städte sind größtenteils architektonisch sehr reizvoll und bieten ein breites kulturelles Programm mit zahlreichen Museen und musikalischen Veranstaltungen, die ein breites Spektrum abdecken.

Die niederländische Bevölkerung setzt sich aufgrund der ehemaligen Kolonialherrschaft aus verschiedensten Ethnien zusammen. Viele Immigranten kommen aus Afrika und der Karibik, aber auch aus anderen europäischen Ländern. Die Niederländer gelten als aufgeschlossen und tolerant. In der Regel beherrschen sie sowohl Englisch als auch Deutsch gut.

In ökonomischer Hinsicht sind die Niederlande hauptsächlich geprägt von der Exportindustrie, Chemieindustrie, der produzierenden Lebensmittelindustrie und dem Bankenwesen. Aber auch im Bildungssektor spielt das Land innerhalb Europas eine große Rolle. Es ist ein bei internationalen Studenten sehr beliebtes Auslandsziel. Insbesondere Deutsche zieht es alljährlich in großen Zahlen zum Studieren in die Niederlande. Die Niederlande liegen bei ihnen an zweitbeliebtester Stelle für ein Auslandsstudium.


Hochschullandschaft in Holland

Nicht nur bei Fahrradfahrern angesagt: Die Niederlande sind für ein Auslandsstudium bei deutschen Studierenden sehr populär.

Die niederländische Hochschullandschaft besteht aus:

Ort der akademischen Lehre und Forschung sind die Universiteiten. Es existieren 13 dieser Einrichtungen unter staatlicher Trägerschaft. An ihnen sind derzeit rund 240.000 Studenten immatrikuliert. Die Universitäten in den Niederlanden haben in der Regel ein sehr breites Studienangebot, in dem alle Fachbereiche vertreten sind. Einige von ihnen sind fachspezifisch ausgerichtet, zum Beispiel als Technische Universitäten.



Schaubild: Deutsche Studierende im Ausland 2012 (Niederlande), Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Open Universiteit ist die einzige Fernuniversität des Landes. Auch sie wird vom Staat verwaltet und weist ein breites Fächerangebot auf.

Für eine berufspraktische, höhere Ausbildung sind die rund 120 Hogescholen zuständig, die an deutsche Fachhochschulen erinnern. An ihnen sind rund 420.000 Studenten eingeschrieben. Die Hochschulen sind auf einen oder mehrere Fachbereiche wie Technik, Sozialwesen oder Wirtschaftswissenschaften spezialisiert.

Die niederländischen Instituten voor Internationaal Onderwijs wiederum bieten international ausgerichtete, englischsprachige Studiengänge an. Sie sind bei Studierenden aus aller Welt sehr beliebt. Gerade in den Wirtschaftswissenschaften ist die Zahl solcher internationaler Studienangebote aufgrund der hohen Nachfrage inzwischen recht hoch.

Qualität des niederländischen Hochschulwesens

Ein Studium in den Niederlanden genießt aufgrund des zumeist hohen Qualitätsstandards der Hochschuleinrichtungen einen sehr guten Ruf. Die Lehrräume sind modern ausgestattet, die Bibliotheksbestände umfangreich und das Lehrpersonal qualifiziert und modern geschult. Auch ist das niederländische Studienangebot allgemein sehr umfassend. Die niederländischen Lehr- und Studienmethoden gelten als besonders innovativ und international ausgerichtet. Sie werden zusammen mit den Studienangeboten regelmäßig aktualisiert und an die Anforderungen der Wissenschafts- und Arbeitswelt angeglichen.

Ablauf des Studiums in den Niederlanden

Der holländische Hochschulunterricht ist in der Regel recht verschult und von den Studenten wird ein stark am Lehrplan orientiertes Lernen erwartet. Die Seminare setzen sich weniger personenstark zusammen als es beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Dadurch ist der Kontakt zwischen den Studierenden und den Dozenten, aber auch den Kommilitonen eng. Normalerweise sind die Dozenten auch zwischen den Lehrveranstaltungen für ihre Studenten gut zu erreichen.


Studienabschlüsse in den Niederlanden

Mit dem Fahrrad durch Tulpenfelder fahren und historische Windmühlen besichtigen: Auch das bietet ein Studium in den Niederlanden.

Die Niederlande sind Mitunterzeichner des Bologna-Abkommens. Seit dem Jahr 2002 können Studierende in daher sowohl an den Universiteiten als auch an den Hogescholen Bachelor- und Masterabschlüsse erlangen. Die Anrechnung der Studienleistungen erfolgt im European Credit Transfer System (ECTS).

Bachelor in Holland

Die Dauer des Bachelorstudiums in den Niederlanden hängt vom gewählten Hochschultyp ab:

  • An den Universiteiten sind die Bachelorstudiengänge in der Regel auf drei Jahre angelegt.
  • An den Hogescholen sind es in Anlehnung an den früheren niederländischen Studienabschluss Baccalaureus vier Jahre.

Das erste Studienjahr besteht aus der Vermittlung des allgemeinen Grundwissens. Darauf aufbauend kommt es zu einer Vertiefung und Verbreiterung des Lehrstoffes. Abgeschlossen wird das Bachelorstudium mit der schriftlichen Thesis und meist mehreren mündlichen Prüfungen. Mit einem solchen akademischen Titel ist der direkte Einstieg ins Berufsleben möglich. Ein besonderes Ziel der niederländischen Hochschullandschaft ist es allerdings, Bachelorabsolventen die Möglichkeit zu geben, auch nach einem Einstieg in die Berufswelt noch ein Masterstudium anzuschließen – sich nach dem Bachelor also einer Weiterbildung an der Universität nicht zu versperren.

Master in Holland

Ein Masterstudiengang an den Universiteiten dauert in etwa ein bis zwei Jahre. Er baut auf den Bachelor auf und führt zu einer Vertiefung und Fortführung der bisherigen Studien. Das Angebot an Masterstudiengängen deckt ein sehr weites Feld an Studienfächern ab. Immer mehr Universitäten bieten im Zeichen einer Internationalisierung englischsprachige Masterprogramme an. In den Ingenieur- und Naturwissenschaften dauert es bis zum Master in den Niederlanden im Schnitt zwei Jahre. In den Geistes-, Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften dauert es oftmals ein Jahr weniger.

Doctor in Holland

Ein Promotionsstudium in den Niederlanden ist derzeit nur an den Universiteiten möglich. Die Voraussetzung ist ein erfolgreich abgeschlossener Master. Die Promotion nimmt mindestens vier Jahre in Anspruch. Abgeschlossen wird sie mit der schriftlichen Dissertation und ihrer mündlichen Verteidigung, die vor Publikum stattfindet. Nicht nur das Thema der Doktorarbeit wird in der mündlichen Prüfung behandelt, sondern es kommen sechs weitere Thesen hinzu. Die Promotion endet mit der Verleihung des akademischen Grades Doctor.

Associate Degrees

Seit dem Jahr 2007 werden in den Niederlanden außerdem sogenannte Associate Degrees angeboten. Sie sind an den Hogescholen innerhalb von zwei Jahren zu erlangen. Dieses berufsqualifizierende Studium stellt eine Zwischenstufe zwischen den niederländischen beruflichen Sekundarunterricht (Middelbaar Beroepsonderwijs, kurz MBO) und einem längeren Hochschulstudium dar.

Optional kann das Studium nach zwei Jahren aber insgesamt auf vier Jahre ausgedehnt werden. Dies ist für deutsche Studieninteressenten auch zu empfehlen. Eine Anerkennung des Associate Degrees ist aufgrund der fehlenden Entsprechung dieses Abschlusses im deutschen Studiensystem nämlich als schwierig einzustufen.


Studieren in den Niederlanden - Voraussetzungen

Um ein Bachelorstudium an einer niederländischen Universiteit beginnen zu können, benötigen deutsche Bewerber die Allgemeine Hochschulreife. Für die Zulassung zum Bachelorstudium an einer niederländischen Hogeschole reicht hingegen die Fachhochschulreife.

In einigen Fächern existiert eine Zulassungsbeschränkung durch den sogenannten Numerus Fixus, über den etwa ein Fünftel der Studienplätze vergeben wird. Vor allem bei ausländischen Studierenden kann es speziell in den medizinischen Fächern zu einer Quotenregelung kommen. Bisher geschah die Verteilung der Studienplätze über ein Losverfahren. Seit 2017 nutzen die Hochschulen ein dezentrales Auswahlverfahren.

Bestimmte Fächerkombinationen als Studienvoraussetzung

Bei manchen Fächern ist es jedoch bei der Einschreibung notwendig, eine bestimmte Fächerkombination aus der schulischen Oberstufenzeit vorweisen zu können. Falls das den Bewerbern nicht möglich ist, können sie im Verlauf des Studiums Zusatzprüfungen in den entsprechenden Fächern ablegen. In Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wird beispielsweise das Leistungsfach Mathematik vorausgesetzt, in Medizin, Pharmazie und Biologie sind es Physik und Chemie. In den weiteren Naturwissenschaften, in der Mathematik und den Ingenieurswissenschaften werden hingegen die Leistungsfächer Mathematik und Physik gefordert. In der Theologie und klassischen Philologie sind Latein und Griechisch Aufnahmevoraussetzungen.

Bewerbungsfrist für ein Studium in den Niederlanden

Bei zulassungsfreien Studiengängen liegt die Bewerbungsfrist meist im Juli des Vorjahres. Bei zulassungsbeschränkten Fächern gilt üblicherweise der 15. Januar als Stichtag, um sich für das Auswahlverfahren zu bewerben.

Zulassung zum Master und zur Promotion in den Niederlanden

Für die Zulassung zu einem Masterstudiengang sind gute Zensuren und eine akzeptable Studienzeit in dem vorausgegangenen Bachelorstudium wichtig. Dasselbe gilt für die Bewerbung zu einem Promotionsstudiengang bezüglich der vorherigen Studien. Möchten sich Absolventen einer Hochschule für eine Promotion bewerben, so haben sie normalerweise bestimmte Leistungsnachweise vorzuweisen.

Sprachkenntnisse für ein Studium in den Niederlanden

Wer einen Studiengang in niederländischer Sprache wählt, benötigt natürlich ausreichende Sprachkenntnisse, die im Rahmen des Bewerbungsverfahrens nachzuweisen sind. Als allgemein anerkannter Test gilt das Certificaat Nederlanda als Vremde Taal (NT2). Falls ein ausreichendes Testergebnis nicht vorliegen sollte, prüfen die Universitäten die Sprachkenntnisse in internen Verfahren. Diese bestehen aus einem schriftlichen und einem mündlichen Test. Vorab ist es daher sinnvoll, entweder in Deutschland oder in den Niederlanden entsprechende Sprachkurse an den Universitäten oder an privaten Einrichtungen zu besuchen.

Möchte man an einem englischsprachigen Studiengang teilnehmen, so sind in der Regel Mindestpunktzahlen in standardisierten Testverfahren wie TOEFL oder IELTS zu erbringen. Darüber hinaus bieten einige niederländische Hochschulen Studiengänge in deutscher Sprache an, für die dann natürlich kein Sprachnachweis notwendig ist.


Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten

Bis vor kurzem war Studieren in den Niederlanden insofern kostengünstig, als dass ausländische Studierende mit der Rückerstattung ihrer Studiengebühren rechnen konnten. Seit dem Jahr 2012 erheben die staatlichen Universitäten jedoch eine jährliche, gesetzliche Studiengebühr (Wetterlijk Collegegeld) in Höhe von derzeit EUR 2.006.

An privaten und internationalen Einrichtungen können die Gebühren weitaus höher sein. Unter 30 Jahre alte Studenten, die Bürger der EU sind und ein eigenes niederländisches Bankkonto führen, können jedoch weiterhin auf eine Teilerstattung der Studiengebühren hoffen. Eine zusätzliche Gebühr ist das sogenannte Instellingscollegegeld. Das müssen Studenten zahlen, die ihren Erstwohnsitz nicht in einem der folgenden (Bundes-)Länder angemeldet haben:

  • Niederlande
  • Belgien
  • Luxemburg
  • Nordrhein-Westfalen
  • Niedersachsen
  • Bremen

Die Gebühr variiert je nach Hochschule.

Lebenshaltungskosten

Die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden entsprechen in etwa deutschen Verhältnissen. Je nach Studienort und Lebensstandard variieren die monatlichen Ausgaben zwischen EUR 700 und 900. Eine Einzimmerwohnung kostet im Schnitt zwischen EUR 200 und 400.

Aufgrund der hohen Anzahl Studierender in den Niederlanden ist günstiger Wohnraum insbesondere in den Universitätsstädten ein selten gewordenes Gut. Ratsam ist es, sich um ein Zimmer in einem Studentenwohnheim sehr frühzeitig zu kümmern. In einigen niederländischen Städten besteht übrigens die Möglichkeit, per Los ein Vorstellungsgespräch für eine der begehrten privaten Wohnungen zu gewinnen.

Finanzierung eines Studiums in den Niederlanden

Gute Möglichkeiten für eine finanzielle Unterstützung während des Studiums in den Niederlanden bietet zum einen der Bund mit dem Auslands-BAföG. Es ist aufgrund der im Ausland abweichenden Fördersätze unabhängig vom Inlands-BAföG. Daneben gewährt der Bund sogenannte Bildungskredite. Auch wirtschaftliche, kulturelle, oder politische Träger unterstützen qualifizierten studentischen Nachwuchs im Ausland mit Stipendien. Hier sollte man sich rechtzeitig erkundigen. Und sogar die Niederlande selbst bieten Kurz- und Langzeitstipendien für sehr begabte Studenten an.

Wer sich lieber selbst ein Zubrot verdienen und dabei Land und Leute genauer kennen lernen möchte, kann das in Holland recht problemlos tun. Nötig sind lediglich die Registrierung im lokalen Finanzamt und die damit verbundene Zuweisung einer Steuer- und Sozialversicherungsnummer.

Vollzeitstudenten unter 30 Jahren, die neben dem Studium mindestens 56 Stunden monatlich arbeiten, haben die Möglichkeit, die niederländische Studienfinanzierung zu beantragen. Bei diesem Darlehen muss ein Teil zurückgezahlt werden. Ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr ist inklusive.


Visum und Einreisebestimmungen Hollands

Als Bürger eines EU-Mitgliedstaates ist die Einreise in die Niederlande jederzeit mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass möglich. Bei einem über 90 Tage dauernden Aufenthalt ist in einem solchen Fall bei der lokalen Polizeistelle oder Ausländerbehörde ein Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung zu stellen. Der Einzug in eine Wohnung in den Niederlanden ist spätestens nach fünf Tagen der jeweiligen Gemeinde und der Gemeentelijke Basis Administratie zu melden. Für die Registrierung sind ein gültiger Personalausweis, eine Kopie des Mietvertrags und eine internationale Geburtsurkunde vorzuweisen.