Studieren in Großbritannien

Mystische Steinkreise, alte Burgruinen, schroffe Landschaften und verrückte, kosmopolitische Metropolen - all das finden Besucher auf der größten Insel Europas: Großbritannien. Diese besteht aus den drei Ländern England, Schottland und Wales, welche jeweils eine eigene Kultur vorweisen.

Die Engländer sind für ihr Understatement und den schwarzen Humor bekannt. In Wales ist die keltische Sprache Cymraeg die zweite Amtssprache. Schottland wird gerne mit Dudelsack-Musik und so ausgefallenen Sportarten wie Baumstammwerfen assoziiert. All das kann man während eines Studiums in Großbritannien hautnah erleben.

Historie von Großbritannien

Für Studierende, die ein Auslandsstudium in Großbritannien absolvieren, ist London ein besonderer Anziehungspunkt.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern liegen in der bewegten Geschichte Großbritanniens begründet. Seit der ersten Besiedlung vor etwa 10.000 Jahren wurde die Insel jenseits des Ärmelkanals durch keltische Stämme, Römer, Angeln, Sachsen, Jüten und Wikinger erobert.

Erst 1707 wurden England samt Wales und Schottland zum heutigen Großbritannien vereinigt, das in den folgenden Jahrhunderten zur Kolonialmacht aufstieg. Geschichtsliebhaber können fast hinter jeder Straßenecke eine alte Burg, eine keltische Kultstätte oder ein anderes Bauwerk aus der langen Besiedlungszeit entdecken.

Darüber hinaus hat Großbritannien eine einmalige Natur vorzuweisen. In fünfzehn Nationalparks können Besucher die Einsamkeit der schottischen Highlands, idyllische Heidelandschaften, malerische Seen und alte Wälder erkunden. Die Metropolen Großbritanniens dagegen sind modern und weltoffen. Die multikulturelle Weltstadt London ist nicht nur Europas wichtigstes Finanzzentrum, sondern gibt auch in Sachen Mode und Musik den Ton an. Doch nicht nur die hippe Hauptstadt Englands ist sehenswert. Auch alte Industriestädte wie Newcastle, Birmingham oder Glasgow haben sich in den letzten Jahrzehnten zu äußerst lebenswerten Städten entwickelt, die Besuchern ein umfangreiches kulturelles Angebot bieten.


Hochschullandschaft Großbritanniens

Großbritannien und im Speziellen England ist eine der beliebtesten Studienregionen für deutsche Studenten. Das ist kein Wunder, ist England doch schließlich Heimat einiger der besten und renommiertesten Universitäten der Welt, und auch Wales, Nordirland und Schottland können traditionsreiche Hochschullandschaft vorweisen. Insgesamt gibt es über hundert Universitäten in Großbritannien, von denen sich die meisten in England befinden.

Schaubild: Deutsche Studierende im Ausland 2012 (Großbritannien), Quelle: Statistisches Bundesamt

Neben den Universitäten existieren in Großbritannien eine ganze Reihe Higher Education Colleges. Diese bieten im Gegensatz zu Universitäten unter anderem Studiengänge mit einem starken Praxisbezug an. Viele Colleges sind dabei auf berufspraktische Studiengänge oder auf eine bestimmte Fachrichtung spezialisiert, es gibt aber auch Colleges, die ein breites Spektrum an Studiengängen anbieten.

Die Higher Education Colleges können selbst keine akademischen Grade vergeben, sind aber zum Teil an Universitäten angegliedert und können dann in Kooperation mit diesen akademische Abschlüsse verleihen.

Britisches Hochschulwesen und Qualitätssicherung

Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich alle Hochschulen Großbritanniens in staatlicher Hand. Aufgrund ihrer teils sehr langen Geschichte entscheiden sie autonom über die Zulassung von Studenten oder den Inhalt der Lehrpläne. Eine Ausnahme bildet die Lehrerausbildung, die wie in Deutschland staatlich reglementiert ist.

Finanzielle Förderung erhalten vor allem die bekannten Forschungsuniversitäten, zu denen neben Oxford und Cambridge beispielsweise auch die University of Bristol, die Newcastle University und die University of Birmingham zählen.

Der gute internationale Ruf britischer Hochschulen ergibt sich aus der qualitativ hochwertigen Lehre. An vielen britischen Universitäten sind doppelt so viele Lehrkräfte beschäftigt wie an vergleichbar großen Hochschulen in Deutschland. Dementsprechend sind die Kurse klein und die Hochschulen bieten einen wesentlich umfassenderen Service an als in Deutschland. Studenten erhalten Tutoren, die ihnen beratend zur Seite stehen. Das Sekretariat und die Lehrkräfte sind fast immer für die Studenten da.

Eine weitere Qualität britischer Hochschulen liegt in ihrer Internationalität: Mehr als zehn Prozent der Studenten im Bachelorstudium stammen aus dem Ausland. Bei den weiterführenden Studienprogrammen in England und Wales, wie einem Master, MBA oder LLM, besteht sogar fast ein Drittel der Studierendenschaft aus internationalen Studenten. Sie kommen nach Großbritannien, um einen international anerkannten Studienabschluss zu erhalten und ihr Englisch zu perfektionieren.


Studiensystem in Großbritannien

Ein Studium in Schottland lädt dazu ein, sich vom Charme der schottischen Hauptstadt verzaubern zu lassen.

Das Studiensystem in Großbritannien ist in einen Undergraduate-Abschnitt und einen Postgraduate-Abschnitt unterteilt.

Bachelorstudium Großbritannien

Im ersten Studienabschnitt erwerben die Studenten den Bachelorabschluss. Das Bachelorstudium nimmt in England und Wales drei Jahre in Anspruch. In Schottland bis zu vier Jahre. Traditionellerweise ist das akademische Jahr in Großbritannien in drei Trimester (Terms) unterteilt. Im Zuge der zunehmenden Internationalisierung haben einige Hochschulen inzwischen Semester eingeführt. Die Studienleistungen werden durch das Credit Accumulation and Transfer Scheme (CATS) berechnet. Die Punkte werden unter anderem für Referate, Klausuren und Essays vergeben.

In England und Wales erhalten die Studenten am Ende ihres Bachelorstudiums in der Regel den Bachelor with Honours, der mit dem britischen Notensystem verknüpft ist und die Abschlussnote: vom First Class Honours Degree für herausragende Leistungen bis zum Third Class Honours Degree.

Weitere britische Studienabschlüsse

Neben dem Bachelor kennt das Studiensystem Großbritanniens mehrere landesspezifische grundständige Abschlüsse: Den Foundation Degree, das Certificate of Higher Education, das Diploma of Higher Education und das Higher National Diploma.

Masterstudium in Großbritannien

Im Postgraduate-Abschnitt erwerben Studenten an den meisten Universitäten innerhalb eines Jahres einen Masterabschluss. In Großbritannien wird generell unterschieden zwischen dem Taught Master und dem Master by Research oder Master of Research. Außerdem besteht an mehreren renommierten britischen Hochschulen die Möglichkeit, die Studierenden in fachspezifische Abschlüsse wie den MBA oder einen LLM zu vermitteln.

Doctor of Philosophy (PHD)

Der höchste Abschluss, den britische Universitäten zu vergeben haben, ist der Doctor of Philosphy (PhD). Er wird in der Regel durch das Schreiben einer umfangreichen Forschungsarbeit und einer anschließenden mündlichen Verteidigung dieser erworben. Im Schnitt brauchen Studenten in Großbritannien zwischen drei und fünf Jahre, bis sie ihre Doktorarbeit beendet haben. Voraussetzung für das PhD-Studium sind ein exzellenter forschungsorientierter Bachelorabschluss oder ein Master.

Weitere Postgraduate-Abschlüsse in Großbritannien

Zudem werden auch im Postgraduate-Studienabschnitt Certificates und Diplomas vergeben. Sie können bereits in wenigen Monaten erworben werden und dienen zur Vertiefung des im Bachelorstudium erworbenen Wissens und zur weiteren beruflichen Qualifikation. Zum Teil ist es möglich, sich die im postgradualen Studium erworbenen Leistungen auf ein späteres Masterstudium anrechnen zu lassen. Allerdings muss dies im Einzelfall geprüft werden.


Studium Großbritannien: Die Voraussetzungen

Voraussetzung für ein Studium in Großbritannien ist für deutsche Studienbewerber in der Regel das Abitur. Da die Hochschulen autonom über die Zulassung ihrer Bewerber entscheiden, legen sie Notendurchschnitt und andere Zulassungskriterien wie etwa Noten in bestimmten Abiturfächern selbst fest. Es können zum Teil auch Bewerber ohne Abitur einen Studienplatz erhalten, wenn sie von der Hochschule als geeignet beurteilt werden.

Besondere Nachweise und Fristen

Neben den Schulabschlusszeugnissen müssen außerdem an fast allen Universitäten auch Bewerbungs- und Motivationsschreiben eingereicht werden. Auch gute Englischkenntnisse werden erwartet; diese müssen zumeist in Form eines Tests wie dem IELTS oder TOEFL nachgewiesen werden.

Vollstudium in Großbritannien

Die Bewerbung für ein Vollstudium in England und Wales im Undergraduate-Bereich muss an den Universities and Colleges Admissions Services (UCAS) gerichtet werden. Die jährliche Bewerbungsfrist endet bereits am 15. Januar; für Cambridge, Oxford und medizinische Studiengänge gelten noch frühere Bewerbungsfristen.

Die Bewerbungen für die Master- und PhD-Studiengänge werden direkt an die Universitäten gerichtet. Diese entscheiden selbst über die Zulassungskriterien, üblich ist aber ein Bachelorabschluss mit einer gewissen Mindestnote (alternativ werden auch alte Studienabschlüsse wie Magister, Diplom oder Staatsexamen akzeptiert).

Auslandssemester in Großbritannien

Wesentlich einfacher läuft die Bewerbung für ein Auslandssemester in Großbritannien, bei dem Bewerber in der Regel lediglich ein (Fach-)Hochschulzeugnis und ausreichende Englischkenntnisse nachweisen müssen.

Kosten für ein Studium in Großbritannien

An den meisten Hochschulen in Großbritannien werden Studiengebühren erhoben. Seit 2013 dürfen die Universitäten von Bachelorstudenten theoretisch bis zu 9.000 Pfund für ein Studienjahr verlangen – mehr als die Hälfte aller englischen Hochschulen machen auch von diesem Recht Gebrauch. In Wales und Schottland konnten sich günstigere Regelungen durchsetzen. So ist das Bachelorstudium in Schottland für internationale Studenten aus der EU (mit Ausnahme von englischen und walisischen Studenten) kostenfrei.

Die Lebenshaltungskosten in Großbritannien unterscheiden sich stark von Region zu Region. Besonders in Städten wie London, Oxford oder Cambridge müssen Studenten bis zu 14.000 Pfund pro Jahr für Unterkunft, Verpflegung und Freizeitaktivitäten einplanen. In anderen Regionen reicht ein Budget von bis zu 12.000 Pfund.

Finanzierungsmöglichkeiten eines Studiums in Großbritannien

Es gibt verschiedene Formen der finanziellen Förderung, mit denen internationale Studenten die anfallenden Kosten decken können. Da Großbritannien innerhalb der EU liegt, können deutsche Studenten zum Beispiel von ihrem Recht auf Auslands-BAföG Gebrauch machen, bei dem sie mit bis zu EUR 4.600 Zuschüssen zu den Studiengebühren und weiteren Zuschüssen für Reise- und Lebenshaltungskosten gefördert werden.

Studenten aus der EU, die ein komplettes Bachelorstudium in Großbritannien absolvieren, können zudem durch die Student Loans gefördert werden. Dieses Darlehen deckt einen Teil oder die kompletten Studiengebühren ab und muss erst zurückgezahlt werden, wenn das Jahreseinkommen einen bestimmten Grenzwert überschreitet. Unter bestimmten Bedingungen kriegen EU-Studenten die Studiengebühren auch aus öffentlichen britischen Mitteln erstattet.

Studenten mit guten Leistungen können zudem durch zahlreiche Stipendien gefördert werden. Auf deutscher Seite vergeben zum Beispiel der DAAD und verschiedene Stiftungen Stipendien. College Contact fördert zweimal im Jahr besonders motivierte Studierende aus fünf verschieden Fachbereichen. Und auch einige unserer britischen Partnerhochschulen vergeben Stipendien an internationale Studenten.


Aufenthaltsgenehmigung für Großbritannien

Deutsche können mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass problemlos nach Großbritannien einreisen. Für einem längeren Studienaufenthalt kann eine Aufenthaltsgenehmigung (Residence Permit) beantragt werden. Als EU-Bürger ist es zudem möglich, ohne Arbeitserlaubnis einem Nebenjob nachzugehen.

Auch eine Krankenversicherung für Großbritannien ist nicht erforderlich, da EU-Bürger automatisch über den National Health Service versichert sind. Studierende können sich im Vorfeld bei dieser flächendeckenden gesetzlichen Krankenversicherung in Großbritannien zu registrieren. Da nicht in jedem Fall die gleichen Kosten erstattet werden wie von einer deutschen Krankenversicherung, kann auch eine zusätzliche Versicherungspolice fürs Ausland Sinn machen.