LLM in Großbritannien

Großbritannien ist eines der beliebtesten Länder für ein Auslandsstudium. Kein Wunder: Hier sind immerhin einige der besten und traditionsreichsten Universitäten der Welt angesiedelt. Die angebotenen Studienprogramme zeichnen sich durch eine hohe Qualität der Lehre aus und genießen international ein hohes Renommee. Auch die relative geographische Nähe zu Deutschland macht England als Studienland attraktiv. Jährlich zieht es tausende deutsche Studenten über den Ärmelkanal, um ihr Englisch zu optimieren und dabei internationale Studienerfahrung zu sammeln.

Es sind zum einen diese Gründe, die für viele Jura-Studenten den Ausschlag dafür geben, einen Master of Laws in Großbritannien zu absolvieren. Zum anderen hängt die Wahl natürlich auch damit zusammen, dass die LLM-Programme in Großbritannien Tradition haben. Die britischen Universitäten und Law Schools können ein breit gefächertes Angebot an Spezialisierungsmöglichkeiten vorweisen. Im Vergleich zu den entsprechenden Masterprogrammen in den USA, sind die Kosten für einen LLM in Großbritannien auch noch einigermaßen moderat.

LLM in Großbritannien: Ein Muss für Wirtschaftsjuristen und Völkerrechtler

Traditionsreich und überall auf der Welt hoch angesehen: Viele Nachwuchsjuristen zieht es für ein LLM-Studium an die Universitäten in Großbritannien.

Gerade diejenigen, die später in international agierenden Großkanzleien und global handelnden Wirtschaftsunternehmen arbeiten möchten, kommen um ein LLM-Studium nicht herum. Auch wer eine Karriere in internationalen Organisationen, beim Militär oder im diplomatischen Dienst anstrebt, sollte einen LLM in Großbritannien in Erwägung ziehen.

Ein im englischsprachigen Ausland, wie Großbritannien, USA, Neuseeland, Australien oder Kanada, absolviertes Studium genießt bei den zukünftigen Arbeitgebern ein weitaus höheres Ansehen als das deutsche Äquivalent.

Die Gründe: Wer im Ausland studiert hat, hat sich nicht nur essenzielle interkulturelle Kompetenzen angeeignet, sondern beherrscht die Weltwirtschaftssprache Englisch zumeist auf verhandlungssicherem Niveau. Außerdem signalisiert das Auslandsstudium Organisationsgeschick und Flexibilität und die Bereitschaft, sich intensiv mit einem anderen Rechtssystem auseinanderzusetzen.


LLM-Programme in Großbritannien im Überblick

Der Master of Laws dauert in Großbritannien in der Regel ein Jahr, teilweise sogar nur neun Monate. Mittlerweile besteht bei vielen Studiengängen die Möglichkeit, berufsbegleitend in Form von Blockveranstaltungen und Wochenendseminaren zu studieren. Die Studiendauer verlängert sich dementsprechend auf üblicherweise zwei Jahre.

Das Angebot der britischen Hochschulen an LLM-Studiengängen ist vielfältig und ein Großteil der Programme hat internationale und vergleichende Bezüge: Ideal für Studierende aus aller Welt. Die Klassiker sind die Fachbereiche International Law und Human Rights Law. So gut wie jede juristische Fakultät in Großbritannien hat sie im Programm, wobei auch innerhalb dieser Bereiche die Spezialisierungsmöglichkeiten vielfältig sind.

LLM by Courswork / LLM by Research in Großbritannien

Hinsichtlich der Studienart können die Studenten bei einem LLM (Master of Laws), wie bei den meisten Masterstudiengängen in Großbritannien üblich, zwischen dem Master of Laws by Coursework und dem Master of Laws by Research wählen. Wie der Name schon sagt, erwerben die Studierenden den LLM by Coursework durch den Besuch von Kursen und das Schreiben kürzerer Hausarbeiten. Diese Form des LLM-Studiums ist zumeist etwas praxisbezogener als der LLM by Research, den die Nachwuchsjuristen durch das weitestgehend eigenständige Schreiben einer längeren Forschungsarbeit erwerben. Der LLM by Research ist in der Regel etwas aufwändiger und erfordert eine akribische Auseinandersetzung mit einem anspruchsvollen wissenschaftlichen Zusammenhang.

General Legal Studies und Spezialgebiete in Großbritannien

Die meisten Universitäten bieten die Möglichkeit eines allgemeinen LLM-Studiums, das vor allen Dingen einen Überblick über das englische Common Law System bietet. Daneben existieren eine große Anzahl spezialisierter Programme, vor allem in den bereits oben genannten Bereichen International Law und Human Rights Law.

Für (angehende) Wirtschaftsjuristen dürften insbesondere Programme aus dem Bereich International Business Law, die so renommierte Universitäten wie die Middlesex University, die London South Bank University, die University of Essex oder die Newcastle University anbieten, von Interesse sein. Speziell auf Aufgaben im Management-Bereich zugeschnitten ist der LLM in Corporate Governance and Law der University of Portsmouth.

Eine ganze Reihe an Programmen eröffnet sich auch für diejenigen, die ihr späteres berufliches Wirkungsfeld in internationalen Institutionen wie dem Europarat oder im diplomatischen Dienst sehen: So ist ein LLM-Studium im Bereich European (Union) Law an der beliebten University of Essex möglich.

Neben den oben genannten LLM-Klassikern haben sich an den britischen Hochschulen in den letzten Jahren spezifische Programme herausgebildet, die zunehmend an Bedeutung gewinnende Nischengebiete behandeln. So können Interessierte beispielsweise an der University of Essex den LLM in Internet Law, an der University of South Wales den LLM in Intellectual Property Law oder an der Robert Gordon University den LLM in Oil and Gas Law absolvieren.

Universitäre Law Clinics

Der Praxisbezug spielt an britischen Hochschulen stets eine große Rolle. Viele juristische Fakultäten beziehungsweise Law Schools haben universitäre Law Clinics, in denen die Studierenden ihre ersten „richtigen“ Fälle bearbeiten. Die Law School Clinic der Robert Gordon University in Schottland, die Legal and Financial Advice Clinic der South Wales University sowie die Legal Advice Clinic der London South Bank University stellen Rechtsberatungsstellen dar, die eine Win-win-Strategie verfolgen: Die „Klienten“ erhalten kostenlose Beratung und Beistand während die Studierenden sich an realen Fällen üben können.


Der richtige Zeitpunkt für ein LLM-Studium in Großbritannien

Die RGU liegt in der "Energiehauptstadt" Aberdeen, weshalb es dort auch so spezielle LLMs gibt wie den "LLM in Oil and Gas Law".

Die meisten Studierenden gehen vorzugsweise nach dem ersten Staatsexamen für ihr LLM-Studium nach England bzw. Großbritannien. Nicht zuletzt deshalb, weil dieses oftmals auch als hervorragende Vorbereitung auf das Referendariat und das zweite Staatsexamen in Deutschland vorbereitet. Vor allem dann, wenn das Referendariat in einer international agierenden Wirtschaftskanzlei oder einem großen Wirtschaftsunternehmen abgelegt werden soll. Das Fachenglisch befindet sich auf verhandlungssicherem Niveau und das EU-Recht oder auch das Common Law ist einem nicht mehr völlig fremd.

Nicht wenige entscheiden sich jedoch auch nach dem zweiten Staatsexamen, nach einigen Jahren im Beruf und sogar auch nach einer Promotion dazu, sich mittels eines LLM-Studiums weiter zu spezialisieren. Denn der LLM-Abschluss gewinnt auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung und garantiert neben zusätzlichem Renommee auch ein größeres Gehalt.

Vorteile eines LLM-Studiums in Großbritannien

Das Renommee der britischen Hochschulen im Ausland ist hoch, der LLM fest im traditionsreichen Studiensystem verankert und eines steht fest: Wer einen in Großbritannien erworbenen LLM-Abschluss vorweisen kann, für den werden sich im Berufsleben viele Türen öffnen. Außerdem bietet sich hier die perfekte Gelegenheit, sich ein globales Netzwerk aufzubauen, denn die Studiengänge sind international ausgerichtet und ziehen Studierende und Lehrende aus aller Welt an.

Die große Anzahl der LLM Studiengänge in Großbritannien bieten zudem die Option, sich in praktisch jedem Rechtsgebiet fortzubilden, das einen interessiert. Da Großbritannien innerhalb der EU liegt, können Schwerpunkte gewählt werden, die auch für das Staatsexamen in Deutschland relevant sind, wie beispielsweise Europarecht. Die Anzahl der Kursteilnehmer ist begrenzt und eine optimale Betreuung somit garantiert, zumal an britischen Universitäten eine Open Door Policy verfolgt wird. Auch die in aller Regel hervorragende Ausstattung der Bibliotheken und die überall vorherrschende gepflegte Atmosphäre der Hochschulen sind nicht zu verachten.

Ein Vorteil des LLM-Studiums in England gegenüber dem LLM-Studiums in Nordamerika oder Ozeanien ist der geringe organisatorische Aufwand. EU-Bürger brauchen kein Visum, um in Großbritannien zu studieren, zur Einreise ist lediglich ein gültiger Personalausweis oder Reisepass nötig. Auch eine Arbeitserlaubnis ist in England nicht erforderlich. Zudem sind deutsche Studenten automatisch über den National Health Service versichert. Es ist allerdings nötig, sich rechtzeitig zu registrieren, um diese landesweite gesetzliche Krankenversicherung in Anspruch zu nehmen. Da nicht alle Kosten in dem Umfang wie bei deutschen Versicherungen erstattet werden, kann es zudem sinnvoll sein, eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abzuschließen.


LLM Großbritannien: Voraussetzungen

Voraussetzung um einen LLM-Studiengang in England zu belegen, sind in der Regel ein erster Studienabschluss, also der Bachelor of Laws oder das erste Staatsexamen. Dabei verlangen nicht wenige Universitäten einen überdurchschnittlich guten Notendurchschnitt. Vielfach müssen die Bewerber zusätzlich Empfehlungsschreiben deutscher Professoren, Lebensläufe oder Motivationsschreiben einreichen. Auch gute Englischkenntnisse sind obligatorisch. Diese können in der Regel durch einen standardisierten Test wie den TOEFL oder IELTS nachgewiesen werden.

Für die Bewerbungsphase sollte mindestens ein Jahr eingeplant werden, da es reichlich Zeit in Anspruch nehmen kann, die erforderlichen Unterlagen zu organisieren. Außerdem ist es ratsam, sich gleich bei mehreren Unis zu bewerben, da der Andrang an Bewerbern groß ist.

Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten für einen LLM in Großbritannien

Der Master of Laws (LLM) in Großbritannien ist deutlich günstiger als ein LLM-Studiengang in Nordamerika. Je nach Hochschule bezahlen europäische Studenten zwischen circa £ 3.000 und £ 13.000 für den LLM in Großbritannien. Dazu kommen die Lebenshaltungskosten, die je nach Wohnort zwischen £ 10.500 und £ 14.000 pro Jahr liegen.

Stipendien, Studienkredite und Bildungsfonds

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die anfallenden Kosten zu decken. Zum einen können europäische Studenten unter bestimmten Voraussetzungen Auslands-BAföG für den LLM in Großbritannien beantragen. In der Regel müssen die dort erworbenen Studienleistungen relevant für das Studium in Deutschland sein und der LLM in Großbritannien muss vor dem ersten Staatsexamen absolviert werden. Dies ist allerdings nur an wenigen englischen Universitäten möglich. Eine weitere Form der Studienfinanzierung stellen Stipendien dar. Diese vergeben in Deutschland zum Beispiel der DAAD und diverse Stiftungen.

Auch die Hochschulen in England bieten zum Teil Scholarships an. Voraussetzung für diese Art der Finanzierung sind in der Regel gute bis sehr gute Studienleistungen, viele Stipendiengeber setzen beispielsweise ein Prädikatsexamen voraus. Ebenso vergeben verschiedene deutsche und internationale Großkanzleien (Teil-)Stipendien für ein LLM-Studium.

Eine weitere Option, den LLM in Großbritannien zu finanzieren, sind günstig verzinste Bildungs- und Studienkredite. Eine in Deutschland noch weitgehend unbekannte Finanzierungsoption stellen in diesem Bereich die Bildungsfonds dar. Statt Kreditinstitute sind hier Unternehmen, Berufsverbände oder Privatpersonen die Geldgeber. Bildungsfonds richten sich zumeist an Studierende bestimmter Fachrichtungen, so auch der noch recht neue Brain Capital LLM-Bildungfonds. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht auch die Möglichkeit, die Kosten für den LLM nach dem Studium als Werbungskosten von der Steuer abzusetzen.