Hochschul­landschaft in Großbritannien

Die britischen Inseln locken jedes Jahr gut ein Zehntel aller deutschen Austauschstudenten zu einem Studienaufenthalt. Größter Anziehungspunkt ist neben multikulturellen Atmosphäre und dem seit Jahrzehnten etablierten zweistufigen Studiensystem vor allem eine herausragende Hochschullandschaft.

Großbritannien zählt zu den führenden Wissenschafts- und Forschungsnationen. Daher macht sich ein Auslandssemester in Großbritannien besonders gut im Lebenslauf. Studierende haben die Wahl zwischen mehr als 700 Hochschulen in England, Schottland, Wales und Nordirland.

Die Hochschultypen in Großbritannien im Überlick

Die Hochschullandschaft Großbritanniens ist auf der ganzen Welt bekannt und gilt vielen Ländern als Vorbild.

Die britische Hochschullandschaft im Higher Education Sector, dem tertiären Bildungssektor, ist divers und traditionsreich. Die meisten Studenten in Großbritannien schreiben sich für einen Studiengang an einer Universität oder einem University College ein.

Ein vielfältiges Studienangebot bieten aber ebenso viele weitere Hochschultypen. Ähnlich wie in Deutschland ist auch britische Hochschullandschaft von Kunst- und Designhochschulen oder Business Schools geprägt.

Nicht immer liefert die Bezeichnung der Hochschule einen Aufschluss darüber, ob sie einen Universitätsstatus besitzt oder nicht. Daher ist es wesentlich, sich über die grundsätzliche Unterscheidung der Hochschultypen in Großbritannien zu informieren:

  • Universitäten und University Colleges:
    In Großbritannien gibt es mit Oxford, Cambridge, St. Andrews einige der anerkanntesten und ältesten Universitäten der Welt. Die traditionsreichen Universitäten setzen sich aus einer größeren Anzahl Colleges zusammen. Jedes College gestaltet einen anderen akademischen Fachbereich unabhängig von den anderen Colleges. Aus manchen dieser Colleges haben sich im Laufe der Zeit University Colleges entwickelt. In den letzten 50 Jahren erhielten weitere akademische Lehranstalten, wie Polytechnis, Universitätsstatus. Diese "modernen" Universitäten unterscheiden sich kaum noch bezüglich der Qualität in Lehre und Forschung von den "traditionellen" Universitäten.
  • Colleges oder Institutes of Higher Education:
    Zu der öffentlichen Hochschullandschaft zählen außerdem mehr als 50 Colleges und Higher Education Institutes (HEI), die offiziell anerkannte akademische Abschlüsse verleihen. An staatlich anerkannten Colleges und HEI gibt es ein fast genauso breit gefächertes Studienprogramm wie an den Universitäten. Im Gegensatz zu Universitäten gibt es an bestimmten Colleges und HEI meist berufsorientierte Studiengänge (vocational qualifications). Außerdem können Studierenden ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm wahrnehmen.

Hohe Qualität an britischen Hochschulen

Die britische Ausbildung im Hochschulsektor ist für ihre hohe Qualität renommiert. Seit Beginn der 1990er wurde die britische Hochschullandschaft umgehend reformiert. Der Bildungssektor wurde vollständig privatisiert, weshalb viele Bildungsträger unter die Hochschulbezeichnung College gefasst wurden.

In allen vier Ländern des Vereinigten Königreichs sind die Universities und Colleges autonom verwaltet. Um die Qualität der Hochschulen in Großbritannien sicherzustellen, gelten für alle strengen Standards der britischen Regierung (das englische und britische Parlament, Ministerien in Wales und Nordirland).

Von den rund 800 Hochschulen, sind circa zwei Drittel Colleges und andere Hochschulen, die nur Studien in Form von Studienvorbereitung oder (berufliche) Weiterbildung anbieten. Nur etwa 160 Hochschulen sind als "recognised bodies" gelistet, das heißt sie haben die Befugnisse einen staatlich anerkannten Abschluss zu verleihen. Die Anerkennung eines Abschlusses an einer Hochschule, die ein zu den "recognised bodies" zählt ist in Deutschland der Regel problemlos möglich.

Es gibt außerdem akademische Einrichtungen, die ihre eigenen akademischen Grade verleihen dürfen, obwohl sie nicht zu den „recognised bodies“ gehören. Die spezifischen akademische Titel dieser Organe oder Hochschulen sind staatlich anerkannt:

  • Royal College of Physicians
  • Royal Society of Chemistry
  • Royal College of Pathologists and Association of Clinical Biochemists
  • Benchers of the Honourable Society of the Inns of Court of Northern Ireland
  • Royal Horticultural Society
  • Richmond, the American International University in London

Britischen Hochschulen, die unrechtmäßig akademische Grade verleihen, drohen hohe Strafen. Somit wird die Qualität an den britischen Institutionen sichergestellt. Für ist diese Kontrolle ist das Higher Education Funding Council for England (HEFCE) zuständig, die innerhalb der Initiative Higher Education Degree Datacheck (HEDD) regelmäßig alle britischen Hochschulen überprüfen. Von dieser Regelung ausgenommen sind jedoch private ausländischen Hochschulen, die Großbritannien ansässig sind. Diese müssen jedoch deutlich kennzeichnen, dass es sich dabei um keinen britischen Abschluss handelt.

Eine offizielle Liste aller staatlich anerkannten Hochschuleinrichtungen, die in Großbritannien berechtigt sind akademischen Titel zu verleihen, stellt die britische Regierung zur Verfügung.

Homepage der britischen Regierung:
https://www.gov.uk/check-a-university-is-officially-recognised/recognised-bodies


Konkurrenz unter britischen Hochschulen

Ein stetiger Wettbewerb unter den britischen Hochschulen, gehört schon seit der Gründung der ersten Hochschulen zur traditionellen britischen Hochschullandschaft dazu. Sinnbildlich dafür steht das bekannte Boat Race der beiden Konkurrenten Oxford and Cambridge. Doch nicht nur die altehrwürdigen Hochschulen mit Weltruf stehen miteinander im Wettbewerb.

Aufgrund der langen Hochschultradition in Großbritannien und der weltweit anerkannten akademischen Ausbildung, konkurrieren britische Hochschulen um internationale Studenten. Als Resultat gibt es an britischen Hochschulen einen ausgeprägten Dienstleitungsgedanken. Um sich gerade im Wettbewerb um internationale Studenten und besonders Promovenden besser zu positionieren, haben sich 24 traditionelle Universitäten in einem Hochschulverbund zusammengeschlossen. Zudem stehen Business Schools unter hohen Konkurrenzdruck und bieten internationalen Studenten meist eine exzellente Betreuung, teils sogar durch einen „Personal Tutor.

Die britische Regierung hat kein eigenes Ranking-System. Die Qualität der Universitäten und ihre Studiengänge wird von der unabhängigen Quality Assurance Agency for Higher Education(QAA) bewertet. Die Bewertung der QAA enthält allerdings nur Urteile darüber, ob die britischen Hochschulstandards erfüllt wurden, es liefert keine Bestenliste.

Im Hinblick auf ihre Forschungsleistung werden die Daten britischer Universitäten regelmäßig durch das System Research Assessment Exercise (RAF) überprüft.

Unabhängige Rankings in Großbritannien

Allerdings gibt es in Großbritannien eine Reihe von unabhängigen Ranking-Systemen für Hochschulen. Diese Rankings liefern nützliche Informationen zum Beispiel zu der Betreuung und Zufriedenheit der Studenten sowie über die Lehrstandards.

Dennoch liefern sie damit nur eingeschränkte Informationen. Eine erste Orientierung bieten nationale University Rankings wie der Sunday Times and The Times Good University Guide und der Guardian University Guide. Für die Wahl einer Hochschule sollten aus diesem Grund so viele Quellen wie möglich zu Rat gezogen werden.