10 Jan
Erfahrungsbericht von N. N.

Universidad de Chile - Facultad de Economia y Negocios


Stadt: Santiago de Chile
Land: Chile
Kontinent: Südamerika
Studienrichtung: Wirtschaft
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 07/2017 bis 11/2017
Heimathochschule: Erfurt U

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

1. Vorbereitung und Bewerbung

Ich habe mich schon frühzeitig mit den Möglichkeiten für ein Auslandssemester auseinandergesetzt, da ich den Wunsch hatte, für ein Semester in Südamerika zu studieren. Da meine Universität nur wenige Plätze in Südamerika anbietet, habe ich mich entschlossen, als Freemover ins Ausland zu gehen. Nach einem sehr netten Beratungsgespräch in der damaligen Geschäftsstelle von College Contact in Münster war mir schnell klar, dass die Facultad de Economía y Negocios (FEN) der Universidad de Chile in Santiago alle meine Kriterien erfüllt. Dazu zählten ein englischsprachiges Kursangebot, eine gute Betreuung der Studenten, aber auch ein guter Ruf der Universität. Im März habe ich meine Bewerbung abgeschickt und im Mai die Zusage für einen Studienplatz an der FEN erhalten. Der Bewerbungsprozess ist sehr einfach und von Seiten College Contacts jederzeit gut betreut.

Um ein Visum braucht man sich glücklicherweise keine Gedanken machen, da man mit der Einreise ein kostenloses Touristenvisum von 90 Tagen erhält. Dieses verlängert sich immer wieder um 90 Tage, wenn man das Land verlässt und erneut einreist. Die argentinische Stadt Mendoza ist mit dem Bus gut zu erreichen und auf jeden Fall eine Reise wert. Ein Studentenvisum würde ich nur empfehlen, wenn man 1 Jahr in Santiago studiert, da hiermit ein erheblicher Aufwand verbunden ist.

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2. Anreise und Wohnungssuche

Einmal in Chile angekommen, bringt einen das Busunternehmen Transvip für knapp 10 € sicher ins Zentrum. Von der FEN bekommt man vor dem Semester einen Housing Guide mit vielen Kontakten, darunter auch von Gastfamilien, denen man schreiben kann. Ich habe mir jedoch, wie die meisten Austauschstudierenden, einfach für die ersten Tage ein Zimmer in einem zentralen Hostel gemietet und von dort aus die Wohnungssuche gestartet. Zwar ist es ein etwas komisches Gefühl, nach Santiago zu fliegen, ohne zu wissen wo man letztendlich unterkommen wird, aber innerhalb von 1-2 Wochen ein Zimmer zu finden, ist überhaupt kein Problem. Auch kann man sich auf diese Art ein Gefühl für die Wohnungssituation verschaffen, welche auf Bildern oftmals besser dargestellt wird, als sie in Wirklichkeit ist. Es gibt eine Vielzahl von WG-Zimmern, die z.B. in der Facebook-Gruppe „Roommate and Flatfinder Chile“ angeboten werden. In dieser habe ich eine Suchanzeige gepostet und sofort jede Menge Nachrichten bekommen. Auch auf der Website compartodepto.cl kann man sich registrieren, eine Anzeige schalten und wird schnell von vielen Vermietern angeschrieben.

Wenn man zentral wohnen möchte, zahlt man etwa 270 – 380 €. Ich habe für ein WG-Zimmer in einem Haus mit 8 Personen knapp 300 € gezahlt. Bei der Wohnungssuche würde ich auf jeden Fall darauf achten, dass im Haus Spanisch gesprochen wird. Das hat mir erst dazu verholfen, in der Sprache fließend zu werden. Fußläufig von der FEN zu wohnen ist sinnvoll, um nicht auf die Metro angewiesen zu sein. Diese ist insbesondere zu den Stoßzeiten unerträglich voll und es wird dabei viel geklaut. Auch haben die wenigsten Häuser Zentralheizung, wodurch sich der chilenische Winter (Juli - September) recht kalt anfühlt und sich viele Austauschstudenten nach der Ankunft erst einmal erkälten. Auf die Kälte in den Häusern sollte man kleidungstechnisch gefasst sein.


3. Studium an der FEN

3.1 Kurswahl

Das Studium an der FEN beginnt mit einem Orientation Day, an dem man auf jeden Fall teilnehmen sollte. Hier werden alle wichtigen Informationen bereitgestellt, z.B. wie die Online-Plattform „Docencia Web“ funktioniert, welche Angebote es von Seiten der FEN gibt und was man hinsichtlich der Kurswahl zu beachten hat. Auch bekommt man hilfreiche Sicherheitshinweise, etwa wie man sich vor Taschendiebstahl schützt oder was man im Falle eines Erdbebens zu tun hat. Anschließend hat man eine Weile Zeit, die verschiedenen Kurse zu besuchen und ggf. Änderungen an seinem Kursplan vorzunehmen. Ich war mit den Kursen Latin America in World’s Affairs, Intercultural Business Challenges in Latin America und International Management insgesamt sehr zufrieden, auch wenn es erhebliche Unterschiede zum deutschen Lehrsystem gibt.

Generell sollte man den Arbeitsaufwand an der FEN nicht unterschätzen. Anders als in Deutschland herrscht eine mindestens 80%ige Anwesenheitspflicht und das ganze Semester über stehen Präsentationen, Zwischenprüfungen, Lesekontrollen, Hausarbeiten und Gruppenarbeiten an. Zwar ist das Niveau der englischsprachigen Fächer etwas niedriger, und es ist leichter, gute Resultate zu erlangen, aber gute Noten werden keinesfalls verschenkt. Da alle Noten in die Endnote zählen, hängt nicht alles von den Abschlussprüfungen ab, sondern man sollte konstant mitarbeiten. Die meisten chilenischen Studierenden nehmen ihr Studium sehr ernst, denn sie zahlen für ihr Studium hohe Gebühren. Diese wurden insbesondere während der Studentenproteste von 2011 und 2012 stark kritisiert, doch noch immer hat sich nichts verändert. Dadurch kommt es immer wieder zu Streiks der Studierenden, sodass wir auch in meinem Semester ein paar Tage „streikfrei“ hatten.

3.2 Betreuung der Austauschstudierenden

Besonders gefallen hat mir an der FEN die Betreuung der Austauschstudenten. Noch vor dem Semester kann man sich beim „Buddy-Programm“ anmelden und bekommt damit einen chilenischen Studierenden an die Seite gestellt, der einem beispielsweise bei der Wohnungssuche behilflich sein kann. Vor Ort steht einem die Tür des Internationalen Büros immer offen, was sehr hilfreich ist.

Die Studentenorganisation ISAFEN bietet das ganze Semester über gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge an, sodass man schnell mit den anderen Austauschstudierenden in Kontakt kommt. So waren wir beispielsweise gleich in der ersten Woche gemeinsam in einem der umliegenden Skigebiete von Santiago Ski fahren. Später standen dann u.a. ein internationales Buffet, ein Salsakurs, Trekkings, Fußballspiele und natürlich jede Menge Partys auf dem Programm. Partys gibt es an der FEN insgesamt wirklich reichlich, wobei man sich besonders die größten, einmal im Semester stattfindenden, keinesfalls entgehen lassen sollte. Dazu gehört zum einen „Cajón“, ein Festival im nahegelegenen „Cajón de Maipu“, sowie die „Gala“, ein Abschlussball gegen Ende des Semesters.

Vom internationalen Büro werden viele Möglichkeiten aufgezeigt, sich in der Fakultät zu engagieren. Eine davon ist „Let’s Chat“, ein wöchentliches offenes Treffen, bei dem chilenische und Austauschstudierende gemeinsam zu Mittag essen. Weiterhin wurden in diesem Semester erstmalig durch eine Kooperation mit der U.S. Botschaft Austauschstudierende gesucht, die Interesse daran haben, einen Englischkonversationsclub an der FEN zu eröffnen. Ich habe diese Möglichkeit wahrgenommen und einen der „Conversation Clubs“ geleitet. Dieser fand wöchentlich 1-2 Stunden statt und bot den chilenischen Studierenden einen lockeren Rahmen, um in einer festen Kleingruppe freiwillig Englisch zu üben. Für mich war es eine schöne Gelegenheit und bereichernde Erfahrung, mich in das Universitätsleben einzubringen und mit chilenischen Studierenden näher in Kontakt zu treten.


4. Alltag und Freizeit in Santiago

Santiago ist keine Stadt, die mit einem besonders schönen Stadtbild glänzt oder viele Sehenswürdigkeiten hat, ich persönlich habe mich aber trotzdem sehr wohlgefühlt. Es ist sehr spannend die verschiedenen „Barrios“ zu entdecken, da diese sehr unterschiedlich sind und viel zu bieten haben. Bellavista, Brasil, Lastarria und Italia sind die klassischen Viertel zum Ausgehen und Feiern gehen. Auch ist die Stadt mit ihren vielen Parks recht grün. An klaren Tagen, die leider aufgrund des Smogs viel zu selten sind, sieht man im Winter die schneebedeckten Gipfel der Anden. Wer sich für die Menschenrechtsverletzungen während der Pinochet-Diktatur interessiert, sollte dem „Museo de la Memoría y los Derechos Humanos“ einen Besuch abstatten.

Die Supermärkte in Santiago sind teurer als in Deutschland, vor allem was Wurst und Käse anbelangt. Dafür gibt es neben „La Vega“, dem größten Markt der Stadt, auch sogenannte „Ferias“, kleinere Bauernmärkte, die einmal wöchentlich an verschiedenen Orten der Stadt stattfinden. Dort kann man Obst und Gemüse zu guter Qualität und erschwinglichen Preisen erwerben.

Chile gehört zu den sichersten Ländern Südamerikas, aber dennoch sollte man wie in jeder Großstadt vorsichtig sein. Dazu gehört z.B. niemals seine Tasche und Wertgegenstände aus den Augen zu lassen, nicht auf dem Handy tippend durch die Straßen zu laufen und nachts einen „Uber“ zu nehmen, anstatt alleine nachhause zu gehen. Ungefähr der Hälfte der Austauschstudierenden wurde unter dem Semester einmal etwas geklaut, vor allem auf Partys wie „Miércoles Po“ geschehen viele Diebstähle. Weiterhin erlebt man während einem Semester in Santiago auch einige kleinere Erdbeben, da Chile zu den seismisch aktivsten Ländern der Welt gehört. Darauf ist die Stadt jedoch baulich ausgelegt, sodass ein Erdbeben der Stärke 4-6 von den Chilenen meist gar nicht groß beachtet wird.

Eines der Highlights, wenn man im Frühlingssemester von Juli bis November in Chile studiert, ist definitiv der chilenische Nationalfeiertag am 18. September. Dieser ist für Chilenen der wichtigste Tag des Jahres, auf den bereits viele Wochen vorher hingefiebert wird. Das größte Gesprächsthema vorher ist, was man denn für den „Dieciocho“ und die „Fiestas Patrias“ geplant hat. Ist es dann soweit, finden überall „Asados“ (Grillfeiern) und „Fondas“ (Zelte mit Musik und Tänzen) statt, die Leute tanzen „Cueca“, essen „Empanadas“ und trinken „Chicha“ (eine Rotweinsorte) und „Terremotos“ (eigentlich Erdbeben, aber so wird auch das quasi chilenische Nationalgetränk genannt). In meinem Semester waren fast alle Austauschstudierenden in Pichilemu, ein 3 Stunden südlich von Santiago gelegener Surferort, was ein unvergessliches Wochenende war.

Am Wochenende bieten sich eine Vielzahl von Ausflugsmöglichkeiten, um der Großstadt für eine Weile zu entkommen. Die beliebtesten davon sind Valparaíso, Vina del Mar, Pichilemu oder aber auch der „Cajón de Maipu“. Zudem ist Santiago umringt von verschiedenen „Cerros“ (Hügel/Berge) die man besteigen kann. Je nachdem, wie die Mid-Term Prüfungen liegen, hat man nach der Hälfte des Semesters ein paar Tage frei und kann z.B. einen Trip in die Atacama Wüste, Valle de Elqui oder Pucón machen. Santiago ist ein idealer Ausgangsort für Reisen innerhalb von Chile, aber auch nach Argentinien, Bolivien und Peru, Kolumbien und Brasilien. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man nach dem Semester genug Zeit und Geld einplanen, um ein paar dieser Länder zu bereisen.


5. Fazit

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, an die FEN zu gehen, und kann ein Auslandssemester in Santiago auf jeden Fall empfehlen. Ich habe sehr viel über die Geschichte, Politik und Kultur der einzelnen Länder Südamerikas gelernt und sowohl mein Spanisch als auch mein Englisch verbessert. Chile ist ein wunderschönes und vielfältiges Land, das man unbedingt gesehen haben sollte!