15 Aug 2019
"Das Thema Nachhaltigkeit ist super spannend"

Summer Sessions an der UC Berkeley

Autor: Layla Nieden

Lara genießt ihre Summer Sessions in Berkeley.

Von der Fahrradstadt Münster in die Erneuerbare Energien-Hochburg Berkeley - für acht Wochen dieses Sommers dreht sich bei unserer Psychologie-Studentin Lara alles um die Folgen des Klimawandels und die unterschiedlichen Facetten des Trendthemas Nachhaltigkeit.

Warum das Thema Wasser kontrovers in Kalifornien diskutiert wird und wieso sie das "Sustainability Certificate" der UC Berkeley auf jeden Fall weiterempfiehlt, verrät Lara im Interview.


College Contact:
Du verbringst deine Summer Sessions an der renommierten University of California Berkeley. Wie hast du deine ersten Wochen in Berkeley erlebt?

Lara Pohl:
Die Summer Session, die ich mache, geht insgesamt acht Wochen. Ich bin jetzt schon am Ende der sechsten Woche. Die ersten Wochen habe ich mich erstmal daran gewöhnt überhaupt hier in Berkeley zu studieren. Die Unterschiede zu meiner deutschen Uni sind doch relativ groß. Nach zwei Wochen hatte ich mich akklimatisiert.


Renommierte Professoren mit Praxiserfahrung, spannende Exkursionen in der Region und Studierende aus aller Welt - für Lara ist die Summer Session in Berkeley eine große Bereicherung.

College Contact:
Welche Unterschiede hast du denn zu deiner deutschen Universität festgestellt?

Lara Pohl:
Wir haben hauptsächlich Vorlesungen, wo im großen Hörsaal der Professor oder die Professorin die Vorlesungen hält und es sehr passiv zugeht von Seiten der Studierenden. Wir haben zwar auch Seminare, die im Klassenformat stattfinden, aber auch die sind nicht super interaktiv. Da muss man mal ein Referat halten. Am Ende des Semesters schreiben wir eine Klausur in jeder Vorlesung und das ist dann die Note für dieses Modul. Hier habe ich jede Woche mehrere Hausaufgaben, die in die Gesamtnote miteingehen. Die Art der Lehre erinnert mich eher ans Gymnasium, weil es hier eine Art Klassenverband gibt und das Studium weniger selbstorganisiert zugeht.


College Contact:
Die interdisziplinäre Ausrichtung ist einer der Pluspunkte des "Sustainability Certificate" und zieht Studierende aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen an. Warum ist das Zertifikat für dich als Psychologiestudentin interessant?

Lara Pohl:
Ich habe im Rahmen meines Psychologiestudiums von dem Bereich der Umweltpsychologie erfahren. Dieser Fachbereich beschäftigt sich mit dem Einfluss der Menschen auf die Umwelt und umgekehrt. In meinem Auslandssemester an der University of Sussex in Großbritannien habe ich einen Kurs in Umweltpsychologie belegt und in meinem Auslandspraktikum in Hongkong bei dem Unternehmen Rooftop Republic Urban Farming gearbeitet. Dass grüne Flächen und Ackeranbau inmitten dieser Großstadt kreiert werden, hat auch ganz viel mit Nachhaltigkeit zu tun. Da ich noch mehr zum Thema Nachhaltigkeit wissen wollte, war ich sehr glücklich, als ich festgestellt habe, dass die UC Berkeley das "Sustainability Certificate" anbietet.


Kalifornien zwischen Dürre und Hochwasser - kein Wunder, dass Wissenschaftler in Berkeley nach intelligenten Lösungen gegen den Klimawandel suchen.

College Contact:
Das Zertifikat besteht aus ganz unterschiedlichen Kursen. Welche Kurse belegst du und welcher gefällt dir davon besonders gut?

Lara Pohl:
Ich belege insgesamt vier Kurse – „Climate Chance and Economics“, “Energy and Society”, “California Water” und “Zero Energy Building”. Das Schöne ist, dass es mir schwerfällt zu sagen, welcher Kurs mir am besten gefällt, weil mir wirklich alle sehr gut gefallen. Ich glaube das ist ein gutes Zeichen (lacht).

College Contact:
Auf jeden Fall! Dann stell uns doch alle deine Kurse kurz vor.

Lara Pohl:
Im Kurs „Climate Change and Economics“ behandeln wir die wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels. Wir beschäftigen uns damit, wie man den Schaden in Geldeinheiten darstellen kann und wie teuer es ist, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Ich finde den Kurs sehr spannend, weil wir auch ganz viel Grundsätzliches zum Thema Klimawandel lernen - was Emissionen sind, was der Treibhauseffekt ist und warum der Klimawandel überhaupt stattfindet.

Der Kurs „Energy and Society“ ist ein Online-Kurs und geht um Fragestellungen zu physikalischen Einheiten und um den weltweiten Energiebedarf. Wir haben zum Beispiel gelernt, wie ein Kohlekraftwerk und ein Gaskraftwerk funktioniert. Diese Woche haben wir über Atomkraftwerke gesprochen und arbeiten uns Stück für Stück in Richtung Erneuerbare Energien vor. Ich finde den Kurs super spannend. Da ich nicht der Physik- oder Chemiefreak bin, bildet der Kurs auch eine kleine Herausforderung für mich.


Im Trend: Lara bereitet sich in Berkeley gezielt auf eine spannende berufliche Karriere im Bereich Umweltpsychologie vor.

College Contact:
Na, eine kleine Herausforderung ist doch gut! Und die anderen beiden Kurse?

Lara Pohl:
Der dritte Kurs heißt „California Water“. Ich finde es interessant, alles zum Thema Wasser zu lernen, was Kalifornien betrifft und zu sehen, wie sich das auf Deutschland und die Region aus der ich herkomme, übertragen lässt. Mir war vorher nicht bewusst, dass das Thema Wasser so kontrovers in Kalifornien diskutiert wird. In diesem Kurs sind ganz viele Leute, die aus unterschiedlichen Teilen Kaliforniens kommen. Deren persönliche Erfahrungen zu hören, macht das ganze Thema sehr viel anschaulicher.

Der „Zero Energy Building“-Kurs ist ein Architekturkurs – also nochmal ein ganz anderes Gebiet. Direkt zu Beginn mussten wir eine ausführliche Dokumentation über ein Gebäude unserer Wahl mitbringen. Ich habe das Haus meiner Eltern gewählt. Der Hintergrund ist, dass wir das Gebäude als Praxisobjekt nehmen, um das, was wir im Kurs lernen, anzuwenden. Wir haben über Klima gesprochen und wie sich das Klima darauf auswirkt, wie ein Gebäude gestaltet sein muss, damit es wenig Energie verbraucht. Wir arbeiten mit ganz unterschiedlichen Computerprogrammen wie InDesign, um Modelle zu gestalten. Am Ende des Semesters sollen wir in einem Bericht herausgearbeitet haben, was wir an unserem Objekt verbessern können, um es in ein Passivhaus umzugestalten. Mein Elternhaus ist von 2015 und ist schon super isoliert. Es ist gar nicht so einfach, Sachen zu finden, die daran noch verbessert werden können.

Insgesamt ist es ein schöner Mix aus unterschiedlichen Kursen. Meine Lieblingsmomente sind die, in denen ich Verknüpfungen zwischen den Kursen feststelle.


College Contact:
Das ist sicherlich eine tolle Erfahrung! Wer nimmt noch an den Kursen teil?

Lara Pohl:
Insgesamt ist der Großteil Studierende, die Vollzeit in Berkeley studieren und über den Sommer zusätzliche Kurse belegen. Gerade im „Zero-Energy Building“-Kurs sind auch einige, die gar keine Studierenden mehr sind, sondern die in einem Architekturbüro oder für die Stadt Berkeley arbeiten. Es sind auch andere internationale Studierende hier und Studierende aus anderen Teilen der USA, die nur für den Sommer hier sind. Dieser Mix aus verschiedenen Hintergründen ist gerade für den Professor für „Climate Change and Economics“ eine ganz neue Erfahrung, da er sonst hauptsächlich Kurse für Wirtschaftsstudierende gibt.


Auf dem Campus der UC Berkeley wimmelt es im Sommer nur so vor internationalen Studierenden.

College Contact:
Dieser Mix von Personen mit vielfältigen Hintergründen ist sicherlich eine große Bereicherung. Die Stadt Berkeley gehört zu den umweltfreundlichsten Städten der USA. Wie wird in Berkeley Nachhaltigkeit gelebt?

Lara Pohl:
Wir haben im Rahmen des „Zero Energy Building“-Kurses eine Stadtbücherei in Berkeley besucht, die als Passivhaus vermarktet wird. Wir sollten einschätzen, wie viel Energie verbraucht und über Photovoltaikanlagen auf dem Dach generiert wird. Es war eine gute Möglichkeit um das, was wir im Kurs gelernt haben, an einem richtigen Gebäude auszuprobieren. Nächste Woche machen wir im Rahmen des „California Water“-Kurses eine Exkursion zu einer Kläranlage des Wasseranbieters hier in der Region. Die UC Berkeley selbst will bis Ende 2020 „Zero Waste“ werden, also null Abfall produzieren. Berkeley ist in den USA ein Vorreiter was Erneuerbare Energien angeht. Man sieht hier sehr viele Tesla, also Elektroautos, auf den Straßen.


College Contact:
Super! Das Thema Nachhaltigkeit ist ja ganz aktuell. Bietet dir das Zertifikat auch Einblicke in die Praxis?

Lara Pohl:
Durch die unterschiedlichen Kurse, die ich belege und die unterschiedlichen Dozenten, die ich habe, sehe ich wie vielfältig die Berufsmöglichkeiten in diesem Feld sind. Mein „Zero Energy“-Dozent bringt ganz viele Fallbeispiele aus Projekten mit, an denen er in seinem Architekturbüro gearbeitet hat. Das ist eine sehr anschauliche Art und Weise, um einen besseren Eindruck von dem Ganzen zu bekommen. Ich persönlich kann mir sehr gut vorstellen, später Psychologie und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden und zum Beispiel in einer Beratung zu arbeiten, die Unternehmen nachhaltiger gestaltet.

College Contact:
Wie erlebst du das amerikanische Campusleben an der UC Berkeley? Hast du in deiner Summer Session auch Zeit daran teilzunehmen?

Lara Pohl:
Da meine Kurse sehr arbeitsintensiv sind, verbringe ich sehr viel Zeit auf dem Campus und das ist toll, weil der Campus sehr schön ist. Was insgesamt eine Herausforderung ist, ist die Arbeitsbelastung. Ich wohne hier mit meinem Freund zusammen. Er kommt aus San Francisco und macht ein Vollzeitprogramm mit 12 Units. Ich belege in der Summer Session 15 Units. Das setzt das ins Verhältnis und zeigt, dass ich sehr viel Arbeit habe. Ich verbringe daher nicht so viel Zeit mit anderen Leuten, da mein Fokus eher darauf liegt, meine Abgaben gut zu schaffen. Deswegen bekomme ich vom Campusleben selbst nicht so viel mit.


Los gehts! Mit dem Fahrrad lässt sich die Region um Berkeley prima erkunden.

College Contact:
In zwei Wochen ist dein Abenteuer „Summer Session“ vorbei. Was war dein bisheriges Highlight und was hast du für deine restliche Zeit in den USA geplant?

Lara Pohl:
Gerade am letzten Wochenende habe ich mir ein Rennrad zugelegt und mein Freund und ich sind die Berge von Berkeley entlang geradelt. Das war anstrengend, aber auch sehr schön. Nach den Summer Sessions bleibe ich noch für zwei Wochen in den USA. Wir verbringen ein verlängertes Wochenende bei Freunden in Texas. Mit dem Hintergrund des "Sustainability Certificates" ist es interessant für mich zu sehen, wie anders es dort ist als in Kalifornien. Ich hoffe, dass wir auch noch in den Yosemite-Nationalpark fahren und für ein paar Nächte zelten. Ich will einfach noch ein paar erholsame Dinge unternehmen.


College Contact:
Ja, die Summer Session soll ja nicht nur aus Lernen bestehen und auch Zeit für schöne Dinge außerhalb der Bibliothek bieten. Würdest du das Sustainability Certificate denn weiterempfehlen?

Lara Pohl:
Ich würde das Zertifikat auf jeden Fall empfehlen und es wieder machen. Ich finde es sehr spannend, unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Nachhaltigkeit kennenzulernen. Weil ich mich so intensiv damit beschäftige, habe ich das Gefühl, dass ich in die ganzen Themen richtig einsteige. Ich bin sehr glücklich über diese Erfahrungen, die ich hier sammeln kann.

College Contact:
Schön, dass dir das Zertifikat so gut gefällt. Wir wünschen dir noch eine großartige und hoffentlich irgendwann auch entspannte Zeit in den USA.

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