11 Mär
Erfahrungsbericht von Matthias S.

University of California Berkeley

Stadt: Berkeley
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: BWL
Studientyp: Summer Sessions
Zeitraum: 05/2006 bis 08/2006

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Im Sommer letzten Jahres war ich von Mai bis August an der UC Berkeley und habe Kurse in Business Administration an der Haas School of Business in den Summer Sessions A und D belegt. In beiden Sessions habe ich zwei Kurse besucht. Hier kann ich nur die Meinungen der anderen Leute teilen, dass man damit gut bedient ist. Wenn man noch etwas Freizeit haben möchte, dann sollte man auf gar keinen Fall mehr Kurse belegen. Das Problem ist nämlich, dass es nicht nur tausend Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung gibt, sondern dass man auch noch von zahlreichen Leuten umgeben ist, die mehr Freizeit zu haben scheinen als man selbst. Da ist es echt unschön, wenn man selber die Bücher wälzen muss, während die anderen Spaß haben... Es gab in der Zeit, die ich in Berkeley war, ein paar Leute, die drei Kurse in einer Session hatten- und die waren nicht wirklich glücklich und entspannt.
Klingt jetzt direkt am Anfang des Berichts erstmal nicht so toll, ist am Ende aber alles eine Frage der Einteilung. Viele Kurse werden mehrfach angeboten. Ich habe sie mir so zusammengestellt, dass ich immer entweder den Freitag und/ oder den Montag frei hatte. Das kann ich jedem genau so empfehlen, weil man dann an den Wochenenden auch mal Zeit für größere Aktionen hat. Das Problem ist, dass man für die meisten Kurse ziemlich viel machen muss. Es gibt ständig irgendwelche Homeworks, Cases oder Präsentationen vorzubereiten. Die sind oft gar nicht so schwer, aber sehr umfangreich. Das Niveau der Kurse ist vergleichbar mit ABWL- Veranstaltungen an einer deutschen Uni. Allerdings finden sie unter perfekten Bedingungen statt, wie man sie zumindest bei mir in München weniger vorfindet: kleine Kurse, top ausgestattete Räume und ambitionierte und motivierte Professoren, die man erstens oft duzt und die sich darüber hinaus immer Zeit für die Studenten nehmen und für jegliche Fragen offen sind. Das macht das Ganze viel persönlicher als bei uns. Zudem sind die Kurse viel interaktiver. Es wird viel diskutiert- und zwar sowohl mit dem Professor als auch untereinander- und man muss viel in Gruppen arbeiten und immer wieder Präsentationen halten. Die Beteiligung und die Qualität der Präsentationen gehen am Ende auch richtig in die Note ein. Hier braucht man aber keine Angst zu haben, dass es mit dem Englisch nicht so hinhaut. Ich habe seit dem Abi vor fünf Jahren auch kein Englisch mehr gesprochen. Zwar gibt es in vielen Kursen mehr Amis, als ich vorher dachte, aber dafür auch viele internationale Studenten, unter denen man als Deutscher sprachlich noch recht gut abschneidet. Gegenüber den Amerikanern hat man den Vorteil der besseren Vorbildung ;) und gegenüber den Asiaten, dass sie sich oft nicht trauen, überhaupt was zu sagen. In einigen Kursen hatte ich den Eindruck, dass sich die Note für mündliche Beteiligung auch stärker aus der Quantität als aus der Qualität bestimmt. Man darf trotzdem nicht vergessen, dass es sich bei der UC Berkeley um eine der weltweiten Top- Unis handelt, so dass man auch einigen Brains über den Weg läuft. Auch unter den Kursen gibt es ein paar Hammer wie den Finance- Kurs, bei dem über 1000 Powerpointslides in sechs Wochen behandelt werden, oder Investments mit 30 Seiten Klausuraufgaben. Bei den anderen Kursen ist der Anspruch nicht ganz so krass, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Insgesamt sind sie alle viel praktischer orientiert als bei uns in Deutschland.
Am Ende kriegt man das Studium in Berkeley trotz aller Zweifel während des Semesters doch sehr gut gebacken. Bei mir sowie fast allen anderen Studenten haben alle Noten gestimmt, und sie sind mir in Deutschland auch alle ohne Diskussion angerechnet worden. Wenn man einmal weiß, worauf es ankommt, dann kann man sich auch entspannt anderen Dingen als der Uni zuwenden. Und davon gibt es in Kalifornien jede Menge.

In Berkeley selber kann man tagsüber sehr schön seine Zeit verbringen- entweder auf dem weitläufigen und wirklich schönen Campus, oder in einem der umliegenden Cafes. Hier ist das Cafe Strada sehr zu empfehlen, das berühmt ist für seinen guten Kaffee und das ein Treffpunkt für viele Studenten ist, um dort ihre Hausaufgaben oder Präsentationen vorzubereiten. Außerdem gibt es unbegrenzte Sportmöglichkeiten. Für nur 10$ für den gesamten Sommer kann man alle Sporteinrichtungen der Uni nutzen. Hierzu zählen neben Fußball- und Tennisplätzen riesige Sporthallen für jede erdenkliche Sportart. Besonders erwähnenswert ist das Fitnesscenter, das sogar Anziehungskraft auf Leute ausübt, die sonst weniger mit Sport am Hut zu haben scheinen (Aber nicht nur. Hier trifft man auch viele ich sag mal sehr sportlich aussehende junge Menschen ;)). Aufgrund der Kontaktfreudigkeit der Amis sowie irgendwie fast aller Leute, die in Berkeley sind, kann man hier überall sehr leicht Leute kennenlernen. Allerdings Vorsicht, wenn Ihr Sport mit einem Amerikaner treiben wollt! Spaß gibt’s da keinen! Das ist purer Wettkampf (genau so wie in der Uni: keine Aussage ohne Gegenaussage- Hauptsache was sagen). So hab ich beim Tennis in einem „lockeren Freundschaftsspiel“ mit Jonathan aus Orange County einige „American Thunder Balls“ erleben dürfen, die wahrscheinlich tötlich gewesen wären, wenn ich sie abbekommen hätte. Das war allerdings eher das Problem der Leute auf dem nächsten und übernächsten Platz und der vorbeifahrenden Autos.
Da das Wetter fast immer dazu einläd –die Temperaturen liegen meist bei 22- 27 Grad bei strahlendem Sonnenschein und einer leichten Briese- kann man die Nachmittage ansonsten auch sehr schön am Swimmingpool zwischen den Hügeln des Strawberry Valleys oberhalb von Berkeley verbringen. Hier trifft man immer Leute und wenn man die 10$ für das Sportprogramm bezahlt hat, ist der Eintritt auch wieder kostenlos.
Das einzige woran es in Berkeley hakt, ist das Nachtleben. Von den Ausgehmöglichkeiten her wird es schnell etwas eintönig. Es gibt zwar ein paar Bars wie das Blakes oder das Jupiter, die teilweise auch einen Club angeschlossen haben und ganz nett sind, aber nach einiger Zeit verlieren die auch ihren Reiz. Da lohnt es sich nur noch, zu den „Special- Nights“ dort hin zu gehen, wenn irgendwelche Getränke im Sonderangebot sind. Davon gibt es allerdings mehrere in der Woche in verschiedenen Locations. Ansonsten hat mein Nachtleben größtenteils auf der Terrasse vor dem I- House stattgefunden, wo sich jeden Abend zwanzig oder mehr Leute aus aller Welt getroffen und Spaß gehabt haben. Hier sind auch viele lustige und interessante Gespräche zustande gekommen. Ob das bei den Residence- Halls auch so ist, weiß ich nicht, aber es sind auf jeden Fall einige von dort zu uns gekommen, um bei uns rumzuhängen. Auch viele Einheimische sind gekommen, um den Abend hier zu verbringen. Auf der Terrasse geht es sehr liberal zu. Es sagt keiner was, wenn dort was getrunken wird. Eher trifft man die Supervisor des I- Houses dort selbst mit einem Bierchen in der Hand an. Immer wieder finden ansonsten auch Partys in den zahlreichen Verbindungshäusern in Berkeley statt.
Zum Schluss noch ganz kurz was zum Wohnen: Entgegen anders lautenden Empfehlungen kann ich jedem nur raten, ein Zimmer im International- House zu nehmen. Nirgendwo anders hat man eine so internationale und gleichzeitig kommunikative Atmosphäre wie dort. Internationaler Austausch gehört zum Grundgedanken des I- Houses, der auch stark gefördert wird. Immer wieder gibt es Events, um den Austausch zu fördern. Die sind natürlich immer freiwillig und arten nicht zum Zwang aus. Der meiste Austausch findet jedoch eh auf der Terrasse des I- House Cafes statt, von wo man die Aussicht über die komplette Bay, auf San Francisco und die Golden Gate Bridge genießen kann. Dort werden mittags Cafe und abends andere Dinge getrunken, und es ist immer etwas los. Anders als bei den Residence- Halls handelt es sich bei dem I- House um ein richtig schönes Gebäude, das nicht nur wegen seiner Aussicht genial gelegen ist. Es befindet sich am oberen Rand von Berkeley (Berkeley liegt an einem Hügel) und direkt am Unigelände. Die Haas School liegt fast gegenüber und auch die anderen Unieinrichtungen lassen sich in wenigen Minuten Fußmarsch erreichen.
Das einzige Manko des I- Houses ist das Essen. Drei Mahlzeiten pro Tag sind im Preis inklusive. Montags ist das Essen meist ok, wird dann aber zum Ende der Woche hin immer schlechter. Donnerstag gibt’s als Highlight immer Barbecue im Innenhof des I- Houses, was echt gut ist. Ansonsten gibt es jeden Tag Salatbuffet und eine größere Auswahl an Speisen, so dass man doch meist etwas Essbares findet. Sonntags erreicht das Essen dann aber seinen Tiefpunkt. Da sucht man sich teilweise besser woanders etwas zu essen. Oft ist man am Wochenende aber eh nicht da. Insgesamt lässt sich über das Essen wegen der sonstigen Vorteile des I- Houses auf jeden Fall hinwegsehen.
Nun hab ich langsam auch genug erzählt. Abschließend kann ich Euch nur noch drei Tipps geben:

  1. Macht ein Auslandsemester in Berkeley und erlebt die beste Zeit Eures Studiums an einer Top- Uni zu Kosten, die nicht höher sind als an einer „normalen“ Uni anderswo!
  2. Nehmt Euch darüber hinaus noch etwas Zeit zum Rumreisen! Auch wenn Ihr alleine kommt, findet Ihr auf jeden Fall genügend Leute, die nach den Sessions noch ein bisschen das Land erkunden wollen.
  3. Macht die komplette Organisation über College- Contact! Die kümmern sich um sämtliche Angelegenheiten, die mit dem Aufenthalt zu tun haben, kosten nichts, sind super freundlich, und am Ende klappt alles ganz wunderbar.

Ein dickes Dankeschön an das College-Contact Team!