Bachelor in Kanada

Kanada? Da erscheinen vor dem inneren Auge Bilder von Blockhütten in der Wildnis, Holzfällern in Karohemden, berühmten Eishockeyspielern oder der rot-weißen Nationalflagge mit dem Ahornblatt. Ein Bachelorstudium in Kanada? Hier werden kaum so viele Assoziationen geweckt. Die Hochschullandschaft und das Studiensystem in Kanada sind, verglichen mit den Studiensystem USA oder mit Großbritannien, weit weniger bekannt.

Doch in den letzten Jahren entdecken immer mehr ausländische Studierende das Land des Ahornblatts für sich. Und das nicht nur für ein oder zwei Auslandssemester in Kanada: Viele entscheiden sich für ein komplettes Bachelorstudium in Kanada und bewerben sich für einen Studiengang an einer der zahlreichen attraktiven Universitäten und Colleges. Und dies nicht ohne Grund: Ein Bachelorstudium in Kanada bietet nicht nur "Indian Summer" und Wintersport, sondern eine qualitativ hochwertige Grundausbildung in allen erdenklichen Fachbereichen. Tatsächlich gibt es kaum ein Land, das so viel in sein Bildungswesen investiert wie Kanada.

Bachelor in Kanada: Ablauf

Mehr als nur atemberaubende Landschaften: Ein Bachelorstudium in Kanada garantiert Lehre und Forschung auf hohem Niveau.

Wie in so vielen anderen Ländern stellt das Bachelorstudium auch in Kanada das klassische Undergraduate-Studium (undergraduate studies / premier cycle) dar. Ein Studium im Undergraduate-Bereich ist sowohl an den Universities als auch an Colleges möglich. Ursprünglich verliehen die Colleges lediglich Certificates und Diplomas. In den letzten Jahren sind sie jedoch dazu übergegangen, ebenfalls den akademischen Bachelorgrad anzubieten.

Insgesamt eröffnet sich Schulabgängern eine riesige Auswahl an Studiengängen und Fächerkombinationen, die es ihnen ermöglicht, sich zielgerichtet auf ein bestimmtes Berufsfeld oder auf eine wissenschaftliche Karriere vorzubereiten.

Regelstudienzeit in Kanada im Bachelorstudium

Die Regelstudienzeit eines Bachelorstudiums in Kanada beträgt sechs bis acht Semester und hängt vom Studiengang und dem Grad der Spezialisierung ab. Anders als in Deutschland haben die dreijährigen Studiengänge im Bachelorbereich vor allen Dingen allgemeinbildenden und berufsausbildenden Charakter.

Der Bachelor of Honours dauert vier Jahre: Er ist forschungsorientierter und bietet Möglichkeiten zur Spezialisierung. In Kanada ist ein Bachelorabschluss also nicht gleich ein Bachelorabschluss: Hier gibt es eine fundamentale Unterscheidung zwischen

  • academic education und
  • professional education / études professionelles.

Sie bezieht sich sowohl auf den Undergraduate- als auch auf den Graduate-Bereich. Bei den professional degree programs (programmes professionelles) steht eine praxisorientierte Berufsausbildung im Vordergrund, während im Bereich academic education in den Lehrveranstaltungen der Fokus auf Wissenschaft und Forschung liegt. In der Regel befähigt das Bachelorstudium in den meisten Fachbereichen zu einem direkten Berufseinstieg.

Academic education im Bachelor in Kanada

Das drei- oder vierjährige Bachelorstudium der klassischen akademischen Disziplinen, wie Physik, Geschichte, Politik oder Maschinenbau, qualifiziert in der Regel für einen direkten Berufseinstieg. Die Abschlüsse heißen je nach Schwerpunkt Bachelor of Arts / Bachelier ès Arts (B.A.) oder Bachelor of Science / Bachelier ès Sciences (B.S.).

Zu Beginn ihres Studiums erhalten die Studierenden eine Art Grundausbildung, in der sie sich mit dem Basiswissen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen vertraut machen. Ein Bachelorstudium in Kanada ist also vor allem in den ersten Semestern ein Studium generale. Das ist ein entscheidender Unterschied zum Bachelorstudium in Deutschland.

Die Studienanfänger besuchen Veranstaltungen, die einen breit angelegten Überblick über verschiedene Fachbereiche bieten. Erst im Verlauf des zweiten Studienjahres legen sich die Studierenden fest und wählen ein Hauptfach (major/majeur). In einigen Fachbereichen haben sie die Möglichkeit, dieses mit einem oder zwei Nebenfächern (minor/mineur) oder mit einem weiteren Hauptfach zu kombinieren. Vertiefende Studien zu einem bestimmten Teilbereich des Hauptfachs sind eher unüblich. Diese erfolgen erst im vierten Studienjahr, das als Vorbereitung für ein Masterstudium dient.

Der Vorteil an diesem allgemeinbildenden Bachelor liegt darin, dass die Studierenden oftmals die Möglichkeit haben, in ihrem Masterstudium eine Fachrichtung zu wählen, die in ihrem Bachelorstudium eher keine Rolle gespielt hat.

Die Bachelorstudenten besuchen während ihres Studiums insgesamt 30 bis 40 Lehrveranstaltungen. Mindestens vier Kurse pro Semester sind obligatorisch, idealerweise sind es fünf. Insgesamt 120 Credit Points müssen die Studierenden sammeln. Dabei gibt es drei verschiedene Typen an Lehrveranstaltungen:

  • Pflichtfächer
  • Wahlpflichtfächer: Sie dienen der fachlichen Spezialisierung
  • Freie/echte Wahlfächer: Zur Abdeckung spezifischer Interessen oder für Schlüsselqualifikationen, wie beispielsweise Sprachkurse oder Kurse zu Kommunikationstechniken

Der Anteil dieser Fächer am Gesamtstudium hängt vom Studiengang ab. Meistens gibt es in den Fächern der Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in den Gesellschaftswissenschaften weniger Pflichtfächer als in den Naturwissenschaften oder in den berufsorientierten Studiengängen.

Der Ablauf des Bachelorstudiums ist in Kanada stark durchstrukturiert und es gibt bezüglich der Veranstaltungen eine festgelegte Reihenfolge. Diese Reihenfolge beschließt das jeweilige Programm-Komitee des Studiengangs. Es besteht aus mindestens zwei Professoren und zwei Studieren. Die Aufgabe des Komitees liegt vor allen Dingen darin, das Programm so zu gestalten, dass die Studierenden möglichst schnell und flexibel ihren Abschluss erreichen.

Die Zahl derjenigen, die nach drei Jahren an einem honours program teilnehmen, um anschließend ein Masterstudium in Kanada zu beginnen, nimmt stetig zu. Die Arbeitgeber bevorzugen den Mastergrad als Grundlage für die Berufspraxis vor allem deshalb, weil die Berufsfelder immer ausdifferenzierter werden. Dies ist vor allem im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften der Fall. In anderen Fachrichtungen ist ein Masterabschluss oder sogar ein Doktorgrad unabdingbar, wie im Fachbereich Medizin oder Jura.

Professional education / études professionelles

Die berufsorientierten Bachelorstudiengänge sind besonders in folgenden Fächern verbreitet:

Es handelt sich dabei normalerweise um Ein-Fach-Studiengänge, bei denen der Name des studierten Fachs am Ende auch im Titel enthalten ist, beispielsweise

  • Bachelor of Business Administration (B.B.A.)
  • Bachelor of Architecture (B.Arch.)
  • Bachelor of Journalism (B.Journ.)

In den ersten Semestern besuchen die Studierenden Kurse und Vorlesungen, in denen sie sich ein breit angelegtes theoretisches Grundwissen im jeweiligen Fachbereich aneignen. Während der letzten Semester steht schließlich die Praxis im Vordergrund: Die Lehrinhalte sind anwendungsorientierter und die Studierenden absolvieren parallel dazu Praktika oder realisieren Projekte.

Wie auch in Deutschland ist der Zugang zu manchen Berufen in Kanada streng geregelt. Anders als bei uns hat die kanadische Regierung die Kontrolle für die Qualität der beruflichen Qualifizierung an die jeweils zuständigen Berufsfachverbände (professional corporations) übertragen. Die Verbände haben verschiedene Methoden, um zu überprüfen, ob die Studienabgänger ausreichende Kompetenzen für den Beruf besitzen.

Zum einen läuft die Sicherstellung über eine alle fünf Jahre stattfindende Akkreditierung universitärer Studiengänge durch ein Visiting Committee. Dies ist beispielsweise in den Bereichen Ingenieurwesen und Medizin der Fall. Zum anderen gibt es Verfahren, die dem deutschen Staatsexamen ähneln. Hier müssen die Absolventen nach dem Universitätsstudium und ein oder zwei Jahren Berufspraxis (ähnlich dem deutschen Referendariat) Prüfungen ablegen. Dieses Verfahren ist vor allem im Bereich Jura und in wirtschaftswissenschaftlichen Fächern gang und gäbe.

Bachelor of Honours in Kanada

Der Bachelor of Honours ist in Kanada Voraussetzung für ein Masterstudium. Es gibt verschiedene Wege, den Bachelor of Honours zu erwerben:

  • Einjähriges honours program (baccalauréat specialisé) nach dreijährigem Bachelor mit höheren Anforderung und Möglichkeiten der Spezialisierung und Vertiefung
  • Nach vierjährigem Bachelor eine eigenständige Abschlussarbeit verfassen
  • Spezialisierung gleich bei Studienbeginn mit Besuch von Extrakursen neben dem general program / baccalauréat général

Ambitionierte Studienanfänger, die sich gleich spezialisieren möchten, entscheiden sich also von vornherein für ein anspruchsvolles und forschungsorientiertes honours program. Dies bedeutet natürlich mehr Kurse und höherer Leistungsdruck. Diejenigen, die einen sehr guten honours degree erreichen, haben dann sogar die Möglichkeit, direkt eine Promotion anzuschließen und den Master "auszulassen".


Ohne Abitur in Kanada studieren: Transfer Program

Da Kanada kein einheitliches Bildungssystem hat und alle Hochschulen vollständig autonom agieren, sind die Zulassungsvoraussetzungen für einzelne Bachelorstudiengänge unterschiedlich. Sie sind am besten direkt bei der Wunschhochschule zu erfragen. In der Regel sind die Voraussetzungen für ein Bachelorstudium in Kanada jedoch das Abitur und - je nach Hochschule - ausreichende Englisch- oder Französischkenntnisse, die internationale Bewerber meist mittels eines Sprachtests nachweisen müssen.

Die Community Colleges / Collèges Communautaires nehmen jedoch auch Bewerber mit Mittlerer Reife und abgeschlossener Berufsausbildung auf. Diese kanadischen Colleges bieten zwar primär berufspraktisch orientierte Studiengänge an, es gibt jedoch auch die Möglichkeit, dort an einem wissenschaftlich orientierten transfer program (Associatestudium) teilzunehmen. Nach zwei Jahren ist der Wechsel an eine Universität möglich.

Die Universitäten erkennen die zwei Jahre Studienzeit am Community College in der Regel als die ersten beiden Jahre eines regulären Bachelorstudiums an. Häufig gibt es Kooperationsabkommen zwischen den Community Colleges und den Universitäten, um eine Anerkennung von Studienleistungen zu gewährleisten. Nach nur zwei weiteren Jahren erreichen die Studierenden somit den universitären kanadischen Bachelorgrad, der auch in Deutschland als akademischer Abschluss anerkannt ist. Dies ist nämlich bei einem von einem Community College verliehenen Grad nicht der Fall. In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich, sich vorher über die Möglichkeit eines Transfers zu informieren. Denn nicht überall in Kanada kooperieren die Unis mit den Colleges.


Kosten eines Bachelorstudiums in Kanada

Alle Hochschulen Kanadas finanzieren sich durch Studiengebühren. Dabei gibt es keine einheitlich festgelegten Sätze. Die Kosten für ein Bachelorprogramm in Kanada variieren dementsprechend stark und können - je nach Provinz, Hochschule und Studiengang - zwischen Can$ 8.000 und Can$ 34.000 pro Studienjahr betragen. Der durchschnittliche Betrag liegt derzeit bei circa Can$ 18.500 im Jahr. Studenten aus dem Ausland bezahlen oft bis zu zwei Drittel höhere Studiengebühren als ihre kanadischen Kommilitonen.

Zu den Studiengebühren kommen die Lebenshaltungskosten. Diese sind durchschnittlich höher als in Deutschland. Es kommt natürlich darauf an, wo ihr studiert. Das Leben ist in den großen Städten, wie Vancouver, Toronto oder Montreal, selbstverständlich kostspieliger als in ländlicheren Gegenden.


Möglichkeiten zur Finanzierung eines Bachelors in Kanada

Damit ein Bachelorstudium in Kanada auch für Studierende mit kleinerem Geldbeutel erschwinglich wird, gibt es zum Glück einige finanzielle Hilfen. So bieten kanadischen Hochschulen, kanadische Stiftungen und die kanadische Regierung Scholarships an internationale Studierende.

Auch einige kanadische Partnerhochschulen von College Contact vergeben Voll- und Teilstipendien für ein Bachelorstudium.

Hier findet ihr International Scholarships für ein Studium in Kanada.

Eine frühzeitige Bewerbung für ein Stipendium empfiehlt sich, da die Bewerbungsfristen teilweise bis zu eineinhalb Jahren vor gewünschtem Studienbeginn liegen.

Einige kanadische Hochschulen bieten die Möglichkeit, die erhöhten Studiengebühren für ausländische Studierende unter bestimmten Umständen an die Studiengebühren für inländische Studierende anzugleichen (Differential fee waiver / Bourses d’exonération des droits de scolarité différentiels). Informationen dazu gibt es an den kanadischen Hochschulen selbst. Für alle, die nicht in den Genuss eines Stipendiums kommen, kann auch ein Bildungs- oder Studienkredit in Frage kommen, um den Traum vom Bachelor in Kanada zu verwirklichen.

Auch das Jobben in Kanada ist möglich. Mittlerweile beinhaltet eine Studienerlaubnis zugleich eine Arbeitserlaubnis für Beschäftigungen On- und Off-Campus. Damit könnt ihr während des Semesters zwanzig Stunden in der Woche und während der Semesterferien sogar in Vollzeit arbeiten. Bedingung ist allerdings, dass sich die Leistungen an der Universität nicht durch den Nebenjob verschlechtern.

Mehr Informationen zum Work off campus gibt es auf den Webseiten der Kanadischen Regierung.


Gute Gründe für ein Bachelor­studium in Kanada

Die Multikulturalität, der spannende Gegensatz zwischen kosmopolitischen Städten und unberührter Natur, aber auch der hohe Lebensstandard und die Sicherheit Kanadas haben dazu geführt, dass es in den letzten Jahren immer mehr ausländische Studenten für ein Bachelorstudium nach Kanada zieht. Natürlich gibt es dafür noch viele andere gute Gründe:

  • Kanada investiert mehr in sein Bildungssystem als jedes andere OECD-Land. Die Qualität der Lehre ist an jeder Universität und an jedem College gegeben und die kanadischen Abschlüsse sind dementsprechend weltweit hoch angesehen. Internationale Rankings bestätigen: Die kanadischen Universitäten gehören zu den besten der Welt.
  • Ein Bachelorstudium ist in Kanada wesentlich praxisorientierter als in Deutschland. Die kanadischen Hochschulen arbeiten eng mit ansässigen Unternehmen zusammen. In der akademischen Lehre wird Wert darauf gelegt, dass sich die Forschung auf konkrete Probleme fokussiert.
  • Ein Hochschulstudium ist in Kanada auch ohne Abitur möglich. Dies ermöglichen die Community Colleges und die Transfer Programs.
  • Das Angebot an Studienprogrammen ist riesig: Alle Studierenden können eine solide Grundausbildung erwarten und haben dennoch die Möglichkeit, sich gleich zu Studienbeginn zu spezialisieren.
  • Internationale Studenten profitieren von der Bilingualität Kanadas.
  • Wer einen sehr guten honours degree erreicht, kann direkt mit der Promotion beginnen und somit den Weg zu einer wissenschaftlichen Karriere stark verkürzen.

Visum und Krankenversicherung für Kanada

Bei einem Bachelorstudium in Kanada haltet ihr euch natürlich länger als sechs Monate im Land auf. Das heißt, dass ihr als internationale Studenten eine Studienerlaubnis (study permit / permis d`études) beantragen müsst. Dafür müsst ihr unter anderem

  • eine Zulassungsbescheinigung der kanadischen Universität
  • ein polizeiliches Führungszeugnis und
  • den Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel für ihren Studienaufenthalt in Kanada

vorweisen.

In Kanada besteht außerdem eine Krankenversicherungspflicht. Die kanadischen Hochschulen bieten häufig selbst Versicherungspakete für internationale Studenten an. Diese sind oftmals verpflichtend. In Deutschland abgeschlossene Auslandskrankenversicherungen für Kanada stellen allerdings die günstigere Variante dar.