17 Nov 2020
Auslandssemester im Mittleren Westen

Interview mit Anja von der University of Wisconsin-Madison

Autor: Niklas Gruber

Erfahrt mehr übers Auslandssemester an der University of Wisconsin-Madison!

Mit über 42.000 Studierenden ist die University of Wisconsin-Madison die größte Hochschule im gleichnamigen Bundesstaat und gehört laut US News & World Report Ranking zu den 15 besten Hochschulen der USA. Unsere Partnerhochschule aus dem Mittleren Westen punktet aber nicht nur auf nationaler Ebene: Mit rund 4.000 internationalen Studierenden aus mehr als 130 Ländern zählt sie aufgrund ihrer hervorragenden Studiengänge und optimalen Betreuung vor Ort zu den beliebtesten US-Universitäten fürs Auslandssemester.

Um mehr über das Semesterprogramm der UW-Madison zu erfahren, haben wir uns mit Anja in Verbindung gesetzt. Anja verbrachte knapp ein Jahr des Masterstudiums an der UW-Madison und erzählt uns im Interview vom Leben an der Midwest-Uni, dem Kursangebot vor Ort und den schönsten Freizeitaktivitäten in Madison.


College Contact:
Hallo Anja! Du hast ja ein Auslandsjahr an der University of Wisconsin-Madison verbracht. Von wann bis wann warst du dort?

Anja:
Mein Auslandsjahr fing Ende August 2019 an. Eigentlich war geplant, bis Ende Mai dieses Jahres zu bleiben, aber aufgrund von Corona bin ich gut einen Monat früher, also Ende April, zurückgeflogen.

College Contact:
Was studierst du denn an deiner Heimatuni?

College Contact:
Magst du uns ein bisschen von der Einführungswoche erzählen?

Ein beliebter Spot auf dem Campus der UWM ist die Memorial Terrace, wo viele Studierende den Sonnenuntergang beobachten.

Anja:
Hier in Deutschland studiere ich American Studies an der Goethe-Universität in Frankfurt. Während meiner Auslandssemester habe ich jedoch Kurse aus den Fachbereichen Gender Studies und Creative Writing gewählt. Zwar gibt es an vielen US-amerikanischen Universitäten ein American Studies-Department, jedoch nicht an der UWM. Das war aber kein Problem, denn die Themen anderer Bereiche beziehen sich ja auch auf die USA, von daher war das für mich recht easy.

College Contact:
Wie kam dir eigentlich der Gedanke, für zwei Semester in den USA zu studieren? War das dein erstes Auslandssemester?

Anja:
Im Alter von 16 war ich schon einmal an einer US-amerikanischen High School in Oklahoma. Schon damals war ein Auslandsjahr mein großer Traum und irgendwie habe ich dann in Amerika meine zweite Heimat gefunden. Während meiner Zeit dort hab ich viele Freundschaften geschlossen und meine Partnerin wohnt auch in den Staaten. Vor drei Jahren bin ich dann während meines Bachelorstudiums für ein Semester an die St. Louis University gegangen, ich hatte also schon Erfahrung mit dem Studium an einer US-amerikanischen Universität. Dort hat es mir so super gefallen, fast schon besser als das Studium in Deutschland, und für mich stand auf jeden Fall fest, dass ich ein weiteres Mal in den USA studieren möchte.

Mein eigentlicher Plan war, mich für Doktorprogramme an einer US-amerikanischen Uni zu bewerben, aber das gestaltete sich sehr schwierig. Für meinen Studiengang gibt es sowieso kaum Plätze und als „International“ ist die Wahrscheinlichkeit einer Zusage noch mal geringer. Ich hatte mich zwar für einige PhD-Stellen beworben, wurde aber leider nicht genommen. Da ich unbedingt noch einmal während meines Masterstudiums in die USA wollte, habe ich mich für ein DAAD Stipendium beworben, welches ich auch bekommen habe. Auch wenn das mit der PhD-Stelle nicht geklappt hat, wäre es doch blöd, wenn ich nicht trotzdem in die USA gehen würde, habe ich mir dann gedacht.

Nach ein bisschen Recherche habe ich gesehen, dass das Semesterprogramm an der UW-Madison noch internationale Studierende annimmt. Witzigerweise war mir die UW-Madison schon bekannt, während meiner Zeit in St. Louis war ich in den Osterferien nämlich mal in Madison zu Besuch. Ich fand die Stadt echt cool und hab zudem viel Gutes von der Uni gehört.

Bereits in St. Louis habe ich gemerkt, wie wichtig der gute Kontakt zum International Office ist. Der Kontakt mit Anna vom International Office war echt super, sie war total hilfsbereit und lieb! Sie hat mir dann schließlich zugesagt und versichert, dass alle Kosten vom DAAD Stipendium gedeckt seien. Somit habe ich mich dann für die UW-Madison entschieden.

College Contact:
War dir im Vorhinein schon klar, dass es ein Auslandssemester im Mittleren Westen werden sollte?

Anja:
Eigentlich war das reiner Zufall (lacht). Ich war ja schon in verschiedenen Teilen der USA, darunter auch im Mittleren Westen, aber prinzipiell habe ich nach einer Uni mit passendem Programm Ausschau gehalten. Ich hab viel Gutes von der Stadt gehört und mich nicht bewusst dagegen gesträubt, wieder im Mittleren Westen zu studieren. Natürlich wollte ich nicht wieder direkt nach St. Louis, einfach weil ich schon einmal an dieser Uni war.

College Contact:
Wie waren denn die ersten Wochen und Monate an der UW-Madison?

Anja:
Am Anfang war alles aufregend! Glücklicherweise hatte ich bezüglich der Unterkunft schon alles vorher geklärt. Die Monate zuvor in Deutschland waren schon ein bisschen anstrengend, einfach weil in den USA wohnungstechnisch viel Last Minute abläuft und gerade als „International Student“ war mir die Planungssicherheit wichtig. Als ich schließlich angekommen bin, war es schon entspannter, wobei dann viele andere Sachen aufregend waren. Man sammelt viele neue Eindrücke und es kommen andere Dinge auf dich zu.

College Contact:
Magst du uns ein bisschen von der Einführungswoche erzählen?

Bei den Badgers Footballspielen im Camp Randall Stadion ist immer viel los!.

Anja:
Die Einführungswoche fand ich total super, das International Office-Team hat sich da wirklich viel Mühe gegeben! Wir wurden in Kleingruppen aufgeteilt und haben viel zur Kultur gelernt. Es war sehr cool, die ganzen Wisconsin-typischen Sachen kennenzulernen und dann auch mal auszuprobieren. Gleich zu Anfang des Semesters war ich auch bei einem Footballspiel der Badgers und das war echt aufregend. Zwischendurch gab es auch kostenloses Eis, das macht natürlich auch immer Spaß (lacht).

College Contact:
Wie war der Wechsel von der Einführungsphase zum normalen Uni-Alltag?

Anja:
Der Übergang verlief recht reibungslos! Als meine Kurse angefangen haben, gab es immer noch verschiedene Aktivitäten von Clubs, die sich während der Einführungswoche vorgestellt haben, so hat sich das alles echt gut verteilt.

Als es dann wirklich mit den Kursen anfing, war das schon ein bisschen überwältigend. Man sieht zum ersten Mal all das, was man das ganze Semester über machen muss und der Arbeitsaufwand war schon größer als ich es von meiner deutschen Uni her kannte. Aber ich hatte wirklich Lust darauf und war super zufrieden mit meiner Kurswahl und meinen Profs. Es war also nicht die graue Realität, ganz im Gegenteil, es hat mir echt Spaß gemacht! Sowohl in den Kursen als auch in den Clubs hat man immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen, wie zum Beispiel Game Nights, neue Leute kennengelernt, das fand ich auch positiv!

College Contact:
Das hört sich toll an! Warst du denn in irgendwelchen Clubs aktiv?

Anja:
Sowohl auf dem Campus als auch außerhalb war ich in mehreren Gruppen involviert. On-Campus gab es zum Beispiel das GSCC, das Gender and Sexuality Campus Center. Das war ein Treffpunkt für queere Menschen, es gab viele Bücher und manchmal fanden dort auch Veranstaltungen statt. Dort konnte man einfach immer mal vorbeischauen und ab und zu gab es auch Essen, das war cool. Viele Leute aus meinen Kursen trafen sich dort, es war einfach ein lockerer Meeting Spot mit vielen Ressourcen.

Darüber hinaus hat mich eine Freundin, die ich lustigerweise aus St. Louis kannte und die jetzt in Madison lebt, zu einem Meeting Spot für LGBTQ-Menschen in einer christlichen Gemeinde mitgenommen. Auch wenn ich selbst ein kompliziertes Verhältnis zum christlichen Glauben habe, bin ich gerne alle zwei Wochen dort hingegangen, um gemeinsam zu essen und sich auszutauschen. Ich war anfangs wirklich ein bisschen skeptisch, aber es herrschte so eine schöne, familiäre Atmosphäre. Ich bin froh, den Schritt gewagt zu haben und auch neuen Dingen mal eine Chance gegeben zu haben.

Außerhalb des Campus habe ich alle vier Wochen ehrenamtlich bei einer Support Group gearbeitet, wo wir einen Raum für trans Jugendliche hergestellt und Gespräche mit denen und deren Eltern geführt haben.

College Contact:
Wow, da hast du ja so einiges in deiner Freizeit unternommen! Wie waren denn deine Kurse an der UW-Madison so?

Anja:
Ich habe alle meine Kurse echt geliebt. Ich einem Semester in den USA habe ich mehr gelernt als in meinen ganzen Semestern zuhause (lacht). Im Kurs „Transgender Historical Perspectives“ ging es Erfahrungen von trans Menschen verschiedener Kulturen. Die dozierende Person hat das einfach so super gemacht, auch aufgrund der Tatsache, dass sie ihre eigenen Erfahrungen als trans Person miteingebracht hat.

Der andere Kurs, den ich im ersten Semester dort belegt habe, hieß "Liberation Poetics", ein Kurs aus dem Bereich Creative Writing, in dem auch primär um Gedichte von marginalisierten Gruppen ging. Im Kurs haben wir sowohl gelesen als auch selbst geschrieben, was ich von meiner Heimatuni so gar nicht kannte. Das wollte ich schon immer einmal machen und zum Glück konnte ich mir den Kurs anrechnen lassen. Im nächsten Semester habe ich einen weiteren Creative Writing-Kurs belegt, das hat mir persönlich einfach so viel gebracht! Zwar habe ich vorher auch schon selbst geschrieben, aber da habe ich wirklich gemerkt, wie ich mich weiterentwickelt habe, nicht nur in persönlicher, sondern auch in akademischer Hinsicht.

Neben einer Independent Study, die ich von der Goethe-Uni her brauchte, habe ich im nächsten Semester den Kurs "Queering Sex Education" belegt. Dort ging es um die Entwicklungen der USA im Bereich Sex Education auf soziologischer Ebene. Da hat mir der praktische Ansatz sehr gefallen, der leider oft an deutschen Universitäten fehlt.

Alles in allem haben mir meine Kurse an der UW-Madison mehr gebracht als all diejenigen, die hier an der Goethe-Universität belegt habe. Ich hatte das Gefühl gehabt, dass die Themen spezifischer und der Diskurs einfach weiter dort war, das war total super!

College Contact:
Hattest du denn bei dem ganzen Aufwand noch Zeit, in deiner Freizeit etwas zu unternehmen?

In den Wintermonaten kann es in Madison sogar so kalt werden, dass die Lady Liberty auf dem Lake Mendota zufriert!

Anja:
In Madison gibt es gerade im Sommer echt viele Freizeitangebote. Viele Leute sind mit dem Rad unterwegs und ich war oft an den umliegenden Seen spazieren, picknicken und sogar Kajak fahren. Der Winter hingegen ist leider recht lange und auch super kalt. Im Oktober lag schon Schnee, aber die Menschen in Madison rennen auch bei -10° noch in Shorts rum und joggen (lacht). An der Uni gab es ein großes Sportangebot, darunter zum Beispiel Aerobic und Pilates. Außerdem bin ich einmal in der Woche im Swimming Pool der Uni schwimmen gegangen. In meiner Nachbarschaft gab es zudem zweimal in der Woche Free Yoga, das war auch super!

Generell gibt es viele kleine Cafés und Bars in Madison. Jedes einzelne davon hatte einen coolen, lokalen Charakter und das habe ich geliebt. Speziell in der State Street gibt es neben vielen Cafés auch coole kleinere Läden, die mir echt gefallen haben und der Farmer’s Market, der jeden Sonntag stattfindet, ist echt immer einen Besuch wert!

College Contact:
Wie war denn deine Wohnsituation vor Ort?

Anja: Da mir die Unterkünfte auf dem Campus zu teuer waren, habe ich mich dazu entschieden, außerhalb zu wohnen. Weil ich schon oft in den USA war und ich gerne die Leute vor Ort kennenlerne, war ein Apartment außerhalb der Uni die beste Wahl! Ich habe in einer hippen, bunten und recht progressiven Nachbarschaft auf der Willy Street gewohnt, die sich in der Nähe der Seen befand. Lustigerweise kam ich über Instagram an das Apartment und ich habe es echt geliebt! Über Facebook habe ich dann eine Person gefunden, die mit mir dort gewohnt hat und schon einen halben Monat vorher eingezogen ist. Das war natürlich praktisch für mich!

Auf der Willy Street selbst gibt es auch viele Cafés und Bäckereien und der Bus zum Campus fuhr direkt vor meiner Tür ab. Die Fahrten mit dem Bus waren zwar manchmal anstrengend und chaotisch, aber ich hätte nicht mit einer Unterkunft auf dem Campus mit Studierendenparties tauschen wollen, da bin ich vielleicht schon ein bisschen rausgewachsen (lacht). Das einzige, was mich ein bisschen gestresst hat, war die Suche nach einer Person, die meinen Mietvertrag übernimmt. Das hat sich aufgrund von Corona als ein wenig kompliziert herausgestellt, aber nach einem Monat hat dann doch alles geklappt.

College Contact:
Apropos Corona, wie hast du denn die Situation vor Ort erlebt?

Anja:
Eigentlich war mein Plan, in der Woche vor Spring Break mit meiner Freundin nach New Orleans zu fahren. Zu der Zeit wurde schon gemunkelt, dass es zwar dieses Virus gäbe, aber dass es nicht so schlimm sei. In den Kursen herrschte dann ein wenig Unsicherheit, aber wir waren trotzdem alle relativ positiv eingestellt. Plötzlich hieß es dann, dass der Unibetrieb über Nacht auf online gestellt wird und ich wusste erst einmal gar nicht so richtig, was ich machen sollte. Ich bin dann zu meiner Freundin nach Mississippi gefahren und habe die Quarantäne-Zeit dort auf dem Land verbracht. Nach zwei Monaten bin ich dann wieder nach Deutschland zurückgekehrt, obwohl ich eigentlich noch mehr Zeit an der UW-Madison verbringen wollte.

Natürlich war ich auch ein bisschen betrübt, denn ich hatte noch vieles auf meiner „Bucket List“ und ich konnte mich bei meinen ganzen Leuten gar nicht wirklich verabschieden. Klaro war das traurig, zeigt aber auch gleichzeitig, wie viel Spaß ich dort hatte.

College Contact:
Hast du denn ein paar Tipps und Ratschläge für alle Leute, die sich für ein Auslandssemester an der UW-Madison interessieren?

Die Williamson Street war Anjas Favorit bei der Suche nach einer Unterkunft. Dort lag sogar schon Schnee im Oktober!

Anja:
Ein Tipp von mir ist, sich mit den Locals anzufreunden. Ich persönlich finde es immer schade, wenn man nur mit Leuten aus dem eigenen Land Zeit verbringt. Klar ist es nett, auch internationale Kontakte herzustellen, aber ich finde es cooler, wenn man sich mit den Locals anfreundet, weil die einen besser mit der Kultur in Verbindung bringen können und vielleicht auch ein Auto haben (lacht). Wählt auch ruhig mal einen Kurs, den es nicht an eurer Heimatuniversität gibt. Einen meiner Creative Writing-Kurse hätte ich gar nicht nehmen müssen, aber er hat mir so gut gefallen, dass ich da nochmal extra viel Arbeit reingesteckt habe und das hat sich ausgezahlt!

Ein weiterer Tipp von mir ist, dass man sich die Angebote vor Ort anschauen sollte. Sowohl die Uni als und Madison selbst haben so viele Veranstaltungen, die die Interessen aller ansprechen! Außerdem ist es immer ratsam, das Essen vor Ort zu probieren. In Wisconsin gibt es so viel leckeres Essen, gerade der Käse ist ja sehr berühmt. Egal ob Cheese Curds, oder Ginger Beer - schaut einfach mal, was die lokale Küche zu bieten hat! Einkaufen kann man übrigens bei der lokalen Kette Woodman's super gut, dort findet ihr viele lokale Bio-Produkte und die Angestellten werden fair bezahlt!

Ich hoffe, dass viele an einem Auslandssemester an der UWM interessiert sind, auch wenn Madison jetzt nicht so eine riesige Stadt ist. Seid offen und habt nicht die Sorge, dass ihr euch nur in einer riesengroßen Stadt wohlfühlen würdet - Madison hat echt viele Angebote, die einen überraschen. Besucht auf jeden Fall meine Nachbarschaft in der Williamson Street! Da gibt es viele hübsche Cafés und viele andere tolle Dinge!

College Contact:
Vielen Dank für das spannende Interview, Anja!


Ihr habt auch Lust, an unserer Partnerhochschule im Badger State zu studieren? Mehr Informationen zum Auslandssemester an der UW-Madison bekommt ihr kostenlos und unverbindlich von unserer Studienberaterin Maya.

Alle Infos zur UW-Madison