Kunst und Design im Ausland studieren

Sie wohnen in durchgestylten Fabriketagen, trinken den ganzen Tag Kaffee und arbeiten nur, wenn sie von der Muse geküsst werden. Ihre Abende verbringen sie auf Ausstellungen und Partys und sind entweder berühmt oder chronisch pleite. Soweit die Klischees, wenn es um Künstler oder Designer geht. Die Wahrheit sieht in der Regel anders aus: Die meisten Künstler und Designer gehen einem mehr oder minder geregeltem Beruf nach. Ihre künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten sind ihnen nicht „zugeflogen“, sondern sie haben sie zumeist ganz klassisch in einem Studium erworben.

Kunst und Design - Ein Einblick ins Studium

So vielseitig wie die Interpretationen eines Stilllebens: ein Studium im Bereich Kunst und Design beinhaltet handwerkliche Fähigkeiten und Kreativität.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken. Ebenso zahlreich, sind die angebotenen Studiengänge. Sowohl Traditionsuniversitäten als auch moderne Fachhochschulen bieten Studienprogramme in den kreativen Bereichen an. Und fast überall auf der Welt gibt es spezielle Hochschulen, die ausschließlich künstlerische Studiengänge anbieten. Die Schwerpunkte setzen die Hochschulen unterschiedlich. Jeder, der sich für ein Studium im Bereich Kunst und Design entscheidet, sollte sich gut darüber informieren, welche Uni die richtige für ihn ist.

Angewandt und frei: Bildende Kunst

Mit dem Oberbegriff der Bildenden Kunst sind in der Regel die sogenannten freien Künste sowie die angewandten Künste gemeint. Klassische Studiengänge der freien Künste an einer Hochschule für Bildende Kunst sind Malerei, Bildhauerei, Media-Art und Performance-Kunst. Zu den angewandten Künsten zählen Gold- und Silberschmieden, Textil-Kunst oder Keramik. Auch die Fotografie wird zum Teil zu den bildenden Künsten gezählt. Auch hier bieten die meisten Kunsthochschulen einen eigenen Studiengang an.

In den meisten Studiengängen aus dem Bereich der Bildenden Kunst machen sich die Studierenden im Grundstudium zunächst mit den unterschiedlichen Materialien und künstlerischen Techniken vertraut. In den höheren Semestern spezialisieren sie sich dann auf ein Medium, das ihnen besonders liegt.

Im Studium geht es vor allem um die Ausbildung einer eigenen kreativen Persönlichkeit. Es ist zudem möglich, Bildende Kunst auf Lehramt zu studieren.

Bühne und Film: Darstellende Künste

Den zweiten großen Teilbereich des Faches Kunst bilden die sogenannten Darstellenden Künste. Dazu gehören die Studiengänge Schauspiel, Tanz, Dramaturgie, Regie und Bühnenbild – also eben alle Fächer, in denen die Studierenden lernen, etwas darzustellen.

Diese Studiengänge bieten einige Kunsthochschulen ebenfalls an. Zudem gibt es eine Vielzahl an staatlichen und privaten Schauspiel-, Film- und Tanzhochschulen sowie Akademien.

Auch hier geht es um die Ausbildung einer künstlerischen Persönlichkeit. Die Studierenden lernen verschiedene Schauspiel- und Tanztechniken kennen und arbeiten während des Studiums an ersten Projekten, wie Tanz- oder Theateraufführungen. Zusätzlich haben sie Unterricht in Fächern wie Theaterwissenschaften oder Mediengeschichte.

Für kreative Techniker: Design

In den Studiengängen für Design steht nicht so sehr die eigene künstlerische Entfaltung, als vielmehr das Erlernen handwerklicher Fähigkeiten im Vordergrund. Die Studiengänge sind zumeist sehr anwendungsorientiert. Dementsprechend sind sie in unterschiedliche Kategorien wie Mode-, Produkt- und Kommunikationsdesign unterteilt. Sie entsprechen den späteren Arbeitsbereichen.

Die einzelnen Fächer bieten sowohl diverse Kunsthochschulen, als auch Universitäten, Fachhochschulen und private Kunst- und Modeakademien an. An allen Einrichtungen erhalten die Studierenden eine Grundlagenausbildung im Bereich Gestaltung. Dabei lernen sie nicht nur verschiedene Zeichentechniken und Arten der Farb- und Raumwahrnehmung kennen, sondern üben sich auch im Umgang mit computergestützten Design-Programmen.

Je nach Studiengang kommen dann so unterschiedliche Fächer wie Schnittkonstruktion oder Typografie dazu. Den theoretischen Background lernen die Studenten in Fächern wie Designgeschichte. An den meisten Hochschulen steht jedoch vor allem die Arbeit an eigenen Projekten im Mittelpunkt des Studiums.

Das Studium der Innenarchitektur gehört ebenfalls zum Fachbereich Design. So können Interessenten an einigen Kunst- und Fachhochschulen den Studiengang Interior Design absolvieren. Die Studierenden dieses Fachs erhalten nicht nur eine gestalterischen Ausbildung, sondern besuchen auch Veranstaltungen aus dem Fachbereich Architektur, wie Baukonstruktion oder Statik.


Spezialisierungen im Masterstudium

Die Masterprogramme der Fachbereiche Kunst und Design eröffnen den Bachelorabsolventen die Möglichkeit, sich nach ihrem ersten Abschluss noch weiter zu spezialisieren. Studierende der Bildenden Kunst konzentrieren sich beispielsweise auf Multimedia-Art oder Malerei. Produktdesigner legen ihren Schwerpunkt etwa auf Verpackungsdesign oder auf nachhaltige Produktion.

Insbesondere im Bereich Kunst nutzen viele Bachelorabsolventen die Masterprogramme, um sich in verwandten Fachbereichen weiter zu qualifizieren und so ihre beruflichen Möglichkeiten zu erweitern. So gibt es im Fachbereich Tanz Masterstudiengänge mit pädagogischem Schwerpunkt. Sie bereiten die Studierenden auf eine Tätigkeit als Tanzlehrer vor. Absolventen des Fachs Schauspiel haben demgegenüber die Möglichkeit, sich in Masterprogrammen aus dem Bereich Dramaturgie oder Regie weiter zu qualifizieren.

Für einige Fächer wie Tanz, Fotografie oder Bildende Kunst gibt es sogenannte Meisterklassen. Studierende mit besonderer künstlerischer Begabung erhalten hier eine intensive Unterstützung, um ihre Fähigkeiten weiter zu perfektionieren.


Persönliche Voraussetzungen und (mögliche) Zulassungskriterien

Eine gewisse künstlerische Begabung ist unerlässlich, um für einen Studiengang im Bereich Kunst und Design qualifiziert zu sein. Nahezu alle Studienprogramme in Deutschland sind zulassungsbeschränkt. In den meisten Fächern reichen die Bewerber zunächst eine Mappe mit eigenen künstlerischen Arbeiten ein. Wenn sie diesen „Mappentest“ bestanden haben, erhalten sie eine Einladung zu weiteren Vorstellungsgesprächen und Eignungstests. In Fächern wie Tanz oder Schauspiel nehmen sie direkt an mehrtägigen Aufnahmeprüfungen teil.


Berufsfelder für Künstler und Designer

Das eingangs erwähnte Klischee vom exzentrischen Künstler mit einem ausschweifenden Lebenswandel trifft nur in Ausnahmefällen zu. Dass viele Absolventen nach ihrem Studienabschluss freiberuflich tätig sind, entsprich jedoch der Realität. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, gehen nicht wenige mehreren Tätigkeiten gleichzeitig nach. Sie sind zum Beispiel für einzelne Projekte an Theatern oder bei Film- und Fernsehanstalten engagiert, geben nebenbei Schauspiel- oder Tanzunterricht oder arbeiten als Fachjournalisten.

Möglich sind aber auch Festanstellungen an Theater- und Opernhäusern, bei Fernsehanstalten oder anderen Institutionen. So können Absolventen etwa als Dozenten an Volkshochschulen oder Hochschulen tätig sein, in Kunstverlagen oder Kulturbüros arbeiten oder Anstellungen in Veranstaltungs- oder Eventagenturen finden.

Viele Absolventen des Fachs Bildende Kunst haben auf Lehramt studiert und geben ihr Wissen später im Kunstunterricht an Grund- und weiterführenden Schulen weiter.

Für Designer gestaltet sich die Situation ein wenig anders. Aufgrund ihres eher anwendungsorientierten Studiums stehen ihnen auch Berufsfelder in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe offen. Sie arbeiten etwa in der Möbel- oder Bekleidungsindustrie, sind bei Werbe- und PR-Agenturen oder in Büros für Innenarchitektur angestellt. Nicht wenige Absolventen machen sich nach einigen Jahren Berufserfahrung selbstständig und eröffnen ihre eigene Agentur.


Vorteile eines Auslandsstudiums im Fach Kunst und Design

Wer sich als Künstler oder Designer durchsetzen möchte, sollte bereits im Studium die Gelegenheit ergreifen, internationale Erfahrungen zu sammeln. Ein oder mehrere Auslandssemester geben euch die Gelegenheit, den eigenen künstlerischen Horizont zu erweitern, Inspirationen zu sammeln und internationale Trends aufzuspüren. Darüber hinaus bietet sich euch die Möglichkeit, früh ein Netzwerk an internationalen Kontakten aufzubauen, auf das ihr im späteren Berufsleben zurückgreifen könnt. Und ganz nebenbei erwerbt oder optimiert ihr die Kenntnisse einer oder mehrerer Fremdsprachen.