7 Jan
Erfahrungsbericht von Stefanie J.

San Diego State University


Stadt: San Diego
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Psychologie
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 08/2021 bis 12/2021
Heimathochschule: Potsdam U

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Informationen zum Bewerbungsprozess

Die Kommunikation mit College Contact lief absolut super und unkompliziert. Für die Bewerbung musste ich nur ein paar Formulare zu meiner Person ausfüllen und einen DAAD Sprachnachweis einreichen. Die Zusage kam nach wenigen Tagen. Ein Transcript war zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht erforderlich.

Zum Studium

Das Klima an der San Diego State University ist sehr unterschiedlich von dem in Deutschland. Die Studierenden müssen viel in ihre Ausbildung investieren, dementsprechend liegt ein großer Druck auf ihnen, die Lehre wird aber auch als Service/ Dienstleistung angesehen. Der Umgang zwischen Studierenden und Lehrpersonal ist eher freundschaftlich, im Unterricht herrscht viel Kommunikation und Austausch, viele berichten von ihren Erfahrungen aus ihrem Privatleben.

In den meisten Kursen gibt es wöchentliche Abgaben, die Note setzte sich aus sehr vielen Einzelbestandteilen zusammen.

Kurse

Ich habe die folgenden Kurse gewählt:

NUTR 313 Contemporary Nutrition

Das Thema Ernährung hat mich schon immer wahnsinnig interessiert. Trotz vieler biochemischer Inhalte habe ich mich an dieses komplexe Thema gewagt und es nicht bereut. Es musste zwar für 80$ ein Textbook und für 30$ ein Tophat Zugang erworben werden, der Lernzuwachs war aber absolut zufriedenstellend. Der Kurs war komplett autark und asynchron zu absolvieren. Es gab hauptsächlich Lehrvideos, Buchkapitel und Hausaufgaben in Form von Multiple Choice Fragen am Ende jedes Kapitels. Ab und an wurden auch Live Sessions durch das Lehrpersonal angeboten. Der Kurs hat nicht allen gefallen, es war aber absolut mein Ding!

REL S424 / ANTH 424 The Supernatural in Cross Cultural Perspective

Dieser Kurs war wahrscheinlich sogar mein Lieblingskurs, für Kultur-/ Religions-/ Spirituell-interessierte: das ist euer Ding! Der Professor ist ein unglaublich cooler Mensch, der euch mit unglaublich interessanten Inhalten versorgt. Auch dieser Kurs ist hauptsächlich asynchron und autark, es gibt aber immer wieder Live Sessions, um über die Inhalte zu sprechen. Jede Woche gibt es ein neues Thema in Form einer Vorlesung (von Shamanismus über Rastafari oder Ayuasca Rituale im Amazonas), einer Leseaktivität und einer kleinen Aufgabe, um sich mit den Inhalten auseinander zu setzen.

CSP-300 Stress Management

Unglaublich interessante Inhalte, besonders für Psychologiestudierende, aber auch für alle anderen. Super spannende Themen, die in Deutschland nicht gelehrt werden, z.B. über Stress & Ernährung, Bewegung, Codependency, Zeitmanagement, Meditation, Spiritualität, Rassismus etc.

Ich habe viel dazu gelernt und bin dankbar diesen Kurs gewählt zu haben, auch wenn mir zum Schluss manche Verhaltensweisen der Professorin nicht ganz gefallen haben, da sie in meinen Augen in manchen Themen sehr voreingenommen war und nicht sachlich geblieben ist.

PH 353 Human Sexuality & Disease

Ein schöner Kurs mit wenig Arbeitsaufwand und angenehmer Atmosphäre. Dies war meine einzige nicht-Online - In-Person-Class wobei die Anwesenheit nur zu 3 Diskussionsrunden geprüft wurde. Eigentlich wollte ich den Kurs „Psychology of Human Sexual Behavior“ wählen, es gab aber keine Chance, hier hinein zu kommen. Das Thema Sexualität und menschlisches sexuelles Verhalten hat mich auch schon immer interessiert, wenn auch in diesem Kurs hauptsächlich sozial-politische Themen diskutiert wurden.

Ich habe alle Kurse aus reinem Interesse belegt und habe die Möglichkeit sehr genossen, abseits des starren Studienverlaufsplanes meinen Interessen zu folgen. Es hat auch ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen, eine gute Mischung aus spannenden Kursen und wenig Arbeitsaufwand zu finden, zumal ich nicht in alle meine Wunschkurse reingekommen bin und mich daher komplett neu ausrichten musste. Die Prüfungen waren in allen Kursen übrigens Open-Book Onlineexams.

Betreuung vor Ort

Vor Ort wird man durch Einführungsveranstaltungen und viele Erinnerungsmails gut an die Hand genommen. Es gibt für alle Belange Ansprechpartner. Wenn ich Fragen hatte, wurden diese schnell beantwortet.

Unterkunftssuche

Ich habe lange hin- und her überlegt, ob ich mich vorab um die Unterkunft kümmern soll oder erst vor Ort damit beginnen sollte. Ich habe in vielen Facebook Gruppen versucht mich zu vernetzen, eine Whatsapp Gruppe gab es auch. Da mein Freund mitkam und wir uns mit einer anderen Studentin aus Berlin zusammengetan haben, haben wir schließlich ab September eine Unterkunft in Pacific Beach auf Airbnb gebucht. Ab September steigt tatsächlich die Verfügbarkeit und die Preise sinken, da hier offiziell die Hauptsaison endet. Das bedeutet natürlich auch, dass wir die ersten 4 Wochen keine Unterkunft hatten, was für mich eher spannend und aufregend war. In den Hostels habe ich aber auch viele getroffen, die nahe der Verzweiflung waren, da sie noch immer keine Unterkunft hatten. Hier kann ich jedem nur den Tipp geben: Ruhig und zuversichtlich bleiben, es findet sich IMMER etwas. Auch wenn es auf dem letzten Drücker noch den ein oder anderen Glücksgriff gab, es ist tatsächlich so, dass je früher man die Unterkunft bucht, desto mehr Auswahl gibt es und desto günstiger wird es.

Was einem vielleicht auch niemand sagt: viele wohnen nahe der Uni in großen Häusern zusammen mit anderen Internationals in großen WGs, was erst einmal cool und aufregend klingt. Da aber viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Interessen (Party, Lernen, Ruhe,…) aufeinander treffen, die sich vorher nicht kennen, brechen auch viele Konflikte aus. Ich habe von fast keiner WG gehört, in der es keine Konflikte oder Zickereien gibt. Ich denke, das gehört am Ende auch dazu und man darf es als Herausforderung und Entwicklungsaufgabe sehen, sich mit anderen Menschen friedlich zu arrangieren oder auch Respekt und Rücksicht zu üben. smiley

Freizeit- und Ausflugsmöglichkeiten

San Diego ist eine unglaublich coole Stadt und Kalifornien ist einfach ein wunderschöner Bundesstaat.

Allein die Uni hat so viele Angebote, sich in Clubs und Sportgruppen zu beteiligen, ins Fitnessstudio zu gehen, oder am Pool zu entspannen. Es gibt auch kostenlose Tickets für die Football und Basketball Heimspiele, die sicherlich ein Erlebnis für sich sind.
Ansonsten lädt die geografische Lade natürlich für Reisen und Roadtrips ein. Wir haben einen Trip die Küste hoch Richtung San Francisco und zurück über South Lake Tahoe, Yosemite und Sequoia; ein paar Ausflüge nach L.A.; einen Trip zum Grand Canyon und eine Flugreise nach Hawaii gemacht. Zum Abschluss sind wir noch zum Zion National Park und nach Las Vegas gefahren, von wo aus wir auch zurück nach Deutschland geflogen sind. Da mein Freund zu Beginn mit seinem Esta nicht direkt in die USA einreisen durfte, „musste“ er zunächst 14 Tage in Mexico verbringen, wo ich ihn auch besucht habe. Was sich sicherlich auch lohnt, ist der Grenzübergang nach Tijuana. Nicht unbedingt, weil Tijuana eine schöne Stadt wäre, sondern weil es eine ziemlich verrückte Vorstellung ist, dass 20 Minuten entfernt die Grenze zu Mexico ist, die man zu Fuß überqueren kann.

Finanzierung

Für viele sicherlich der spannendste Punkt, da das Studium in den USA eine wahnsinnig teure Angelegenheit ist, aber definitiv nicht unmöglich.

Es gibt wirklich viele coole Stipendien (Promos, Daad, Fulbright) oder auch Auslandsbafög.

Falls eure Uni mit der SDSU keine Partnerschaft hat, sind Bafög oder ein Stipendium sicherlich eine gute Möglichkeit, den größten Kostenpunkt, die Studiengebühr, zu stemmen.

Für Unterkunft würde ich je nach Doppel- oder Einzelzimmer/ Strand- oder Uninähe zwischen 700-1500$ einplanen (und ja es ist eine riesen Spanne aber die 700$ sind tatsächlich eher Glücksfälle).

Alles andere hängt tatsächlich von euren Wünschen ab, ob ihr viel Feiern gehen wollt oder viele Roadtrips und Reisen unternehmen wollt. Wenn ihr nicht gerade Fastfood Fanatiker seid, lohnt sich sicherlich das zu Hause Kochen und der Taco Tuesday. smiley

Do's & Don'ts

Ich würde sagen, genieße die Zeit. Sei stolz auf dich, wenn du es geschafft hast, dich durch den mühsamen Berg an Bürokratie und Formularen durchgekämpft zu haben und du tatsächlich in San Diego aus dem Flugzeug steigst. Sei dir bewusst, dass du viel Geld ausgeben wirst aber lass dir dadurch die Zeit nicht verderben, eine solche Erfahrung machst du meist nur einmal im Leben.

Erlaube dir aber auch, zu entspannen und die Eindrücke auf dich wirken zu lassen. Sag auch mal nein zu Aktivitäten und genieße den Moment anstatt ständig Angst zu haben etwas zu verpassen. smiley