3 Mai
Erfahrungsbericht von Fatih T.

University of California Santa Barbara


Stadt: Santa Barbara
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Wirtschaftsingenieurwesen
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2017 bis 02/2018
Heimathochschule: Aachen RWTH

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Im Rahmen meines ersten Mastersemesters im Fach Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Maschinenbau habe ich beschlossen ein Auslandssemester zu absolvieren. Von September 2017 bis Ende Februar 2018 war ich in den USA und habe viele facettenreiche und prägende Erfahrungen gesammelt. Weshalb es mich so sehr in die USA gezogen hat, ist einfach zu erklären. Seit Kind auf haben mich die westlichen Einflüsse, sei es Fernsehserien, Filme, Comics und Mode begleitet und seit ich denken kann in mir die Frage geweckt, ob dieser Lebensstil eine Scheinwelt oder Realität ist, weswegen ich mir nun endlich diesen Traum des (kurzen) American Dreams erfüllen wollte.  Ich habe mir erhofft, Einblicke in die amerikanische Lebensphilosophie zu erhalten. Von überdimensionalen Milchgallonen über Muscle Cars bis hin zu übertriebenen Feiern und dem Zelebrieren von Festlichkeiten. Es ist die Schwerelosigkeit, die Unbekümmertheit und die Gelassenheit der Amerikaner, was mich (immer noch) fasziniert. 

Schon Fernweh bekommen?

Ansonsten haben wir noch viele weitere Erfahrungsberichte zu unseren Partnerhochschulen. Alternativ beraten wir dich auch gern und helfen dir, eine passende Hochschule für dich zu finden!

Weitere Erfahrungsberichte Kostenlose Beratung


Organisation des Auslandssemesters an der UCSB/Unterkunft

Doch erst der Reihe nach. Meine Planung für das Auslandssemester war sehr mager und kurzfristig. Als ich in Santa Barbara angekommen bin, hatte ich noch keine Wohnung und wollte vorerst die ersten Wochen in einem Hotel/Motel verbringen. Überraschenderweise stellte sich heraus, dass alle Hotels, die ich mir leisten konnte und wo ich nicht die Hälfte meiner Ersparnisse für drei Nächte ausgeben wollte, ausgebucht waren. Verzweifelt hockte ich auf einer Parkbank und betete. Nachts um 1 Uhr kam ein Herr namens Kylie und fragte mich, was ich so spät mit meinen Koffern noch machen würde. Ich erklärte ihm die Situation. Er rief mit seinem Handy ein paar Hotels an und musste sich dann ebenfalls geschlagen geben. Letztendlich hat er mich zu sich nach Hause eingeladen. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte keine Bedenken, dass er mich ausraubt etc. Ich verbrachte meine erste Nacht in Kylies 2,5 Zimmer Wohnung im Wohnzimmer auf dem Boden. Am nächsten Tag hatte ich meinen ersten Tag in der Uni. Nach der Einführungsveranstaltung ging ich ins Subway und hatte mir ein paar Cookies geholt. Als ich in der Schlange für die Studentenausweise stand, hatte ich den letzten Cookie einer studentischen Hilfskraft angeboten, der die Ausweise austeilte. Er hat sich so sehr gefreut, dass wir anschließend ins Gespräch kamen und als er von meiner Situation erfuhr, hat er mir angeboten bei ihm zu übernachten. Eine ganze Woche habe ich bei ihm übernachtet und daraufhin eine Wohnung im Studentenheim gefunden. Danach ging auch die Uni so richtig los und alles nahm seinen Lauf. 


Kurse

Ich habe insgesamt drei Kurse belegt. Der erste hieß New Product Development. Hier ging es darum, ein Produkt im Rahmen eines Gruppenprojektes von der Idee bis zur Umsetzung zu begleiten und einzuführen. Alle Meilensteine, wie zum Beispiel Interviews mit potentiellen Käufern, Protypenbau und finale Präsentationen wurden einzeln benotet und es gab auch eine Gesamtbewertung. Mein Team und ich haben uns dazu entschieden, ein Multifunktionslineal mit eingebauter Lochstanze und Handyhalterung zu entwickeln. Dieses Fach erforderte sehr viel Zusammenarbeit und zwischenmenschliche Skills. Der zweite Kurs hieß Business Strategy & Leadership. Prof. Gary Hansen leitete den Kurs und er ist bis heute der lustigste und humorvollste Professor, dem ich je begegnet bin. Der Kurs war daher umso interessanter und ich konnte umso mehr lernen und vor allem behalten. Es ging darum, verschiedene Unternehmensstrategien kennenzulernen und voneinander abzugrenzen. Darüber hinaus haben wir viele Use Cases und Fallbeispiele analysiert und im Unterricht besprochen. Dieses Fach war für mich persönlich sehr interessant und wichtig, da es mir wichtige Skills und Elemente vermittelt hat, wie eine gute Führungskraft agiert und ich dieses Wissen als relevant für meine persönliche Zukunft sehe. Das dritte und letzte Fach hieß Advanced Theories in Engineering und war mit Abstand das anspruchsvollste Fach an der UCSB, was ich besucht habe. Es war ein technisches Fach und sehr Mathematik lastig. Wir haben lineare und nicht lineare Differentialgleichungen behandelt, Besselsfunktionen, Fourier Reihen entwickelt und Wärme- und Stoffübertragungsverhalten berechnet. Sehr vieles war neu und ich finde, es ist ein Fach, welches jeder Ingenieur verstehen und in Teilen anwenden können sollte.


Betreuungsverhältnis zwischen Dozenten und Studierenden

Allgemein waren die Vorlesungen in Klassenzimmern und ich hatte das Gefühl von der Schule zurückbekommen. Es wurde auch nicht unterteilt in Vorlesung und Übung. Vielmehr gab es Paper, die man als Hausaufgabe bekommen hatte und die man dann in der nächsten Einheit behandelte. Der Kontakt zu den Professoren war so kinderleicht, dass ich anfangs dachte, dass es die Assistenten seien. Das Betreuungsverhältnis von Lehrpersonal zu Studenten war wirklich hervorragend. Interessant fand ich auch, dass Studenten die Professoren mit dem Vornamen angesprochen haben, womit ich es mir anfangs sehr schwer mitgetan habe, da ich den doch sehr förmlichen Umgang gewohnt war. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Profs und die Menschen in den USA und insbesondere in Kalifornien viel entspannter, hilfsbereiter und offener sind als in Deutschland.


Kulturelle Besonderheiten in Kalifornien

Aufgefallen ist mir zudem, dass der mexikanisch/spanische Einfluss (besonders in Zentral und Südkalifornien) extrem war. Angefangen bei den Namen wie „Los Angeles, San Francisco, Santa Barbara“ etc. sieht man den hispanische Einfluss in vielen Stadtteilen wieder. Unzählige Taco Bells und mexikanische Imbisse, die Guacamole und Tapas anbieten, gestalten das Stadtbild. Zudem sind auch die Beschriftungen in Bus und Bahn auf Englisch und Spanisch. Das extremste zum spanisch/mexikanischen Einfluss war, als ein junger Mann, den ich durch Uber (Uber ist das Transportmittel, was dort am häufigsten genutzt wird - man bestellt sich über eine App sein persönliches Taxi zu seinem Standort, wo eine Privatperson dich abholt und dich zu deinem vereinbarten Ziel bringt) kennengelernt hatte, zu mir meinte, dass er von Kalifornien wegziehen möchte, da er befürchtet kein Job nach der Uni zu bekommen, weil er kein Spanisch spricht. Ich musste fast schon schmunzeln, aber es war sein voller Ernst.

Oft habe ich auch mit Menschen über politische Themen diskutiert. Ich wollte ihre Meinung hören zu Themen wie Muslime in den USA, Donald Trump oder was sie von Deutschland halten. Da Kalifornien sehr liberal ist, bin ich auf keine Person getroffen, die ein gutes Wort zu Donald Trump verloren hat. Es wurden sogar in vielen Märkten Donald Trump Socken gekauft (ich habe auch ein Paar gekauft). Das Interesse der Amis gegenüber mir war recht groß, zumal sie meinen Akzent raushören konnten. Auf die Frage, wo ich herkomme antwortete ich fast immer mit Deutschland und so kam man sehr gut ins Gespräch. Ich weiß nicht genau weshalb, aber Deutschland hatte einen sehr guten Ruf bei den Amerikanern (oft auch wegen der Fußballnationalmannschaft) und sie waren sehr interessiert daran ein paar deutsche Wörter zu lernen. Ich habe auch mal erwähnt, dass ich aus Türkei komme, aber die Resonanz war nicht so groß wie in Deutschland. Vielleicht kam es mir auch nur so vor. Jedenfalls sind viele Amerikaner offen und tolerant gegenüber Muslimen, zumindest in Kalifornien. Es gab auch eine MSA (Muslim Stundet Association) an der Uni, die regelmäßig aktiv für Studenten war und Treffen, sowie Seminare auf dem Campus organisierte.


Campusleben

Apropos Campus. Jetzt gerade, während ich diesen Bericht schreibe und an die Zeit zurückdenke, bekomme ich Fernweh. Der Campus der UCSB ist eins zu eins wie der Campus aus der Serie „Zoey 101“ auf Nickelodeon. Damals, als ich die Serie geschaut hatte, konnte ich mir bei Weitem nicht vorstellen, dass so ein Campus in der Realität existierte. Der Campus war riesig, extrem sauber (wurde jeden Morgen bevor der Unterricht begann gesäubert) und die Wiesenflächen sahen aus, als ob sie mit einer Nagelschere geschnitten wurden. Überall sind Skateboarder, die einen von links und rechts überholten, ein eigener Starbucks Shop auf dem Campus, Football, Baseball und Basketballverein der Hochschule und viel Sonne mit guter Stimmung. In Isla Vista, welcher ein Stadtteil von Goleta ist und direkt neben der UC Santa Barbara liegt, werden an Wochenenden und zum Teil auch in der Woche, Partys à la Projekt-X gefeiert (ich übertreibe nicht) und die Stadt besteht zu 99,99% aus Studenten und Teenagern.


Fazit

Das Auslandssemester in Kalifornien war bis jetzt wirklich vielleicht sogar die schönste Zeit in meinem Leben und ich empfehle die UCSB jedem Studenten weiter, der sowohl fachlich eine exzellente Ausbildung bekommen möchte (Rang 8 in den USA unter den Top Universitäten) und der sich den puren und vor allem typischen amerikanischen College-Lifestyle nicht entgehen lassen möchte.