24 Nov
Erfahrungsbericht von Simon W.

University of California San Diego


Stadt: San Diego
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Wirtschaftsingenieurwesen
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 03/2022 bis 06/2022
Heimathochschule: Erlangen-Nürnberg U

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Vorbereitungen und Bewerbung

Meine Heimathochschule, die FAU Erlangen-Nürnberg, bietet keine organisierten Partnerprogramme mit der UCSD an. Deshalb musste ich als Free Mover den Auslandsaufenthalt eigenständig organisieren – in der Theorie. Wie viele andere Studierende habe ich mich aber an College Contact gewendet, die die Kommunikation mit der UCSD übernehmen und so sicherstellen, dass der Bewerbungsprozess unkompliziert abläuft und alle Fristen eingehalten werden.

Je früher die Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt getroffen wird, umso stressbefreiter ist der Bewerbungsprozess. Für ein Studium in den USA benötigt man ein F1-Studentenvisum. Grundsätzlich muss man dafür eine Botschaft besuchen und im Rahmen eines kurzen Gesprächs die Beweggründe für den Auslandsaufenthalt darlegen. Zu meinem Zeitpunkt bestand die Möglichkeit dieses Gespräch zu umgehen („Visa Waiver“), falls man bereits vorher schon einmal in die USA eingereist ist. In meinem Fall verlief das Gespräch sehr unkompliziert und war nach ca. einer Minute auch schon wieder beendet.

Die an der UCSD erbrachten Studienleistungen wollte ich an meiner Heimathochschule (FAU) anrechnen lassen. Dafür musste ich Learning-Agreements mit der FAU abschließen, für die die Kursbeschreibungen der UCSD (Syllabi) benötigt werden. Die Syllabi werden von der UCSD in der Regel erst zu Beginn des Quarters zur Verfügung gestellt, sind für manche Kurse aber aus früheren Jahren vorhanden. Bereits vor dem Aufenthalt habe ich mich, sofern möglich, um die Learning-Agreements gekümmert.

Empfehlenswert ist es ferner sich bereits in Deutschland ein Mietauto zu organisieren. In San Diego gibt es zwar ein für amerikanische Verhältnisse gut vernetztes öffentliches Verkehrssystem und mit Uber die Möglichkeit schnell von A nach B zu kommen. Nichtsdestotrotz ist aufgrund der Distanzen (auch in der Stadt) ein Auto die flexibelste Lösung. Die Kosten für Uber summieren sich sehr schnell zu Beträgen, die die Mietkosten für das Auto übersteigen. Ich habe ein Auto von der Firma „DirtCheapCar Rentals“ gemietet und monatlich USD 600 bezahlt.

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Wohnungssuche

Ich bin bereits ca. zweieinhalb Wochen vor dem Beginn des Spring Quarters 2022 nach San Diego gereist, weil ich vor Ort nach einer Wohnung gesucht habe. In den ersten Tagen habe ich in einem Hotel in San Diego gelebt und von dort aus nach einem 2-bedroom-Apartment für die nächsten drei Monate gesucht. Dieser Prozess gestaltete sich jedoch schwieriger als ich es erwartet hatte: Wegen der kurzen Mietdauer von nur drei Monaten haben die meisten Apartmentbetreiber direkt eine telefonische Absage erteilt. War eine dreimonatige Vermietung möglich, bestand die nächste Herausforderung darin die häufig unmöblierten Apartments zu möblieren. Auch hier war es in Anbetracht der kurzen Dauer schwierig, eine preiswerte Lösung zu finden. Die Summe der Kosten für Miete und Möbel betrug in vielen Fällen mehr als USD 5,000.

Gewohnt habe ich schließlich in Canyon Park Apartments mit Möbeln, die ich von der Firma Cort bezogen habe. Cort stellt alle benötigten Möbel, sowie sämtliche Utensilien für Küche und Bad zur Verfügung; Lieferung und Abholung verliefen tadellos und auch die zu hinterlegende Kaution wurde nur wenige Tage nach der Abholung komplett rückerstattet. Für das möblierte 2-bedroom-Apartment habe ich zusammen mit einem Kollegen ca. USD 4300 bezahlt – ein angemessener Preis für diese Kategorie.


Kurseinschreibung und Lehre

Um das Visum zu erhalten, müssen Kurse im Wert von 12 Credits absolviert werden. Dies entspricht beispielsweise zwei Kursen am main-campus (jeweils 4 Credits) und zwei Kursen an der UCSD-Extension (3 Credits und 1 Credit). Diese Kombination ist auch die Empfehlung seitens der UCSD (drei Kurse am main-campus wird als hoher Workload angekündigt).

Der genaue Ablauf und die benötigten Plattformen zur Kursauswahl wurden von der UCSD während der Orientation Week kommuniziert. Als internationaler Student muss man in den ersten drei Wochen das Class-Crashing durchlaufen: man besucht mehr Kurse als man in den restlichen Wochen des Quarters tatsächlich belegt, weil erst nach Ablauf der drei Wochen feststeht, ob man die Kurse belegen darf oder nicht. Inlandsstudenten dürfen hingegen ihre Kurse frei wählen. Sind beispielsweise für einen Kurs 100 Personen zugelassen und 100 Inlandsstudenten sind nach (spätestens) drei Wochen in diesem Kurs immatrikuliert, hat man als internationaler Student keine Möglichkeit diesen Kurs zu belegen.

Diese drei Wochen können sehr anstrengend werden, da bereits in der ersten Woche Assignments zu erledigen sind. Nach den drei Wochen wurde ich schließlich für zwei main-campus Kurse zugelassen – allerdings waren diese Kurse nicht meine erste Wahl. Hier besteht meiner Meinung nach Handlungsbedarf: warum dürfen internationale Studenten, die den vollen Semesterbeitrag zahlen, nicht die gleichen Zugangschancen zu Kursen haben wie die Studenten aus dem Inland?

Aus Deutschland bin ich es gewohnt, am Ende des Semesters eine Prüfung zu schreiben, welche die Gesamtnote des Moduls widerspiegelt. Anders ist es an der UCSD: hier hat man wöchentliche Assignments zu erledigen, zum Beispiel kurze Aufsätze oder Quizze, welche zusammen mit zwei Klausuren (mid-term und final) die Modulnote ergeben. Es gibt aber auch Kurse ohne mid-term und final; die Modulnote ergibt sich dann allein aus wöchentlichen Assignments. Es ist Geschmackssache, ob einem dieses System der Arbeitsaufteilung über das Quarter gefällt.


Freizeit und das Leben in San Diego

Die Menschen in San Diego sind sehr offen und kommunikationsfreudig. Bei nahezu jeder Form von Kontakt beginnt ein Gespräch mit „How are you doing?“. Ich fühlte mich sofort herzlich willkommen in dieser Stadt. Die Stadtteile in San Diego haben alle ihren eigenen Charme.

In Pacific Beach – der Partyregion in der Stadt – gibt es viele Clubs und Restaurants. Bei einem Abendspaziergang entlang der Strandpromenade kann man hier einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen; langweilig wird es hier definitiv nicht. (Mein Geheimtipp an alle, die gerne Pizza essen: am Dienstag gibt es in der „Scuderie Italia“ in Pacific Beach Pizza zum halben Preis.) Etwas ruhiger ist es in La Jolla, einem nobleren Teil der Stadt. Hier kann man unter anderem Seelöwen an Felsküsten beobachten. An Freizeitaktivitäten mangelt es in San Diego nicht: von Surfen über Paragleiten (zum Beispiel bei „Torrey Pines Gliderport“ in Campusnähe) bis hin zu Football wird alles angeboten.

Die Kosten für Miete, Lebensmittel, Freizeitaktivitäten sind jedoch, schätzungsweise um den Faktor 1.5 bis 2, höher als in Deutschland. Nichtsdestotrotz sollte man die Freizeit nutzen, um einige Roadtrips durchzuführen. Los Angelos ist mit dem Auto in weniger als zwei Stunden zu erreichen, die Grenze zu Mexiko sogar in nur 30 Minuten. Östlich von San Diego liegt Palm Springs; die unberührte Natur in dieser Gegend ist auch einen Besuch wert. Meine persönliche Empfehlung ist eine Reise nach Hawaii. Der Flug dauert ca. fünf Stunden und eine geringere Entfernung (für Deutsche) nach Hawaii als von Kalifornien aus gibt es nicht.


Fazit

Ein Quarter an der UCSD ist sehr teuer. Summa summarum habe ich in den ca. 3.5 Monaten USD 25,000 ausgegeben; eine fünftägige Reise nach Hawaii und ein paar Roadtrips übers Wochenende sind daran inkludiert.

Die Kursauswahl ist schwierig für internationale Studenten. Man sollte vor dem Quarter nicht davon ausgehen Kurs XYZ sicher belegen zu können, sondern offen für Alternativen sein. Die Kurse, die ich an der UCSD belegt habe, waren verglichen mit vergleichbaren Masterkursen an meiner Heimathochschule recht einfach und das Studieren an der UCSD war insgesamt sehr stressbefreit. Von der Bezeichnung „Eliteuniversität“ darf man sich auf keinen Fall abschrecken lassen oder ein Studium ohne Freizeit befürchten müssen.

Ein Auslandssemester ist immer eine persönliche Bereicherung in vielerlei Hinsicht. Man lernt viele Menschen und vielleicht auch Freunde fürs Leben kennen. San Diego („Americas Finest City“) ist eine wunderschöne Stadt und die UCSD eine renommierte Universität. Dieser Aufenthalt ist für mich nicht nur ein Kapitel im Lebenslauf, sondern auch eines der schönsten Kapitel in meinem Leben.