28 Jan
Erfahrungsbericht von Julian S.

University of California San Diego


Stadt: San Diego
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Wirtschaftsinformatik
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2021 bis 12/2021
Heimathochschule: Karlsruhe KIT

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Vorbereitung & Bewerbung

Die Vorbereitungen für mein Auslandssemester haben für mich ein knappes Jahr vor Beginn des Aufenthalts angefangen (Wo will ich eigentlich hin? Wie kann ich das finanzieren? Welche Sprachkenntnisse muss ich nachweisen?), die Bewerbung habe ich dann ca. sechs Monate vorher abgeschickt. Dann ging es aber erst richtig los: Visa, gesundheitliche Voraussetzungen, Flüge, Unterkunft, Versicherung, Bewerbung auf Stipendien. All das frisst sehr viel Zeit, macht aber auch Spaß, da am Ende ja eine großartige Zeit wartet.

In der Vorbereitung gab es mit dem Extension Programm einige Probleme. Zum Beispiel wurde mehrfach ein negativer Tuberkulose Test und eine Grippeimpfung gefordert, welche im Nachhinein dann überhaupt nicht nötig waren.

Schon Fernweh bekommen?

Ansonsten haben wir noch viele weitere Erfahrungsberichte zu unseren Partnerhochschulen. Alternativ beraten wir dich auch gern und helfen dir, eine passende Hochschule für dich zu finden!

Weitere Erfahrungsberichte Kostenlose Beratung


Unterkunft, Kosten und Leben

Housing in San Diego ist (seit 2021) ein Riesenproblem! Die von der University of California San Diego (UCSD) empfohlenen Unterkünfte waren alle voll und die einzige angebotene Lösung waren Hotelzimmer im Marriot. Da es sich also schwierig gestaltet hat von Deutschland etwas zu finden sind viele Internationals und auch ich für die erste Woche in ein Hostel gezogen und haben vor Ort etwas gesucht. In ein unbekanntes Land zu fliegen und dort nicht einmal eine Unterkunft zu haben ist nicht die angenehmste Erfahrung. Ich bin dann mit einigen weiteren Europäern dauerhaft in ein AirBnB gezogen, andere hatten teilweise für Wochen noch keine Unterkunft und wohnten erstmal im Hotel. Die meisten haben ca. $800 bis 1200 pro Monat für ihre Unterkunft gezahlt. Die gesamten Lebenshaltungskosten waren ca. dreimal so hoch wie ich das aus Deutschland gewöhnt war.

Die Organisation war sonst aber kompetent und hat sich immer sehr um die Studenten gekümmert.

Da es nicht möglich ist auf dem Campus zu wohnen gibt es zwei Möglichkeiten zu wohnen: Entweder man wohnt an der Uni in University City, Clairemont o.ä. (vielleicht etwas günstiger, je weiter man in Richtung Inland geht und kürzerer Weg zur Uni) oder man möchte im trendigen Party-, Surf- und Café-Paradies Pacific Beach (PB) sein.

Ich würde jedes Mal wieder PB empfehlen. PB (oder auch MB) ist einfach ein Traum. Hier kann man richtig auskosten, dass man im Sunny State studiert. Der Strand, die Atmosphäre, die Clubs, Bars und Cafés sind den weiteren Weg zur Uni einfach wert. Wer hier nicht zum Surfer wird, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Gutes gebrauchtes Equipment gibt es z.B. bei Play It Again Sports.

Von PB gibt es einen Bus (ca. 1 Std) und inzwischen eine Trolley-Verbindung (Park’n Ride ca. 20 min) zum Campus. Trotzdem braucht man meiner Meinung nach ein Auto (zumindest geteilt mit Freunden oder Mitbewohnern), um das Auslandssemester hier voll auszukosten. Möchte man das Umland erkunden, SD-Downtown, Point Loma oder Ocean Beach sehen, so kommt man schnell an die Grenzen des Öffentlichen Nahverkehrs. Sobald man vielleicht auch mal die Westküste ein wenig entlangfahren, LA besuchen oder Coronada, Del Mar und Tijuana sehen will, so gibt es überhaupt keine andere Möglichkeit mehr, denn auch ubern wird auf Dauer teuer.

Ob man sich nun ein Auto mietet oder kauft, macht für drei Monate wohl nicht so einen Unterschied, bleibt man länger lohnt sich der extra Aufwand eines zu kaufen aber auf jeden Fall.


Covid

Da es für die UCSD das erste Quarter nach Corona war, wurde sehr viel Wert daraufgelegt, dass alle geimpft, maskiert und getestet (letzteres zumindest die ersten Wochen) waren. Trotzdem kam es auch vor, dass man mit hunderten Studenten eingeengt im Hörsaal saß.

Außerhalb der Uni und in San Diego gab es allerdings praktisch keine Corona-Regularien, was dazu geführt hat, dass praktisch jeder während dem Auslandsaufenthalt einmal Corona hatte, vor allem in der Omikron-Welle. Tests, Impfungen und sonstige gesundheitliche Behandlung hat man ohne Probleme und kostenlos von der UCSD Health bekommen, solange man über diese versichert ist. Zurzeit (01/22) ist die UCSD wieder komplett im Onlinemodus (Anmerkung der Redaktion: Ab 31.01. kehrt die UCSD zum Präsenzmodus zurück.)


Kurswahl

Zu Beginn des Semesters steht das Course Crashing an, um Kurse zu wählen. Da es völlig undurchsichtig ist, in welche Kurse man eigentlich reinkommt und wo nicht, belegt man die ersten Wochen deutlich mehr als eigentlich nötig. Im Laufe der zweiten bis dritten Woche erfährt man dann, in welche Kurse man reingekommen ist. Da amerikanische Unis auch unter dem Semester gerne Abgaben, Quizze und Readings aufgeben sind diese Wochen sehr anstrengend. Währenddessen musste ich mich außerdem noch um die Anrechnung an meiner Heimathochschule kümmern.

Letztendlich sind jedoch eigentlich alle in die Kurse reingekommen, die sie auch belegen wollten. Ich persönlich war sehr zufrieden mit meinen Kursen. Die „Introduction to Machine Learning“ war sehr gut gehalten und 50% der Note wurden durch Programmieraufgaben in Python ausgemacht, in denen man die Theorie sehr gut anwenden konnte. In „Ubiquitous Computing“ hatten wir die Möglichkeit mit verschiedensten Technologien, Programmiersprachen und Tools ein IoT Projekt zu designen. Und „Social Entrepreneurship“ hat mit einem coolen Teamprojekt gezeigt, wie „Social Good“ Unternehmertum in den USA funktioniert.

Insgesamt sind die Kurse an der UCSD deutlich kleiner, interaktiver und praktischer, als ich das von deutschen Unis im Bachelor gewöhnt bin. Der Fokus liegt nicht auf einer Klausur am Ende des Semesters, sondern auf Projekten, Präsentationen, Abgaben und Quizzen neben dem Vorlesungsbetrieb. Ich habe z.B. in der exam week eine kleine Klausur, zwei Präsentationen und eine Programmierabgabe gehabt. Insgesamt ist der Arbeitsaufwand unter dem Semester an der UCSD für viele Kurse sehr hoch gewesen, der Schwierigkeitsgrad allerdings angemessen.


Studienalltag

Ich werde den Unialltag an der UCSD wirklich vermissen! Schon der Weg zur Uni über den SD Scenic Drive und der Parkplatz am Torrey Pines Gliderport direkt an der Steilküste zum Blacks Beach mit Delfinen und Surfern war ein Highlight. Von dort geht es dann mit dem Skateboard (hier wirklich eine sinnvolle Anschaffung) über den riesigen Campus. Der Campus ist sehr schön und hat viel zu bieten. Geisel Library, „Fallen Star“, Price Center, verschiedenste Restaurants, Cafés, der Bookstore (für Merchandise) und die Stuart Collection machen den Campus wirklich sehenswert.

Meine Professoren waren alle super motiviert und hatten Spaß am Unterrichten. In der Mittagspause gab‘s eine kurze Pause in einer Hängematte bei ca. 25° auch im Dezember und später konnte man den Sonnenuntergang über dem Pazifik vom Dach des brandneuen „sixth college“ sehen. So eine schöne Arbeits- und Lernumgebung werde ich wohl lange nicht mehr haben.

Auf der anderen Seite steht jedoch auch der Stress für viele Studenten. Obwohl wir großteils nur 12 Units belegt hatten, saß man oft bis spät abends in der Bib am Arbeiten. Die UCSD legt großen Wert darauf eine der Top öffentlichen Universitäten zu bleiben und der Arbeitsaufwand ist nicht zu unterschätzen.


Freizeit

Für die Zeit neben der Uni hat San Diego und ganz Kalifornien natürlich wahnsinnig viel zu bieten. Nach den ersten stressigen Wochen konnte ich das dann auch richtig genießen.

Surfen (besonders PB & Blacks Beach), Beachvolleyball (Mission Beach) und Spikeball, Skaten (Beachwalk PB), Sonnenuntergänge und Delfine gucken (eigentlich an jedem Strand, mein Favorit ist aber vom Gliderport), Feiern gehen (PB: Moonshine Beach, Shore Club, Firehouse), Karaoke (Del Mar), Lagerfeuer und Yoga am Strand, Strandspaziergänge (Blacks Beach, Coronado), Wandern (Torrey Pines und im Umland), Nationalparks besuchen (nah: Joshua Tree; weiter weg: Yosemite, Big Sur, Sequoia, Death Valley, Grand Canyon), Tacos und Burritos essen (Oscars, Taco Surf, Taco Stand und Nico‘s), Iced Latte trinken (La Clochette, Palmys), Seelöwen gucken (La Jolla Cove), mit Haien schwimmen (La Jolla Shores), Whale Watching, Flugzeugträger besichtigen (USS Midway), Rooftop Bars entdecken (Downtown), Baseball gucken (Petco Park) und noch viel mehr, um nur einiges zu nennen was ich so während des Semesters gemacht habe. Und falls es einem in den USA langweilig wird, dann kann man natürlich auch einfach rüber nach Mexiko fahren, um in Tijuana zu feiern oder die Strände Baja Californias zu entdecken. Auch das Essen in San Diego ist durch den mexikanischen Einfluss einfach super! Besonders kann ich Oscars empfehlen: Dort gibt es die besten Fischtacos und während der Happy Hour sogar zum Preis von einem Dollar.

Freizeittechnisch ist San Diego einfach der Wahnsinn und es gibt für mich keinen besseren Ort für ein Auslandssemester!

Leider muss man sagen, dass der Spitzname „UC Socially Dead“ auch nicht von irgendwo kommt. Wer nur nach Collegepartys aus ist, der ist hier leider falsch. Alternativ zur UCSD gibt’s in SD auch noch die SD State University, die für ihre legendären Partys und Fraternities bekannt ist. Das soll nicht heißen, dass man an der UCSD keinen Spaß haben kann. Man darf sich dabei nur nicht auf die UC Partys verlassen. Dafür muss man halt mit Freunden nach PB, Downtown, mit Lagerfeuer und Bier an den Strand oder Leute an der SDSU kennen.

Wenn man nach der Uni noch Zeit hat, kann man in Kalifornien und Umgebung außerdem die coolsten Roadtrips machen und wahnsinnig schöne Nationalparks und Landschaften besuchen. Und Hawaii ist übrigens auch nicht so weit weg…