2 Feb
Erfahrungsbericht von Jonathan M.

University of California San Diego

Stadt: San Diego
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Politikwissenschaft
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2014 bis 12/2014

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

1. Bewerbung und Vorbereitung auf das Auslandssemester

In meinem Studiengang ist das 5. Semester ein verpflichtendes Auslandssemester. Da ein Student aus dem höheren Semester auch an der UCSD war und ich schon immer mal für eine Zeit in den USA leben wollte, hatte ich mich schnell festgelegt. Der Student war auch sehr positiv in Bezug auf sein Semester dort.

Der Bewerbungsprozess war lang, aufwändig und teuer. Allerdings wurde ich sehr gut von College Contact unterstützt. Dieses Büro wird von den amerikanischen Hochschulen finanziert, ist für den Studenten also kostenfrei. Von dort habe ich einen ausführlichen Leitfaden erhalten, was zu welchem Zeitpunkt im Bewerbungsprozess zu erledigen ist. Hierzu ist eine ganze Menge Papierkram zu erledigen, aber College Contact war hier immer ein exzellenter Partner, der mir höflich, fachkompetent und ausführlich auf meine Fragen geantwortet hat.

Teil des Prozederes ist, ein Studentenvisum (F1) zu beantragen. Hierzu werden einem eine Menge Fragen gestellt, die man online beantwortet, unter anderem auch zu den Arbeitgebern und Reisezielen der letzten Jahre. Da ich mir nicht sicher war, wie präzise die Angaben sein müssen, habe ich den sicheren Weg gewählt und alles wahrheitsgemäß und ausführlich beantwortet und somit einige Stunden am PC zugebracht. Wenn man diese Fragen beantwortet hat, macht man einen persönlichen Termin bei der US-Botschaft in Berlin, Frankfurt oder München. Hier wurde ich lediglich gefragt, was ich dort studieren möchte und dann wurde das Visum erteilt.

Der Bewerbungsprozess war jedoch schon der unangenehmste Teil des Auslandssemesters, von da an ging es nur noch bergauf.

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2. In San Diego

San Diego wird nicht umsonst “America´s Finest City“ genannt. Das Wetter ist always sunny and 75°, also immer zwischen 20 und 30 Grad Celsius und sonnig. Zudem sind mir die Amerikaner in fast allen Fällen als völlig unkompliziert, aufgeschlossen und über die Maßen hilfsbereit begegnet. Viele Dinge wie ein Prepaid-Handy zu kaufen funktionieren schneller und einfacher als in Deutschland. Ich würde sagen, dass es an kaum einem Ort leichter ist, sich wohl zu fühlen, als dort. Man kann jede Menge Outdoor-Aktivitäten machen und sich an die kilometerlangen Strände legen. Allerdings ist die Stadt sehr weitläufig, niemand läuft zu Fuß und auch Fahrradfahrer sieht man selten. Da der öffentliche Nahverkehr auch nicht so besonders ist, haben mein deutscher Mitbewohner und ich uns dafür entschieden, einen Mietwagen zu nehmen. Mit dem Auto ist, mit Ausnahme von der Rush-Hour, alles schnell und easy zu erreichen. In zwei Stunden ist man von hier aus in Los Angeles, und auch einige Nationalparks sind für amerikanische Verhältnisse geradezu um die Ecke. Nach Las Vegas kann man es in 5 Stunden schaffen.


3. Kurswahlverfahren

Die Kurswahl für International Students unterscheidet sich stark nach Departments. Ich habe drei politikwissenschaftliche Kurse gewählt. Dass die Internationals erst drei Wochen nach dem Beginn des 10-wöchigen Quarters ihre Kurse wählen können, und zwar erst nachdem die „richtigen“ Studenten gewählt haben, ist relativ mühsam und ärgerlich. Man ist angehalten, in 7-10 Kursen mitzuarbeiten, damit man dann so zugeteilt werden kann, wie es der Uni passt. Ich habe das nicht gemacht, sondern mir zwei Kurse im Vorwege schon bestätigen lassen und den dritten Kurs auf Risiko besucht. Am Ende hatte ich Glück und hab, nach ein bisschen Diskussion, alle drei Kurse erhalten.

Die UCSD liegt in La Jolla, relativ weit im Norden von San Diego. Es fahren Busse, wir haben uns jedoch auf Grund der schlechten Verbindungen für einen Mietwagen entschieden. Allerdings kosten Parking Permits 60 $ im Monat und es rät einem eigentlich jeder davon ab, eine solche zu kaufen, weil die Parkplätze schon morgens um 8 voll sein sollen. Man kann jedoch westlich vom Gelände kostenlos parken, muss dann allerdings einen ca. 30-minütigen Fußmarsch auf sich nehmen. Es handelt sich hierbei um den Parkplatz vom Torrey Pines Gliderport, einem öffentlichen Parkplatz.


4. Kurse an der UCSD

Ich habe drei Kurse besucht, International Political Economy, European Integration und Comparative Political Parties. Für alle Kurse war relativ viel zu tun, für International Political Economy 2 Klausuren und 1 Essay von ca. 8 Seiten. Für die beiden anderen Kurse waren jeweils zwei Essays von 5-7 Seiten notwendig. Zusätzlich waren pro Woche und Fach ca. 80-150 Seiten Literatur zu lesen. In diesen 10 Wochen des Semesters war also immer gut zu tun,  aber ich habe auch sehr viel gelernt, weil die Profs hochmotiviert und kompetent sind. Jede Frage ist willkommen, auf E-Mails wird innerhalb von wenigen Stunden geantwortet. Insgesamt fühlte man sich wie ein Kunde. Ein Prof sagte: „You pay a lot of money to be here, so I will do my very best to teach a great course“. Und das war tatsächlich nicht nur ein Lippenbekenntnis, das meinte er auch so.

International Political Economy

Dozentin: Prof. Christina Schneider. In diesem Kurs ging es um die Auswirkungen, die insbesondere Institutionen wie IMF, Weltbank und die nationalen Formen von Entwicklungshilfe auf die Entwicklung von Staaten haben. Der Fokus lag hierbei auf dem Institutionendesign. Der Kurs war quasi ein Zwitterwesen aus VWL und Politikwissenschaften. Es waren keine mathematischen Kenntnisse notwendig, aber der Kurs hat geholfen, ein Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu entwickeln. Die Betrachtung erfolgte jedoch immer von einem politikwissenschaftlichen Standpunkt aus, d.h., welche Möglichkeiten es gibt, die Entwicklungshilfe so zu verändern, dass sie effektiv die von der Politik gesteckten Ziele erreicht.

European Integration

Dieser Kurs beschäftigte sich mit Europa und der Europäischen Union. Der Kurs vermittelte eine Sicht auf den Verlauf der Europäischen Integration aus amerikanischer Sicht. Dies ist äußerst interessant, denn die Amerikaner haben eine ganz andere Sicht auf die EU als die Europäer selbst. Der Professor, Prof. Fisk, ist der beste Professor den ich je hatte. Er war unterhaltsam, sein Amerikanisch war leicht verständlich trotz hoher Sprechgeschwindigkeit und die Thematik war in jeder Vorlesung interessant. Allerdings musste man auch die Texte gelesen haben, sonst konnte man schlecht folgen. Insgesamt ein sehr guter Kurs.

Comparative Political Parties

Auch Prof. Fisk. In diesem Kurs wurde das internationale Parteiensystem beleuchtet, insbesondere die europäischen Mehrparteiensysteme. Ich habe gelernt, entlang welcher cleavages sich neue Parteien bilden, warum es Zweiparteiensystem oder Mehrparteiensystem gibt und wie und aus welchen Gründen heraus neue Parteien entstehen. Dieser Kurs war unglaublich interessant, ich habe in diesem zehnwöchigen Kurs mehr über Parteiensysteme gelernt als in den drei Semestern meines Bachelors vorher.


5. Kostenaufwand

Um eines Vorwegzunehmen: Es war teuer. Im Endeffekt hat mich die Zeit von Anfang September bis Weihnachten ca. 18.000 € gekostet. Der größte Posten waren mit gut 6000 € die Studiengebühren. Weitere 1000 € wurden für den Flug fällig. Vor Ort habe ich die ersten vier Wochen im Hotel gewohnt, weil wir unsere Wohnung erst spät beziehen konnten, das Einzelzimmer hat 1100 € gekostet. Die Miete für die Wohnung lag dann bei gut 700 € im Monat, viel billiger ist es auch nicht möglich zu wohnen. Allerdings war die Wohnung dann auch komplett möbliert und ziemlich groß. Den Mietwagen habe ich mir mit meinem deutschen Roommate geteilt, der Wagen hat pro Kopf gut 200 € im Monat gekostet. Lebensmittel sind, je nach Geschäft, etwas billiger oder viel teurer als in Deutschland. Sprit kostet weniger als die Hälfte als in Deutschland, ist also eher ein nachrangiger Posten. Wichtig: Meine Kreditkartenfirma hat bei den Gebühren ordentlich zugelangt, insbesondere für Barabhebungen musste ich 7 % Gebühren zahlen. Darauf sollte man achten, denn die mündliche Zusicherung der Sparkasse, dass das alles gebührenfrei sei, war nichts wert. Insgesamt war es eine großartige Zeit, sowohl als Erlebnis als auch vom akademischen Input. Ich kann es nur jedem empfehlen.