5 Feb
Erfahrungsbericht von Erfan G.

Brock University


Hochschule: Brock University
Stadt: St. Catharines
Land: Kanada
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Wirtschaftsinformatik
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2019 bis 12/2019

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Vorbereitung

Um mich für die Zeit im Ausland vorzubereiten habe ich mich besonders früh bemüht. Das Stipendium zu erhalten schien für mich zu dem Zeitpunkt sehr unrealistisch, da ich mit den Vorbereitungen schon im ersten Semester begonnen hatte. Deshalb habe ich mich darauf nicht verlassen und einen Plan B ausgearbeitet. Dabei habe ich vieles praktisch aus meinem Studium anwenden können. Dieser Bestand aus den folgenden Punkten:

Bevor ich richtig mit dem Planen beginnen konnte, musste ich mich für ein Land entscheiden, welches für mich am sinnvollsten erscheint. Das war eine der schwersten Entscheidungen im gesamten Prozess. Jedes Land hat seine Vor- und Nachteile und man muss sich darüber im Klaren sein. Dafür habe ich mit vielen Freunden, Verwandten, Dozenten und Kommilitonen gesprochen. Nach den ganzen Diskussionen hat sich Kanada herauskristallisiert. Dazu gehört unter anderem, dass es den USA ähnelt, sich jedoch deutlich besser in den folgenden Punkten verhält:

  • Die Visaformalitäten
  • Die Kosten für:
    • Versicherung
    • Studium
    • Lebenshaltung

Außerdem lebte dort mein Cousin schon seit Jahren, was meine Entscheidung wesentlich beeinflusst hat. Er hat mich viel über das Land, Leben und die Chancen nach meinem Studium aufgeklärt und die letzten Zweifel ausgeräumt. Bei der Suche nach der geeigneten Universität hat er mich zudem beraten und auch die Brock University empfohlen, die im Bereich Wirtschaft einen sehr guten Ruf hat.

Sparen, sparen, sparen…

Der Aufenthalt in einem anderen Land ist gegebenenfalls sehr kostspielig. Ebenso war es auch mit Kanada, da die Ausgaben für Studium, Lebensmittel und Dienstleistungen meistens teurer sind als hier in Deutschland. Da ich unter anderem das erste Mal allein leben musste, konnte ich die Kosten nicht genau einschätzten und bin zu dem Entschluss gekommen so viel wie nur möglich zusammenzusparen, um nicht negativ überrascht zu werden.

Schon beim Bewerben auf die Universität musste ich eine Gebühr von 100$ entrichten. Dadurch ist mir erst aufgefallen, wie gut wir es hier in Deutschland haben. Den Betrag zu überweisen war sehr kostspielig, da bei meiner Bank ich ca. 20 Euro an Gebühren noch zusätzlich zahlen musste und es für mich kompliziert war das zuständige Überweisungsformular auszufüllen.

Bei den Studiengebühren hatte ich Glück, dass ich selbst über das Unternehmen Transferwise mitbekommen habe. Diese können Geld in den meisten Ländern zu niedrigen Gebühren und guten Wechselkursen anbieten. Zudem ist der gesamte Prozess supereinfach und klappt auch sehr schnell. Bei mir waren es rund 8500€, von denen noch mal ohne Transferwise 300€ zusätzlich an die Bank gehen würden.

Was mich positiv überrascht hat, war es jedoch so, dass man zu vielen Nebenkosten sich entscheiden kann, ob man sie zahlt. Zum Beispiel konnte man den Beitrag für die Brock Student Union (BUSU) sich sparen. Ich finde das sehr fair, da die jeweilige Institution Druck hat sich um die Studenten zu kümmern.

Visa-Formalitäten

Ein Semester in Kanada geht weniger als 6 Monate, sodass ich mir ein Studentenvisum ersparen konnte und vom ETA (Electronic Travel Authorization) gebrauch machen konnte. Beim Beantragen sollte man jedoch aufpassen, da zahlreiche Unternehmen sich für die kanadische Regierung ausgeben und eine zusätzliche Gebühr von 80 – 100 Dollar verlangen, um diesen Antrag abzuschicken. Darauf wäre ich fast hereingefallen, wäre ich nicht von vornherein misstrauisch an die ganze Sache herangegangen. Ein richtiger Antrag auf ETA kostet 7 Dollar, was circa 5 Euro sind.

Anreise und Ankunft in Kanada

Schon bevor ich eine Rückmeldung bekommen hatte, habe ich mich um einen Flug gekümmert, da mir das Risiko geringer als die Ersparnis war. Die Zusage traf wenige Tage später ein, worüber ich mich sehr gefreut habe. Dadurch konnte ich durch das Aufgeben von Flexibilität meine allgemeine Effizienz steigern. Mein Cousin konnte zudem frühzeitig Urlaub nehmen und mich abholen, was mir unglaublich geholfen hat. Zum einen konnte ich direkt vom Flughafen abgeholt werden und nach dem anstrengenden Flug hatte ich meine Ruhe in dem leisen und deutlich geräumigeren Auto.

Schon Fernweh bekommen?

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Kanadisch studieren

Immatrikulation

Um an einer internationalen Universität zu studieren habe ich den Dienstleister College Contact genutzt, da meine Hochschule mir diesen empfohlen hat. CC hat mir sehr geholfen, da ich über den gesamten Prozess keine Erfahrung hatte. Gefühlte tausend Fragen hat meine Betreuerin kompetent beantwortet, wofür ich dankbar bin. Dafür musste ich glücklicherweise nichts zahlen, da sie vermutlich von den Universitäten bezahlt werden. Mit ihrer Hilfe habe ich mich erfolgreich beworben. Da ich einen großen Nachteil hatte, dass diese Universität keine Partnerschaft mit meiner unterhielt, musste ich die dort üblichen Studiengebühren zahlen. Was mir aufgefallen ist, ist, dass die meisten Partneruniversitäten Privatuniversitäten sind.

Studium

An der Universität kam es mir zumindest so vor, dass ich ein Exot bin. Mir ist nämlich keiner begegnet, der auch ohne Partnerschaft die Uni besucht und kein gesamtes Programm studiert. Dadurch war es für mich schwer, das jemandem zu erklären, da ich nicht verstanden hatte, wie das Studieren dort verläuft.

Notengebung

An der Brock University ist das Studium sehr vergleichbar mit dem einer Hochschule. Es gibt viele Hausaufgaben, somit muss man auch während des Semesters am Ball bleiben. Es gibt nur einen großen Unterschied, der mir nicht so sehr gefallen hat. Jede Abgabe, Gruppenarbeit oder Ähnliches wird benotet. Somit ist es für mich, der im Allgemeinen darauf abzielt etwas zu verstehen und sich mit den Themen auseinanderzusetzen, schwer eine sehr gute Note zu erhalten, da schon eine verhauene Abgabe ausreicht, um nicht mehr die Bestnote erzielen zu können. Zudem gerade als „Ersti“, wenn man nicht ganz versteht, wie das Niveau ist, kann man gut die ersten Abgaben unterschätzen. Der Vorteil von dem Ganzen ist es jedoch, dass man als etwas schwächerer Student es schwer hat durchzufallen, da man viele Möglichkeiten hat, seine Note zu retten. Mir gefällt aber der Ansatz mit Bonuspunkten an der Hochschule deutlich besser.

Lernen

Dadurch, dass ich den wirtschaftlichen Teil meines Wirtschaftsinformatikstudiums dort studiert habe, kann ich keine genauen Angaben zu einem Informatikstudium machen.

Das Fach Corporate Finance konnte ich, obwohl sich die Gesetzsituation von hier unterscheidet, sehr gut meistern. Nervig ist es jedoch gewesen, dass ich dazu gezwungen wurde einen Online Access eines Bücherherstellers zu kaufen, für ein Quiz, von dem 20% meiner Gesamtnote abhängig gemacht wurde. Glücklicherweise war das Buch, auf dem die Aufgaben basierten, anwendungsnah mit sehr vielen Beispielen ausgeschmückt, was für mich zu viel wurde. Oftmals brauchte ich schon allein für das konzentrierte Lesen eines Kapitels mehrere Tage, dann die Übungsaufgaben dazu zu machen, hat auch zudem einen bis zwei ganze Tage in Anspruch genommen. Jede Woche ein Quiz ist am Anfang noch gut machbar, kurz vor der Prüfungsphase wird das schon deutlich anstrengender. Zumal es in Kanada auch üblich ist, zwei Prüfungen je Fach zu machen (Midterm- und Final Exam).

Klassen

Die Klassengröße ist sehr unterschiedlich, es gibt riesige Klassenräume, in denen Hunderte von Studenten sich aufhalten können und genauso auch kleine Räume, in denen nur zehn Studenten sitzen. Unglücklicherweise hatte ich immer Vorlesungen mit Hunderten Kommilitonen, die sich auch im Verlaufe des Semesters wie üblich rarmachen. Da die Studenten aus unterschiedlichen Studiengängen denselben Kurs besuchen können, sind die Diskussionen viel interessanter. Es kommt oft vor, dass man von komplett anderen Sichtweisen überrascht wird und durch gute Argumente seine eigene Stellung hinterfragen kann.

Studienkollegen und Freizeitgestaltung

Als sehr extrovertierter Mensch kennt man mich und ich habe selten Probleme, Freundschaften zu schließen. In Kanada sind die Menschen viel offener und unvoreingenommener, somit ging es für mich schnell Freundschaften zu schließen und Beziehungen aufzubauen. In meiner Freizeit habe ich mich auf Veranstaltungen der Universität begeben, bei denen ich viel gelernt habe, da die meisten Events darauf basieren Wissen mithilfe von Spaß zu vermitteln. So haben sie die Gefahren von Feuer im Wohnheim demonstriert, indem sie ein nachgebautes Zimmer auf einer offenen Fläche verbrannt haben. Vor, während und nach dem Brand wurden weiter Informationen durch einen Feuerwehrmann mitgeteilt. Keine solcher Veranstaltungen war verpflichtend, jedoch waren diese trotzdem sehr gut besucht. An solchen Events gab es oft gute Möglichkeiten Networking zu betreiben, da meistens Verpflegung gestellt worden ist und man oft beim Essen ins Gespräch mit dem Sitznachbarn gekommen ist.

Verpflegung

Ohne Verpflegung gibt es keine Bewegung und an der Brock ist das Essen in der Mensa teilweise gesund und lecker. Es gibt eine große Auswahl von verschiedenen Essen (meistens Fast Food) und eine Salatbar. In dem Gebäude des „AStA“ gibt es mehrere Franchises wie Subway oder Harveys. Somit kann man zumindest abwechslungsreich essen. Falls es einem immer noch nicht reicht, gibt es noch eine Kantine in einem der Studentenwohnheime auf dem Campus und noch eine weitere kleine Kantine mit Pizza Pizza und Pita Pit am anderen Ende der Uni. Dadurch, dass ich viel sportlich aktiv war, wurde mir das Essen einfach zu teuer. Ich habe im Schnitt nur für das Mittagsessen 15€ ausgeben müssen. Zudem hat man es in Plastikutensilien bekommen, was mir als umweltbewusstem Menschen gar nicht gefallen hat. So habe ich mich dazu entschlossen selbst kulinarische Delikatessen zuzubereiten.

Das hat mir zum einen Spaß gemacht, zum anderen war das eine gute Methode einfach abzuschalten. Da es zeitlich manchmal enger wurde, habe ich versucht für die ganze Woche zu kochen. Problematisch wurde es, dass es meistens nicht für eine Woche hielt. Im Schnitt konnte ich jedoch mit zwei Mal kochen gut über die Woche kommen.


Zimmersuche

Ich habe mich zuerst auf ein Zimmer am Campus beworben und das auch bekommen. Aber später ist mir aufgefallen, dass die Zimmer sehr klein, sehr teuer und das Essen an der Universität verpflichtend sind. Daher habe ich mich dagegen entschieden. Die Miete, das Essen und die Studiengebühren waren zudem vor dem Antritt des Studiums fällig. Diese Menge konnte ich nicht auf einmal selbst zahlen und den Aufwand Verwandte oder die Bank zu fragen, war es mir nicht Wert. Somit habe ich mich auf Zimmer in der Stadt beworben und mit viel Glück eins erhalten, da ich relativ spät mich dafür gemeldet habe.

Dafür habe ich mich an alle Vermieter gewendet, die Anzeigen auf zwei Webseiten veröffentlicht haben. Von diesen ca. 30 haben sich vier gemeldet und nur einer hat mir zugesagt, die restlichen wollten nur weibliche Mieterinnen. Mein Vermieter ist unglaublich nett und verständnisvoll gewesen, sodass wir uns super verstehen und guten Kontakt zueinander Pflegen. Mein Haus, dass ich mit vier weiteren Studenten teile, war sehr gut ausgestattet, sodass wir ein angenehmes Leben dort verbringen konnten und mit 300€ Miete im Monat sehr günstig.