Human­medizin in Tschechien studieren

Wer in Deutschland Humanmedizin studieren möchte, braucht entweder ein Spitzenabitur oder sehr viel Geduld, um die Wartesemester abzusitzen. Eine Studienplatzklage ist nicht nur teuer, sondern auch eher selten erfolgversprechend. Wer seinen Traum vom Arztberuf dennoch nicht aufgeben möchte, sollte einen Blick auf die englischsprachigen Studiengänge der Humanmedizin an Universitäten in Tschechien werfen. Das Besondere am dortigen Studiensystem: Für die Zulassung ist nicht die Abiturnote ausschlaggebend, sondern das Bestehen einer Aufnahmeprüfung.

Englischsprachige Studiengänge im Fach Humanmedizin gibt es in Tschechien bereits seit den frühen 1990er Jahren, also kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Mittlerweile sind sie ein fester Bestandteil in der tschechischen Hochschullandschaft. Der hohe Praxisanteil, die kleinen Lerngruppen, der enge Kontakt zu den Lehrenden und die hohe akademische Qualität insgesamt bieten optimale Studienbedingungen und eine gute Alternative zum Medizinstudium in Deutschland.

College Contact hat derzeit vier Partnerhochschulen in Tschechien, die ein englischsprachiges Studium der Humanmedizin für internationale Studenten anbieten und kann hier Unterstützung beim Bewerbungsprozess bieten. Die dortigen Studiengänge der Humanmedizin sind akkreditiert und in der EU, in den USA und in vielen anderen Ländern anerkannt.

Bewerbung und Zulassungs­voraussetzungen

Auch ohne Einserabitur möglich: Wer sich in der Aufnahmeprüfung bewährt, kann Humanmedizin in Tschechien studieren!

Auch wenn die Hürden nicht so hoch sind wie in Deutschland, so müssen die Bewerber für ein Studium der Humanmedizin in Tschechien dennoch gewisse Anforderungen erfüllen. Ohne Abitur kann man auch dort nicht Medizin studieren. Aber, und dies ist das Ausschlaggebende, an tschechischen Hochschulen gibt es keinen Numerus Clausus. Die Zulassung zu einem Studiengang erfolgt über eine Aufnahmeprüfung, auf die man sich ganz gezielt vorbereiten kann. Dies ist auch bei Studiengängen der Humanmedizin der Fall.

Der Studienbeginn für Humanmedizin an den Hochschulen in Tschechien ist übrigens nur im Wintersemester (September / Oktober) des akademischen Jahres möglich. Interessenten können ab dem Frühjahr, sobald die jeweiligen Unis die Bewerbungsunterlagen aktualisiert haben, ihre Bewerbung einreichen. Der Bewerbungsschluss ist normalerweise eine Woche vor dem Prüfungstermin.

Da das Studium komplett auf Englisch stattfindet, solltet ihr natürlich über gute Englischkenntnisse verfügen. Die tschechischen Hochschulen verlangen aber in der Regel keinen Sprachnachweis.

Die Aufnahmeprüfung für ein Studium der Humanmedizin in Tschechien

Bei der Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium müsst ihr beweisen, dass ihr über gute Kenntnisse (Oberstufenniveau) in den naturwissenschaftlichen Fächern Chemie, Biologie sowie wahlweise in Mathematik oder Physik verfügt.

Jede Uni hat ihre eigene Aufnahmeprüfung, aber auch die einzelnen medizinischen Fakultäten der Karls-Universität wie die Third Faculty of Medicine in Prag und die Faculty of Medicine in Hradec Králové. Die gestellten Aufgaben sind alle auf Englisch und in Form von Multiple-Choice-Fragen. Die Aufnahmeprüfungen führt College Contact in der Regel in Zusammenarbeit mit den tschechischen Partnerhochschulen in Münster durch.

Unterschätzen solltet ihr die Prüfungen nicht, denn die tschechischen Hochschulen orientieren sich inhaltlich an den britischen A-Levels und diese liegen vom Niveau her etwas höher als in der deutschen Oberstufe. Sich gut auf die Prüfung vorzubereiten, lohnt sich, denn schließlich werdet ihr das abgefragte Wissen spätestens im Medizinstudium brauchen.

Einige Universitäten in Tschechien verlangen nach erfolgreichem Bestehen der schriftlichen Aufnahmeprüfung noch eine mündliche Prüfung beziehungsweise ein Interview. Im mündlichen Teil geht es in der Regel um die Interpretation eines wissenschaftlichen Artikels und / oder ein Gespräch über die Grundlagenkenntnisse und die persönliche Motivation für das Studium der Humanmedizin.

Wer Humanmedizin in Tschechien studieren möchte, sollte sich auf jeden Fall bei allen infrage kommenden Universitäten bewerben und an der jeweiligen Aufnahmeprüfung teilnehmen, um seine Chancen auf einen Studienplatz zu erhöhen. Das ist auch deshalb sinnvoll, da die Prüfungen alle inhaltlich sehr ähnlich sind. Das heißt: Wer auf eine Prüfung gut vorbereitet ist, kann auch die anderen Prüfungen meistern. Unterschiede bestehen vor allen Dingen in der Art der Bewertung und wie streng diese ausfällt. Während bei der einen Universität insgesamt „nur“ 60 Prozent der Aufgaben richtig sein müssen, verlangt die andere Universität in jedem Teilbereich mindestens 50 Prozent richtig gelöste Aufgaben. In diesem Fall müsst ihr also in allen Bereichen ungefähr gleich gut sein.

Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung tschechischer Hochschulen

Auf die Aufnahmeprüfungen solltet ihr euch sehr gründlich vorbereiten und das Oberstufenwissen in den naturwissenschaftlichen Fächern frühzeitig aufarbeiten und wiederholen. Auf den Webseiten der Unis könnt ihr euch detailliert über die Tests und deren abgefragten Inhalte informieren. Um gut vorbereitet zu sein, ist es außerdem empfehlenswert, sich alte Prüfungen der jeweiligen Unis anzusehen und diese durchzuarbeiten.

Um die Zeit bis zu den Prüfungen im Mai oder Juni sinnvoll zu nutzen, macht es Sinn, ein sogenanntes Vorsemester in Medizin zu absolvieren. Hier könnt ihr euch das für das Medizinstudium relevante Wissen vorher aneignen. Das ist nicht nur eine gute Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung, sondern auch auf das Studium der Humanmedizin an sich. Auch die tschechischen Universitäten bieten vorbereitende Crashkurse an, sowohl vor Ort als auch in Form von Onlinekursen.


Aufbau eines Studiums der Humanmedizin in Tschechien

Kleine Lerngruppen und eine individuelle Betreuung - in Tschechien erhalten internationale Studenten eine medizinische Ausbildung auf hohem Niveau.

Die Studiengänge dauern sechs Jahre und entsprechen 360 ECTS-Punkten. Sie bestehen aus einem theoretischen und vorklinischen sowie einem klinischen Teil beziehungsweise einer Mischung aus Vorlesung und Praxis. Das akademische Jahr in Tschechien ist in zwei Semester eingeteilt, die aus 15 Wochen Unterricht und einer vier- bis sechswöchigen Examensperiode bestehen.

Das Studium der Humanmedizin in der Tschechischen Republik ist, ebenso wie in Deutschland, nicht in ein zweistufiges Bachelor- und Masterstudium untergliedert, sondern es handelt sich um einen sogenannten Long-cycle master’s degree. Ebenso wie das deutsche Medizinstudium endet das tschechische Medizinstudium mit einem Staatsexamen, dem sogenannten Státní rigorózní zkouška.

Das Medizinstudium verläuft an allen tschechischen Universitäten im Großen und Ganzen ähnlich. Unterschiede gibt es eventuell im Studienverlaufsplan und der Kursstruktur: Während die Charles University in Prag beispielsweise die Bereiche „Medizinische Grundlagen“, „Vorklinische Fächer“ und „Klinische Arbeit“ in sogenannte „Cycles“ einteilt und diese wiederum in Module mit verschiedenen Kursen gliedert, folgen die Masaryk University und Palacký University eher dem „klassischen“ Curriculum.

Der Unterricht findet in Form von Vorlesungen, Seminaren und sogenannten Practicals (Übungen) statt. Alle Medizinischen Fakultäten in Tschechien teilen die Studenten für die Seminare und Practicals in kleine Gruppen von acht bis maximal 15 Studenten ein, um auf diese Weise eine angenehme und effektive Lernatmosphäre zu schaffen. Theoretisches und Praktisches durchdringt sich von Beginn an und die Studenten kommen frühzeitig mit Patienten in Kontakt. Zwischen den internationalen und den einheimischen Studenten wird kein Unterschied gemacht. In allen englischsprachigen Medizinstudiengängen erhalten internationale Studenten allerdings in den ersten drei Jahren noch parallel Unterricht in Tschechisch, damit sie später auch mit ihren Patienten kommunizieren können.

Ebenso wie in Deutschland ist das Medizinstudium in Tschechien in zwei Abschnitte gegliedert: in die Vorklinik und die Klinik. Allerdings sind hier die Grenzen zwischen Theorie und Praxis oftmals fließender und bereits im ersten Studienabschnitt wird Wert darauf gelegt, klinische Bezüge herzustellen. Gerade in den ersten Semestern, in denen die theoretischen und vorklinischen Disziplinen gelehrt werden, finden kontinuierlich kleinere Leistungsüberprüfungen statt. Auf diese Weise haben die Studenten den Anreiz, stets am Ball zu bleiben, gleichzeitig hängt nicht alles von einer Klausur am Ende des Semesters ab.

Anders als in Deutschland, gibt es im Rahmen des tschechischen Medizinstudiums weder das Physikum noch das sogenannte „Hammerexamen“ (das zweite Staatsexamen). Stattdessen schließen dort die Studenten jedes Fach der Vorklinik mit einer einzelnen Prüfung ab, die in der Regel aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil besteht. Ähnlich verhält es sich mit den Abschlussprüfungen am Ende des Studiums. Auch hier haben die Studenten fünf bis sechs einzelne Staatsexamen in den verschiedenen Fächern wie etwa Kinderheilkunde, Innere Medizin und Chirurgie.

Nach erfolgreichem Bestehen aller Teilprüfungen des Státní rigorózní zkouška, dem tschechischen Staatsexamen, erhalten die Studierenden den akademischen Abschluss MUDr., den Medicinae Universae Doctor. Dieser Abschluss ist in Deutschland anerkannt und die Absolventen können, zurück in der Heimat, problemlos die Approbation beantragen.


Kosten und Finanzierungs­möglichkeiten eines Medizin­studiums in Tschechien

Zugegeben: Wer Humanmedizin in Tschechien studieren möchte, muss tief in die Tasche greifen. Zumindest, wenn es um den englischsprachigen Studiengang geht. Anders als die Studiengänge, die auf Tschechisch unterrichtet werden, sind diese nämlich auch für EU-Bürger nicht kostenlos. Die Höhe der Gebühren ist abhängig von der jeweiligen Medizinischen Fakultät und bewegt sich zurzeit zwischen EUR 9.200 und EUR 12.200 pro Studienjahr.

Die Tatsache, dass internationale Studenten für englischsprachige Medizinstudiengänge Studiengebühren bezahlen, schlägt sich jedoch auch in den Rahmenbedingungen nieder: Die Studenten profitieren von einer engmaschigen und individuellen Betreuung, von modernster Ausstattung und daher auch optimalen Möglichkeiten, sich zu entfalten und viel Praxiserfahrung zu sammeln. Die hohen Studiengebühren lassen sich, zumindest zu einem Teil, durch die im Vergleich zu Deutschland wesentlich geringeren Lebenshaltungskosten kompensieren.

Wer Humanmedizin in Tschechien studieren möchte, muss sich im Vorfeld Gedanken über die Finanzierung machen. Eine gute Nachricht: Wer innerhalb der EU studiert, kann für das gesamte Auslandsstudium Auslands-BAföG beantragen. Hier gibt es für das erste Studienjahr sogar einen Zuschuss zu den Studiengebühren, allerdings nur bis maximal EUR 4.600.

Eine weitere Möglichkeit zur (Teil-)Finanzierung des Studiums wäre ein Stipendium, beispielsweise über eine Stiftung. Auch die Aufnahme eine Bildungs- beziehungsweise Studienkredits kann infrage kommen.


Nach dem Studium in Tschechien: Anerkennung in Deutschland

Anerkennung garantiert: Wer sein Medizinstudium in Tschechien erfolgreich beendet hat, erhält ganz unkompliziert die Approbation für Deutschland.

Die Studiengänge für Humanmedizin in Tschechien entsprechen den Vorgaben der Europäischen Berufsanerkennungsrichtlinie und werden daher in Deutschland ohne aufwendige Gleichwertigkeitsprüfung automatisch anerkannt. Jeder, der in Tschechien an einer anerkannten Hochschule erfolgreich ein Medizinstudium absolviert hat, kann die ärztliche Approbation in Deutschland beantragen.

Die Anerkennung eines komplett in Tschechien absolvierten Studiums der Humanmedizin in Deutschland gestaltet sich also aufgrund des Gleichbehandlungsgebots problemlos und unkompliziert. Denn die Inhalte der Ausbildung sind EU-weit geregelt. Die Anerkennung erfolgt über das Landesprüfungsamt des Bundeslandes, in dem man seinen Hauptwohnsitz hat.

Komplizierter ist es, nach der Vorklinik an eine deutsche Universität zu wechseln und dort das in Tschechien begonnene Medizinstudium fortzusetzen. Hier bewerben sich die Hochschulwechsler direkt in ein höheres Fachsemester. In diesem Fall ist für die Vergabe von Studienplätzen nicht mehr die Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de) zuständig, sondern die Hochschule selbst. Für die Bewerbung zu einem höheren Fachsemester benötigt man einen Anrechnungsbescheid, der über die im Ausland erbrachten Studienleistungen und Studienzeiten Auskunft gibt. Für diesen Qualifikationsnachweis ist wiederum das jeweilige Landesprüfungsamt (abhängig vom Geburtsort des Hochschulwechslers) zuständig.

Doch ein Studienplatz an einer deutschen Universität für den zweiten Studienabschnitt ist auch bei entsprechender Qualifikation nicht garantiert. Studenten aus dem Ausland konkurrieren hier mit den Studenten, die über die Stiftung für Hochschulzulassung nur einen sogenannten Teilstudienplatz erhalten haben und die also nur für die vorklinische Phase des Medizinstudiums zugelassen waren. Auch diese bewerben sich nun für den zweiten Studienabschnitt, der „Klinik“, an den medizinischen Fakultäten in Deutschland. Auch kann es sein, dass die Studierenden bei einem Hochschulwechsel nach Deutschland ein Studienjahr verlieren. Die Studieninhalte sind zwar insgesamt dieselben, jedoch kann der Studienverlauf beziehungsweise Studienplan durchaus anders organisiert sein. Die vollständige akademische Anerkennung ist also ebenfalls nicht garantiert.