Zahn­medizin in Tschechien studieren

Viele junge Menschen träumen von einem Studium der Zahnmedizin. Doch um diesen zu verwirklichen braucht es an deutschen Universitäten aufgrund des hohen Numerus Clausus eine exzellente Note im Abitur. Zig Bewerber warten jahrelang auf einen Studienplatz und nicht wenige versuchen es über eine Studienplatzklage. Effektiver und auch zeitsparender ist es, sich nach Studienmöglichkeiten im Ausland umzusehen. Zahnmedizin in Tschechien zu studieren ist für immer mehr Studenten aus Deutschland zu einer guten Alternative geworden, denn hier kommt es bei der Bewerbung nicht auf die Abiturnote an. Der Unterricht findet zudem komplett auf Englisch statt. Und auch um die berufliche Anerkennung des Auslandsstudiums in Deutschland müssen sie sich keine Gedanken machen.

College Contact hat derzeit drei Partnerhochschulen in Tschechien, die einen englischsprachigen Studiengang für Zahnmedizin im Programm haben und für die wir Bewerbungshilfe leisten. Hier findet ihr die wichtigsten Infos rund um das Bewerbungsverfahren, den Studienaufbau, die Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten und zum Thema Anerkennung.

Bewerbung und Zulassungs­voraussetzungen

Zahnmedizin in Tschechien studieren - eine gute Alternative, um dem hohen NC in Deutschland zu umgehen.

Ob es nun um ein Studium der Humanmedizin in Tschechien oder um eines der Zahnmedizin geht: die Zulassungsvoraussetzungen und der Bewerbungsablauf sind gleich. Grundvoraussetzung ist natürlich auch hier das Abitur – jedoch mit dem essenziellen Unterschied, dass die Abiturnote gar keine Rolle spielt. Ausschlaggebend für die Zulassung ist das erfolgreiche Absolvieren einer schriftlichen Aufnahmeprüfung und gegebenenfalls einer mündlichen Prüfung.

Die Aufnahme­prüfung für ein Studium der Zahn­medizin in Tschechien

Bewerber für ein Studium der Zahnmedizin an einer tschechischen Hochschule absolvieren die gleiche Aufnahmeprüfung wie die Bewerber für ein Studium der Humanmedizin. In der Prüfung werden die naturwissenschaftlichen Disziplinen Biologie, Chemie und wahlweise Physik oder Mathematik auf Oberstufenniveau (beziehungsweise auf dem Niveau der britischen A-Levels) abgefragt. Jede medizinische Fakultät stellt dabei eine eigene Prüfung, wobei diese sich generell inhaltlich sehr ähneln. Allein aus diesem Grund solltet ihr an mehreren Aufnahmeprüfungen teilnehmen, denn so erhöht ihr ohne Mehraufwand eure Chancen enorm. Denn vorbereiten müsst ihr euch ohnehin. Davon abgesehen werdet ihr das abgefragte Wissen spätestens in eurem Zahnmedizinstudium brauchen.

Alle Prüfungen der einzelnen Fakultäten sind komplett auf Englisch und in Form von Multiple-Choice-Fragen. Wesentliche Unterschiede zwischen den Prüfungen der einzelnen Hochschulen gibt es zwar nicht inhaltlich, jedoch hinsichtlich der Bewertung. Hier gehen die verschiedenen Hochschulen in Tschechien nämlich mehr oder weniger streng vor. Während an der einen Universität das Gesamtergebnis zählt und ihr einen schlechteren Bereich mit einem besseren Bereich ausgleichen könnt, verlangt die andere Uni in allen Bereichen gute Ergebnisse. Wer die schriftliche Prüfung mit Erfolg gemeistert hat, muss, je nach Hochschule, eventuell noch eine mündliche Prüfung absolvieren. Aufgabe ist hier beispielsweise die Interpretation eines wissenschaftlichen Artikels. Meist geht es im Großen und Ganzen jedoch vorrangig um die persönliche Motivation des Bewerbers und weniger um spezielle Fachkenntnisse.

Vorbereitung auf die Aufnahme­prüfung tschechischer Hoch­schulen

Eine gute Vorbereitung ist das A und O! Mit dieser solltet ihr auch so früh wie möglich beginnen. Der Studienbeginn ist immer zum Wintersemester des akademischen Jahres in Tschechien möglich und die Aufnahmeprüfungen finden im Mai oder Juni statt. Die Bewerbung kann in der Regel bis zu einer Woche vor dem Prüfungstermin eingereicht werden. Auf ihren Webseiten informieren die Medizinischen Fakultäten der tschechischen Unis darüber, welche Inhalte in den Prüfungen relevant sind. Hier könnt ihr euch außerdem oftmals auch die Prüfungen der letzten Jahre herunterladen, die ihr als Probeklausuren nutzen könnt. Auch in den Erfahrungsberichten deutscher (Zahn-)Medizinstudenten in Tschechien findet ihr den einen oder anderen Tipp und Literaturempfehlungen für eine gute Vorbereitung.

Wer sich sehr intensiv auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten möchte, könnte auch ein Vorsemester in Medizin absolvieren. Dafür gibt es verschiedene Anbieter in Deutschland. Aber auch die Hochschulen in Tschechien bieten vorbereitende Kurse (Online- oder Präsenzkurse) an. Hier könnt ihr nicht nur eure Bildungslücken in den betreffenden naturwissenschaftlichen Bereichen schließen, sondern auch testen, ob euch das naturwissenschaftliche Lernen überhaupt liegt.


Aufbau eines Studiums der Zahn­medizin in Tschechien

In sogenannten Phantom Laboratories lernen die Zahnmedizinstudenten in Tschechien schon früh die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Im Studiensystem in Tschechien ist das Studium der Zahnmedizin, wie auch in Deutschland, nicht in einen Bachelor- und Masterabschnitt gegliedert. Es handelt sich bei diesem fünfjährigen Vollzeitstudium um einen sogenannten Long-cycle master’s degree, an dessen Ende staatliche Abschlussprüfungen stehen. Nichtsdestotrotz wurde in Tschechien auch in zahnmedizinischen Studiengängen das ECTS-Punktesystem eingeführt, um die akademische Anerkennung einzelner Studienleistungen zu erleichtern und den internationalen Austausch zu fördern.

Nach jedem Studienjahr müssen die Studenten eine Mindestanzahl an ECTS-Punkten nachweisen, um im Studium voranschreiten zu können. Am Ende ihres Studiums müssen die Studenten mindestens 300 ECTS-Punkte angesammelt haben, um zum tschechischen Staatsexamen, dem Státní rigorózní zkouška, zugelassen zu werden. Außer, dass die internationalen Studenten im englischsprachigen Studiengang in den ersten Semestern zusätzlich Unterricht im Tschechischen erhalten, ist das Curriculum identisch mit dem tschechischsprachigen Zahnmedizinstudium.

Ebenso wie in Deutschland ist auch in Tschechien das Studium der Zahnmedizin in einen theoretisch geprägten vorklinischen und in einen praktisch ausgerichteten klinischen Teil gegliedert. Allerdings sind die Grenzen zwischen Theorie und Praxis fließender und bereits in der Vorklinik bekommen die Studenten ein Gefühl für die Praxis vermittelt. So üben sie Zahnfülltechniken und Wurzelbehandlungen beispielsweise in Phantombehandlungsräumen an sogenannten Kopf-Dummys, bevor sie dann später in der Klinik mit echten Patienten arbeiten.

Von Anfang an ist der Fokus auf die Zahnmedizin gelegt. Die Zahnmedizinstudenten lernen in den ersten beiden Jahren zwar auch die Theorie der Allgemeinmedizin, wie Biologie, Biochemie, Anatomie, Biophysik und dergleichen, der Fokus liegt jedoch stets auf den dentalen und oralen Bereichen. Aus diesem Grund werden die Studenten der Zahnmedizin, anders als in Deutschland häufig üblich, in Tschechien größtenteils separat unterrichtet. Bereits ab dem zweiten Studienjahr stehen Fächer wie Präventive Zahnmedizin, Kariologie und Prothesentechnik auf dem Lehrplan. Neben den medizinischen Inhalten sind häufig auch Lehrveranstaltungen in den Bereichen Management, Recht und Ethik im Zusammenhang mit Zahnheilkunde üblich.

Ab dem dritten Studienjahr beginnt in der Regel der intensive Spezialunterricht in den Fächern der Zahnmedizin wie beispielsweise Zahnerhaltung, Zahnmedizinische Radiologie, Kieferorthopädie, Oral- und Kieferchirurgie und Paradontal- und Konservierungsbehandlung. Ab dem vierten Studienjahr verbringen die Studenten mehrere Wochen in Praxen der allgemeinen Zahnmedizin oder in der Stomatologie der angeschlossenen Universitätsklinik.

Die theoretischen und praktischen Fähigkeiten der Studenten der Zahnmedizin in Tschechien werden kontinuierlich und studienbegleitend geprüft. Die Prüfungen sind dabei disziplinbasierend und werden von den verschiedenen Abteilungen gestellt. Neben mündlichen und schriftlichen Prüfungen gibt es vor allen Dingen im klinischen Abschnitt praktische Prüfungen, die einen Patientenfall involvieren. Am Ende des Studiums stehen die staatlichen Abschlussprüfungen in verschiedenen Bereichen der Zahnheilkunde. Wer diese erfolgreich absolviert, erhält den akademischen Titel MDDr. (Medicinae Dentium Doctor), der auch in Deutschland voll anerkannt ist und mit dem sich problemlos die Approbation beantragen lässt.


Zahn­medizin in Tschechien studieren: Kosten und Finanzierung

Die Kosten für ein Studium der Zahnmedizin in Tschechien sind leider sehr hoch, denn für den englischsprachigen Studiengang müssen die internationalen Studenten Studiengebühren zahlen. Ebenso wie in allen anderen Ländern, zählt auch in Tschechien Zahnmedizin aufgrund der hohen Materialkosten zu den teuersten Studiengängen überhaupt. Wer Zahnmedizin in Tschechien studieren möchte, zahlt je nach Universität derzeit zwischen EUR 11.000 und EUR 12.600 im Jahr. Dafür profitieren die Studenten allerdings auch von einer exzellenten Ausstattung, wie beispielsweise speziellen Simulationskliniken mit Dummys und riesigen Bibliotheken mit Fachliteratur sowie von einer sehr persönlichen und engmaschigen Betreuung.

Die gute Nachricht: Wer in Deutschland Anspruch auf BAföG hat, wird auch für ein Studium der Zahnmedizin in Tschechien Auslands-BAföG erhalten. Hier gibt es immerhin für das erste Studienjahr einen Zuschuss zu den Studiengebühren bis maximal EUR 4.600. Auch sind die Lebenshaltungskosten in Tschechien geringer als in Deutschland, sodass sich hier zumindest ein Teil der Gebühren ausgleichen lassen. Neben dem Auslands-BAföG gibt es auch noch die Möglichkeit, das Auslandsstudium mit einem Stipendium oder mit einem günstig verzinsten Studienkredit zu finanzieren.


Anerkennung des tschechischen MDDr.-Abschlusses in Deutsch­land

Das Studium der Zahnmedizin in Tschechien entspricht in vollem Maße den Europäischen Standards und die Anerkennung in Deutschland verläuft problemlos.

Wie bereits erwähnt: Wer Zahnmedizin in Tschechien studiert hat und den akademischen Titel MDDr. besitzt, muss sich um die berufliche Anerkennung in Deutschland nicht sorgen. Diese erfolgt nämlich gemäß der Europäischen Berufsanerkennungsrichtlinie automatisch, das heißt ohne eine aufwendige individuelle Prüfung auf Gleichwertigkeit.

Viele Studenten versuchen, nach dem vorklinischen Abschnitt in Tschechien an eine deutsche Hochschule zu wechseln, um dort ihr Zahnmedizinstudium fortzusetzen. Dies nennt sich „Quereinstieg“. Dieser gestaltet sich allerdings nicht ganz so leicht, wie viele sich erhoffen, denn der Quereinstieg ist kein Geheimtipp. Häufig steht auch für den klinischen Abschnitt eine große Bewerberzahl einer sehr geringen Anzahl freier Studienplätze gegenüber.

Ein weiteres Hindernis in Bezug auf einen nahtlosen Quereinstieg: Die englischsprachigen Studiengänge der Zahnmedizin in Tschechien entsprechen zwar den EU-Standards in vollem Maße, dennoch unterscheiden sich die Studienverlaufspläne zum Teil erheblich. Auch wenn ihr einen Studienplatz in Deutschland ergattert, so kann es sein, dass ihr Kurse nachholen müsst. Eine Verzögerung des Studiums um ein ganzes Jahr ist daher nicht ungewöhnlich.

Wer es dennoch versuchen und sich bei deutschen Unis für den Quereinstieg bewerben möchte, benötigt dafür zunächst einen Anerkennungsbescheid vom zuständigen Landesprüfungsamt. Für ein Zahnmedizinstudium ist das Bundesland zuständig, in dem ihr in Deutschland mit erstem Wohnsitz gemeldet seid. Wer seinen Hauptwohnsitz in Tschechien hat, beantragt die Anerkennung beim Landesprüfungsamt Thüringen.