14 Sep
Erfahrungsbericht von Jens D.

University of California Berkeley

Stadt: Berkeley
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: BWL
Zeitraum: 05/2009 bis 08/2009

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Wer an Kalifornien denkt, denkt meist zunächst an Sonne, Strand, Meer, Surfen und an einen entspannten Sommer. Sollte dies der Hintergedanke bei der Wahl eines Aufbaustudiums in Kalifornien sein, sollte man schnellstens Abstand davon nehmen, sich für das International Diploma Programs (IDP) an der UC Berkeley Extension zu bewerben. Das IDP ist nämlich keinesfalls ein Programm, das man „mal so nebenbei“ absolviert, sondern ein zeitintensives Programm, das dafür allerdings, wie man es in Berkeley auch erwartet, qualitativ hochwertigen Unterricht bietet.

Ich selbst habe das IDP in Finance belegt und war insgesamt mit dem Programm sehr zufrieden. UC Berkeley Extension versucht in den dreieinhalb Monaten den Großteil des Stoffs zu lehren, den man auch in einem MBA Studium lernt. Die Kürze der Zeit macht das Programm daher sehr intensiv. Auch wenn man bereits gute Vorkenntnisse in Finance hat, sorgt die hohe Anzahl von Assignments, Gruppenarbeiten, Präsentationen, Quizzes sowie Midterm- und Finalexams dafür, dass man nicht nur die meisten Abende, sondern auch die meisten Wochenenden des Semesters mit Studieren verbringt und auch um die ein- oder andere Nachtschicht nicht herumkommt.

Wer allerdings Interesse an Finance hat und bereit ist, hart zu arbeiten, für den ist das Programm durchweg zu empfehlen. Das Finance-Programm beinhaltet insgesamt zehn Fächer (unter anderem Corporate Finance, Business Valuation, Portfolio Management und International Finance), von denen drei bis vier Fächer jeweils parallel laufen und die teilweise aufeinander aufbauen. Die Kursgrößen im IDP liegen im Schnitt bei 15-25 Studenten (bei mir waren es 25 im Finance-Kurs) und der Stoff wird sehr praxisnah gelehrt, was gerade für Studenten von deutschen Universitäten, bei denen der Schwerpunkt häufig eher auf der Theorie als auf der praktischen Anwendung liegt, eine sehr gute Ergänzung ist. Beispiele für Praxisnähe sind Case Studies, Portfolio-Simulationen, Unternehmensbewertungen- und analysen oder ein sehr guter Excelkurs der sich mit Financial Modeling in Excel beschäftigt.

Der Unterricht findet, mit kleinen Ausnahmen, täglich (Mo.-Fr.) statt und umfasst meist drei oder sechs Stunden. Das gesamte Programm beinhaltet rund 240 Stunden Unterricht, wobei Anwesenheitspflicht herrscht. Die Instructors im Finance-Programm sind größtenteils sehr nett und verfügen meist nicht nur über sehr gute theoretische Kenntnisse in ihrem Fachgebiet, sondern haben auch häufig viel praktische Erfahrung und einen sehr interessanten Background. Das Klima im Unterricht ist recht locker. Für Probleme jeglicher Hinsicht gibt es außer den Professoren auch zahlreiche weitere Ansprechpartner im IDP. Die Betreuung ist also sehr gut.

Neben dem sehr guten Inhalt ist die größte Besonderheit des Programms die internationale Komponente. Dadurch, dass die Studenten aus den verschiedensten Ländern der ganzen Welt kommen, lernt man nicht nur sehr viel Allgemeines über andere Kulturen, sondern kann vor allem wertvolle Erfahrungen im Zusammenarbeiten mit Studenten anderer Herkunft bei den zahlreichen Gruppenarbeiten und Projekten sammeln. Da eigentlich nur aufgeschlossene Studenten, die auch gerne neue Leute und Kulturen kennenlernen, dieses Programm besuchen, findet man sehr schnell Anschluss. Der Zusammenhalt innerhalb des Kurses und auch zwischen den verschiedenen Kursen des IDP war einzigartig.

Hinsichtlich der Unterkunft gibt es entweder die Möglichkeit eines der Studentenwohnheime zu wählen oder sich eine eigene Wohnung oder ein Zimmer in einer WG zu suchen. Ich habe über das „Housing Application“ Formular, das man mit der Bewerbung einreichen kann, von der Uni ein Zimmer in einer WG vermittelt bekommen und habe dort mit einem anderen IDP Studenten aus dem Marketingkurs zusammengewohnt. Man sollte bei vermittelten Apartments allerdings nicht zu viel erwarten. Das Haus bzw. die Wohnungen sind in keinem übermäßigen Zustand sondern eher etwas betagt und teilweise renovierungsbedürftig. Für ein paar Monate lässt es sich dort allerdings gut auskommen. Die Wohnungen sind zudem mit allem, was man im Alltag braucht, komplett ausgestattet. In dem Haus, in dem ich gewohnt habe, war der Großteil der Wohnungen an IDP Studenten vermietet, so dass man auch hier schnell die Mitbewohner kennen gelernt hat und sich eine gute Wohngemeinschaft gebildet hat.

Zwar ist ein WG-Zimmer mit einer Miete von rund $900 pro Monat nicht günstig, allerdings wird man in Berkeley auch kaum etwas günstigeres finden. Das Mietpreisniveau ist generell sehr hoch. Die Wohnheime sind sogar noch teurer (haben dafür aber Essen inklusive). Allerdings sind dort die Zimmer sehr klein und der Weg zu den Unterrichtsräumen ist weiter (ca. 20 Fußminuten verglichen mit 5 Minuten vom Apartment). Ich war daher mit der Wahl des Apartments rückblickend sehr zufrieden und würde es auf jeden Fall wieder so wählen.

Berkeley als Stadt selbst ist durch die Uni und das Studentenleben geprägt. Neben dem riesigen und wunderschönen Unicampus und ein paar Straßen mit Cafés, Kneipen, Restaurants und Kinos um die Uni herum hat Berkeley selbst allerdings nicht besonders viel zu bieten. Für Freizeitaktivitäten fährt man daher meist nach San Francisco. Das gilt vor allem auch für das Nachtleben, da Berkeley so gut wie keine Clubs hat. Nach Downtown San Francisco kommt man mit der U-Bahn (BART) von Berkeley Downtown in ca. 20 Minuten (Single way ca. $4).

Wer Sightseeing und Erholung in seinem Semester plant und Kalifornien und den Westen der USA erkunden möchte, sollte dafür ein paar Wochen extra vor dem Programm oder nach der Graduation einplanen. Während des Programms wird dazu nicht viel Zeit bleiben, da man, wie beschrieben, nicht drum herumkommen wird, auch an Wochenenden zu arbeiten. Ausnahmen sind durch Feiertage verlängerte Wochenenden.

Die Intensität des Programms ist sicherlich ein kleiner Wehrmutstropfen, da San Francisco und Umgebung wirklich viel zu bieten haben und man nicht so viel unternehmen kann, wie man vielleicht gerne möchte. Dennoch war das Studium in Berkeley für mich eine grandiose Zeit. Inhaltlich hat es meine Erwartungen übertroffen und war für mich eine perfekte Ergänzung zu meinem Finanzenstudium in Frankfurt. Ich habe zudem viele neue Freunde aus den verschiedensten Ländern gefunden, konnte viele neue Erfahrungen sammeln, Softskills hinsichtlich Gruppenarbeiten und Präsentationen verbessern, meine Englischkenntnisse ausbauen, meinen Horizont erweitern und hatte wirklich viel Spaß.

Daher kann ich das IDP nur empfehlen. Für mich war es definitiv die Studiengebühren wert, die für deutsche Verhältnisse auf den ersten Blick sicherlich sehr hoch erscheinen.