Wahl des Ortes
Einen Auslandsaufenthalt wollte ich vor allem machen, um mein Spanisch zu verbessern. Spanien erschien mir verglichen mit Hispanoamerika unkomplizierter. Alicante habe ich ausgewählt, weil die Wohnungsmarktsituation verglichen mit Barcelona und Madrid entspannter ist. Katalonien wollte ich außerdem vermeiden, weil ich kein Katalanisch spreche. Obwohl ich also nach dem Ausschlussverfahren vorgegangen bin, habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Die Zeit in Alicante hat mir sehr gut gefallen.
Sprache
Eins meiner zentralen Vorhaben für die zwei Semester in Alicante war es, mein Spanisch deutlich zu verbessern. In den etwa neun Monaten Aufenthalt verbesserte ich mein Spanisch von anfangs A2- zu B2-Niveau.
Für dieses Ziel besuchte ich im ersten Semester drei Intensivsprachkurse, im zweiten Semester einen semesterbegleitenden Sprachkurs, hatte fast ausschließlich Vorlesungen auf Spanisch und sprach mit Muttersprachlern. Anfangs ist es mir noch schwergefallen, den Vorlesungen sprachlich zu folgen. Im Verlaufe wurde es jedoch deutlich besser und am Ende war es kein Problem mehr. Nur einzelne Wörter musste ich noch nachschauen.
Kurswahl
Die Kurswahl an der Universidad de Alicante fand ich nicht intuitiv gestaltet. Man muss relativ frühzeitig eine Vorwahl treffen, die nicht verbindlich ist. Als International kann man erst zum Semesterbeginn die verbindliche Kurswahl durchführen. Ich bin dennoch in alle von mir gewünschten Kurse gekommen. Die Sprachkurse muss man nicht auf der Matrícula-Seite der Universität angeben.
Die größte Herausforderung für mich war es, Kurse zu finden, die sich nicht überschneiden. Fast jeder Kurs besteht aus zwei zweistündigen Veranstaltungen pro Woche. Da ich Kurse aus verschiedenen Studiengängen und Semestern belegt habe, war das eine ganz schöne Bastelei.
Viele Kurse hatten eine Anwesenheitspflicht, die tatsächlich überprüft wurde. Daher hatte ich 20 Stunden Universität pro Woche, war also durch gleichzeitig laufende Projekte und Hausaufgaben ziemlich ausgelastet. Ich hatte nicht wesentlich weniger für die Uni zu tun als in Deutschland. Insgesamt würde ich die meisten Kurse zwar als zeitaufwendig, aber nicht unbedingt fachlich sehr anspruchsvoll beschreiben.
Universität
Mein Mitbewohner hat den Campus der Universität einmal als Nationalpark bezeichnet, weil er so großzügig begrünt ist. Es gibt viele verschiedene Pflanzen und der Campus ist einer der wenigen wirklich grünen Orte in Alicante. Technisch war die Universität etwa gleich gut aufgestellt wie meine Heimatuniversität.
Anders als in Deutschland duzt man die Profs, nennt sie bei ihren Vornamen und sie kennen ihre Studierenden auch. Das war für mich etwas ungewohnt, aber weder besser noch schlechter. Die Studiengänge haben etwas von einer Schulklasse, weil sie in der Regel fast alle Kurse zusammen verbringen.
In den meisten Kursen konnte ich meine Prüfungsleistung bereits im laufenden Semester absolvieren. Das war zwar während der Vorlesungszeit recht anstrengend, aber in der vorlesungsfreien Zeit war ich froh drum.
Wohnen
Wie die meisten internationalen Studenten habe ich in einer WG im Stadtzentrum gewohnt. Ich habe in Mercado gewohnt und war dort sehr zufrieden, weil außer der Universität alles in fußläufiger Entfernung lag. Zur Universität habe ich meistens die Straßenbahn genommen, manchmal aber auch den Bus. Von der Haustür bis zum Vorlesungsraum benötigte ich ungefähr eine Stunde.
Ich hatte die Wohnung schon von Deutschland aus per Videoanruf besichtigt und gemietet. Für mein Zimmer musste ich einen vergleichbaren Preis zahlen wie in Deutschland, allerdings hatte ich ein Zimmer in besserer Lage. Probleme, die ich von Freunden gehört habe, auf die man also nach Möglichkeit achten sollte, waren: die Nichtexistenz der Wohnung (deshalb unbedingt per Video besichtigen und im besten Fall mit einem der aktuellen Mieter sprechen), Fenster nur in den Innenhof und nicht regenfeste Zimmerdecke.
Was auch in meiner Wohnung ein Problem war, war die Temperatur im Winter. Es gab keine Heizung und keine vernünftige Dämmung. Zwar werden es in Alicante im Winter selbst nachts nur knapp einstellige Gradtemperaturen, allerdings hatte es in meinem Zimmer monatelang nur etwa 15°C und ich habe daher mehr gefroren als in jedem deutschen Winter. Draußen war es angenehm und fast immer sonnig, aber selbst mit selbstgekauften Decken und elektrischem Heizstrahler war es sehr kalt. Eine wirkliche Lösung scheint es für dieses Problem nicht zu geben. Von November bis März ist es einfach kalt. Lange Unterwäsche empfiehlt sich dafür auf jeden Fall.
Freizeit
Das Schönste am Auslandsaufenthalt war ohne Zweifel die Zeit mit meinen neu gewonnenen Freunden. Ich habe mich mit Leuten aus unterschiedlichen Ländern schnell über das Erasmus-Netzwerk ESN angefreundet. Das Netzwerk organisiert viele Treffen, über die auf Instagram und in einer WhatsApp-Gruppe informiert wird. Das beinhaltet Aktivitäten in Alicante und auch Tagestrips in umliegende Städte wie Cartagena.
Ein großer Teil meines Soziallebens hat sich am Strand Postiguet abgespielt. Häufig habe ich außerdem auch kleinere Ausflüge etwa nach Elche, Altea oder Villajoyosa gemacht, den Tag am Strand von San Juan verbracht oder war im Kino Aana.
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Fazit
Ich empfehle das Auslandsstudium in Alicante und habe die Zeit genossen. Akademisch war es bereichernd, wenn auch viele Kurse weniger Tiefe als erwünscht hatten. Sprachlich und in der persönlichen Entwicklung hat es mich jedoch deutlich weitergebracht.
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