Vorbereitung
Als eine Vierergruppe aus unserem Jahrgang an der DHBW Heidenheim haben wir uns gemeinsam für die Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) in Barcelona entschieden.
Die Bewerbung lief über die Organisation College Contact, da es sich um ein Bezahlprogramm handelte (4.100€ Studiengebühr). Hier waren die Anleitungen und Formulare klar verständlich und der Prozess funktionierte reibungslos. Wichtig ist jedoch, sich frühzeitig zu kümmern: Eine Bewerbung bis Mitte/Ende Mai ist ideal, da die Studienplätze begrenzt sind. Nachdem unsere Unterlagen von der UAB geprüft wurden, erhielten wir zügig die Studienplatzbestätigung, verbunden mit einer ersten Zahlung der Studiengebühren.
Vor Ort an der UAB gab es zu Beginn des Semesters eine offizielle Infoveranstaltung auf dem Campus. Wer schnell Anschluss sucht, sollte aber vor allem die Events der verschiedenen Erasmus-Organisationen nutzen. Schon in den Tagen vor Uni-Start gibt es zahlreiche Partys und später auch Ausflüge – die Infos dazu findet man vor allem auf Insta (@erasmus_barcelona). Da wir bereits als Vierergruppe angereist sind, hatten wir hier weniger unseren Fokus, aber gerade für Alleinreisende sind diese Events der beste Ort, um Leute kennenzulernen.
Unterkunft und Wohnen
Unser Ziel war eine gemeinsame Vierer-WG. Wir haben bereits im April aktiv angefangen zu suchen – und das war auch nötig. Der Wohnungsmarkt in Barcelona ist sehr umkämpft. Wir haben unzählige Vermieter auf Plattformen wie Idealista oder Spotahome angeschrieben, oft ohne Antwort. Fündig geworden sind wir schließlich über Housing Anywhere. Erst Anfang/Mitte Juni, also relativ spät, hatten wir die finale Bestätigung für eine Wohnung. Also nicht aufgeben und hartnäckig bleiben, auch wenn viele Absagen kommen!
Eckdaten zur Unterkunft:
- Lage: Stadtteil Sants (in der Nähe des Camp Nou).
- Kosten: Insgesamt für uns vier Personen für 4 Monate ca. 13.134 € (warm, inkl. 1.800 € Kaution und 85qm). Das ist viel Geld, aber für Barcelona leider normal.
Die Lage der Wohnung war für uns sehr praktisch. Wir hatten nur 5 Minuten Fußweg zur Metrostation. Von dort fuhr die Bahn (L5) ohne Umsteigen direkt zu unserem Campus (ca. 20 Min. Fahrt). Ins Zentrum (El Born, El Raval) oder vor ans Meer war der Weg allerdings eher etwas weiter. Ein Aldi direkt in unserem Wohnblock hat das Einkaufen extrem erleichtert.
Die Gegend in Sants ist eher ruhig. Ein großer Pluspunkt war die Busanbindung zu den Stränden außerhalb der Stadt: Innerhalb einer Stunde waren wir an schönen, weitläufigen Stränden, wo wir besonders im ersten Monat viele Tage verbracht haben. Der Stadtstrand von Barcelona (Barceloneta) war von uns aus mit den Öffis eher schlecht zu erreichen (ca. 1 Stunde), aber die Strände außerhalb sind ohnehin sicherer und weniger überlaufen.
Studium an der UAB
Wichtig zu wissen: Als „Study Abroad“-Studenten waren wir nicht am riesigen Hauptcampus (außerhalb), sondern am Campus in der Stadt (Sant Pau), nur ca. 15 Minuten zu Fuß von der Sagrada Família entfernt. Das historische Gebäude ist beeindruckend, es gibt eine Bibliothek und man ist ausschließlich unter internationalen Studenten.
Kurswahl: Um im 6. Semester an der DHBW keinen Kurs nachholen zu müssen, haben wir 5 Kurse belegt. Der Fokus lag hier klar auf BWL-Inhalten:
- E-Commerce and Online Businesses
- Entrepreneurship and New Venture Creation
- International Marketing Strategies
- Managerial Skills for International Business
- Managing Services
Stundenplan und Studienalltag: Mein Stundenplan war sehr kompakt organisiert: Montag und Mittwoch hatte ich jeweils nur morgens einen Kurs. Dafür waren Dienstag und Donnerstag volle Tage von 09:00 bis 18:20 Uhr, unterbrochen von einer zweistündigen Mittagspause. In den ersten zwei Wochen gab es eine „Add and Drop“-Phase, in der man den Stundenplan noch optimieren konnte, sofern Plätze frei waren.
Niveau: Das akademische Niveau ist nicht direkt mit der DHBW zu vergleichen. Es besteht ebenfalls Anwesenheitspflicht (max. 5 Fehltage pro Kurs sind erlaubt). Die Prüfungen („Midterms“ und „Finals“) bestehen oft aus Multiple-Choice-Fragen. Allerdings sollte man den Aufwand unter dem Semester nicht unterschätzen: Es gibt viele Gruppenarbeiten, Präsentationen und Abgaben, die Zeit fressen. Auch in der Prüfungswoche finden die Vorlesungen regulär statt.
Sprache: Alle Kurse waren auf Englisch – keine Sorge, das ist gut machbar. Das Sprachniveau der Dozenten variiert stark – manche sprechen fließend, andere haben einen starken spanischen Akzent und nutzen eher einfaches Englisch.
Alltag und Freizeit
Transport: Hier haben wir das T-Jove Ticket genutzt (ca. 44 € für 90 Tage, gültig für alle unter 30 Jahren), Das Ticket haben wir auch für den letzten Monat nochmal nachgekauft, da es alle Zonen (1-6) rund um Barcelona abdeckt, was perfekt für Ausflüge ins Umland ist.
Lebenshaltungskosten: Barcelona ist nicht günstig. Lebensmittel sind teurer als in Deutschland. Neben der Miete habe ich ca. 1000€ pro Monat für Leben, Reisen und Freizeit benötigt.
Freizeit & Reisen
Da wir als feste Gruppe da waren, haben wir viel gemeinsam unternommen, durch die verschiedenen Kurse natürlich aber auch andere Leute (hauptsächlich Deutsche) kennengelernt.
- Barcelona: Wir haben unzählige Cafés getestet (Garbi in Campusnähe, Bloome by Sasha, Balzac Café, La Central del Raval im Bücherladen, …), waren beim Frauenfußball im vollen Olympiastadion (Barça vs. Real Madrid), mitten während den Umbauarbeiten im Camp Nou (Barça vs. Atletico Madrid) und haben natürlich auch das Nachtleben (Opium, La Terrazza, etc.) genossen. Ein empfehlenswerter Ort sind die Bunkers del Carmel und der Tibidabo mit einer schönen Sicht auf Barcelona – besonders bei Sonnenuntergang.
- Umland: Besonders im September waren wir oft am Strand (Platja de Gavà), wandern im Hinterland oder beim Tagesausflug an der Costa Brava (Tossa de Mar, Botanischer Garten in Blanes, Sitges).
- Reisen: Fliegen von Barcelona aus ist verhältnismäßig günstig. Wir waren nach den Midterms zum „Closing“ auf Mallorca, außerdem war ich für Kurztrips auf Ibiza, in Marrakesch und Lissabon.
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Fazit
Mein Auslandssemester in Barcelona war eine intensive Zeit mit Höhen und Tiefen.
Highlights: Das Wetter war ein Traum. Bis in den Oktober hatten wir viele Strandtage bei 25 Grad. Erst Ende November wurde es kühler (10-15 Grad), aber es blieb meist sonnig mit wenigen Regentagen. Die vielen Kurztrips, die leckeren Cafés und die Offenheit der Menschen sind mir besonders positiv in Erinnerung geblieben.
Herausforderungen: Barcelona ist eine Weltstadt – laut, voll und hektisch. Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Ort und bin diesen dauerhaften Trubel nicht gewohnt. Es gibt kaum Orte, an denen man wirklich Ruhe hat; selbst Parks und Gyms sind überfüllt (weshalb ich mich dort gar nicht erst angemeldet habe). Dieser fehlende Ausgleich im Alltag und die ständige Reizüberflutung haben mich viel Energie gekostet, weshalb ich innerhalb der vier Monate auch zwei Mal zurück zuhause in Deutschland war.
Empfehlung: Würde ich es wieder machen? Jein. Ich empfehle die UAB und Barcelona definitiv jedem, der das Stadtleben liebt, gerne unter Menschen ist und Trubel genießt. Die Stadt ist unglaublich vielseitig und bietet für jeden etwas. Wer es jedoch eher ruhiger mag, Natur sucht und schnell gestresst von Menschenmassen ist, sollte sich vielleicht eine kleinere Universitätsstadt suchen. Ich persönlich würde mich kein zweites Mal für eine Großstadt dieser Art entscheiden. Zurückblickend war es jedoch eine großartige Erfahrung, die man sich nicht wieder nehmen lassen möchte.
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