Bewerbungsprozess
Bei der Bewerbung am International College of Liberal Arts (iCLA) wurde ich von College Contact unterstützt. Nach einer ersten Kontaktaufnahme per E-Mail und einem anschließenden Beratungsgespräch erhielt ich eine übersichtliche Liste mit allen für die Bewerbung erforderlichen Unterlagen. College Contact begleitete mich während des gesamten Bewerbungsprozesses, unterstützte mich bei den einzelnen Schritten und stand bei Fragen jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch die Kommunikation mit der Universität erfolgte zunächst über College Contact. Dadurch waren der gesamte Ablauf sowie die jeweiligen Fristen und einzureichenden Unterlagen sehr übersichtlich und gut organisiert.
Studium und belegte Kurse
Die erste Woche am iCLA war noch vorlesungsfrei. Allerdings fanden bereits verschiedene verpflichtende Einführungsveranstaltungen statt. Dabei wurden wichtige organisatorische Themen wie die Bezahlung der Krankenversicherung, die Kurswahl, allgemeine Verhaltensregeln der Hochschule sowie das richtige Verhalten bei Naturkatastrophen wie Erdbeben erläutert.
Zu Beginn des Semesters findet außerdem eine offizielle Welcome Ceremony statt. Hierfür lohnt es sich, bereits beim Packen an etwas formellere Kleidung zu denken. Die japanischen Studierenden nehmen diese Veranstaltung sehr ernst und erscheinen im Anzug. Unter den internationalen iCLA-Studierenden wird dies zwar etwas lockerer gehandhabt, aus Respekt vor der Veranstaltung und der japanischen Kultur würde ich dennoch empfehlen, angemessene Kleidung mitzubringen.
Die Kurse fanden vollständig auf Englisch statt und waren mit etwa 5 bis 30 Studierenden vergleichsweise klein. Dadurch war der Unterricht häufig interaktiv gestaltet und insbesondere Diskussionen und die aktive Mitarbeit spielten eine große Rolle. Das Niveau der Kurse empfand ich im Vergleich zu meiner Heimathochschule insgesamt als etwas weniger anspruchsvoll.
Während meines Auslandssemesters belegte ich die Kurse: Leadership, Econometrics, International Trade, Konnichiwa sowie Money, Banking, and Financial Markets. Da man sich während des Auslandssemesters mit einem Studentenvisum in Japan aufhält, besteht grundsätzlich Anwesenheitspflicht. Pro Kurs darf man in maximal zehn Vorlesungen unentschuldigt fehlen. Zudem fließen Anwesenheit beziehungsweise aktive Beteiligung in vielen Kursen in die Mitarbeitsnote ein.
Während des Semesters sind regelmäßig kleinere Leistungen wie Tests, Assignments, Präsentationen oder wöchentliche Abgaben zu erbringen. Trotzdem empfand ich die Balance zwischen Studium und Freizeit als sehr angenehm. Trotz der regelmäßigen Abgaben blieb ausreichend Zeit, um Japan zu erkunden und das Land sowie die Kultur näher kennenzulernen.
Betreuung vor Ort
Die Betreuung vor Ort habe ich insgesamt positiv wahrgenommen. Neben den Einführungsveranstaltungen wurden zu Beginn des Semesters verschiedene freiwillige Angebote organisiert. Dazu gehörten unter anderem eine Campustour, eine Einführung in die Bibliothek sowie ein „Welcome Mixer“, der von älteren Studierenden organisiert wurde. Diese Veranstaltungen würde ich empfehlen, da sie dabei helfen, sich auf dem Campus zurechtzufinden und bereits in den ersten Tagen Kontakte zu anderen Studierenden zu knüpfen.
Für organisatorische Fragen gibt es außerdem ein Admin Office. Hier waren meine Erfahrungen etwas gemischt. Bei einigen Anliegen konnten Fragen nicht direkt beantwortet werden und man wurde an andere Stellen weiterverwiesen. Teilweise lag es dadurch auch an einem selbst, die richtige zuständige Person zu finden und das Anliegen weiterzuverfolgen. Für organisatorische Angelegenheiten würde ich deshalb grundsätzlich empfehlen, ausreichend Zeit einzuplanen und sich frühzeitig darum zu kümmern. Auf eine benötigte Unterschrift musste ich beispielsweise eine Woche warten. Letztendlich ließen sich meine Anliegen jedoch klären.
Ein klassisches Buddy-Programm, bei dem jedem Austauschstudierenden ein persönlicher Buddy zugeteilt wird, gibt es am iCLA nicht. Stattdessen gibt es sogenannte Floor Assistants (FAs). Dabei handelt es sich meist um ein bis zwei freiwillige Studierende aus höheren Semestern, die jeweils einem Stockwerk im Wohnheim zugeordnet sind. Die FAs sind stark in das Campusleben eingebunden und unterstützen beispielsweise beim Einzug, organisieren Veranstaltungen wie den Welcome Mixer und helfen bei Problemen oder Konflikten innerhalb der WGs. Außerdem erhält man ihre Kontaktdaten und kann sich bei Fragen oder Problemen direkt an sie wenden.
Unterkunft
Erstsemester und damit auch Austauschstudierende sind dazu verpflichtet, im Wohnheim auf dem Campus zu wohnen. Die Unterkunftssuche gestaltet sich daher sehr unkompliziert: Mit dem Studienplatz erhält man automatisch auch einen Platz im Wohnheim. Eine eigenständige Wohnungssuche vor der Anreise ist somit nicht erforderlich. Organisatorisch muss man sich lediglich darum kümmern, bei einem Partnerunternehmen der Universität verschiedene Gegenstände für den Aufenthalt zu mieten und die entsprechenden Kosten rechtzeitig zu überweisen. Hierfür erhält man eine Liste mit verfügbaren Mietgegenständen. Dazu gehören beispielsweise Bettzubehör, das auf jeden Fall benötigt wird, sowie Kühlschränke, Spiegel oder Handtücher.
Besonders positiv empfand ich die familiäre Atmosphäre am iCLA. Studierende aus höheren Semestern waren sehr offen und freundlich und nahmen gerne Kontakt zu den neuen Studierenden auf. Da viele Studierende gemeinsam im Wohnheim leben und man sich auf dem Campus täglich begegnet, lernt man sich schnell kennen und trifft immer wieder auf bekannte Gesichter.
Freizeit- und Ausflugsmöglichkeiten
Die Lage des iCLA bietet meiner Meinung nach eine sehr gute Kombination aus dem Erleben des japanischen Alltags und der Möglichkeit, größere Städte und andere Regionen Japans zu bereisen. Da sich die Universität nicht in einer der großen Metropolen befindet, konnte ich den Alltag in Japan abseits der typischen touristischen Orte sehr authentisch erleben. Gleichzeitig ist Tokio in etwa 90 Minuten erreichbar, sodass auch Tagesausflüge oder spontane Besuche in der Großstadt gut möglich sind. Durch die Bahnanbindung lassen sich außerdem weitere Städte und Regionen Japans bereisen.
Besonders positiv fand ich, dass neben dem Studium ausreichend Freizeit blieb. Durch meine Kurswahl hatte ich freitags keine Vorlesungen und konnte dadurch verlängerte Wochenenden für Reisen nutzen. So waren beispielsweise auch Wochenendtrips in weiter entfernte Städte wie Osaka und Kyoto möglich. Die gute Lage und Verkehrsanbindung machten aber auch größere Reisen möglich: An einem verlängerten Wochenende konnte ich sogar für einige Tage nach Seoul in Südkorea reisen.
Eine weitere tolle Gelegenheit zum Reisen bot die Golden Week, eine längere vorlesungsfreie Zeit rund um mehrere japanische Feiertage. Diese nutzte ich für eine Reise nach Okinawa. Die Inselgruppe stand bereits lange auf meiner persönlichen Bucket List und während meines Auslandssemesters hatte ich endlich die Gelegenheit, sie zu bereisen.
Neben Reisen in die bekannten Großstädte würde ich jedoch unbedingt empfehlen, auch Kōfu und die umliegende Region zu erkunden. Kōfu würde ich liebevoll als eine Art „riesiges Dorf“ beschreiben. Die Stadt ist deutlich ruhiger als Tokio, Osaka oder Kyoto, gleichzeitig sind die Distanzen teilweise relativ groß. Für den Alltag vor Ort würde ich deshalb unbedingt empfehlen, ein Fahrrad zu mieten. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren je nach Verbindung teilweise nur alle 30 bis 60 Minuten. Mit einem Fahrrad ist man deutlich flexibler und kann auch die nähere Umgebung einfacher erkunden.
Ich war während meines Semesters Mitglied im Hiking Club, über den regelmäßig Wanderungen in der Umgebung organisiert wurden. Dadurch konnte ich Orte kennenlernen, die ich allein vermutlich nie entdeckt hätte, und gleichzeitig die beeindruckende Natur Japans erleben. Eines meiner persönlichen Highlights war beispielsweise ein traditioneller Onsen auf einem Berg. Der Außenbereich bot einen beeindruckenden Blick auf den Mount Fuji und auch das Essen vor Ort war sehr zu empfehlen. Während meines Aufenthalts fanden in der Region außerdem mehrere Festivals statt, durch die man weitere Einblicke in die lokale Kultur bekommen konnte.
Do’s & Don’ts
Do’s
- Ein Fahrrad mieten. Dadurch ist man im Alltag deutlich unabhängiger und kann Kōfu sowie die Umgebung leichter erkunden.
- Nicht nur die bekannten Großstädte besuchen. Tokio, Kyoto und Osaka sind definitiv sehenswert, aber gerade die weniger touristischen Orte und die Umgebung von Kōfu haben mir einen ganz anderen Einblick in Japan ermöglicht.
- Clubs und Aktivitäten der Universität ausprobieren. Sie bieten eine gute Möglichkeit, Studierende außerhalb der eigenen Kurse kennenzulernen und Orte zu entdecken, die man als Austauschstudent sonst möglicherweise nicht besuchen würde.
Don’ts
- Die japanische Kultur und ihre gesellschaftlichen Regeln ignorieren. Viele Verhaltensweisen und Höflichkeitsformen unterscheiden sich von denen in Deutschland. Man muss sicherlich nicht von Anfang an jede unausgesprochene Regel kennen, sollte ihnen aber mit Respekt und Offenheit begegnen.
- Die Anwesenheitspflicht bei der Reiseplanung vernachlässigen. Längere Reisen sollten möglichst auf vorlesungsfreie Zeiten, verlängerte Wochenenden oder andere freie Tage gelegt werden.
- Die gesamte Freizeit nur auf dem Campus oder im eigenen Zimmer verbringen. Einige Studierende verbrachten einen großen Teil ihrer freien Zeit auf dem Campus oder in ihren Zimmern, was ich persönlich schade fand. Man muss weder viel Geld ausgeben noch jedes Wochenende in eine andere Großstadt fahren. Auch Kōfu und die Umgebung haben einiges zu bieten, wenn man sich darauf einlässt.
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Fazit
Insgesamt hat mir mein Auslandssemester am iCLA sehr gut gefallen und war für mich eine der schönsten und prägendsten Erfahrungen meines bisherigen Studiums. Besonders positiv empfand ich die Balance zwischen Studium und Freizeit, die internationale und familiäre Atmosphäre auf dem Campus sowie die Möglichkeit, Japan nicht nur als Tourist, sondern über einen längeren Zeitraum im Alltag kennenzulernen.
Gleichzeitig kommt man dadurch immer wieder aus der eigenen Komfortzone. Außerhalb der Universität sprechen viele Menschen nur wenig oder teilweise gar kein Englisch. Anfangs kann das durchaus herausfordernd sein, gleichzeitig lernt man schnell, auch mit wenigen Japanischkenntnissen, Gestik oder Übersetzungsapps zurechtzukommen. Gerade solche Situationen haben für mich einen wichtigen Teil der Auslandserfahrung ausgemacht und dazu beigetragen, selbstständiger und sicherer im Umgang mit ungewohnten Situationen zu werden.
Sowohl die anderen Studierenden als auch die Menschen vor Ort habe ich als sehr freundlich und offen erlebt. Durch das gemeinsame Leben auf dem Campus konnte ich schnell neue Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen. Gleichzeitig hatte ich durch Ausflüge, Reisen und Aktivitäten wie den Hiking Club die Möglichkeit, viele unterschiedliche Seiten Japans kennenzulernen.
Rückblickend würde ich mich jederzeit wieder für ein Auslandssemester am iCLA entscheiden. Gerade die Kombination aus dem eher ruhigen und authentischen Alltag in Kofu, dem internationalen Campusleben und der Möglichkeit, während des Semesters viele weitere Teile Japans zu bereisen, hat den Aufenthalt für mich zu einer besonderen Erfahrung gemacht.
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