24 Jun
Erfahrungsbericht von Clarissa G.

University of California San Diego

Stadt: San Diego
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Naturwissenschaften, Biowissenschaften
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2008 bis 03/2009

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:


1. Ankommen

Wie Kaugummi ziehen sich die 14 Stunden Flugzeit über den Ozean und das amerikanische Festland nach San Diego. Mittlerweile ist es auch an der Westküste Amerikas Nacht geworden. Schon im Landeanflug empfängt die achtgrößte Stadt der Vereinigten Staaten die Ankömmlinge mit einem gigantischen Lichtermeer, das die Großartigkeit der folgenden Monate jedoch nur erahnen lässt.
Nach dem ersten Euphorieschub jedoch landet man zunächst wieder hart auf dem Boden der Tatsachen, die das selbstständige Erobern eines fremden Landes mit sich bringt: Wie gelange ich zu meinem Hostel, woher bekomme ich meine ersten Dollarscheine und wann gewöhne ich mich an die fremde Sprache? Wo finde ich eine Wohnung, wie komme ich zur Uni und wie finde ich Freunde? Bei diesen und weiteren Fragen hoffe ich mit diesem Erfahrungsbericht weiterhelfen zu können.

Vom Flughafen aus nimmt man am Besten ein Shuttle zu seiner Unterkunft. Auskunft über die Abfahrtsorte der Shuttles bekommt man am Empfangsstand im Flughafengebäude der kaum zu verfehlen ist.
Da ich meine Wohnungssuche vor Ort starten wollte, verbrachte ich die erste Woche in einem Hostel, (www.bananabungalow.com), das ich aufgrund seiner Zimmerausstattung nur bedingt weiterempfehlen kann. Allerdings hat es die perfekte Lage; direkt am Strand von Pacific Beach (PB) und man findet eine sehr offene internationale Community vor.
Als Ausgangpunkt zur Wohnungssuche ist PB für Studenten ohne Auto ideal, da Wohnungen in PB meist in Laufweite liegen und die Uni mit dem Bus zu erreichen ist. An meinem ersten Tag in San Diego fuhr ich ins International Center der UCSD. Dies ist für UPS-Studenten eigentlich nicht zuständig, trotzdem ist es ein idealer Treffpunkt um die ersten Kontakte zu knüpfen und weitere internationale Wohnungssuchende zu treffen.

 

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Mein erster Eindruck des Uni-Campus war: riesig! So groß, dass selbst kostenlose Shuttle-Busse umherfahren und Studenten von A nach B bringen. Viele Gebäude wirken von außen relativ neu und modern. Dennoch findet man genügend Grünflächen die zum Verweilen zwischen Vorlesungen einladen.
Die Uni unterteilt internationale Studenten in zwei Verwaltungsgruppen: Einerseits gibt es exchange students, die von einer Partnerschaft ihrer Heimatuni mit der UCSD profitieren und als „normale“ Studenten angesehen werden. Bewirbt man sich auf Eigeninitiative im UPS Programm und wird angenommen, ist man damit offiziell der UCSD Extension zugehörig. Die Extension ist meiner Erfahrung nach eine Art Weiterbildungsmöglichkeit. Neben Vorbereitungskursen auf den TOEFL-Test werden beispielsweise auch Informatik oder Medizin-Kurse angeboten. Als UPS-Student darf man neben den regulären Universitätskursen auch Vorlesungen der Extension besuchen und an deren Ausflugsangebot teilnehmen. Dafür hat man auch einige, vor allem finanzielle Nachteile gegenüber einheimischen oder exchange students: Um am Sportangebot teilnehmen zu können muss eine Recreation Card für 95 Dollar pro Quarter erworben werden, der Studentenausweis, der zur kostenlosen Busnutzung ausgewählter Linien berechtigt, kostet 15 Dollar und für Konzerte, die für students frei sind, müssen meist ein paar Dollar bezahlt werden.
Auch die Kurswahl läuft hier anders: Während UCSD Studenten sich schon mehrere Wochen vor Quarterbeginn online für ihre Kurse einschreiben können, haben UPS-Studenten nach Vorlesungsbeginn vierzehn Tage lang Zeit sich interessante Kurse anzuschauen und Unterschriften von Professoren (manchmal wird zusätzlich ein Departmentsstempel benötigt) auf Karteikarten zu sammeln, die als offizielle Erlaubnis gelten den Kurs zu besuchen und an den Klausuren teilzunehmen. Die benötigten Unterschriften von den jeweiligen Professoren zu bekommen war für mich nie ein Problem, da keine Vorlesung voll besetzt war. Vielleicht lag dies daran, dass ich in weniger frequentierten und weniger beliebten Fachbereichen; Physik, Bioengineering, Mathe und Biologie, Vorlesungen besuchen wollte.
Zwölf Units aufgeteilt in drei Kurse a vier Units müssen nach diesen vierzehn Tagen gefunden worden sein. Weniger Units sind aufgrund der Visumsbestimmungen unzulässig und mehr oder eine andere Verteilung (z.B. ein Kurs a sechs Units, einer a vier und einer a zwei) gehen wieder an den Geldbeutel.
Alle sechs Kurse die ich besucht habe gefielen mir sehr gut. Mir hat das Lernen viel Spaß gemacht, da man deutlich mehr Hilfestellung und Unterstützung von den Professoren bekommen hat als ich es aus Vorlesungen und Übungen in Deutschland kenne. Auch hat man in einigen Kursen die Möglichkeit Gelerntes direkt praktisch anzuwenden, z.B. in Projects. Für mich bedeutete dies eine sehr angenehme Abwechslung zu dem theoretischen Vorlesungsteil. Ich habe mir in dieser Zeit an der UCSD sehr viel Wissen angeeignet, das sich auch zurück in Deutschland als überaus nützlich erwiesen hat.

 


3. Public Transport

Generell; es ist nicht unmöglich ohne Auto in San Diego zu überleben. Allerdings bedeutet die Abhängigkeit vom öffentlichen Bussystem viel Zeitaufwand. Eine Fahrt vom UCSD Campus nach Pacific Beach dauert ca. 45 Minuten mit der Linie 30, nach Downtown sind es schon zwei Stunden. Mit dem Auto wären diese Distanzen deutlich schneller zu bewältigen. Ich selbst habe mir kein Auto gekauft. Die Strecke zur Uni und zum Supermarkt konnte ich problemlos mit dem Fahrrad zurücklegen, sodass ich auf meinen täglichen Wegen nicht mit Bussen in Berührung kommen musste. Bei Ausflügen profitierte ich teilweise von autobesitzenden Freunden oder nahm die langwierige Busfahrt auf mich. Zu Anfang meines Aufenthaltes störte mich das das lange Busfahren wenig, gegen Ende fand ich es meist ziemlich nervig. Falls ein eigenes Auto nicht täglich gebraucht wird wäre es vielleicht eine gute Idee sich eines mit jemandem zu teilen.

 


4. Wohnen

Eine Wohnung zu finden ist wohl die schwerste und nervenaufreibendste Aufgabe der ersten Tage. Ich denke drei Alternativen sind interessant. Preislich kann man mit einer Monatsmiete von 600 – 900 Dollar warm rechnen. Einen guten Überblick bietet auch hier die Homepage craigslist.com.

A) Pacific Beach

Die klassische Partymeile überhaupt in San Diego mit sehr vielen jungen Menschen, Studenten meist. Tagsüber lockt der Strand und abends hat man die Qual der Wahl zwischen den vielen Bars.
Ein Zimmer in PB wäre bestimmt mein Favorit gewesen wenn ich nicht die lange Busfahrt zur Uni gescheut hätte. Je nachdem wo man wohnt, dauert diese bis zu einer Stunde und wird nur von einer Linie von der UCSD kommend bedient (Linie 30).
Eine deutlich kürzere Zeit im Bus verbringt man wenn man sich für die Wohngegend La Jolla / UTC entscheidet.

B) La Jolla / UTC

Je nachdem wo man hier ein Zimmer findet, ist die Uni zu Fuß erreichbar oder per Bus, was maximal 20 Minuten dauert. Allerdings ist in diesem Wohngebiet fast gar nichts los. Kneipen und Bars in der Nähe der Universitäts-Wohnheime sind totale Fehlanzeige, es bleibt nur der Campus und dessen unmittelbare Umgebung.

C) Meine Wohnsituation

Für mich persönlich kam nur eine WG, möglichst mit Amerikanern in Frage. Aus diesem Grund hatte ich mich dazu entschlossen eine Wohnung vor Ort zu suchen. Dies ist aus meiner Erfahrung mit ziemlich viel Stress und Frustrationspotential verbunden: Internetrecherche über Craiglist.com, Telefonieren, Emails schreiben (darauf bekam ich fast nie eine Antwort), zur Wohnung rennen, Absage. Der Tipp eines Bekannten brachte auch bei mir Erfolg. Anstatt auf Anzeigen zu antworten funktioniert die Kontaktaufnahme besser, wenn man selbst ein Gesuch einstellt, ebenfalls auf craigslist.com und seine Telefonnummer angibt. Darüber habe ich ein Traumzimmer in einer Studenten-WG in La Jolla gefunden, zu Fuß eine Minute vom Campus entfernt, 5 Minuten zu den Klippen, von denen man das Meer und den Sonnenuntergang beobachten konnte. Hinunter an den Strand zu laufen dauerte 20 Minuten.

 


5. Freundschaften

Generell ist es schwer Freundschaften mit Einheimischen aufzubauen. Ich hatte das Glück, mir mit vier Amerikanerinnen und einer Holländerin ein Haus zu teilen, das zudem über ein großes Wohnzimmer, eine Küche und einen Garten verfügte und damit zu Gemeinschaftsaktionen einlud. Mit dreien dieser Mädels hat sich auch ein sehr freundschaftliches Verhältnis entwickelt, sodass wir bald sehr oft zusammen weggegangen sind und Dinge miteinander unternommen haben.
Ansonsten ist es sehr schwer amerikanische Freunde zu finden. Die meisten sind sehr auf sich und bestehende Verbindungen fixiert und selbst die bestehen meist nur zwischen aktuellen oder ehemaligen Mitbewohnern.
Die engsten Kontakte pflegte ich zu anderen Internationals, darunter auch viele Deutsche.
Hier sind ein paar generelle Tipps um Leute kennen zu lernen:

  • Zu Beginn und kurz vor jedem Quarter gibt es viele Aktivitäten für neu eingeflogene Internationals, zum Beispiel die Bonfire-Night und ein Western-Square Dance Abend. Hier trifft man Leute denen es genauso geht wie einem selber und die deshalb meist sehr offen und kontaktfreudig sind.
  • Für viele Kurse ist ein Projekt vorgesehen, das in Gruppen gemacht werden soll. Aus einer solchen Gruppenarbeit entstehen meist keine privaten Freundschaften, aber man ist zumindest gezwungen sich mit anderen Studenten auseinander zu setzen und zu kommunizieren.
  • Sportfans können am Programm Intramural Sports (http://recadmin.ucsd.edu/ims_new/im_user2.php) teilnehmen. Jedes Quarter werden Ligen mit unterschiedlichem Leistungsniveau für verschiedene Sportarten angeboten, für die man eine Mannschaft melden kann. Hat man selbst keine Mannschaft, geht man zu dem Captains Meeting (Zeit und Datum findet man im Recreation Heft und online), wo es meist andere Mannschaften gibt, denen noch ein Spieler fehlt. Auf diese Art und Weise habe ich ein Fußball- und ein Volleyballteam gefunden, wobei es unwichtig war, dass ich im Fußball kaum den Ball treffe.
  • Ein International erzählte mir er sei in eine Studentenverbindung eingetreten und hätte darüber einige engere Kontakte geknüpft.

 


6. Persönliche Tipps:

  • Die beste Investition, die ich in Amerika getätigt habe war für mein Fahrrad, das ich gebraucht über craigslist.com gefunden hatte.
  • Für Tierbegeisterte und solche die es noch werden wollen lohnt es sich auf jeden Fall Seaworld und den San Diego Zoo zu besuchen. Vor allem die Shows in Seaworld sind ein beeindruckendes und einzigartiges Erlebnis. Für beide Attraktionen kann man Jahreskarten zum Preis einer einzelnen Eintrittskarte kaufen.
  • Das zum UCSD Recreation Programm zugehörige Team „Outdoor Adventures“ bietet Aktivurlaub in nahe gelegenen Zielen an, wie zum Beispiel Pferdereiten in Mexico und Klettern im Joshua Tree National Park.
  • Auch als Extension Student darf man am UCSD Programm AS safe ride teilnehmen. Um junge Fahrer vom gleichzeitigen Trinken und Fahren abzuhalten, sponsert die Gemeinschaft Associate Students pro Quarter drei Taxifahrten. Anmeldeformulare findet man im AS students Büro im obersten Stock des Price Centers.
  • Kostenlos für Studenten ist ebenfalls ein amerikanisches Bankkonto und die damit verbundene amerikanische Kreditkarte, die das tägliche Bezahlen und Online einkaufen deutlich erleichtert.
  • Leider verpasst aber viel gehört habe ich von dem hoch gelobten aber nicht ganz billigem La Jolla Playhouse auf dessen Bühnen verschiedene Theaterstücke inszeniert werden. Vielleicht ist dies neben den vielen anderen Attraktionen die San Diego zu bieten hat ebenfalls einen Besuch wert.
  • Zu guter letzt lohnt es sich natürlich auch Kalifornien und Umgebung zu erkunden! Zu bieten hat die Westküste mehr als genug, von beeindruckenden Städten wie San Francisco, Las Vegas und Los Angeles zu den riesigen Nationalparks Grand Canyon, Yosemite, Sequoia und Zion bis hin zu der wunderschönen Küstenstraße Highway 1.

 


7. Verabschieden

Auch der Tag der Heimreise nähert sich unaufhaltsam. Meist ist dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden: Die Wehmut die neue Heimat zu verlassen und die Freude in die alte zurückzukehren und die Familie und viele vertraute Gesichter wieder zu sehen.
Was bleibt sind Erinnerungen an eine tolle Zeit, Studienunterlagen, Fotoalben und ein weiteres Fähnchen auf der persönlichen Weltkarte der bereisten Städte. Wenige Leser wird es überraschen, dass ich ein Auslandssemester an der UCSD auf jeden Fall empfehlen kann. Die Erfahrungen die man im Leben sammelt kann einem niemand mehr nehmen und diese sechs ereignisreichen Monate waren mit Sicherheit eine der schönsten.