In wenigen Sätzen würde mein Erfahrungsbericht lauten: Ein Semester in Grand Junction zu verbringen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Die Menschen sind einfach großartig und die Natur im Westen Colorados und in Utah hat mich tief beeindruckt: die rauen Berge, die Weite des Landes.
Bewerbung, Kurswahl und Studium
Verglichen mit der Bewerbung für mein Erasmus-Auslandssemester war es fast schon ein Kinderspiel. College Contact hat mir genau gesagt, welche Dokumente gebraucht werden und nach einem kurzen Check wurden sie auch direkt an die Uni weitergeleitet. Zwei Wochen später erhielt ich dann das Zulassungsschreiben. Die Beantragung des Visums war etwas komplizierter, ging aber auch überraschend schnell. Vor Abflug musste ich noch meine Kurse wählen. Dies habe ich zusammen mit meinem Betreuer von der CMU gemacht. Da ich nichts für mein Studium angerechnet haben wollte, hatte ich ziemlich schnell passende Kurse gefunden.
Das Studiensystem und die Kurse sind ziemlich verschult. Bedeutet: kleine Kurse und die Note bestimmt sich aus Hausaufgaben, Projektarbeiten, ggf. Mitarbeit im Unterricht und einer Abschlussprüfung (bei einigen Wahlkursen ist physische Anwesenheit vollkommen ausreichend). Auch ist der Stoffumfang deutlich geringer als bei den Vorlesungen, die ich in Deutschland besucht habe. Auch habe ich den Eindruck, dass oft schon das Bemühen belohnt wird, unabhängig, ob man nun das Ergebnis am Ende vollständig und richtig hat.
Campusleben
Ich hatte ein Einzelzimmer in einem der Wohnheime auf dem Campus bekommen, was auch mein Wunsch gewesen war. Auf die Zimmer- und Wohnheimwahl hatte ich keinen Einfluss. Das wurde mir zugwiesen. Neben Einzel- gibt es auch Doppelzimmer und in der Regel teilt man sich zu viert ein Badezimmer. Besondere Annehmlichkeiten bieten die Suiten nicht. Ich nutzte mein Zimmer hauptsächlich als Nachtquertier. Den Tag verbrachte ich woanders. Trotzdem war ich mit der Ausstattung (Bett mit Matratze, Schrank, Kommode, Schreibtisch, Stuhl) ganz zufrieden. Zwischen den einzelnen Wohnheimen gibt es jedoch deutliche Unterschiede hinsichtlich Preis und Komfort.
Jeder, der auf dem Campus wohnt, muss auch einen Meal Plan, d. h. eine gewisse Anzahl wöchentlicher Mahlzeiten (14, 17 oder unbegrenzt), kaufen. Die Uni hat eine Mensa, genannt Caf, (ich glaube, eine zweite befindet sich gerade im Bau), wo man Frühstück, Mittagessen und Abendessen bekommt. Daneben gibt es noch kleine Fastfood-Imbisse und Cafés, wo man eine Mahlzeit quasi kostenlos einlösen kann oder mit dem „Unigeld“ (MavMoney), wovon auch jeder einen dreistelligen Betrag kaufen muss, oder mit Kreditkarte bezahlen kann. Das Essen war überraschend gut, wie ich finde, besser als in der Mensa an meiner Heimatuniversität. Im Caf wird das Essen als Buffet angeboten, sodass man sich so viel holen kann, wie man will. Zugegebenermaßen wurde gegen Ende des Semesters das Essen etwas eintönig und irgendwie gab’s auch öfter das gleiche.
Damit ist für ein Dach über dem Kopf und Nahrung gesorgt. Der Campus bietet aber noch einiges mehr. Es gibt eine schöne Bibliothek, perfekt zum Lernen, wenn man sich nicht daran stört, dass in den meisten Bereichen Unterhaltungen im Flüsterton und Essen erlaubt sind. Trotzdem definitiv einer meiner Lieblingsorte. Zu erwähnen ist das Sportangebot: es gibt ein Fitnessstudio, daneben Sporthallen, um Basketball zu spielen, eine kleine Kletterwand und Außensportanlagen, wo man zum Beispiel Fußball spielen kann. Zudem gibt es auch Fitnesskurse: Tanzen, Radfahren, Yoga und einiges mehr. Alles kostenfrei.
Ein wichtiger Teil des Campuslebens an der CMU sind Clubs; studentische Gruppen, die verschiedene Ziele haben: sie können sich in ihrer Arbeit auf einen Studiengang fokussieren, religiös geprägt sein oder sich einer Sportart oder Aktivität widmen. Eines haben sie aber alle gemein: sie bringen Leute zusammen. Jede Woche machen sie in der Regel etwas. Langweilig wird es so eigentlich nicht.
Freizeit
Grand Junction ist eine kleine Stadt in einer sehr ländlichen Region. Die einzigen richtigen Freizeitmöglichkeiten, die die Stadt bietet, sind in der Natur draußen zu finden: Wandern, Klettern, Rafting, Mountainbiking, Skifahren, Angeln. Wer Sport liebt, kommt voll auf seine Kosten. Voraussetzung ist, dass man die entsprechende Ausrüstung hat und am besten auch ein Auto. Ohne geht eigentlich nichts.
Wer das nichts selbst hat oder von Freunden gestellt bekommt, für den gibt es trotzdem eine Möglichkeit: das Outdoor Program an der CMU. Hier kann man sich Ausrüstung günstig ausleihen oder aber auch an einem der vielen Ausflüge, die dort angeboten werden, teilnehmen (unten ein bisschen mehr darüber). Zudem organisieren auch einige der Clubs Ausflüge, für die man sich anmelden kann. Insbesondere am Anfang des Semesters waren diese Angebote (neben dem Wanderkurs, für den ich mich eingeschrieben hatte) für mich die einzige Möglichkeit, mal raus zu kommen.
In Grand Junction selbst gibt es eine kleine Fußgängerzone mit einigen Restaurant und Geschäften etwa 25 Gehminuten vom Campus entfernt, zudem ein Museum und einige Parkanlagen zum Spazierengehen. Jeder Student kann kostenlos einen Pass für den Bus bekommen – praktisch, wenn man mal nicht laufen will.
Wenn du doch an ein Auto kommst (durch Freunde oder Mietwagen), dann empfehle ich dir auf jeden Fall, nach Utah zu fahren. Moab und der Arches Nationalpark sind etwa zwei Stunden entfernt. Die Landschaft dort ist einfach unglaublich. Wer nicht so weit fahren will, findet im Colorado National Monument oder auf dem Grand Mesa auch sehr schöne Flecken und Wandertouren.
Lebenshaltungskosten
Ich kann hier nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Da ich auf dem Campus gewohnt habe, waren die Kosten für mein Zimmer und den Meal Plan fix und mit den Studiengebühren zu bezahlen. Für den Alltag braucht man dann noch Geld für die Zimmereinrichtung, weitere Lebensmittel, Kosmetikprodukte, Putzmittel, Restaurantbesuche, Freizeitaktivitäten, ggf. Kleidung/Funktionsausrüstung, Souvenirs und halt ungeplante Ausgaben für Medikamente oder ähnliches. Das meiste ist dort etwas teurer als hier, insbesondere Kosmetikprodukte und Medikamente (viel teurer). Da solltet ihr möglichst vieles von Deutschland mitnehmen. Ich denke, mit einem monatlichen Budget von 500 Dollar ist man als Campusbewohner aber gut gerüstet, wenn man hauptsächlich das Essensangebot auf dem Campus nutzt.
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Tipps
Ich denke, eine der wichtigsten Fragen, die ich mir gestellt habe und die vielleicht auch dich beschäftigt, ist: Wie treffe ich die Leute? Für mich gelang dies, indem ich bei zwei der Campusgruppen mitmachte und deren regelmäßige Treffen besuchte. Es macht auch nichts, wenn du dich mit den anderen Studenten dort vielleicht nicht gleich super verstehst. Es kann sein, dass es eher so läuft wie bei mir. Ich treffe jemand bekanntes im Caf und setze mich zu ihm oder ihr und seinen oder ihren Freunden und mit denen verstehe ich mich perfekt (das Caf ist wahrscheinlich der beste Ort, um Leute kennenzulernen). Ich kann sagen, ich habe meine besten Freunde in den USA und ich habe sie alle über andere getroffen. Deswegen auch nicht verzagen, wenn die ersten Leute, die man trifft, nicht auf der gleichen Wellenlänge sind. Mein Tipp also: Mach bei Campusgruppen mit und geh ins Caf zum Essen!
In diesem Zusammenhang vielleicht noch eine Anmerkung. Wenn du frei in der Wahl bist, ob du das Fall Semester (August bis Dezember) oder das Spring Semester (Januar bis Mai) an der CMU verbringen willst, entscheide dich für ersteres. Das ist nämlich der übliche Start bei den Amerikanern, das heißt, viele sind neu und in der ersten Woche gibt es zahlreiche Veranstaltungen von der Uni, wo man Leute kennen lernen kann. Später haben sich die Gruppen dann schon gebildet und es ist wahrscheinlich schwieriger, Anschluss zu finden.
Ein weiterer Tipp sind die oben erwähnten Angebote des Outdoor Programs. Es gibt kleinere wöchentliche Trips wie Klettern oder Paddelbording im Sommer oder Skifahren im Winter. Die sind kostenlos. Daneben werden auch größere Tages- oder Mehrtagesausflüge (Klettern, Angeln, Wandern, Rafting, etc.) angeboten, wofür man dann etwas zahlen muss. Lohnt sich aber zu 100%. Das kriegt ihr nämlich zu dem Preis sonst nirgends. Volle Empfehlung von mir.
Insgesamt war die Zeit in Grand Junction die beste Zeit meines Lebens. Ich will es nicht missen. Es ist etwas Einmaliges.
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