Ich war von August bis Dezember 2025 in San Diego, habe dort studiert (im Master an der SDSU), gelebt, trainiert und bin gereist. Hier ein kompletter Überblick.
Bewerbung & Vorbereitung
College Contact war unkompliziert und hilfreich. Ich habe immer schnell Rückmeldung bekommen, vor allem bei kleinen Fragen. Bei größeren Brocken wie dem F-1 Visum bist du aber schon eher auf dich allein gestellt. Natürlich wirst du auch dort unterstützt, aber am Ende musst du dich durch SEVIS, Botschaftstermine und Onlineformulare allein kämpfen. Allein die Formulare haben mich einen kompletten Tag gekostet.
Visum war nicht das Einzige, Auslands-BAföG war auch ein Kampf, vor allem weil bei mir eh immer Rückfragen kommen. Aber es lohnt sich, vor allem wegen der Studiengebühren.
Kurse & Uni-Alltag – machbar, aber gewöhnungsbedürftig
Ich habe drei Statistik-Kurse belegt:
- STAT 580 – Statistical Computing
- STAT 670A – Advanced Mathematical Statistics
- STAT 795 – Practicum in Statistical Consulting
Etwas technischer, aber wenn du aus dem MINT-Bereich kommst, ist das Niveau deutlich unter dem, was du aus Deutschland kennst. Das heißt nicht, dass du nichts tun musst, aber es ist machbar, auch mal gute Noten zu schreiben. Der größte Unterschied ist, dass alles kleinteiliger ist. Du hast Assignments, kleine Projekte und auch Beteiligung kann zählen.
- STAT 795: wie ein kleines Praktikum – echte Kunden, echte Fragestellungen, du musstest liefern.
- STAT 670: zum Großteil eine Wiederholung von Stochastik und Wahrscheinlichkeitstheorie.
- STAT 580: mehr Neues, wenn du nicht Statistik studierst, aber man wird in dem Modul wirklich an die Hand genommen. (Ich musste auch eine zusätzliche Aufgabe erledigen, um es mir als Mastermodul anrechnen zu lassen.)
Das Unigefühl ist eher wie Oberstufe, also kleine Gruppen, direkte Kommunikation, viele Hausaufgaben. Nichts für jeden, aber man gewöhnt sich schnell dran.
Wohnen – spontan, aber hat geklappt
Ich habe in einer WG auf dem Campus gewohnt. Neubau, Erstbezug. Gefunden habe ich die über Facebook. Ich war mit anderen Deutschen in der WG, was sozial super war, aber sprachlich vielleicht nicht das Maximum an Integration geboten hat.
Wenn du eher mit Locals wohnen willst, solltest du früher suchen. Für mich hat’s so gut funktioniert. Meine Empfehlung: WG, Campus nähe, idealerweise mit Leuten, die auch aktiv was machen wollen. Ich bin mit meinen Leuten heute noch in Kontakt.
Leute kennenlernen – Sport > Uni
Im Kurs war das eher schwierig, Kontakte entstanden bei mir fast ausschließlich über den Sport: Basketball, Gym, spontane Games auf dem Campus. Dazu kam das Black Resource Center (BRC), dort habe ich über meine kamerunischen Wurzeln auch nochmal eine andere Community gefunden, die mich super aufgenommen hat.
Generell, wenn du wartest, dass jemand auf dich zukommt, viel Spaß in der International-Bubble. Die ist bequem, aber wenn du es ernst meinst, dann geh raus, sprich Leute an, geh zu Uni-Events, nimm Clubs mit. Die meisten Amerikaner sind offen, aber du wirst oft den ersten Schritt machen müssen. Du kannst z.B. auch eigene Teams gründen und an Uni-Turnieren teilnehmen. Wir haben das bei Basketball und Fußball gemacht. Super einfach und hilfreich, um neue Leute kennenzulernen.
Freizeit
Ich habe viel Sport gemacht. Gym, Aztec Lanes für Tischtennis & Bowling, Fußball und Basketball, einfach um das College-Feeling mitzunehmen. Der Campus ist zu 100% eines der Highlights für mich, z.B. gibt es auch eine Art Freibad auf dem Campus (Aquaplex). Sonst College Fußball- , Football- und Basketballspiele.
Und dann natürlich die Trips:
- Los Angeles
- San Francisco
- Yosemite National Park
- Las Vegas
- Grand Canyon
- O‘ahu (Hawaii)
- Tijuana, Cancun & Tulum (Mexiko)
San Diego ist perfekt gelegen, du kommst überall hin, und wenn du mit ein bisschen Planung rangehst (Airbnb + Mietwagen splitten), geht das klar. Aber ja, Geld brauchst du.
Nachtleben – nicht so, wie du denkst
Um ehrlich zu sein, das Nachtleben in San Diego war insgesamt eher etwas enttäuschend. Die Bars sind okay, Clubs okay, Musik okay und alles schließt um 2 Uhr. Frat Partys gibt es, sieht auch aus wie im Film, werden aber oft durch die Polizei aufgelöst. Rein kommt man auch nur schwer, fast nur durch Connections oder wenn du eine Frau bist. Such dir also Leute, die schon länger da sind, connecte dich über Social Media oder über Events. Dann geht es irgendwann.
Geld – Plane auf jeden Fall vor
Drei Dinge haben mich finanziell auseinandergenommen: Miete (1.500$), Trips (zu viele $), Essen (300-400$ pro Monat), aber auch mein Besuch, durch den ich nochmal viel mehr unternommen habe und somit mehr Geld ausgegeben habe.
Ich hatte eine Kreditkarte mit Limit und hab teilweise bei Lebensmittelausgaben auf dem Campus gespart (da gab es öfter kostenlose Sachen). Aber das reicht trotzdem nicht. Wenn du nicht vorher gespart hast oder auf BAföG verzichten musst, wird es eng. Viele, die ich kennengelernt hab, haben vorher gearbeitet, um das zu stemmen. Ich auch, und das war nötig.
Mobilität – Auto ist Pflicht
ÖPNV kannst du vergessen. Ich hab mir mit meiner WG ein Auto geteilt, was absolut notwendig war. Willst du ans Meer, willst du einkaufen, willst du irgendwo hin, brauchst du ein Auto.
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Was ich anders machen würde
Ich würde vielleicht früher mit dem Reisen anfangen. Klar, am Anfang willst du erstmal ankommen und Kontakte knüpfen. Aber gegen Ende wirst du merken, dass es noch viel zu sehen gibt und zu wenig Zeit ist. Wenn du es gut aufteilst, wird es entspannter.
Do’s & Don’ts
Do:
- such dir frühzeitig Housing
- nutz den Sport auf dem Campus (auch zum Connecten)
- stell Fragen (an Leute, die schon da waren)
- reisen
- hol dir eine gute Kreditkarte
- beantrag Auslands-BAföG
Don’t:
- bleib nicht nur in der International-Bubble
- unterschätze nicht die Kosten
- vertrau nicht darauf, dass du spontan überall reinkommst
- denk nicht, du brauchst kein Auto
- warte nicht zu lange mit deinen Trips
Fazit
Wenn du nach einer echten College-Erfahrung suchst, dann bewirb dich auf jeden Fall. Mach dir trotzdem nichts vor, denn du wirst lernen, planen und wahrscheinlich auch mal genervt sein. Aber dafür viel mitnehmen, und das nicht nur für deinen Lebenslauf. So ein Auslandssemester ist schon eine unglaubliche Möglichkeit, was du draus machst, liegt aber an dir.
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