Zwischen Siesta, Studium und Strand – Mein Semester an der UAB in Barcelona
Vorbereitung und Planung:
Die Entscheidung, ein Auslandssemester einzulegen, stand für mich schon lange fest. Spanien reizte mich kulturell und klimatisch, und Barcelona als Metropole am Meer schien die perfekte Kombination aus Studium und Lebensqualität zu bieten. Die Vorbereitung war zwar intensiv, aber im Nachhinein absolut lohnend. Der Bewerbungsprozess über College Contact verlief dabei sehr strukturiert und unkompliziert. Hilfreich fand ich, dass man einen festen Ansprechpartner hatte und Checklisten bekam, welche Unterlagen für die Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) nötig waren. Das hat mir viel Recherchearbeit erspart, da die Webseiten der spanischen Unis oft etwas unübersichtlich sind. Auch die Kommunikation bezüglich der Studiengebühren und der Einschreibung lief reibungslos über die Vermittlung.
Die größte Hürde war jedoch die Wohnungssuche vor Ort. Der Wohnungsmarkt in Barcelona ist extrem schnelllebig, teuer und für Ausländer oft undurchsichtig. Auf gängigen Portalen wie Idealista erhält man oft gar keine Antwort oder gerät an dubiose Angebote. Ich habe meine Unterkunft schließlich über die Plattform Housing Anywhere gefunden. Das war zwar teurer, da man eine Servicegebühr von ca. 500 € (zusätzlich zu den üblichen Agenturgebühren) zahlt, aber es hat sich gelohnt. Das „Secure Booking System“ garantiert, dass die Wohnung tatsächlich existiert und man nicht über den Tisch gezogen wird. Wir haben zu viert in einer WG gewohnt. Mit knapp 690 € Warmmiete pro Person muss man allerdings in zentrumsnaher Lage rechnen. Ein Tipp: Klärt vorher genau ab, ob Bettwäsche und Küchenutensilien vorhanden sind, das ist nicht immer Standard.
Studium an der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB):
Ich habe mich bewusst für das „Study Abroad Programme“ der UAB entschieden. Ein Pluspunkt ist, dass der Campus für internationale Studierende (Campus Sant Pau/Eixample) mitten in der Stadt liegt. In einem wunderschönen historischen Gebäude unweit der Sagrada Familia. Das ist ein großer Unterschied zum Hauptcampus, der weit außerhalb liegt.
Im Vergleich zu meiner Heimathochschule war das Studium an der UAB sehr viel interaktiver. Das System basiert auf „Continuous Assessment“. Das bedeutet: Man hat fast wöchentlich kleinere Abgaben (Essays, Präsentationen, Gruppenarbeiten), dafür sind die Endklausuren (Final Exams) oft weniger schwer oder zählen prozentual weniger als die massiven 100%-Klausuren, die man aus Deutschland kennt. Der Druck verteilt sich also auf das ganze Semester. Das klassische „Bulimie-Lernen“ am Ende fällt weg, dafür muss man unter dem Semester kontinuierlich am Ball bleiben.
Eine Unterrichtseinheit dauert in der Regel 1 Stunde und 40 Minuten. Das Verhältnis zu den Dozenten war sehr locker und auf Augenhöhe; man duzt sich fast immer, was die Hemmschwelle für Fragen deutlich senkt und Diskussionen im Kurs anregt.
Hier meine Kurswahl mit Erklärungen zu den einzelnen Kursen:
- Managerial Skills: Dieser Kurs war mein persönliches Highlight, weil er komplett anders war als erwartet. Statt trockener Theorie gab es Teambuilding-Spiele, Rollenspiele und sogar Outdoor-Activities, um Führungsqualitäten zu trainieren. Die Prüfungen waren Multiple-Choice, aber der Fokus lag auf der persönlichen Entwicklung im Team.
- E-Commerce and Online Businesses: Sehr praxisnah. Wir haben in festen Teams über das Semester hinweg ein komplettes Konzept für ein Online-Business entwickelt. Statt Klausuren gab es Quizzes und eine große Abschlusspräsentation, bei der wir unsere „Firma“ pitchen mussten.
- International Marketing Strategies: Dieser Kurs war anspruchsvoller und setzte Marketing-Wissen voraus. Wir haben eine detaillierte Expansionsstrategie für ein reales Unternehmen entwickelt, das in den spanischen Markt eintreten will. Wer gerne analysiert und Strategien bastelt, ist hier richtig.
- Managing Services: Ein eher klassischer Vorlesungskurs über Dienstleistungsmanagement. Hier lernt man den Unterschied zwischen Produkt- und Service-Marketing. Leistungsnachweise waren ein Mid-term Exam und verschiedene Assignments.
- Entrepreneurship: Sehr strukturiert aufgebaut. Wir haben Schritt für Schritt, von der Ideengebung bis zum Businessplan, ein Startup gegründet. Der Dozent gab viel Feedback, und am Ende stand auch hier ein Pitch.
Leben in Barcelona und Freizeit:
Das Einleben fiel mir anfangs tatsächlich schwerer als gedacht. Da ich eher aus einer ländlichen Gegend komme, hat mich der Lärm, die Menschenmassen und die Hektik Barcelonas zeitweise überwältigt. Man muss sich erst an den Rhythmus der Stadt gewöhnen. Überrascht hat mich zudem die starke Präsenz der katalanischen Sprache und Identität. Viele Schilder, Speisekarten und Ansagen sind primär auf Katalanisch. Mit Englisch oder Spanisch kommt man im Alltag zwar überall durch, aber ein paar Brocken Katalanisch („Bon dia“, „Merci“) helfen einem definitiv.
Die Freizeitgestaltung in Barcelona ist unschlagbar vielseitig. Allerdings habe ich auch eine „Warnung“ zum Thema Fitnessstudio: Ich habe mich im „Fitnesspark“ angemeldet (ca. 37€ im monatlichen Tarif). Rückblickend hat sich das für mich kaum gelohnt. Erstens sind die Studios in Barcelona fast zu jeder Tageszeit (außer vielleicht morgens um 8 Uhr) hoffnungslos überfüllt. Zweitens gab es durch die vielen Uni-Abgaben und Freizeitaktivitäten so viel zu tun, dass ich kaum dazu kam. Wer sich anmeldet, sollte unbedingt auf die Kündigungsfristen achten, da strikt im 4-Wochen-Takt abgerechnet wird.
Ein absolutes Highlight war dagegen unser spontaner Roadtrip durch Katalonien. Wir haben uns einen Mietwagen genommen und sind über Girona bis nach Cadaqués an die Küste gefahren, dann weiter durch die spektakulären Pyrenäen und über das Kloster Montserrat zurück nach Barcelona. Auf dem Weg haben wir oft in kleinen Städten gehalten, um die Kultur abseits der Touristenpfade kennenzulernen. Das kann ich jedem nur empfehlen! Mietet euch ein Auto und fahrt raus aus der „Barcelona-Bubble“!
Auch das Fest „La Mercè“ im September war ein Erlebnis. Eine Woche lang Ausnahmezustand mit „Castellers“ (Menschentürme) und Feuerläufen. Zudem haben wir die zentrale Lage für Reisen genutzt, unter anderem nach Mallorca (perfekt zum Entspannen nach den Mid-terms) und Marrakesch.
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Fazit:
Meine Erwartungen an das Auslandssemester haben sich größtenteils erfüllt, auch wenn es anders war als geplant. Mir ist das wuselige Stadtleben irgendwann etwas zu viel geworden. Da ich zudem kein großes „Partymonster“ bin, war das berühmte Nachtleben Barcelonas für mich eher zweitrangig. Dennoch bietet die Großstadt Vorteile, die ich vermissen werde. Die unglaubliche Auswahl an Cafés (Tipp: „Garbis“ in Campus nähe), die Architektur und die Tatsache, dass man mit der T-Jove Karte für 45€ drei Monate lang unbegrenzt fahren kann.
Fachlich konnte ich meine Englischkenntnisse deutlich verbessern und habe gelernt, gelassener mit der spanischen „Mañana“-Mentalität umzugehen. Ich habe gelernt, mich in einer fremden Umgebung zu organisieren und Hindernisse (wie die Bürokratie) selbstständig zu überwinden.
Ich würde jedem ein Semester an der UAB empfehlen, der Lust auf eine lebendige Stadt hat und bereit ist, sich auf eine interaktive Art des Lernens einzulassen.
Do’s & Don’ts
- Do: Das T-Jove Ticket kaufen.
- Do: Einen Roadtrip durch Katalonien machen (Girona, Pyrenäen, Montserrat).
- Do: Die „Bunkers del Carmel“ zum Sonnenuntergang besuchen.
- Don’t: Einen teuren Fitnessstudio-Vertrag abschließen, wenn man nicht sicher ist, ob man Zeit (und Nerven für die Fülle) hat.
- Don’t: Wertsachen im Rucksack auf dem Rücken tragen.
- Don’t: In Restaurants direkt auf den Ramblas essen.
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