24 Jul
Erfahrungsbericht von Sabrina K.

University of California Davis

Stadt: Davis
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Chemieingenieurwesen, Materialwissenschaft
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2011 bis 08/2012

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Mein Auslandsjahr an der University of California Davis
01.09.2011 - 27.08.2012

Über mich

Zu Beginn möchte ich mich kurz vorstellen, damit sich jeder, der an meinem Bericht interessiert ist, ein Bild von meinen Schwerpunkten und Erwartungen machen kann. Ich denke, dies ist hilfreich, wenn man selbst auf der Suche nach der richtigen Uni für ein eigenes Auslandsjahr ist.
Ich bin 24 Jahre alt, studiere Chemie im Masterstudiengang und habe mein zweites Jahr des Masters an der University of California Davis (UC Davis) verbracht. Meine Studienschwerpunkte liegen im Bereich der Physikalischen bzw. Theoretischen Chemie, der Biochemie und der Technischen Chemie. Da ich mich mit meinen Studien im letzten Jahr befand, plante ich in Davis nicht nur Kurse zu besuchen, sondern dort auch meine Abschlussarbeit zu verfassen.

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Schon vor Beginn der Planungen war mir klar, dass ich auf Grund der begrenzten Zeit meines Studiums mein gesamtes Masterstudium im Hinblick auf das Auslandsjahr gut planen muss. Ich wollte keine Zeit verlieren, Pflichtkurse arbeitete ich daher im ersten Jahr noch an meiner Heimuniversität soweit es mir möglich war ab. Ich wollte möglichst viel Wahlfreiheit haben, wenn ich in den USA sein würde.

Dass ich in die USA wollte, stand für mich sehr früh fest. Ich suchte also im Internet nach verschiedenen Universitäten und stieß dabei auch auf die Seite von College Contact. Hier fand ich einige Universitäten, die mir zusagten. Nach einem Gespräch mit meinem Professor, der mir einen Kontakt zur UC Davis anbot, fiel meine Entscheidung.

Ich nahm also Kontakt zu dem Professor an der UC Davis auf und tat mein Interesse kund, eine Abschlussarbeit in seiner Gruppe zu schreiben. Mein Anliegen stieß auf Zustimmung und so konnte ich mich an die Planung machen.

Bald musste ich feststellen, dass ich früher hätte beginnen sollen. Es war nicht mehr ganz ein Jahr bis Herbst 2011 und die Fristen zur Bewerbung für die meisten Stipendien waren bereits abgelaufen. Ohne finanzielle Unterstützung jedoch wäre das Jahr für mich nicht möglich gewesen. Ein Quarter an der UC Davis Extension, der Einrichtung, über die man als Student aus dem Ausland Zugang zu Universitätskursen bekommen kann, kostet rund $ 5900 allein an Studiengebühren. Finanzhilfe bekam ich schließlich durch das Auslands-BAFöG-Amt sowie das neue Deutschlandstipendium.
Das Team von College Contact versorgte mich mit vielen Informationen und einem detaillierten Plan zur Abwicklung der Bewerbung und Vorbereitung. Über E-Mail bekam ich bei Fragen ebenfalls immer sehr schnell eine Antwort.

Ich stellte in den folgenden Monaten also meine Unterlagen zusammen, machte den TOEFL-Test, der allerdings mittlerweile für die UC Davis nicht mehr zwingend notwendig ist, und schickte alles an College Contact, welche die Weiterleitung in die USA übernahmen. Der Sprachtest ist deshalb sehr wichtig, da man Mindestanforderungen, seit letztem Jahr reicht Note b im DAAD-Test, erfüllen muss, um in das Bridge Program aufgenommen zu werden. Dieses Programm der UC Davis Extension ermöglicht es, Kurse an der UC Davis zu besuchen. Erfüllt man die Anforderungen nicht, so kann man stattdessen die Sprachkurse an der Extension besuchen. Vom Unileben als Student bekommt man dann allerdings wenig mit. Mein Schulenglisch hat da allerdings vollkommen ausgereicht.
Die Beantragung des F1-Visums war auch kein Problem. Mit der Hilfe von College Contact füllte ich alle Unterlagen aus und machte einen Termin am Konsulat in Frankfurt aus. Dort ging alles reibungslos und nachher hatte ich mein Visum innerhalb einer Woche.

Den Flug buchte ich bereits mit Rückflug. Dazu brauchte ich allerdings ein spezielles umbuchbares Ticket, denn für ein Jahr im Voraus ließ sich kein Rückflug buchen. Hin- und Rückflug kosteten ca. 900 €.


Leben in Davis

Davis beschreibe ich, wann immer die unausweichliche Frage „Wie findest du Davis so?“ über die Lippen meines Gegenübers kommt, am liebsten als großes Dorf. Denn klein ist Davis nicht und hat mit ca. 66 000 Einwohner auch eher Stadtgröße. Das Flair jedoch erinnert eher an eine Dorfgemeinschaft.
Die Stadt ist sauber, familienfreundlich, aktiv und sicher. Die Kriminalitätsrate wird hauptsächlich durch Fahrraddiebstähle in die Höhe getrieben, weshalb man sich am besten ein billiges Rad und ein teures Schloss zulegt. Das Fahrrad ist für Studenten an der UC Davis Hauptverkehrsmittel. Es gibt zwar einen unibetriebenen Busservice in Davis, öffentliche Verkehrsmittel können allerdings generell nicht mit den europäischen verglichen werden. Fast überall in Davis gibt es Radwege und Fahrradständer, vor allem an der Uni. Die Stadt ist außerdem weitestgehend flach, sodass man sich auch nicht jeden Morgen abstrampeln muss.

Ein Fahrrad macht die Uni von überall in der Stadt gut erreichbar. Man muss sich also mit der Wohnungssuche nicht auf den Campus beschränken. Ich selbst wohnte in einer Wohngemeinschaft mit zwei amerikanischen Studenten zusammen. Ich hatte mein eigenes, recht großes Zimmer mit Bad, Wohnzimmer und Küche wurde geteilt. Da die Wohnung zu einem Apartmentkomplex gehörte, hatte ich außerdem Zugang zu Wasch- und Fitnessraum, sowie zum Pool. Die Miete betrug ca. $ 500 im Monat. Um meine finanziellen Angelegenheiten in Davis möglichst unkompliziert erledigen zu können, legte ich mir ein Konto bei der Bank of America zu. Das war unkompliziert und ist für Studenten gebührenfrei, solang man gewisse Dienste der Bank nicht in Anspruch nimmt.

Das Klima in Davis hat mich in den ersten Tagen umgehauen. Zur Anreisezeit im September herrschten Temperaturen um die 40 °C. Auch nachts kühlte es oft nicht viel ab. Davis unterscheidet sich klimatisch von dem nicht weit entfernten San Francisco drastisch. Während an der Küste immer eine kühle Brise weht, liegen die Temperaturen im Central Valley bis zu 10 °C höher und es ist kein Wölkchen zu sehen. Über den gesamten Winter fielen die Temperaturen nicht unter den Gefrierpunkt, allerdings sind die Wohnungen nicht immer so gut isoliert, wie man es von Zuhause kennt, weshalb es einen da schonmal frieren kann. Ja, ich habe mir in Kalifornien eine Wollmütze gekauft.

Was das Nachtleben in Davis angeht, so habe ich mich hauptsächlich an Cafés und Restaurants gehalten. An verschiedenen Küchen mangelt es in Davis nicht, vorallem asiatisches Essen scheint sehr beliebt zu sein. Freitagsabends ist in Downtown am meisten los. Jeden zweiten Freitag im Monat findet das sogenannte Art-About statt. Es gibt Livebands, offene Kunstgallerien und einiges andere.


Kurse und Klausuren

Das Kursangebot an der UC Davis ist riesig. Es enthält nicht nur Vorlesungen und Seminare, sondern auch Sportkurse aller Art. Das Craft Center bietet außerdem eine ganze Reihe an Handwerks- und Kunstkursen an. Ich selbst habe mich neben Kursen in Chemie (Theoretical Chemistry, Group Theory) und Chemieingenieurwesen (Process Design) für einen Sprachkurs in Japanisch entschieden. Die Kurse finden anders als ich es aus Deutschland gewohnt war öfter die Woche statt. Der Japanischkurs fünfmal die Woche. In Stress artet das jedoch in keiner Weise aus, denn man besucht im Quarter normal nur drei bis vier Kurse.

Auch empfand ich das Kursklima im Allgemeinen als sehr angenehm. Ich fühlte mich oft an meine Schulzeit zurückerinnert. Der Stoff wurde oft erklärt und mit Beispielen erläutert. Es wurden sogar Beispielaufgaben während der Vorlesung besprochen. Es gab wöchentlich bzw. im Sprachkurs täglich Hausaufgaben, die eingesammelt und bepunktet wurden. Es wurden kleinere Tests in den Kursen geschrieben, die aber nie besonders schwierig waren. Meist gab es eine Klausur in der Mitte des Quarters und eine in der Woche nach Beendigung der Vorlesungen. Die Note setzte sich dann aus all den Punkten zusammen, die man mit Hausaufgaben, Tests und Klausuren gesammelt hatte, sodass bei der Endklausur oft kein großer Druck mehr vorhanden war.

Die Unterstützung während der Kurse war gut. Die Professoren selbst bieten feste Sprechzeiten für jeden Kurs an. Außerdem gibt es meist eine studentische Hilfskraft, die einem bei allen Problemen weiterhelfen soll.


Freizeit

Freizeit hatte ich während der Quarter, in denen ich Kurse besuchte, meist genug. Oftmals waren meine Kurse schon am frühen Nachmittag vorbei. Ich spazierte durch die Parks in Davis, trat einem Intramural Sports Ultimate Frisbee Team bei oder ging zu Football-, Basketballspielen oder anderen Sportveranstaltungen, ging ins Kino oder Theater.

An Wochenenden lohnt sich immer mal ein Ausflug nach San Francisco, das auch ohne Auto mit der Bahn zu erreichen ist. Auch andere Ausflugsziele wie Lake Tahoe oder Yosemite National Park sind nicht weit entfernt. Sacramento lässt sich mit dem Bus in unter einer Stunde erreichen.


Urlaub in Kalifornien

Nach Kalifornien sollte man nicht nur zum Studieren kommen. Die landschaftliche Vielfalt in Kalifornien ist einfach atemberaubend und das sollte man nicht verpassen! Ich selbst unternahm zwei größere Touren. Die erste noch vor Beginn des Fall Quarters führte durch den Norden Kaliforniens über den Highway 1 zu den Redwoods und Lassen Volcanic National Park, die zweite Tour nach Ende des Winter Quarters machte ich durch den Süden. Ich besuchte Städte wie LA, San Diego oder Las Vegas aber auch weitere National Parks. Death Valley im Frühjahr hat sehr angenehmes Klima und ist mein persönlicher Höhepunkt der Reise.

Billig ist das Reisen mit dem Auto gerade, wenn man unter 25 Jahre ist, natürlich nicht, aber, wenn man die vielen Campingmöglichkeiten in den Parks ausnutzt, kann man einigermaßen günstig übernachten und hat auch mehr Zeit in den Parks.


Was ich so vermisst habe

Nachdem ich nun einiges darüber verraten habe, was Davis so zu bieten hat, möchte ich das Bild komplementieren und auch ein wenig was zu den Dingen sagen, die ich vermisst habe. Da wäre zuerst einmal Wald. Davis liegt mitten in einer Wüste aus Agrarwirtschaftsfläche bzw. Versuchsfeldern der Uni. Wer am Rand von Davis steht kann in jeder Richtung meilenweit schauen. Da ist also nicht viel mit nem schönen Waldspaziergang oder ner Radtour im Sommer. Hinzu kommen immer wieder relativ starke Winde, die einem den Sand in die Augen wehen.

Ein preiswertes, gut funktionierendes, öffentliches Verkehrssystem sucht man in weiten Teilen auch vergeblich. Gerade die Reise mit der Bahn nach San Francisco oder Berkeley kostet ca. $ 50. Die Busse fahren deutlich seltener als man es von deutschen Städten gewohnt ist.

Zu Guter Letzt möchte ich allen noch raten, genießt das gute deutsche Roggenbrot. Was man in den USA als Brot verkauft, steht bei uns normalerweise unter Toastbrot und oft ist es auch gesüßt. Ich selbst habe in der Zeit meine Brotbackfertigkeiten ausgebaut und einfach selbst gebacken.

Ich hoffe, mit diesem Abschnitt habe ich niemanden abgeschreckt. Kalifornien ist definitiv eine Reise wert und wer nachher sagen kann: „Zuhause ist es doch am schönsten!“, der hat wohl auch was gelernt.

Sabrina Kemmerer