Bereit für deine beste Zeit.

Kostenlos beraten lassen!

Reykjavík University
Erfahrungsbericht

von Friederike v.H.

06
Jan.
2026

Informationen

Hochschule: Reykjavík University
Stadt: Reykjavík
Land: Island
Studienrichtung: Psychologie
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 08/2025 bis 12/2025
Heimathochschule: Universität zu Lübeck

Bewertungen

Hochschule:
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Studieninhalte:
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Empty Star
Studienbedingungen:
Full Star
Full Star
Full Star
Empty Star
Empty Star
Freizeit:
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Spaß:
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Gesamtbewertung:
Full Star
Full Star
Full Star
Full Star
Half Star

Fotos (8)

Wenn ich diesen Bericht schreibe, ist es genau eine Woche her, dass ich so reich an Erlebnissen und neuen Freundschaften aus einem Land zurückgekehrt bin, das mich wirklich verzaubert hat – Island.

 

Ich blicke zurück auf viereinhalb sehr intensive Monate, in denen ich so viel Neues erlebt und dazugelernt habe, Herausforderungen angenommen und ganz viele tolle Menschen kennengelernt habe, die mit der Zeit enge Freunde geworden sind. Ich habe Wasserfälle bestaunt, verschneite Berggipfel, Vulkane und Gletscher erklommen, in heißen Quellen gebadet, die Sonne nochmal anders wertschätzen gelernt und zahlreiche Stunden damit verbraucht, den tanzenden Polarlichtern zuzuschauen.

 

Doch der Weg dahin war nicht ganz so gradlinig:

Vorbereitung

Der Start in mein Auslandssemester lief anders als zuerst erwartet: Nachdem ziemlich enttäuscht war, keinen Erasmus-Platz bekommen zu haben, schaute ich mich nach anderen Möglichkeiten um, um doch noch ein Semester im Ausland verbringen zu können. Eine Freundin machte mich dann auf die Organisation „College Contact“ aufmerksam, weil wiederum Freund:innen von ihr bereits gute Erfahrungen dort gemacht hatten, und das wurde im Endeffekt auch mein Weg ins Ausland.

 

Für mich waren vor allem die nordischen Länder interessant. Ich dachte eigentlich an Norwegen oder Schweden, dort gab es aber für Psychologiestudent:innen keine Partneruni. Stattdessen wurde meine Aufmerksamkeit auf die Reykjavík University gelenkt – wann kommt man schonmal für viereinhalb Monate nach Island, dachte ich mir, und die Vorfreude und Aufregung bei dem Gedanken an dieses mystische Land mit der unvergleichlichen Natur stieg in mir.

 

Mitte März hatte ich dann ein Telefonat mit Stefanie von College Contact, die mir mit viel Expertise meine Fragen beantwortete, was mir die nötige Sicherheit gegeben hat. Auch während der gesamten Bewerbungs– und Vorbereitungsphase stand sie mir immer sehr hilfsbereit zur Seite, was mir die ganze Organisation sehr erleichtert hat.

 

Die Kurse an der RU sind alle auf Englisch, und ich musste mir im Vorhinein meine Englischkenntnisse (mindestens B2) bestätigen lassen. Leider reicht dort das Abizeugnis nicht, sondern man muss einen extra Test machen. Der DAAD-Test von der Uni ist aber kostenlos und sehr nett gestaltet und wurde vom International Office der Universität zu Lübeck organisiert. Ansonsten war der Bewerbungsprozess relativ unkompliziert, der Bewerbungsschluss für die RU war der 30.04., und ich erhielt Anfang Mai schon die Zusage.

Wohnen

Für die Wohnungssuche habe ich mich auf Facebook umgeguckt – das ist in Island die Plattform Nummer 1 für alles Mögliche. Außerdem habe ich mich Mitte Mai im Studentenwohnheim direkt bei der RU (ca. 2km vom Stadtzentrum entfernt) beworben und erhielt tatsächlich nach nur 3 Minuten eine Zusage für ein Einzelappartment dort. Das würde ich auch jedem empfehlen, das Wohnheim ist sehr modern und man hat sein eigenes Bad und eine Kochnische mit allem, was man braucht.

 

Man wohnt zusammen in einem Flur mit 11 anderen Student:innen, mit denen man sich den Common Room mit großer Gemeinschaftsküche, Esstisch, Couch und Fernseher teilt. Viele meiner Freund:innen haben im gleichen Wohnheim gewohnt und wir haben viel Zeit in den Common Rooms verbracht. Es gibt auch noch 3er-WGs näher am Stadtzentrum, wo ebenfalls zwei Freunde von mir wohnten. Ich würde beides sehr empfehlen, da man als Student:in in Island sogenannte Housing Benefits bekommt, wenn man im Studentenwohnheim wohnt, die die Miete um 1/3 verringern.

Kosten

Dadurch, dass ich als Free Moverin ins Ausland gegangen bin, musste ich die Studiengebühren der RU (Privatuni) selbst bezahlen. Diese lagen bei ca. 2200€, was als Studentin natürlich echt viel ist. Um trotzdem ein bisschen Unterstützung zu bekommen, bewarb ich mich bei meiner Heimatuni um ein PROMOS-Stipendium, bekam aber im Endeffekt ein Stipendium direkt von der UzL in gleicher Höhe (500€ im Monat; insgesamt 2025€).

 

Das hat mich total erleichtert, denn leider ist in Island wirklich alles superteuer. Ein Zimmer kostet im Schnitt ca. 900€. Mein Zimmer hätte 1050€ gekostet, aber durch die Housing Benefits waren es „nur“ 700€. Um im Wohnheim wohnen zu können, muss man vor Ort eine Kennitala beantragen und ein isländisches Bankkonto eröffnen. Wichtig dabei ist: um die Housing Benefits zu bekommen, braucht man die Kennitala für einen Aufenthalt von über 6 Monate (das ist problemlos möglich, auch wenn man weniger als 6 Monate bleibt, und man muss seinen Wohnsitz auch nicht nach Island verlegen). Beides konnte man aber unkompliziert vor Ort erledigen 😉

 

Ansonsten sind Lebensmittel leider auch ziemlich teuer. Ich habe viel Geld damit gespart, mein eigenes Brot zu backen und hab häufig mit meinen Freund:innen zusammen gekocht und so Lebensmittel geteilt. Ansonsten wollte ich aber nicht zu sehr am Essen sparen und war als Vegetarierin froh, dass vor allem Fleisch- und Milchprodukte teuer waren und Gemüse und Ersatzprodukte im Verhältnis noch deutlich erschwinglicher waren.

 

Ich hatte von Vornherein vor, neben meinem Studium arbeiten zu gehen, um mir etwas dazuzuverdienen. Ich bewarb mich also bei zahlreichen Cafés und Restaurants, die aber leider ab September niemanden für eine so kurze Zeit gesucht haben. Ich habe von einigen anderen gehört, dass sie ebenfalls lange erfolglos nach einem Job gesucht haben. Das war schon ein Dämpfer für mich, aber ich hatte zum Glück genug Gespartes und war im Endeffekt auch froh über die geschenkte freie Zeit, die ich nun hatte.

Freizeit

Man spricht ja immer von der berühmten Erasmus-Bubble, und auch wenn ich selbst über einen anderen Träger nach Island gekommen bin, war ich von Tag 1 an mittendrin: Es fing an mit dem CSD, der in Island sehr groß und bunt gefeiert wird und wo ich meine ersten Kommiliton:innen kennengelernt habe. Gerade die erste Woche war sehr intensiv und ich lernte jeden Tag neue motivierte und wahnsinnig freundliche Studis kennen, besonders auch nochmal während der 3 Orientierungstage zu Beginn der Uni.

 

Ich bin auf viele Trips gefahren und durfte ganz viel von Island sehen: Die Westfjorde, Akureyri – die zweitgrößte Stadt ganz im Norden – und vor allem die Highlands, in denen man richtig toll wandern gehen kann, haben mein Auslandssemester total bereichert. Aber auch um Reykjavík herum kann man tolle Sachen erleben: Mein absoluter Favorit ist die Wanderung zum Hot Spring River in Reykjadalur (Rauchtal), wo man oben angekommen in einem angenehm warmen Fluss baden kann, der von einer natürlichen heißen Quelle aufgeheizt wird.

 

Aber auch die zahlreichen Cafés und Bars sowie der Student Cellar im Stadtzentrum haben meine Zeit unvergesslich gemacht. Die meisten Leute – inkl. mir – kommen vor allem für die Natur nach Island, aber wenn man mal feiern gehen will, hat Reykjavík auf jeden Fall auch tolle Möglichkeiten. Von den Bars waren das Röntgen und die Bookstore Bar (mit Live-Musik jeden Abend) meine Lieblingsorte. Ansonsten kann man überall in Island in die Hot Tubs, Saunen und Schwimmbäder gehen, was ich genauso gern gemacht habe wie einen traditionellen Islandpulli zu stricken – beides sehr typische Hobbies hier :))

 

An die kühleren Temperaturen musste ich mich zuerst noch gewöhnen. Im August waren es tagsüber meistens 15 Grad, wo man im Sonnenschein noch gut im T-Shirt draußen sitzen konnte. Ab Mitte September wurde es dann schon einstellig. Trotzdem hatten wir so viel Glück mit dem Wetter: Es hat fast nie geregnet oder gestürmt, sondern die allermeiste Zeit schien die Sonne.

 

Ende Oktober gab es dann nach keinen 3 Wochen Herbst einen krassen Wintereinbruch mit 50cm Neuschnee, der Reykjavík für ein paar Tage in Lappland verwandelte. Ansonsten war es im November und Dezember meistens um die 0 Grad, aber längst nicht so grau wie in Deutschland, sondern eher eine schöne klare Kälte. Die Tage wurden immer kürzer, Mitte Dezember ging die Sonne erst um halb 12 auf und um halb 4 schon wieder unter, aber es war zum Glück nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Und nun konnte man die Polarlichter immer öfter sehen – ein Naturschauspiel das echt krass schön und faszinierend ist.

Studium

Die RU bietet nicht gerade viel für Psychologie-Student:innen im Bachelor an. Ich konnte nur 3 Psychologiekurse und einen fachfremden Kurs wählen und würde die Module daheim im 7. Semester wiederholen müssen. Das war mir aber im Vorhinein klar und ich wollte das Auslandssemester vor allem als Unterbrechung von meinem eigentlichen Studienalltag nutzen, um neue Erfahrungen zu sammeln. Ich entschied mich also für 3 Kurse, die mich inhaltlich sehr interessierten und von denen ich mir erhoffte, dass sie mich sowohl persönlich als auch in meinem Studium bereichern würden. Alle konnte ich mir als Wahlfächer anrechnen lassen.

 

Das Semester an der RU ist in ein 12-Wochen-Term und ein 3-Wochen-Term unterteilt, dazwischen liegen 2 Wochen Pause. Während des 12-Wochen-Terms hatte ich Sexual Diversity in Contemporary Societies und den Businesskurs Moral Profit – Sustainability seen from a Global Perspective. Während mir ersterer sehr gut gefiel und ein gutes Maß an Aufwand und Beschäftigung mit den Inhalten erforderte, vermittelte der Businesskurs im Thema Nachhaltigkeit nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte, dafür war er aber mit erfreulich wenig Aufwand verbunden und es gab am Ende nur ein kleines Projekt und eine Präsentation.

 

Der Positive Psychology Kurs war ein 3-wöchiger Intensivkurs und startete Ende November. Dort hatten wir jeden Tag viele Vorlesungen online asynchron und trafen uns nur einmal die Woche für 2 Stunden mit dem gesamten Kurs. Das fand ich etwas schade, aber mir hat es gutgetan, während der kurzen dunklen Tage genug Struktur zu haben, ansonsten steht man nämlich gerne erst mit der Sonne um 11 Uhr auf 🙂 Der ganze Fokus des Kurses lag darauf, dass wir persönlich Strategien ausprobieren und etablieren, um glücklicher zu werden. Dazu gab es täglich sog. „Happiness exercises“, die viel Selbstreflexion erfordert haben und tatsächlich einen positiven Einfluss hatten. Auch wenn das Modul mit Klausur und zahlreichen Abgaben echt viel Zeit erfordert, würde ich es definitiv weiterempfehlen.

 

Ich mache außerdem an der UzL parallel noch das Modul A&O und werde ab Januar mein BQT-Praktikum machen, um das 7. Semester etwas zu entzerren, was bisher ganz gut funktioniert.

Schon Fernweh bekommen?

Entdecke unsere vielen Erfahrungsberichte zu unseren Partnerhochschulen. Alternativ beraten wir dich auch gern und helfen dir, eine passende Hochschule für dich zu finden!

Für mich war es eine tolle Erfahrung, auf Englisch zu studieren und auch im Alltag viel Englisch zu sprechen. Besonders das Texteschreiben hat mein Englisch nochmal echt verbessert. Es gibt übrigens an der RU auch einen kostenlosen Isländisch-Kurs. Mir hat´s Spaß gemacht, aber Isländisch ist wirklich eine ziemlich komplizierte Sprache und ich hatte den Vorteil, schon Schwedisch zu können, was einigermaßen ähnliche Wörter hat.

Fazit

Würde ich die Entscheidung, als Free Moverin nach Island zu gehen nochmal treffen? – Definitiv: Es war für mich eine super intensive, lehrreiche Zeit, die mich mit Sicherheit sehr nachhaltig geprägt hat. Minuspunkte waren die hohen Kosten, und dass ich keine äquivalenten Kurse wählen konnte, sondern nur Wahlfächer, die ich auch zuhause hätte machen können und so mein Studium in die Länge ziehen muss. Letzteres ist allerdings auch wiederum ein Pluspunkt, da ich mich so weniger stressen muss und nach dem 7. Semester dann noch Zeit habe, zu arbeiten und zu reisen.

 

Ich wollte einfach ein paar Monate Abstand zu meinem Studialltag haben, neue inspirierende Dinge erleben und neue Freundschaften zu schließen – diese Dinge sind nicht mit Geld zu bezahlen, daher würde ich jedem ein Auslandssemester welcher Art auch immer sehr empfehlen!