1 Feb
Erfahrungsbericht von N. N.

Regents University London

Stadt: London
Land: Großbritannien
Kontinent: Europa
Studienrichtung: Bank- und Finanzwesen
Studientyp: Masterstudium
Zeitraum: 01/2010 bis 05/2011

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

European Business School London
Master of Science in „Global Banking & Finance“

Unabhängig von der Uni, jeder, der sich entscheidet ein Semester oder länger in London zu verbringen, macht nichts verkehrt. Die Stadt bietet so viele Möglichkeiten für Aktivitäten und Sight Seeing, wie kaum eine andere Stadt auf der Welt. Dies kommt jedem Studenten als Abwechslung entgegen. Ich selbst konnte jedes Wochenende neue interessante Orte besichtigen. Ich könnte lange Texte darüber schreiben, wie toll London ist und würde mit keinem Wort übertreiben. Ich könnte mir auch vorstellen nach dem Studium dort zu arbeiten.

Auf eine Sache muss ich jedoch hinweisen: Die Stadt ist teuer und die Konkurrenz ist groß! Fähige Leute aus der ganzen Welt kommen dorthin und versuchen ihr Glück. Wenn man aus Deutschland kommt, ist man in London nicht unbedingt besser dran als in Deutschland. Es sei denn, man ist eher überdurchschnittlich in seinem Fach (Ich beziehe mich in diesem Erfahrungsbericht vornehmlich auf die Branche Banking & Finance). Dann kann man auch die Vorzüge Londons genießen und Netzwerke aufbauen. Ansonsten denke ich, dass jeder hier um sein Brot kämpfen muss, wie wo anders auch und niemand sollte sich einbilden, dass man hier eher einen guten oder besser bezahlten Job findet als z.B. in einer deutschen Großstadt, nur weil London so groß und legendär ist. Ein anständiges Praktikum im Banking & Finance in London zu ergattern ist sehr schwer. Es sei denn man hat Vitamin B, aber darauf komme ich noch.

Die Kosten für Studiengebühren und Miete sind astronomisch! Für eine relativ kleine, einfache 1-Zimmer-Bude gibt man locker 1.000 EUR im Monat aus! Für das 18-monatige Masterstudium habe ich gebührenmäßig ca. 18.000 EUR bezahlt. An renommierten Unis kann es auch deutlich mehr „Richtung Norden“ gehen. Dagegen erscheinen die Debatten über 500 EUR Studiengebühren pro Semester in Deutschland eher lächerlich. Aber dieses Pulverfass will ich hier jetzt nicht öffnen. Von daher Leute: rechnet das alles mit ein und versucht alle Finanzquellen anzuzapfen. Meistens, d.h. auf lange Sicht gesehen, ist das Studium es wert, weil Londoner Unis meist sehr gute Qualität und Netzwerke anbieten.

Und jetzt zur Uni selbst. European Business School London, die EBSL… ja… Wo soll ich anfangen?! Das Problem ist, dass die Leute entweder nicht wissen, dass es in London auch eine EBS gibt oder wenn sie von ihr gehört haben, dann meist eine schlechte Meinung von ihr haben. Und dies ist zum Teil berechtigt, zum Teil aber auch maßlos übertrieben. Bevor Ihr irgendwelche nichtssagenden Rankings oder Kommentare in Foren, wie wiwi-treff.de lest, lasst euch zwei Dinge gesagt sein:
1. Rankings geben Euch meist die falschen Antworten, weil Ihr die falschen Fragen stellt. Fragt Euch mal selbst: Was wollt ihr von Eurem Studium eigentlich? Und was sagt dieses Ranking überhaupt? Oft werden diese Rankings dann schnell bedeutungslos. Ein Beispiel für die überbewertete Bedeutung des „Renommees“ einer Uni: Bei beiden Interviews für meine Praktika in Deutschland im Investmentbanking wussten die Interviewer nicht genau von welcher Uni ich war und später während des Praktikums wussten die es auch nicht… Es ist den Kollegen völlig egal gewesen. Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit ist viel, viel wichtiger!!!
2. 99% der Leute in Foren gehören für mich zu der Kategorie: „Wenig Ahnung, aber viel Meinung!“ Keiner von denen war je auf der EBSL, aber die haben immer „einen Freund von einem Bekannten, der dort war und gesagt hat, dass…“. Stattdessen hört auf jemanden, der TATSÄCHLICH da war: auf mich! ;-)

Die Uni hat den Ruf, dass nur dekadente, reiche Kinder dorthin gehen und die Jobs, die sie kriegen, sind von den Eltern schon vorher arrangiert. Es ist leider zu einem großen Teil wahr in den Bachelor-Studiengängen. Viele sind abgehoben und haben sehr unrealistische Vorstellungen über ihre Zukunft. Wenn man es sich nicht leisten kann, in den teuersten Clubs Londons feiern zu gehen, dann ist man „draußen“ bei manchen Studenten-Gruppierungen. Die Leute sind jedoch nicht elitär im klassischen Sinne. Elitär wären sie, wenn sie auch leistungsmäßig was drauf hätten. Interessanterweise ist es an der Schule jedoch so: Je reicher, desto dümmer und oberflächlicher. Wem die Leute lächerlich/suspekt sind, so wie mir, der kann ihre Gesellschaft komfortabel meiden. Denn nicht alle sind so. Es gibt auch sehr, sehr viele angenehme Zeitgenossen. Und vor Allem sieht es in Masterstudiengängen schon sehr human aus. Die Leute sind deutlich professioneller und einfacher gestrickt. Ich fand die meisten Kommilitonen in meinem Masterstudiengang sozial sehr verträglich.

Es stimmt auch, dass einige Leute begehrte Praktika bei sehr begehrten Institutionen einfach durch das Netzwerk von Papa und Mama oder anderer naher Verwandter bekommen haben. Aber die andere Hälfte der Studenten bekommt die Praktika auch schlicht durch gute Leistungen. Überhaupt trifft man an der EBSL auch Leute, die sehr starke Leistungen bringen und zweifellos auch auf Oxford u. ä. exzellente Studenten wären. Ich selbst habe beispielsweise „null“ Vitamin B und habe dennoch 2 gute Praktika bekommen. Insgesamt kann ich den Leuten nicht zustimmen, die sagen, dass die Londoner EBS in irgendeiner Weise elitärer oder dekadenter wäre als die deutsche EBS in Östrich-Winkel.

Der Masterstudiengang selbst legt sehr viel Wert auf Eigenstudium. Oft wird im Unterricht eher oberfläch das Thema erläutert und es wird erwartet, dass man sich selbst mit der Literatur beschäftigt. Das ist eines der Dinge, das meiner Meinung nach Kritik verdient. Ja, man darf von einem Masterstudenten erwarten, dass er viel selbst macht. Aber ich finde, dass die Hauptquelle des Wissens vom Professor kommen muss und nicht aus den Büchern. Ich denke jedoch, dass rund die Hälfte der Professoren es vernünftig macht und viel eigenes Material, wie Powerpoint-Präsentationen anbietet.

Die EBSL hat meiner Meinung nach das Problem, dass die Hälfte der Profs wirklich fähig und organisiert ist, aber die andere Hälfte ein Reinfall ist. Ich musste mich in meiner Funktion als Student Representative mehrmals beim Director des Masterkurses wegen der Schlampigkeit und Unorganisiertheit manches Professors beschweren. Der Director hat letztes Semester einen Teilzeitprofessor, der wirklich eine Katastrophe war, auf unseren Druck hin, sogar rausgeschmissen. Fairerweise muss man sagen, dass nur im letzten Semester war. Im Semester davor, war die Qualität der Professoren fast durchweg erfreulich.

Gut am Masterstudiengang ist aber, dass man auch viel Wert auf Teamarbeit und das Besprechen der aktuellen Wirtschafts- und Finanznachrichten legt. Man wird geradezu gezwungen die Financial Times zu lesen, wenn man sich im Unterricht nicht blamieren will. Wie extrem wichtig das ist, habe ich spätestens bei Bewerbungsinterviews im Investmentbanking erfahren. Wenn man nicht auf dem Laufenden ist, hat man keine Chance. Finanz- und Wirtschaftstheorien werden bei solchen Interviews höchstens am Rande abgefragt. Manch einer sagt, dass das Verfolgen von Nachrichten von einem selbst kommen muss und man nicht so viel Zeit im Unterricht damit verschwenden sollte. Stattdessen solle man mehr Theorie machen, wie an anderen Unis. Ich finde diese Kritik ziemlich unangemessen, da 99% der Absolventen an der EBS in die Wirtschaft wollen und keine akademische Laufbahn anstreben. Jeder sollte selbst entscheiden wohin er will und was er vom Studium erwartet.