23 Sep
Erfahrungsbericht von Michel N.

University of California Los Angeles

Stadt: Los Angeles
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Fotografie
Studientyp: Summer Sessions
Zeitraum: 08/2008 bis 09/2008

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Da ich weiss wie hilfreich solche Erfahrungsberichte sein können, möchte auch ich meine Erlebnisse rund um die UCLA weitergeben. Angefangen hat es natürlich mit dem Ausfüllen aller nötigen Formulare. Dies stellte kein Problem dar, da ich immer hervorragend vom college-contact.com Team beraten wurde und mir bei jeder noch so banalen Frage umgehend geholfen wurde. Dafür danke ich nochmals!

Ich habe mich für zwei Kurse entschieden: Fotografie und ein Basis-Kurs im Drehbuch schreiben, der online stattfand. Jeder dieser Kurse war mit 4 Kreditpunkten versehen und da ich immer wieder las, dass man am Besten zwei Kurse besuchen sollte - das wäre die richtige Dosis - habe ich das auch so getan. Weshalb diese Empfehlungen mit Vorsicht zu geniessen sind erfahrt ich im Verlauf meines Beitrags.

Zuerst beginne ich jedoch mit dem Antrag des F1-Visums. Ich wohne in der Schweiz und musste deshalb einen Termin bei der amerikanischen Botschaft in Bern beantragen – dies tat ich 3 Monate vor Abreise in der Annahme, die verbleibende Zeit würde mehr als ausreichen. Doch ich lag falsch. Aus mir unerklärlichen Gründen war der nächste freie Termin erst in 4 Monaten verfügbar – natürlich ein erster Schock. Es folgte ein Fax an die Botschaft mit der Bitte um einen Notfalltermin. Man konnte sich nur per Fax an die amerikanische Botschaft in Bern wenden, E-Mail und Telefonanfragen werden nicht beantwortet hiess es von deren Seite. Keine Ahnung weshalb es in der Schweiz so lange dauert bis man einen freien Termin erhält in allen umliegenden Ländern war es möglich innerhalb von 20 Tagen einen solchen zu bekommen. Mir wurde dann mitgeteilt ich solle zu einem bestimmten Zeitpunkt nochmals bei der Hotline, welche wohlgemerkt extrem teuer ist, anrufen, es würden nun laufend Termine frei. Das tat ich dann auch und welch Wunder, ich erhielt meinen Termin. Das ganze Prozedere ist auch nicht so tragisch wie man immer hört. Man nimmt halt einfach all die verlangten Formulare mit, bezahlt im Voraus die vielen Gebühren, hinterlässt die Fingerabdrücke und wechselt ein paar Worte mit dem Konsul. Das wars dann auch schon und ich bekam glücklicherweise gleich vor Ort mitgeteilt, dass mein Antrag gutgeheissen wird und mir der Pass mit Visum in den nächsten Tagen zugestellt wird.

Ich flog am 2. August 2008 ab und kam am selben Abend in L.A an. Am 4. begann die Uni. Mittels Super Shuttle bin ich dann nach Westwood gefahren und habe die erste Nacht in einem Hotel verbracht. (Royal Palace Westwood, ist zu empfehlen für eine Nacht). Der Super Shuttle (blauer Van) kostete mich nur 16 Dollar. Das Prinzip für dieses Fortbewegungsmittel ist folgendes: Es werden jeweils mehrere Leute aufgeladen, die in die selbe Richtung fahren müssen, deshalb ist der Preis relativ günstig. Als ich dann jedoch nach 6 Wochen zum Flughafen zurück fuhr und ich die Verkehrsmöglichkeiten besser kannte wählte ich dann den Flyaway Bus für nur 4$ inklusive drahtlosem Internetzugang. Dieser fährt bis zur Kinross Ave, nahe Veteran Ave in Westwood und ist uneingeschränkt empfehlenswert.

Der UCLA Check In am nächsten Tag ging innert kürzester Zeit vonstatten und so machte ich mich auf zu meinem off Campus Apartment in der Landfair Ave. Es war schon nicht so toll als ich die Tür zum Zimmer aufmachte, folgendes störte mich: Gleich einen Meter gegenüber des Fensters befand sich die Mauer eines anderen Gebäudes. Ich musste also 6 Wochen diese Mauer anstarren. Gut, das war mir jetzt nicht so wichtig. Viel schlimmer war jedoch die Tatsache, dass sich da eine Belüftungsanlage des gegenüberliegenden Hauses befand, welche mit lauten Geräuschen auf sich aufmerksam machte. In den ersten paar Stunden hielt ich es für unmöglich da 6 Wochen zu verbringen und wollte das Zimmer tauschen, doch irgendwie gewöhnt man sich an diesen Lärm. Des Weiteren war in meinem Zimmer KEINE Klimaanlage sondern nur eine Heizung. Ja, man kann es sich kaum vorstellen aber es war so. Und auch daran habe ich mich irgendwie gewöhnt. Und weiter: Der Lichtschalter für das Badezimmer, es war vielmehr ein Timer, befand sich ausserhalb des Badezimmers an der Wand. Und jedes Mal wenn jemand ins Bad wollte musste er diesen Timer, einer Eieruhr gleich, aufziehen. Da kriegte man nach spätestens einer Woche Zustände, weil ich immer dieses nervige Geräusch hören musste, da mein Zimmerkollege andauernd (auch in der Nacht), der Blase wegen, ins Bad musste. Die Betten waren nicht nebeneinander gelegen sondern übereinander. Es gab auch einen Kühlschrank und eine Mikrowelle, das war so ziemlich das einzig Positive an diesem Raum. Und natürlich die Grösse spricht auch noch für off-campus. Er war wirklich ausreichend gross, ganz im Gegensatz zu den Zimmern in der Sproul Hall, die glichen einer Käfighaltung für Hühner.

Der Fotografie Unikurs war super. Wir hatten ein tolles, junges, motiviertes Team (instructor, teaching assistant, lab assistant) und ich kann jedem diesen Kurs absolut empfehlen. Die Infrastruktur mit den Dunkelräumen war ausgezeichnet. Der Fotografie Kurs behandelte jedoch nur die analoge Farbfotografie und hatte nichts mit Digitalfotografie zu tun. Das war auch ganz gut so, jedoch hätte man uns das bereits vor Kursbeginn sagen können, denn da beinahe alle nur ihre Digitalkameras mitbrachten mussten wir für 150$ Analogkameras beim hiesigen Anbieter kaufen. Das war ärgerlich, denn zuhause hätte ich noch eine analoge Kamera gehabt und diese unnötige Ausgabe reute mich.

Der Kurs war extrem zeitintensiv. Ich musste 2 Fotoserien erstellen à mindestens 6 Abzügen. Diese critiques fanden einmal nach drei Wochen und einmal am letzten Schultag statt. Die erste critique stand unter dem Titel «time», bei der zweiten Ausstellung durften wir zu einem selbst gewählten Thema Fotos schiessen. Ich musste also zuerst ein Konzept entwerfen, dann die nötigen Plätze im riesigen L.A
auch finden, was gar nicht so einfach ist in einer fremden Stadt und schliesslich mussten die Fotos auch noch selbstständig entwickelt werden. Ich fand mich also meistens jeden Schultag am Nachmittag in den Dunkelkammern ein um meine Fotos zu entwickeln. Dazu kamen noch zwei writing assignments u.a zu einem Ausflug ins Getty Center. Und es gab einiges zu lesen. Und für den anderen Kurs hätte ich ein Drehbuch lesen und analysieren sollen, drei eigenständige Drehbuchideen entwickeln und ein Treatment zu einer Idee verfassen sowie 20 Drehbuchseiten schreiben.

Da ich jedoch auch noch was von L.A und Kalifornien sehen wollte musste ich diesen Kurs über URSA droppen. Ich hätte unmöglich die beiden Kurse absolvieren können ohne unter dauerndem Stress zu stehen und das wollte ich mir nicht antun. So strich ich also den Drehbuch Kurs, glücklicherweise innerhalb der ersten zwei Wochen und bekam mein ganzes Geld (888$) rückerstattet. Da war ich sehr dankbar, dass dies so problemlos ablief. Zum Thema Anzahl Kurse: Ich kenne jemanden, der zwei Wirtschaftskurse belegte, der hatte weder Aufgaben, noch Prüfungen und hatte auch, beide Kurse zusammengenommen, weniger Schule als ich mit dem einen Kurs. Zusätzlich kann er sich nun 8 Kreditpunkte anrechnen lassen. Ihr seht, man weiss vorher nie wieviel Aufwand für einen Kurs notwendig ist. Da sollte man sich vielleicht vorher irgendwo erkundigen, denn die angegebenen Units spiegeln den Aufwand nicht wider.

Da ich ein bisschen zu ausführlich schreibe möchte ich meine sonstigen Erfahrungen komprimiert wiedergeben: Las Vegas ist absolut sehenswert und die Reise mit dem Greyhound Bus dahin dauert zwar 8 Stunden, kostet aber nur 75$ (hin und zurück). Bei den Busreisen mit der Metro innerhalb Los Angeles` trifft man andauernd auf irgendwelche Randständige und Freaks, da sollte man aufpassen. Generell gibt es extrem viele homeless in Westwood. Wenn es eindunkelt sollte man sich tunlichst von Downtown fernhalten. Das ist extrem gefährlich da. Es gibt viele merkwürdige Gestalten, die einem verfolgen oder zuquatschen. Wirklich eine no go area, besonders bei Nacht. Das hat mich schon ein wenig verwundert...

Aber der gesamte Campus und der Unterricht war absolut einmalig und die Klassenkameraden waren alle unglaublich nett. Eine summer session ist absolut empfehlenswert, die 6 Wochen vergingen im Nu!