2 Jan
Erfahrungsbericht von Lina H.

University of California Davis

Stadt: Davis
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Agrarwissenschaften
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2008 bis 03/2009

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Für das Fall und Winter Quarter 08/09 war ich an der UC Davis für Agriculture Economics eingeschrieben. An meinen ersten Tag am Extension Center erinnere ich mich noch genau. Ein Großteil der Studenten waren Asiaten, viele kamen aus Südamerika und circa 10 Studenten aus Europa. Und ich kam mir anfangs mit meinen 178cm und blonden Haaren recht verloren vor. Zum Glück war noch ein anderes deutsches Mädchen unter den Studenten, die schnell eine enge Freundin wurde. Aber auch mit den asiatischen Austauschstudenten hab ich mich nach anfänglichen Startschwierigkeiten gut verstanden. Es war interessant zu erleben wie es ist, wenn die Kommilitonen alle in einer Sprache miteinander reden, die man selber so gar nicht versteht.

In den ersten Tagen werden alle Neuankömmlinge im Extension Center für einige Stunden auf ihre Englischkenntnisse getestet (mündlich & schriftlich) und dementsprechend in Levels eingeordnet. Die höheren Level haben dann die Möglichkeit auch Kurse außerhalb des Extension Centers zu belegen. Diese sogenannten Open-Campus Kurse sind etwas schwieriger, da dort natürlich keine Rücksicht auf sprachliche Verständnisschwierigkeiten genommen wird. Dennoch sind diese Kurse eine gute Möglichkeit mit Amerikanern in Kontakt zu kommen und das „wahre“ UC Davis Uni-Leben kennenzulernen. Für die Open-Campus Kurse schreibt man sich direkt am Extension Center ein. Sprachlich hatte ich bei den Kursen wenige Probleme, inhaltlich gab es zwar einige Überschneidungen mit meinen deutschen Modulen, aber im Grunde haben die Kurse gut an meine deutschen angeknüpft und ich habe viel dazugelernt. Da ich im Master-Studiengang bin, war die Teilnehmerzahl pro Vorlesung recht übersichtlich (20-30 Studenten). Von anderen Kommilitonen weiß ich jedoch, dass es im Bachelor-Studiengang etwas größere Klassen sind und man auch in großen Säälen unterrichtet wird.

Die Professoren nehmen sich aber alle gerne Zeit nach der Vorlesung oder in den Sprechzeiten und helfen bei Problemen. Im Gegensatz zu Deutschland ist der Kontakt zwischen Professor und Studenten enger. Sie verhalten sich unauthoritärer und scheuen auch nicht davor Verständnisfragen per Email oder im direkten Gespräch zu klären. Ein weiterer Unterschied zum Studium an meiner deutschen Uni ist, dass ich hier regelmäßig Hausaufgaben bekommen habe. Es wurde oft gefordert sich intensiv auf die nächste Vorlesung vorzubereiten. Man wird hier also mehr oder weniger gezwungen den Stoff der Vorlesung zu wiederholen und „am Ball zu bleiben“. In Deutschland war es für mich eher üblich das ganze Semester nichts zu machen und dann in den letzten Wochen vor den Klausuren mit dem Lernen anzufangen. Dieses „Lernverhalten“ ist hier nicht möglich, man muss hier während des ganzen Quarters studieren;-)

Die Lehrer vom Extension Center sind auch alle sehr geduldig, hilfsbereit und studentennah. Manche von ihnen treffen sich auch außerhalb der Classes mit den Studenten zum Lunch oder Dinner. Über schlechte Noten am Extension Center muss man sich auch wenig Sorgen machen, die Anforderungen sind recht niedrig und auch die Hausaufgaben lassen sich innerhalb weniger Minuten erledigen. Allerdings werden hier eben auch nur Englisch-Intensiv Kurse angeboten, für fachfremde Kurse ist es nötig am Open-Campus Programm teilzunehmen.

Die Stadt Davis ist klein, friedlich, sauber und sehr studentisch. Es gibt zahlreiche Bars, Kinos und Restaurants und auch ein paar wenige Clubs (wobei die meisten amerik. Studenten am Wochenende private Apartment-Partys feiern). Die Shopping Möglichkeiten sind in Davis hingegen sehr begrenzt, weshalb es sich empfiehlt zum Einkaufen nach Vacaville, Sacramento (kostenlos) oder für rund 23 Dollar nach San Francisco fahren.
Natürlich gibt es auch in Davis einige Fast Food Ketten, dennoch ist Davis recht „grün“ –orientiert. Es gibt Bio-Supermärkte, viele Parks und Elektroautos. Auch trifft man zu jeder Tages-und Nachtzeit sportbegeisterte Jogger und Fahrradfahrer. Angst haben, dass man hier dick und träge wird, muss also nicht:-) Wer auch bei schlechten Wetter Sport machen möchte, kann sich (je nach Studenten Status) kostenfrei oder für 85 Dollar pro Quarter im ARC-Activities and Recreation Center-anmelden. Das ARC liegt campusnah und ist auch bis spät abends noch geöffnet und bietet neben einer Innenlaufbahn, Kletterwand und Basketball Feld zahlreiche Fitness-Kurse an.

Was hier in Kalifornien verhältnismäßig teuer ist sind Kosmetikartikel, Duschgel, Wattepads usw. Ich war überrascht, dass selbst die No-Name Produkte recht hoch im Preis sind. Ansonsten sind Lebensmittel etwa gleich teuer wie in Deutschland. Und es gibt sogar in manchen Supermärkten typisch deutsche Produkte wie Schwarzbrot oder Haribo-Gummibärchen;-) Wirklich vermisst habe ich hier also nichts (außer den Glühwein im Winter).

Ich habe mich noch in Deutschland für ein Zimmer in einer Gastfamilie beworben. Die meisten Gastfamilien von denen ich hier gehört habe, sind total lieb und unternehmen auch recht viel mit „ihren“ Studenten. Auch ich hatte großes Glück und wohnte in einer Gastfamilie mit noch 2 anderen Austauschstudenten (Chile&Korea), was zwar sprachlich öfters eine Herausforderung war, aber dennoch total viel Spaß gebracht hat und ich habe neben Einblicken in die amerikanische Lebensweise auch die chilenische/koreanische Kultur etwas miterleben können.

Ich empfehle jedem der sich für Davis entscheidet, sich schnellstmöglich ein Fahrrad anzuschaffen. Die Buslinien decken bei weitem nicht ganz Davis ab und zu Stoßzeiten sind sie meist total überfüllt.

Da Fahrraddiebstahl ein kleines Problem in Davis darstellt, empfiehlt es sich bei der Anschaffung des Schlosses auf Qualität zu achten und das Fahrrad auch für kurze Erledigungen immer sicher anzuketten. Für die Raining Season (zwischen November und Februar) ist es von Vorteil eine Regenjacke zu besitzen, da es in dieser Zeit manchmal tagelang regnet. Wirklich kalt wird es hier im Vergleich zu Deutschland aber nicht. Im Herbst würde es nachts, auf Grund des wolkenfreien Himmels, zwar recht kühl, aber ich habe nie Schal oder Handschuhe gebraucht.

Rückblickend würd ich mich immer wieder für Davis entscheiden und bin sehr dankbar für die Unterstützung die mir College-Contact bei der Studienplatz-Bewerbung gegeben hat.