22 Jan
Erfahrungsbericht von Lina G.

University of California Davis

Stadt: Davis
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Modedesign, Organisation und Führung
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2009 bis 12/2009

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

"Anfangen würde die Reise mit meinem Flug nach Sacramento, CA", dachte ich. Doch meine Reise fing eigentlich schon viel früher bei dem obligatorischen Besuch der Amerikanischen Botschaft in Frankfurt am Main an. Nachdem ich meine gesamten Bewerbungsunterlagen endlich abgeschickt hatte und meine Zusage zur UCDavis auf dem Tisch hatte. Im Grunde ist dieser Botschaftsbesuch eine Tortur, denn man darf ganz lange warten um ganz kurz nur die Hälfte der mühsam zusammengesuchten Unterlagen abzugeben.
Überglücklich war ich dann, als ich diesen Besuch hinter mir hatte und vor allem, als ich endlich erfuhr, wer meine Gastfamilie sein würde. Ich entschied mich für diese Option des Wohnens, da sie eigentlich die Günstigste ist und ich gerne das typisch amerikanische Leben erfahren wollte. Zudem muss ich sagen, dass es wirklich nicht viel Aufwand war und die Organisation einem in dieser Hinsicht jegliche Arbeit abnimmt. Auch wenn ich ab dann jeden morgen um sieben von meinen süßen, kleinen (4 und 7 Jahre alten) Gastgeschwistern geweckt wurde und die beiden auch locker abends bis um 23 Uhr das Haus wach hielten, ob man dann schon schlafen wollte oder nicht.
Leider war mein Radweg zur Uni auch mit ca. 20 bis 30 Minuten eher schon außerhalb von Davis. Da dieser aber meist von Sonnenschein auf extra angelegten Radwegen gefahren wurde, war es eigentlich sehr schön, bis der Winter kam (mit ca. 5-10°C deutlich kälter als ich von Kalifornien erwartet hatte!). Im Großen und Ganzen bin ich wirklich sehr froh, bei dieser Gastfamilie untergekommen zu sein, denn auch wenn es wahrscheinlich nicht die typische Ami-Family ist (der Vater ist Äthiopier, die Mutter trägt ihre Haare in langen Rastas und fühlte sich mit ihren 30 Jahren eher wie eine Schwester für mich an), sind es wirklich herzensliebe Menschen, die mich immer in allem unterstützt haben und mir vor allem unheimlich viele Freiheiten ließen. Das Beste: ich weiß, dass ich in Ihnen Freunde fürs Leben gefunden habe, denn auch zusammen zu wohnen ist doch etwas anderes als „nur“ befreundet zu sein.
Nach einigen Tagen Eingewöhnung und Erkundung der super schönen und süßen Unistadt Davis ging es zum Extension Centre. Hätte ich gewusst, dass man auch schon früher als zum abgemachten Termin dort hin und anfangen kann seine Open Campus Kurse des Bridge Program zu organisieren, hätte dies meine Kursfindung und -zulassung um einiges vereinfacht. Zum Glück brauchte ich den Englischtest nicht zu machen, über den sich einige sehr geärgert haben, da sie doch extra den TOEFL-Test in Deutschland gemacht hatten (diesen müsste nämlich eigentlich jeder machen).
In meinem Falle konnte ich durch direktes Reden mit der „Hauptsekretärin" aufgrund meiner siebenjährigen englischen Schulausbildung direkt zur Bändigung des Kurskataloges weiter schreiten. Ich hatte mir einige Fächer schon in Deutschland heraus gesucht, die ich mir eigentlich hätte anrechnen lassen können, doch leider kam ich in keinen dieser Kurse rein, da die amerikanischen Studenten Priorität haben und die meisten Kurse auch noch lange Wartelisten hatten. Teilweise fanden sie auch gar nicht statt. Also musste ich den gesamten Kurskatalog fürs Fall Quarter nochmal durchforsten. Nachdem ich gefühlte 200 e-mails an Professoren und Teacher Assistants verfasst hatte, fand ich mich erst circa drei Wochen später in Kursen, die mir einigermaßen zusagten. Leider trübte dieser anfängliche Stress meinen gesamten Aufenthalt, und ich denke, da sollte man sich etwas Besseres einfallen lassen, was die Organisation betrifft. Ich war am Ende einfach nur froh überhaupt Kurse gefunden zu haben an denen ich noch teilnehmen konnte (eigentlich hatte ich ja laut mancher Dozenten schon zu viel verpasst), die zumindest etwas mit meinem Studiengang in Deutschland zu tun hatten. Einen der Englisch Kurse zu machen habe ich nicht eingesehen, da ich ja wie erwähnt englisch aufgewachsen bin und dies nicht der Sinn meines Aufenthalts sein sollte, auch wenn es das Ganze sicherlich vereinfacht hätte.
Zur Betreuung vor Ort kann ich nur sagen, dass eigentlich nicht viel gemacht wurde, auch wenn immer interessiert nachgefragt wurde, wie es denn läuft. Typisch Kalifornisch halt! Wirkliche Lösungsvorschläge oder direkte Hilfestellungen gab es leider kaum. Hilfreiche Informationen kamen dann eher von den anderen Studenten, die ähnliche Probleme hatten. Ich glaube aber auch, dass es generell in meinem Studienfach schwerer ist, auch, weil die Rede davon war, den ganzen Fachbereich Textile and Clothing völlig von der UCDavis aufzulösen (Kostensparungsgründe natürlich).
Die Kurse an sich waren dann aber doch recht interessant, auch wenn ich sie mir wie schon gesagt, leider nicht anrechnen lassen kann. Aber im Großen und Ganzen war es informativ und bereichernd zu sehen, wie das Unileben in Amerika sich doch in Vielem von dem deutschen Unileben unterscheidet.

Natürlich habe ich versucht so viel wie möglich von Kalifornien zu sehen. Und da muss ich sagen, ist Davis wirklich ein idealer Ausgangsort. Nur ca 1,5 Stunden nach San Francisco, 30 Minuten mit dem Bus nach Sacramento, ca 2 Stunden Fahrt zum Skifahren in der Nähe des Lake Tahoe (ab Ende November), ca 2 Stunden Fahrt zum Yosemite National Park, ca 30 Minuten Fahrt ins wunderschöne Napa Valley zum Wine Tasting. Allerdings muss man dazu sagen, dass Amerika eigentlich nur mit einem eigenen Auto ein Genuss ist!!! Für einen Roadtrip durch South Cali am Ende meines Aufenthalts lag Davis vielleicht etwas zu weit nördlich, aber es ist durchaus machbar. Somit ging es dann in ca 10 Tagen von San Francisco an der wunderschönen Küste entlang nach Santa Barbara über Los Angeles nach San Diego. Als krönenden Abschluss dann nach Las Vegas von wo aus wir zurück nach San Francisco flogen. Hätte ich noch ein wenig mehr Zeit gehabt, wäre ich auch noch weiter nach Norden gefahren, wo die Natur wirklich wunderschön sein soll und ich auch nur Gutes gehört habe.
Also im Großen und Ganzen, wenn man mit der Fächerwahl mehr Glück hat, ist Davis ein empfehlenswerter Ort wenn man mal das typische Amerikanische Kleinstadtleben sehen will und es einem nichts ausmacht, dass man für alles außer Essen etwas fahren muss!