13 Mär
Erfahrungsbericht von Lena D.

California State University Fullerton

Stadt: Fullerton
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: BWL
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 08/2013 bis 12/2013

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Eines vorneweg: Wenn ihr ein Auslandssemester macht, mit dem Ziel euer Englisch zu verbessern, wählt lieber eine andere Universität! Mittlerweile gibt es sehr viele deutsche Studenten dort (gerade im BWL-Bereich) und es werden von Jahr zu Jahr mehr, meinte ein Professor.

Vorbereitung

Durch einen Kommilitonen habe ich von College Contact erfahren. College Contact hilft einem bei allen Schritten der Bewerbung und steht jederzeit bei Fragen zur Verfügung. Man bekommt auch Hilfe bei der Auswahl des Sprachtests oder beim Zusammensuchen der Syllabi. Vor College Contact habe ich es nie für möglich gehalten, ein Semester in den USA zu erleben, da ich es für nicht finanzierbar hielt.
Für die Cal State Fullerton habe ich mich entschieden, da sie in der Nähe von Los Angeles liegt und die Studiengebühren akzeptabel waren. Und wer träumt nicht davon eine Zeit lang in OC zu leben?
Das wohl aufwändigste in der Vorbereitung war das Visum. Man braucht ein bestimmtes Passfoto und muss zwei verschiedene Gebühren überweisen ($200 und 100€). Dann muss man noch einmal $10 bezahlen wenn man einen Termin online ausmachen möchte oder die kostenpflichtige Hotline anrufen. Mein Tipp ist, einen Termin am Morgen zu wählen, da dann die Wartezeiten am kürzesten sind (war insgesamt um die 45 min im Konsulat in Frankfurt).
Wichtig ist auch, schon im Voraus zu klären, welche Kurse man sich an der Heimatuni anrechnen lassen kann. Am besten ist es, eine Liste mit vielen Alternativen zu haben, da man nicht immer in jeden Kurs auch reinkommt. Ich würde euch auch empfehlen, das Auslandssemester eher früher in euren Studienverlauf einzuplanen. Ich war schon im 5. Semester und hatte so nur noch wenige Kurse zum Anrechnen in Deutschland zur Auswahl.
Beantragt auch auf jeden Fall Auslands-Bafög! Ich bekomme in Deutschland kein Bafög, aber es wurden die kompletten Studiengebühren in den USA übernommen. Erkundigt euch auch an eurer Hochschule ob es nicht irgendwelche Stipendien gibt, wie bspw. das PROMOS-Stipendium.

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Die Studiengebühren (~ $5,600) muss man vorab überweisen oder per Kreditkarte bezahlen. Egal welchen Weg man wählt, es kommen nochmal Gebühren obendrauf. Es ist zu empfehlen, die Studiengebühren rechtzeitig zu überweisen, damit die Uni sie schon bekommen hat, wenn ihr euch einschreiben wollt.

Beim Einschreiben gibt man den gelben Bafög-Zettel ab und erfährt welche Kurse man schon sicher hat. Ich hatte nur zwei Kurse von Beginn an sicher. Für einen der Kurse (MGMT 343 Human Resource Management) wurde ein extra Kurs für Internationals eingerichtet. Was sich zunächst gut anhört, entpuppte sich als Kurs in dem nur Deutsche und 4 andere Internationals waren. Bei den Gruppenarbeiten wurde dann natürlich wieder nur Deutsch gesprochen. Das wahre Gesicht der Deutschen zeigte sich dann auch, als es um die Peer Evaluation der Gruppenarbeit ging. Wo Amerikaner kein Problem haben sich einzugestehen, dass andere mehr gemacht haben als sie selbst, sind die Deutschen nicht bereit das zuzugeben, um nicht eventuell eine schlechtere Note zu kassieren.
In meinem anderen Kurs (MKTG 475 Import/Export Marketing Strategies) waren weniger Deutsche. Der Kurs war nicht sehr spannend, da ich vieles schon in Deutschland gehört hatte. Der Professor Jeffrey Williamson ist sehr nett und ein „easy-grader“.
Meine anderen beiden Kurse MGMT 449 (Seminar in Strategic Management) und MGMT 422 (Operations Planning and Control) musste ich crashen. Ich bekam den Tipp, den Professoren vorher eine E-Mail zu schreiben, was sich als sehr hilfreich herausgestellt hat. Beide Professoren haben auch recht schnell geantwortet und mich gebeten zu ihrer Sprechstunde zu kommen, bzw. zur Klasse zu erscheinen, um zu sehen wie viel Plätze noch frei sind.
Professor Paul Choi von MGMT 422 hat mich gleich in seinen Kurs aufgenommen, auch wenn er der Meinung war, dass ich mich vermutlich langweilen würde. So schlimm war es nicht, aber das Niveau war schon niedriger als in Deutschland. Glücklicherweise war es einer meiner Kurse, wo ich die einzige Deutsche war. Professor Choi ist ein sehr netter und verständnisvoller, aber auch manchmal verstreuter Professor.
Es war weitaus komplizierter in den Kurs MGMT 449 reinzukommen. Ich habe hierzu mehrere Professoren angeschrieben (es gab im Fall 2013 neunzehn Kurse), aber meist gehört, dass der Kurs schon voll sei. Nachdem ich endlich die Unterschrift zu einem Kurs hatte, kamen die Schwierigkeiten mit dem Management Department dazu. Da der Kurs für Abschlussabsolventen in ihrem letzten Jahr vorgesehen ist, werden normalerweise keine Internationals zugelassen. Nach einem Gespräch mit dem Head of Department durfte ich aber dann doch endlich in den Kurs. Es war der beste Kurs des Semesters! Professor Lorenzo Bizzi ist Italiener und mit dieser Leidenschaft unterrichtet er auch. Selten habe ich so eine motivierende Vorlesung erlebt, obwohl der Arbeitsaufwand höher als in anderen Vorlesungen war (nicht sehr schwer aber eben viel).
Am Ende habe ich also alle meine Wunschkurse bekommen. Man muss nur hartnäckig bleiben! Leider waren 3 meiner 4 Kurse immer abends von 19:00 – 21:45 Uhr. Gerade donnerstags war das oft sehr ärgerlich.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Professoren in den USA sehr viel lockerer drauf sind. E-mails werden sehr schnell beantwortet. Die meisten Professoren bringen Verständnis dafür auf, dass man ein International Student ist und nicht nur zum Studieren hier ist, sondern auch Land und Leute kennenlernen möchte.
Die Vorlesungen an sich sind sehr verschult. Es gibt mündliche Noten, es müssen jede Woche Hausaufgaben oder ähnliches abgegeben werden und es werden mehrere Klausuren geschrieben. Obwohl das Niveau der Vorlesungen meist niedriger als in Deutschland ist, habe ich mich mit den Multiple Choice Klausuren teils schwergetan, da die Fragen nicht immer ganz eindeutig formuliert sind. Ich hatte aber das Gefühl, dass Gruppenarbeiten in den USA viel besser funktionieren. Jeder ist bemüht etwas beizutragen, damit man am Ende bei der Peer Evaluation nicht schlecht abschneidet.
Ein Nachteil der Cal State Fullerton ist, dass es sich um eine Commuter-School handelt, d.h. nur die wenigstens Studenten wohnen in der unmittelbaren Umgebung. Ein Großteil der Studenten pendelt. Dadurch entsteht natürlich kein so enges Gemeinschaftsgefühl wie man es sich vielleicht sonst an den amerikanischen Universitäten vorstellt. Es war schon ein komisches Gefühl in eine Klasse reinzukommen, wo zunächst niemand miteinander redet, weil sich niemand untereinander kennt. Viele Studenten sind zudem damit beschäftigt in der Freizeit und am Wochenende zu arbeiten, um sich ihr Studium und Lebensunterhalt zu verdienen.
Nichtsdestotrotz gibt es viele Clubs und Sportteams an der Cal State Fullerton. Ich bin dem Equestrian Team (Reitsportteam) beigetreten und habe so dann ein paar nette Amis kennenlernen können. Es gibt außerdem die Möglichkeit am Orientation-Day einen Zettel auszufüllen, wenn man einen „American Friend“ zugeteilt haben möchte.


Wohnen

Ich habe mich für das University Village entschieden, da es zunächst praktisch erschien, Essen und Möbel inklusive zu haben. Ich hatte damit gerechnet, viele Deutsche im UV anzutreffen, aber nicht so viele! Deutsche und Südkoreaner machten den größten Anteil der Bewohner aus. Es leben hauptsächlich Internationals im UV, nur wenige Amerikaner. Bei meiner Bewerbung habe ich angegeben, dass ich keinesfalls deutsche Mitbewohner möchte, hatte aber dann trotzdem eine Deutsche (und eine Südkoreanerin). Beide waren superlieb, aber natürlich spricht man kein Englisch, wenn man mit seiner deutschen Mitbewohnerin redet.
Ich hatte das kleinste der drei Zimmer, was aber ausreichend war. Das Negative an den kleinen Zimmern (Regular) ist die Lautstärke wenn man in den Gebäuden Tokyo, Sydney, Rome oder New York wohnt. Das Regular Zimmer geht nach vorne raus in Richtung Quad und somit ist es auch unter der Woche manchmal recht laut, wenn Leute sich zum rauchen oder quatschen draußen treffen (oder wenn im Sommer alle Klimaanlagen auf Hochtouren laufen). Die Qualität der Wohnungen hängt auch stark von den jeweiligen Gebäuden ab. Manche sind renoviert mit schönem, gepflegten Boden und neuer Couch, andere sind das komplette Gegenteil und heruntergekommen. Auch der Badbereich mit Waschbecken, Dusche und WC war bei manchen modernisiert, wohingegen wir uns unter Dusche immer bücken mussten um uns die Haare zu waschen, weil der Duschkopf so niedrig angebracht war (sind beide nicht sehr groß!).
Einer der negativen Höhepunkte waren die Termiten im Zimmer meiner Mitbewohnerin. Zum einen auch, weil das Management nur sehr zögerlich darauf reagierte und meine Mitbewohnerin dann zeitweise umziehen musste. Kurz vor Abreise gab es dann auch noch Probleme mit Ratten in einem anderen Gebäude, das aber mittlerweile hoffentlich behoben wurde. Generell dauert es immer ein bisschen, wenn man im Office ein Anliegen vorbringt. Man kann zwar einen Zettel ausfüllen mit den nötigen Reparaturarbeiten, aber meist passierte erst nach Wochen etwas, wenn überhaupt.
Das Essen war meist mexikanisch angehaucht und bestand sehr häufig aus Chicken und Rice. Es gab aber auch zu jedem Essen eine vegetarische Alternative, was ich sehr schätzte. Wenn man mal keine Lust auf was Warmes hatte, konnte man sich auch an der Salatbar bedienen. Es war außerdem schön, dass man immer alle angetroffen hat und gemeinsam essen konnte.
Das beworbene WLAN funktioniert in den Zimmern fast gar nicht oder wenn nur sehr langsam. Als der Drucker zum generieren eine Passworts für das WLAN defekt war, hat es Wochen gedauert bis dieser repariert wurde und solange gab es dann auch kein WLAN. Viele Studenten besorgen sich daher ihr eigenes Internet, was natürlich die monatlichen Kosten noch einmal nach oben treibt. Auch die Verteilung der Fahrräder (Mietgebühr von $25 pro Semester), für die man sich in eine Liste eintragen musste, verlief willkürlich und chaotisch.
Das positive am UV ist, dass man schnell Leute kennenlernt mit denen man dann reisen kann. Aber wer wie ich in die USA geht, um sein Englisch zu verbessern und den „American Way of Life“ zu erleben, wird hier eventuell nicht ganz glücklich. Immerhin habe ich am Ende mein gesamtes Deposit in Höhe von $500 vom UV zurückbekommen. Wenn ich nochmal die Wahl hätte würde ich aber nicht noch einmal ins UV ziehen, sondern ins University House.


Leben

Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich von meinem ursprünglichen Plan, mein Englisch zu verbessern und den „American Way of Life“ zu erleben, abkommen muss. So habe ich dann die vielen Reisen mit deutschen Freunden genossen.
Ich habe mir kein Auto gekauft, sondern an den Wochenenden eines gemietet. Mir wurde davon abgeraten, da es oft Probleme beim Verkauf am Ende des Semesters gibt. Am besten ist es, ein Auto über die deutsche Homepage der Vermietungsfirmen zu buchen. Meist ist die Versicherung dann schon inklusive. Es ist auch sehr hilfreich nachzufragen, ob die Young Driver Fee nicht gestrichen werden kann. Sowohl Enterprise als auch Hertz haben das gemacht. Wenn man dann zu dritt oder viert loszieht und sich die Kosten teilt, ist das ganze gar nicht mehr so teuer. Ich hatte zwar immer meinen internationalen Führerschein dabei, den wollte aber nie jemand sehen, der europäische Führerschein war ausreichend, um Autos zu mieten.
Shoppen kann man gut in der Brea Mall, den Outlets at Orange und der Ontario Mills Mall (=Outlet). Die Brea Mall ist mit dem Bus (Nr. 57 oder 153) in 15 min erreichbar. Zu den Outlets at Orange kann man auch mit dem Bus Nr. 57 fahren, dauert nur etwas länger. Der Busfahrplan lässt sich einfach über Google Maps rausfinden.
Neben Los Angeles und den ganzen Stränden in OC bietet es sich auch an nach San Diego, San Francisco und Las Vegas zu fahren. In den Thanksgiving-Ferien bin ich mit Freunden nach New York geflogen (Inlandsflüge sind oft sehr günstig in den USA). Nicht weit von Fullerton befindet sich das Disneyland in Anaheim, was man wirklich nicht verpassen sollte (am besten Klassenkameraden fragen ob sie jemanden kennen, der da arbeitet, dann kommt man günstiger rein).
Man muss sich allerdings bewusst sein, dass nicht alles in LA glänzt. Gerade in LA ist der Unterschied zwischen arm und reich echt krass. Abends reihen sich im einen Teil von LA die Zelte der Obdachlosen dicht an dicht, während in einem anderen Teil von LA gefeiert wird. Auch der Walk of Fame ist ein paar hundert Meter vom Dolby Theater entfernt komplett heruntergekommen.
Wir waren eigentlich fast jedes Wochenende irgendwo unterwegs, da Fullerton nicht wirklich was zu bieten hat. Hauspartys im UV wurden früher oder später immer von der Security gecrasht und aufgelöst.
Bezüglich eines Handyvertrages würde ich euch raten eine Prepaidkarte zu holen. Bei Walmart gibt es beispielsweise einen $30 Prepaidtarif, mit unlimited internet & text und 100 Freiminuten. Der Vorteil an einem Prepaidtarif ist, dass man unabhängig ist und sich nicht mit dem lästigen Kündigen rumschlagen muss, wenn man abreist. Wir hatten anfangs den Vierer-Vertrag zu je $25 von T-mobile. Im Nachhinein würde ich das nicht mehr machen, da man zum einen von den anderen abhängig ist und zum anderen ich am Ende noch einige Probleme damit hatte.

Das Semester in Kalifornien war trotz der negativen Punkte eine Erfahrung wert und ich habe es sehr genossen. Ich würde jedem empfehlen, ein Semester in den USA zu verbringen.