25 Mär
Erfahrungsbericht von Guido H.

University of California Berkeley

Stadt: Berkeley
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Internationale BWL
Zeitraum: 09/2009 bis 12/2009

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Zum Programm Das Aufbaustudium an der UC Berkeley Extension im Bereich Global Business Management ist ein sehr zeitintensives Programm. Dies liegt vor allem an den zehn Kursen, in denen es neben Midterm Exams und Final Exams auch viele Gruppenarbeiten, Essays, Tests und Homework Assignements zu absolvieren gibt. Das Global Business Management Programm beinhaltet insgesamt zehn Fächer mit inhaltlichem Bezug zu internationalen Wirtschaftsthemen wie etwa International Finance, Global Marketing Strategies, International Business Law oder International Negotiation, von denen drei bis vier Fächer in Blöcken jeweils parallel laufen.
Die Seminare finden täglich (Mo.-Fr.) ausschließlich in Doppelstunden, also drei Zeitstunden, und in Kursgrößen von etwa 20 bis 25 Studenten statt. Das gesamte Programm beinhaltet rund 240 Stunden Unterricht. Ich habe durchschnittlich pro Woche 24 Stunden an Vorlesungen bzw. Seminaren teilgenommen und benötigte oft mehr als dieselbe Zeit zur Nach- und Vorbereitung der Kurse (Lektüre und Aufgaben), zur Klausurvorbereitung sowie für Gruppenarbeiten. Abende und Wochenenden standen somit zumeist selten oder nur beschränkt für Freizeit- und Reiseaktivitäten zur Verfügung. Das International Diploma Program verspricht den Vorteil eines Studiums mit kleinen Gruppen und engem Kontakt zu den Professoren. Durch Case Studies und Rollenspiele werden theoretische Inhalte eindringlicher reflektiert als durch reines Auswendiglernen. Vor allem der Kurs Global Business and Marketing Strategy ist hier zu nennen. Hier sind über das gesamte Semester 3er Teams drei verschiedener Programme mit- und gegeneinander angetreten, um ihr eigenes Unternehmen (aus der Modebranche) zu managen und international gewinnbringend zu positionieren.
Neben diesem sehr interaktiven und interkulturellen Kurs gab es in meinem Programm etliche weitere Gruppenarbeiten, doch insgesamt leider nur zwei sehr kurze Präsentationen. Die Chance in einer kleinen internationalen Gruppe seine Soft Skills im interkulturellen Präsentieren (etwa das Kennenlernen verschiedener Präsentationstechniken in Asien, Europa und Amerika) zu verbessern, wurde leider nicht ausreichend genutzt. Ebenfalls als Nachteil empfunden habe ich, dass die Case Studies als eigenständige Analysen und Denkleistungen zumeist nicht so sehr in die Abschlussnote eines Kurses eingegangen sind wie die Klausuren, die beizeiten reine Multiple-Choice Aufgaben beinhalteten. Oberste Prämisse der Kurse ist und war überdies eine große Praxisnähe. Diese wurde zwar nicht von jedem Dozenten eingehalten (der Marketing-Kurs hat hier leider kaum mit aktuellen Beispielen gearbeitet) und ist auch nicht immer möglich, etwa wenn es um das Thema Entrepreneurship geht, dennoch gab es vor allem in den Finance, Accounting und Negotiation Kursen sehr lehrreiche Case Studies und Rollenspiele, die eng an die Praxis gekoppelt waren. Hier ist vor allem der Negotiation Kurs zu erwähnen, wo die Studenten in jeder Stunde interkulturelle Verhandlungssituationen durchgespielt und anschließend kritisch reflektiert haben. Wenngleich die Dozenten über sehr gute theoretische Kenntnisse in ihrem Fachgebiet verfügen und auch einige Dozenten aus der Praxis kommen, hatte ich dabei immer das Gefühl, dass sie stark an Vorgaben gebunden waren, die es zu erfüllen galt. Es kam bei mir mitunter das Gefühl auf, dass das grundsätzliche Verständnis des Studiums eher einem Schulunterricht ähnelt, wo für eigene Denkansätze und Ideen nicht immer Platz im vorgebenen Curriculum ist. Dennoch muss ich sagen, dass sich fast alle Professoren bemüht haben, auf individuelle Fragestellungen der Studenten einzugehen.
Überdies ging es recht bürokratisch in der Verwaltung zu.
Trotz aller Kritik ist das Programm dennoch sehr lehrreich, insbesondere durch seine internationale Komponente – In meinem Programm waren besonders viele lateinamerikanische und asiatische Kommilitonen. In Gruppenarbeiten, im Unterricht als auch privat habe ich im Rückblick vor allem im alltäglichen Miteinander viel von der Kultur – nicht nur von der Wirtschafts-Kultur – lernen können und habe neue internationale Freundschaften geschlossen.

Zum Umfeld Neben der Möglichkeit in eines der Studentenwohnheime in Berkeley zu ziehen oder bei einer amerikanischen Gastfamilie unterzukommen, konnte man sich für eine Wohnung oder ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft entscheiden. Die Vermittlung von College Contact hat super funktioniert. Ich habe mich für die WG-Variante entschieden. So bin ich wie gewünscht in eine 2er WG mit einem türkischen Kommilitonen gezogen, der das dortige Marketing Programm besuchte. Unsere Wohnung bzw. unser Apartment befand sich in einem Wohnkomplex, wo nur International Diploma Program Studenten aus unterschiedlichen Nationen (Spanien, Brasilien, Schweiz, Niederlande, Japan und Türkei) wohnten. Auf diese Weise hat man schnell Kontakt zu Kommilitonen anderer IDP Programme.
Die monatlichen Mietkosten des Apartments waren mit 900 Dollar und einer Mietkaution von 500 Dollar für die dortigen Verhältnisse durchschnittlich. Mit Blick auf die Qualität der Wohnung allerdings unterdurchschnittlich. So hatten wir beizeiten ein wiederkehrendes Ameisen-Problem, eine enorm schlechte Isolierung der Hauswand (was besonders zu Ende des Programms im Dezember die Heizkosten in die Höhe trieb), eine stark abgenutze Küche und ein sehr schlecht gepflegtes Badezimmer. All dies lag sicher zu einem gerechten Teil auch an unseren Vorgängern, aber tatsächlich fand auch keine Überprüfung oder eine Wohnungsübergabe durch den Vermieter statt.
Dafür ist die Lage des Apartments sehr gut. In ruhiger Wohngegend mit klassisch-amerikansichen Einfamilienhäusern waren es zur Universität und nach Berkeley Downtown nur fünf Gehminuten. Von Berkeley Downtown fährt alle 15 Minuten eine U-Bahn nach Downtown San Francisco, wobei ein Weg ca. 15 Minuten dauert und rund 4 Dollar kostet. Berkeley als Stadt selbst ist durch die Uni und das Studentenleben geprägt. Neben dem wirklich wunderschönen und traditionsreichen Unicampus und ein paar Straßen mit netten Cafés, Studenten-Kneipen, Restaurants und 3 (!) Kinos rund um die Uni, hat Berkeley ansonsten recht wenig zu bieten. Für Freizeitaktivitäten fährt man daher meist nach San Francisco. Wie bereits beschrieben blieb ob der vielen Gruppenarbeiten und Homework Assignments wenig Freizeit. Reiseaktivitäten sollte man daher zu Beginn oder am Ende nach den letzten Klausuren einplanen.