10 Jan
Erfahrungsbericht von Felix H.

University of California Santa Barbara

Stadt: Santa Barbara
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: VWL
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 09/2013 bis 12/2013

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

1 Organisatorisches

Wie der Grossteil der Austauschstudierenden habe auch ich meinen Freemover Austausch mithilfe von College Contact organisiert (http://www.college-contact.com/). Das ist unkompliziert und das Personal von College Contact bietet beste Unterstützung. Wenn man sich früh genug um seinen Austausch bemüht, muss man sich auch keine Sorgen um einen Studienplatz machen. Ich persönlich habe mich Ende Dezember des Vorjahres um einen Platz für das Herbstsemester beworben und hatte schon im Januar meine Zusage.
Etwas umfangreicher gestaltet sich die Visumsbeschaffung. Es sind viele Schritte zu befolgen, um das nötige F1-Visum am US Konsulat zu erhalten. Befolgt man aber den Anweisungen von College Contact und beantragt man nicht gerade – wie in meinem Fall – zwei Visa, ist auch diese Hürde relativ leicht zu nehmen. Frühestens kann man 90 Tage vor Abreise sein Visum beantragen. Einreisen darf man maximal 30 Tage vor Studienbeginn.

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Viele amerikanischen Kommilitonen und der gesamte Isla Vista-Lifestyle lässt den Eindruck entstehen, universitäres sei nachrangig und sollte man nicht überbewerten. Doch damit ist weit gefehlt! Die Kurse warten mit einem beachtlichen Workload auf. Assignments, zwei Midterm-Klausuren, eine Präsentation, ein 15-seitiges Paper und eine Final-Klausur in nur einem Kurs sind keine Seltenheit. Und auch wenn der Umfang der Klausuren nicht denen der HSG entspricht, so ist die Menge an Aufgaben während des Semesters erheblich! Der grosse Vorteil allerdings: Arbeitet man ordentlich während der Woche, kann man sich die Wochenenden für Reisen freihalten. Der grosse Stress zum Ende des Semesters bleibt aus, da man zu diesem Zeitpunkt meisst schon mehr als 50% für seine Note geleistet hat. Ich habe folgende Kurse gewählt:
COMM 114 Media Effects in Society (Kontextstudium): Dieses Fach bietet sehr gute Einblicke in die US-amerikanische Medienwelt, liefert politische Hintergründe und zeigt Vor- und Nachteile der Medienglobalisierung auf. Die Klausuren sind verhältnismässig anspruchsvoll und erfordern ein vertieftes Verständnis des Unterrichtsstoffes und der Lektüre.
ECON 224 Economic Development (unabh. Wahlbereich): Dieser Kurs beantwortet Fragen wie: „Warum gibt es Armut?“, „Warum ist nicht die ganze Welt entwickelt?“ oder „Was sollten Länder und Institutionen tun, um Armut und Unterernährung zu bekämpfen?“. Im Kurs werden vor allem makroökonomische Modelle vorgestellt und analysiert. Relativ umfangreich: 2 Midterm Klausuren, Assignments, ein Paper und eine Finalklausur. Vorteil: die Dozentin Frau Benelli ist sehr um Internationals bemüht. Arbeitet man gut mit, wird man auch mit einer sehr guten Note belohnt.
ECON 274 Managerial Economics and Accounting (Pflichtwahlbereich – Vertiefer): Zu Beginn werden einige mikroökonomische Modelle und Theorien vorgestellt, von denen man sich aber nicht abschrecken lassen sollte. Gleich ab der zweiten Vorlesungsstunde wird die Brücke zum Accounting geschlagen und danach orientiert sich die Vorlesung stark am Lehrbuch „Managerial Accounting for Managers“ von Noreen. Die Dozentin Benelli versucht die einzelnen Kapitel möglichst anschaulich und einfach zu erklären. Die Stoffmenge ist allerdings nicht unerheblich. Eine Midterm, ein Paper, eine Präsentation und eine Finalklausur. Auch hier wird man mit der Note belohnt, wenn man sich entsprechend bemüht.


3 Student’s life

Vorneweg: das Studentenleben an der UCSB ist einzigartig, spannend, abwechslungsreich und macht einfach Spass. Wer hier gelangweilt ist, ist selbst schuld!

3.1 Unterkunft

Die Suche einer passenden Unterkunft hat sich als grosse Herausforderung entpuppt. Wenn ihr genauso wie ich nur für ein Semester in den Austausch geht und dann auch noch zum Fall Quarter startet, so macht euch darauf gefasst, dass ihr eine harte Zeit haben werdet die passende Wohnung zu finden.
Für mich war es keine Option, ausserhalb von Isla Vista zu wohnen. Dort findet das Studentenleben statt, dort sind abends die Parties und von dort sind es nur wenige Minuten zum Campus. Wenn ihr erwägt in Goleta zu wohnen, so sind zwar die Mietpreise geringer als in Isla Vista, aber die Radtour zum Campus ist ermüdend – besonders weil in den USA die gesamte Infrastruktur für Autos anstelle von Velos ausgelegt ist.
So gut wie alle Wohnungsangebote in Isla Vista sind mit einem 10-12 monatigen Mietvertrag verbunden. Eine Ausnahme macht Tropicana del Norte (http://www.tropicanadelnorte.com/home/), eine Residence Hall die auch Pauschalangebote für Internationals anbietet. Der hohe Preis beinhaltet neben dem Mehrbettzimmer auch Vollpension. Nachteil meines Achtens: Man wohnt grössenteils mit Austauschstudierenden in den Appartements. Daher habe ich mich auch gegen das Tropicana entschlossen. Trotzdem wollte ich keinen 12 monatigen Leasingvertrag unterschreiben und somit das Risiko tragen, einen Nachmieter zu finden. Durch Glück fand ich auf Craigslist (http://santabarbara.craigslist.org/) einen shared room in einer fraternity – ein US-Amerikanisches Erlebnis der besonderen Art, auf das ich hier nicht näher eingehen will. Nur so viel: wenn ihr die Möglichkeit habt, einmal mit einer fraternity in Berührung zu kommen: nutzt sie! Das ist ein Stück amerikanische Studentenkultur, die wohl den meissten Ausländern vorbehalten bleibt. Ich habe hier viele meiner amerikanischen Freunde kennengelernt und hatte eine grossartige Zeit in Sigma Nu!
Auch wenn der Mietpreis mit 800 USD pro Monat relativ hoch war und ich das Zimmer mit jemand anderen teilen musste, so war es ein einzigartiges Erlebnis und ich bin im Nachhinein sehr froh, nicht meine letzten Tage in Isla Vista mit der Sorge verbracht zu haben, einen Nachmieter zu suchen. Im Übrigen teilen sich die meissten Studenten in Isla Vista das Zimmer – teilweise sind sogar drei bis vier Personen in einem Raum. Ausserdem sollte man wissen, dass die Hygienestandards nicht mit Schweizer WG’s zu vergleichen sind.

3.2 Nützliches

Fortbewegungsmittel Nummer eins in Isla Vista ist neben dem Longboard das Beach Bike. Solche sind entweder (überteuert) auf Craigslist zu finden, oder man kauft sich gleich ein neues. Bike Boutique ist hier eine faire Adresse (http://www.islavistabicycles.net/). Für günstigste „Möbel“ kann ich kmart empfehlen, welcher sich unweit von Isla Vista in der Stoke Rd, Goleta, befindet und auf die Bedürfnisse von Studenten ausgerichtet ist.
Bzgl Auto: Da ich insgesamt sieben Monate in den USA verbracht habe (aufgrund eines Praktikums vor dem Studium), lag es für mich nahe, über den Kauf eines Autos nachzudenken, vor allem weil wir über den Sommer eine grössere Reise unternahmen. Nachdem ich dann aber feststellen musste, wie teuer Autoversicherungen in den Staaten sind ($1000 für 5 Monate Basisversicherung mit minimalem Schutz), habe ich den Gedanken des Autokaufs wieder verworfen. Ein Freund hat mir stattdessen eine super Internetseite empfohlen, bei der man günstig Autos mit bestem Versicherungsschutz mieten kann (http://www.germanwho.com/). Mit Alamo, der zugrundeliegenden Autovermietung, habe ich ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht. Nagelneue Autos und bester Service. Ich habe insgesamt sieben Autos dort gemietet. Ein grosser Vorteil ist es natürlich, wenn man schon über 25 Jahre alt ist.

3.3 Sportmöglichkeiten

Die Sportmöglichkeiten in und um die UCSB sind nahezu unbegrenzt. Hier zeigt sich die Campus Uni von einer ihrer besten Seiten. Drei Fitnessstudios, 2 Pools, unzählige Fussballplätze, Stadien, eine neue Kletterhalle oder mehrere Squash-Hallen sind nur ausgewählte Beispiele für ein einzigartiges Sportprogramm. Es stellt sich die Frage, ob man da noch etwas anderes machen will ;). Jedoch das grösste Highlight befindet sich ausserhalb des Campus: surfen! Erst im September, kurz vor Studienbeginn, bin ich das erste Mal auf dem Surfbrett gestanden und war sofort begeistert. Gerade zu Beginn lernt man schnell und geniesst den California lifestyle in vollen Zügen, wenn man auf dem Surfbrett liegend den kalifornischen Sonnenuntergang geniesst. Sand’s Beach, welcher sich nur wenige Minuten mit dem Rad entfernt von Isla Vista befindet, zählt zu einem der besten Surfspots der Umgebung und zieht auch Nicht-Studenten und echte Könner an. Geht surfen! Ihr werdet es nicht bereuen, das versichere ich euch! Ich werde es jedenfalls wieder tun!

3.4 Excursion Club

Diesem aussergewöhnlichen Club widme ich eine extra Überschrift. Wenn ihr an der UCSB als International anfängt, werdet ihr unumgänglich früher oder später mit diesem Club in Berührung kommen. Ich persönlich muss sagen, dass ich diesem Club viele meiner Höhepunkte während meines Auslandssemesters zu verdanken habe! Mitgliedsbeitrag sind $25 Dollar pro Quarter und schon allein die Tatsache, dass man sich unlimitiert Surfboards, Wetsuits, Camping-Ausrüstung oder Klettersachen ausleihen kann ist das Geld dreimal wert. Daneben veranstaltet der Club täglich Ausflüge und am Wochenende geht es oft auf grössere Hiking/Kletter/Surfing oder Campingtrips in Nationalparks etc. Ein Angebot, welches ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen solltet. Besonders empfehlenswert ist Pirate Sailing (danke Dane!!). Daneben veranstaltet der Club auch noch einmal im Semester eine legendäre Party – aber an Party mangelt es in Isla Vista sowieso nie, das werdet ihr spätestens erfahren, nachdem ihr eines Freitag Abends an den Del Playa Drive kommt.

3.5 Ausgang

Wie schon erwähnt ist Isla Vista ein verrückter Ort, wo Parties (anscheinend!) keine Grenzen kennen. Wer auf Youtube einmal nach dieser Uni sucht, wird schnell selbst feststellen, dass sie den Ruf als eine der grössten Partyunis der USA zu Recht trägt. Dabei spielen sich die grössten und wohl auch spektakulärsten Parties entlang des Del Playa Drive ab (Parties direkt an der Steilküste am Meer und unter Sternenhimmel! Aber Vorsicht: jährlich stürzen Partygäste entlang der Steilküste in den Tod). Bei all der Party zu Beginn möchte man meinen, das Studium läuft als Nebensache, doch dieser Eindruck ist weit gefehlt. Wenn ihr genug habt vom Partyleben Isla Vistas fährt Mittwoch bis Samstag „Bill’s Bus“ in das ca. 20 Minuten entfernte Santa Barbara. Ohne Übertreibung kann man Bill’s Bus als Partybus bezeichnen und ist wohl die beste und günstigste Alternative, um abends von Isla Vista nach Santa Barbara zu kommen. Besonders donnerstags zu empfehlen.
Eines noch zum Schluss: Ihr werdet keine Probleme haben, in Isla Vista euer komplettes Auslandssemester mit Partymachen zu verbringen – doch das wäre wirklich sehr schade und vergeudete Zeit meines Achtens! Die Umgebung von Santa Barbara ist eine der schönsten Kaliforniens und Kalifornien ist einer der schönsten Staaten der USA. Also geht raus, geht campen, geht surfen, klettern und besucht Nationalparks! Das bleibt wirklich in Erinnerung und nicht (nur) DP-Parties…

3.6 Geld

Klar, ein Semester an der University of California ist nicht billig, aber man sollte sich nicht von vornherein abschrecken lassen. College Contact zeigt einem genau auf, mit wie viel man über das Semester hin zu rechnen hat. Wirklich teurer als in der Schweiz sind meisst die Mietpreise. Essen gehen hingegen ist günstiger, genauso wie die meissten anderen Lebenshaltungskosten.

3.7 Achtung Polizei

Zuletzt sei noch gewarnt vor der Exekutive! Isla Vista ist ein grossartiger, verrückter und einzigartiger Ort, den man geniessen sollte – aber nur im Rahmen der Gesetze Kaliforniens! Und das bedeutet beispielsweise keine Musik nach 22 Uhr während der Woche, und nicht nach 24Uhr am Wochenende. Das bedeutet auch, keinerlei offene alkoholische Getränke auf öffentlichem Gelände und Jungs, benutzt Toiletten, keine Büsche. Wer jetzt glaubt, Regeln gibt’s bei uns auch, aber was soll’s… besser nicht! Ich kenne kaum jemanden, der während seiner Zeit in Kalifornien nicht zumindest einmal Bekanntschaft mit der Polizei gemacht hat. Und die Polizei versteht keinen Spass! Das Strafmass für „Pee in Public“ liegt bei 1.225 USD, jenes für „open container“ bei 280 USD. Lediglich der Gang zu Gericht kann dieses reduzieren. Und wer glaubt, ein gutes Versteck für ein kleines Geschäft gefunden zu haben oder seinen Alkohol ausreichend gut als Cola getarnt zu haben, der täuscht sich. Die Polizeidichte in Isla Vista ist enorm. Seid also vorgewarnt, das spart viel Zeit, Geld und Ärger.


4 Fazit

Auch ich mache keine Ausnahme und muss bestätigen: das Auslandssemester ist die beste Zeit im gesamten Studium – wenn nicht eine der besten Zeiten im Leben! Daher sollte man es in vollen Zügen geniessen. Die UCSB macht einem die „once-in-a-lifetime experience“ besonders leicht. Versucht, soviel mitzunehmen wie möglich. Geht reisen, nehmt euch hierfür vor und nach dem Semester Zeit. Während des Semesters gehen sich Wochenendtrips in den Yosemite Nationalpark, den Joshua Tree Nat.Park, Sequoia Nat.Park, Mexiko oder Las Vegas aus. Um jedoch den Midwesten der USA und vielleicht sogar Kanada kennenzulernen, sollte man sich deutlich mehr Zeit nehmen. Ich persönlich reiste nach meinem Praktikum und vor meinem Studium sieben Wochen durch die USA und British Columbia, durch insgesamt 17 Nationalparks und so ziemlich jeden Staat im Westen der USA. Es war äusserst beeindruckend! Dann im Anschluss an das Studium noch neun Tage Skifahren in Kanada. Für Skibegeisterte ein Muss!
Es gibt noch sehr viel mehr zu erzählen als hier geschrieben steht. Wenn ihr also Fragen habt, könnt ihr euch jederzeit gerne an mich wenden!