21 Feb
Erfahrungsbericht von Anne S.

California State University Chico


Stadt: Chico
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: BWL
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 08/2011 bis 12/2011

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Für mein Auslandssemester in Chico habe ich mich zum einen entschieden aufgrund der relativ humanen Studiengebühren und zum anderen wegen des tollen, im Grünen gelegenen Campus mit seinen historischen Backsteinbauten. Bei der Entscheidung war mir nicht ganz bewusst, dass Chico doch drei Autostunden nördlich von San Francisco liegt, aber letzten Endes gelangt man entweder mit dem Mietwagen oder auch mit Amtrak recht gut (vier Stunden) dort hin. Der Bewerbungsprozess verlief sehr unkompliziert und angenehm über College Contact. Die Uni wurde dabei von mir selbst nicht kontaktiert. Ich habe relativ zügig eine positive Rückmeldung der Uni erhalten und dadurch, dass ich mich bereits sechs Monate im Voraus beworben hatte, blieb genügend Zeit für Visumsbeantragung, Botschaftstermin und Reisevorbereitungen (Flug, Unterkunft, Kreditkartenlimit, Auslandskrankenversicherung (MAWISTA)). Die Beantragung selbst war sehr zeitaufwendig und nervenraubend aufgrund des Formularkrames. Das eigentliche Interview bei der Botschaft in Frankfurt am Main war völlig entspannt – es empfiehlt sich einen der ersten Termine morgens wahrzunehmen, da die Warteschlange sehr kurz ist und selbst im Warteraum kaum Andrang herrscht. Die Beamten sind ausgesprochen nett und es kann Deutsch und Englisch gesprochen werden.
Ich bin bereits zwei Wochen vor Studienbeginn nach San Francisco geflogen und habe in dieser Zeit Yosemite NP, Kings Canyon und Sequoia NP bereist. Dies geht problemlos, da mit einem F1 Studentenvisum die Möglichkeit besteht bereits 30 Tage vor Ausbildungsbeginn einzureisen und weitere 60 Tage nach Abschluss des Programmes zum Reisen zur Verfügung stehen.
In Chico habe ich privat bei einer Amerikanerin gewohnt (Adresse und Informationen können über College Contact abgefragt werden), dies ist in jedem Fall zu empfehlen, da man gewohnheitsmäßig einfach Englisch spricht und auch bisschen das amerikanische Leben mitbekommt. Außerdem gibt’s Tipps zum Einkaufen, gemeinsames Kochen und die ein oder andere Annehmlichkeit, die ein Wohnheim nicht bietet. Ein Fahrrad wurde mir ebenso zur Verfügung gestellt. Die Unterkunft befand etwa 15 Minuten mit dem Fahrrad entfernt vom Campus, direkt am Bidwell Park. In unmittelbarer Nähe befand sich eine Bushaltestelle zum Campus, den man kostenlos mit dem Studentenausweis nutzen konnte.
Chico ist eine Stadt für Outdoorbegeisterte, neben Mountainbiken und Wandern im Bidwell Park bieten sich auch am Sacramento River jede Menge Gelegenheiten zum Erleben. Ansonsten laden die nahegelegenen Seen in Oroville und der Lassen Volcanic NP dazu ein. Mit Lake Tahoe ist auch ein relativ großes Skigebiete in nicht allzu großer Entfernung und sommers wie winters einen Ausflug wert. Etwas weitere Strecken wie Aspen, Las Vegas (13 Stunden Fahrtzeit) oder L.A. (acht Stunden Fahrzeit) lassen sich gut mit dem Flugzeug oder Mietwagen erreichen. Ansonsten bieten Chico’s Bars mit Livemusik und gutem Getränkemix reichlich Abwechslung. Wem mehr an kultureller Unterhaltung gelegen ist, dem sei das Cafe Coda empfohlen. Wem die Lust nach mehr Fitness steht, der kann für ca. $ 150 einen Pass für das unieigene WREC erwerben, einem Fitnesscenter mit großem Außenpool und Hottub, außerdem Spielfeldern für alle möglichen Ballsportarten, Kletterwand und Tartanbahn im klimatisierten Gebäude.
An der Uni habe ich Kurse im Bereich Business belegt: Entrepreneurship Law, Investments und Survey of Finance. Alle Kurse sollten nach Möglichkeit nur belegt werden, wenn bereits gewisse Vorkenntnisse bestehen, denn alle benötigten „Prerequisites“ (nachgewiesene Vorkenntnisse anhand des Transcripts der Heimatuni). Bei Fehlen fällt es zum einen schwer die Unterschrift des Professors zu erhalten und zum anderen auch der Vorlesung zu folgen. Für alle Kurse konnte ich mich erst vor Ort einschreiben und musste mit Vordrucken nach der ersten Vorlesung beim Prof. vorstellig werden. Daheim hatte ich mir bereits eine Liste mit möglichen Kursen zusammengestellt, die ich von meiner Heimatuni zwecks Anerkennung auch bestätigen ließ. Alle drei Kurse waren sehr zeitintensiv. In jedem wurden mehrere Quizzes, Midterms und eine Abschlussklausur geschrieben, außerdem kursbezogene Projekte durchgeführt und jeden Tag gab es Hausaufgaben. Die Lehrmaterialien werden unterschiedlich zur Verfügung gestellt, vieles davon zielt auf Lehrbücher ab, die man zu Beginn kaufen/mieten muss, da ansonsten ein Verfolgen des Kurses schwierig bis gar nicht möglich ist. Nicht erschrecken über die Preise - $100 – 200 pro Buch ist durchaus normal. Unbedingt anschauen sollte man sich, wer die Kurse unterrichtet und den Namen googlen bzw. auf einer Bewertungsseite für Professoren nachschlagen, da sich die Vorlesung sonst weniger schön gestalten kann. Die Profs. sind ansonsten alle sehr sehr hilfsbereit und unkompliziert, ebenso die Leute vom ALCI. Die Anwesenheitspflicht wird beim einen strenger, beim anderen legerer gehandhabt, letzten Endes sollte man sich aber, wenn ein verlängerter Wochenendausflug geplant ist, einfach kurz beim Prof. melden und erklären was man vorhat. Die Zustimmung klappt meist problemlos.
Zur Kriminalität war mein Empfinden, dass recht wenig passiert. Immer anschließen sollte man sein Fahrrad und möglichst auch Türen und Fenster schließen, wenn man das Zimmer/Haus verlässt. Ich selbst habe nachts bei geöffneter Tür geschlafen und bin auch nachts mit dem Fahrrad in Chico unterwegs gewesen bzw. durch den Park gefahren. Jeder kann aber wahrscheinlich am besten einschätzen, wie hoch sein Sicherheitsempfinden ist und wann er sich wohlfühlt und wann nicht. Taxis stehen meist zur Verfügung und man kann auch an den gut beleuchteten Ausfallstraßen nach Hause gelangen.
Die Lebenshaltungskosten liegen etwas über dem deutschen Standard, insbesondere Lebensmittel. Lohnenswert ist der Famers Market auf dem neben frischen Obst und Gemüse auch dunkles Brot verkauft wird. Für das Leihen eines Mietwagens über einen längeren Zeitraum bietet sich eine Buchung über Deutschland an um einen allumfassenderen Versicherungsschutz zu erhalten und ebenso spezielle Konditionen für Young Drivers (21 – 24 Jahre) zu bekommen. Wer unter 25 ist muss mit erheblichen Mehraufwendungen rechnen.
Nach Abschluss des Semesters im Dezember bin ich nochmals auf längere Reisen gegangen und habe u.a. den Mittleren Westen, die komplette Westküste und Vancouver sowie verschiedene kanadische Skigebiete bereist und getestet. Eine Ausreise nach Kanada war kein Problem, solange man von dort aus nach Deutschland zurückfliegt. Möchte man danach wieder Einreisen in die USA benötigt man ein verlängertes I-20 (durch ALCI möglich), da sonst die Einreise verweigert wird (während der 60 Tage Karenz kann man nur Aus- und nicht wieder Einreisen).