Planung und Bewerbung
Ich hatte schon seit Beginn meines Studiums geplant, zwei Semester im Ausland zu verbringen, am liebsten im englischsprachigen Raum. Da meine Heimatuniversität keine Partnerschaften in englischsprachigen Ländern hat, entschied ich mich dazu, den Auslandsaufenthalt als Free Mover zu organisieren. College Contact unterstützte mich dabei bei der Wahl der Uni, Planung und Bewerbung und war jederzeit für Fragen erreichbar.
Für die University of Portsmouth entschied ich mich aufgrund der vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten, der vielfältigen Societies und Sportclubs und der kurzen Wege zwischen Unigebäuden, Wohnheimen und Freizeiteinrichtungen.
Kurz nachdem ich die benötigten Dokumente zusammengesammelt und meine Bewerbung eingereicht hatte, erhielt ich schon eine Zusage der Uni. Danach musste ich nachweisen, dass ich genug Geld zur Verfügung habe, um den Aufenthalt zu finanzieren. Außerdem musste ich mich für ein Visum bewerben und beim NHS krankenversichert werden, da mein Aufenthalt mehr als 6 Monate betrug.
Unterkunft
Ich entschied mich für eine Unterkunft im Studierendenwohnheim, da internationale Studierende dort einen garantierten Platz bekommen. Mit meiner Unterkunft Trafalgar Hall war ich sehr glücklich, denn ich hatte ein schönes Zimmer mit eigenem Bad und Meerblick und konnte alle Unigebäude und Freizeitorte in weniger als 15 Minuten zu Fuß erreichen. Die Küche teilte ich mir mit fünf anderen Studentinnen.
In einer WG zu wohnen kann ich empfehlen, weil ich mich mit meinen Mitbewohnerinnen nett auf Englisch unterhalten konnte und eine sehr enge Freundschaft schloss. Bei Wohnheimen in Portsmouth ist zu beachten, dass Bettwäsche und Küchenutensilien nicht gestellt werden. Auch werden Dinge wie Töpfe, Geschirr und Besteck in der WG nicht geteilt, sodass ich einiges mitnehmen oder vor Ort kaufen musste. Auf der Plattform Gumtree kann man gut gebrauchte Haushaltsgegenstände kaufen und verkaufen.
Zugfahren nach und in Großbritannien
Für eine nachhaltige Reise nach Großbritannien kann ich den Eurostar-Zug empfehlen, für den man über die Deutsche Bahn bei früher Buchung günstige Sparpreise bekommt. Um Großbritannien besser kennenzulernen, kaufte ich mir zweimal ein Interrail-Ticket. Außerdem lohnt sich die Railcard schnell für alle, die in Großbritannien ab und zu den Zug benutzen.
Studium
Das Kursangebot für Austauschstudierende an der University of Portsmouth ist leider recht begrenzt. Zwar wurde mir vor der Bewerbung von der zuständigen Fakultät zugesagt, dass ich auch ein paar andere Module belegen darf, allerdings wurde das später zurückgezogen. Auch ist es nicht möglich, Module aus anderen Fakultäten zu besuchen. Die Module, die ich letztlich belegte, hatten dennoch recht spannende Themen und erlaubten mir einen Einblick in verwandte Sozial- und Geisteswissenschaften. Außerdem konnte ich in meinem zweiten Semester in Portsmouth kostenlos einen Spanischkurs belegen.
Die Kurse gingen nicht so sehr in die Tiefe, wie ich es mir erhofft hatte und ich hatte das Gefühl, deutlich weniger zu lernen als in Deutschland. Zum einen liegt das daran, dass ich nur sehr wenig Präsenzunterricht hatte: Im ersten Semester nur sechs Stunden pro Woche und im zweiten Semester neun. Zum anderen erschienen nur wenige Studierende zu den Seminaren und Pflichtlektüre wurde von den meisten nicht gelesen, wodurch ein fachlicher Austausch mit meinen Mitstudierenden in den Seminaren fehlte.
Die geringe Stundenzahl und Anwesenheit erkläre ich mir zum Teil damit, dass während des Semesters immer wieder Aufgaben abgegeben werden mussten. Das kam mir einerseits gelegen, da ich dann in der vorlesungsfreien Zeit und im Sommer wirklich frei hatte. Andererseits blieb im Semester dadurch weniger Zeit, um in Seminarthemen tief einzusteigen, weil die benoteten Abgaben Vorrang hatten.
Aus diesen Gründen würde ich die University of Portsmouth nicht für Menschen weiterempfehlen, denen viel Präsenzzeit an der Uni und ein fachlicher Austausch mit Mitstudierenden wichtig ist, sondern eher für den kulturellen Austausch, die Sprache und persönliche Weiterentwicklung außerhalb des Studienfachs.
Freizeit
Durch den überschaubaren Arbeitsaufwand für die Uni hatte ich viel Freizeit, um die unzähligen Möglichkeiten, die Portsmouth für Studierende bietet, voll zu genießen. Wie viele britische Universitäten hat Portsmouth eine große Auswahl an studentischen Societies und Sportclubs. Bei Interesse lohnt sich ein Blick auf die Website der Students‘ Union, auf der alle Gruppen aufgelistet sind. Neben thematischen Treffen und Trainings der Gruppen finden wöchentlich Socials statt, bei denen meist zusammen in den Pub gegangen wird. Außerdem organisieren die Sportclubs Charity-Events, bei denen man neue Sportarten ausprobieren kann.
Schon Fernweh bekommen?
Entdecke unsere vielen Erfahrungsberichte zu unseren Partnerhochschulen. Alternativ beraten wir dich auch gern und helfen dir, eine passende Hochschule für dich zu finden!
Ich besuchte regelmäßig Trainings der Basic Self Defence Society und des Kletterclubs der Uni. Beides war neu für mich und bei beidem entwickelte ich auf unterschiedliche Weise neue Fähigkeiten und Selbstbewusstsein. In der Basic Self Defence Society führte ich für ein Soziologie-Modul auch eine kleine Studie durch und da das Gemeinschaftsgefühl in den Societies sehr stark ist, erklärten sich viele zur Teilnahme bereit und das Forschen bereitete mir große Freude. Beim Klettern hatte ich als Anfängerin die Möglichkeit, neben der Technik auch Sichern und Vorstieg zu lernen, und zusätzlich zum Hallentraining unternahmen wir Wochenausflüge zu den Felsküsten Englands, die zu meinen Highlights des Jahres gehörten.
Sportbegeisterten kann ich neben den Clubs auch das Sportzentrum der Universität empfehlen, das mit einem Fitnessstudio, Schwimmbad, Kletterwand und Turnhalle ausgestattet ist und viele Kurse anbietet.
Insgesamt wird es einem in Portsmouth nie langweilig. Nicht nur die Societies und Sportclubs sorgen für ein blühendes Studierendenleben, sondern auch die Uni organisiert vielfältige Veranstaltungen und das Meer ist ganz in der Nähe. Daher kann ich die University of Portsmouth allen ans Herz legen, die sich gerne außerhalb ihres Studiengangs weiterentwickeln, neue Hobbies ausprobieren und an Studierendengruppen teilnehmen möchten.
Die neuesten 3 Berichte