28 Jul 2007
Türöffner an (vielen) deutschen Unis

Medizinstudium im Ausland

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Gerade im deutschsprachigen Ausland haben es deutsche Studienbewerber schwer. "Nach EU-Recht sind alle Studienbewerber innerhalb der Mitgliedsstaaten eigentlich gleich zu behandeln", sagt Roland Thierfelder von der Kultusministerkonferenz (KMK). Doch die Realität sieht anders aus.

Die deutschsprachigen Nachbarländer zum Beispiel schotten die Universitäten so weit es geht ab. Österreich reserviert nach Angaben der KMK 70 Prozent der Plätze für Einheimische, 25 Prozent für EU-Bürger und fünf Prozent für Bewerber aus allen anderen Staaten. Die EU-Kommission akzeptierte die Regel nicht und reichte Klage beim Europäischen Gerichtshof ein - das Urteil steht jedoch noch aus.

Auch in der Schweiz haben Studienbewerber aus Deutschland nicht die besten Karten. Einen Studienplatz bekommen Interessenten der Schweizer Hochschulrektorenkonferenz zufolge nur, wenn sie selbst oder der Ehepartner mindestens fünf Jahren dort gelebt haben. Im Ausland kann teilweise auch auf Deutsch studiert werden.

Bessere Aussichten bieten Universitäten im nicht-deutschsprachigen Ausland - teilweise wird das Medizinstudium sogar auf Deutsch angeboten. Bei der Semmelweis-Universität in Budapest zum Beispiel kann seit dem Jahr 1983 das Fach Humanmedizin zumindest bis zum Vorklinikum in deutscher Sprache belegt werden. Danach muss Ungarisch zusätzlich in einer staatlich anerkannten Sprachprüfung nachgewiesen werden.

Auch die ungarischen Städte Szeged und Pecz bieten das Medizinstudium auf Deutsch an. Dagegen läuft in Debrecen (Ungarn), an der Karlsuniversität Prag und der Jessenius Universität in Martin (Slowakei) die Ausbildung auf Englisch.

Im Gegensatz zu Deutschland verlangen die ausländischen Hochschulen teilweise immense Studiengebühren. An der Semmelweis Universität sowie in Szeged und Pecz schlägt jedes Semester zum Beispiel mit 5600 Euro zu Buch. Dazu kommen noch die Immatrikulationsgebühren.

Wer ein Medizinstudium im Ausland begonnen hat, kann es aber nicht ohne weiteres in Deutschland abschließen. Nach der Rückkehr eröffnet erst der Bescheid eines Landesprüfungsamtes die Tür zur Bewerbung an einer Hochschule. "Im Bescheid werden die im Ausland erbrachten Leistungen eingestuft. In der Regel muss ein Gutachten beigebracht werden", sagt Wolfgang Ginzel vom Landesprüfungsamt Nordrhein-Westfalen.

Um das Gutachten kümmert sich das Landesprüfungsamt. Dabei handelt es sich immer um Einzelfallentscheidungen. Ginzel: "Die Leistungen, die Studenten an ungarischen Universitäten erbracht haben, werden aber meist anerkannt." Die dortigen Universitäten hätten sich schnell auf die neue deutsche Approbationsordnung umgestellt. Bei anderen Hochschulen sei dies unterschiedlich.

Auch wenn die Voraussetzungen vorliegen, ist es für deutsche Studenten oft nicht einfach zurückzukehren. Der Einstieg an einer deutschen Hochschule kann wegen des mangelhaften Angebots von Studienplätzen und der Einführung so genannter Teilstudienplätze schwierig sein. Studenten mit Teilplatz haben nach der Vorklinik keinen Rechtsanspruch auf Fortsetzung im klinischen Abschnitt, sondern füllen Plätze von Aussteigern. Das macht es für Nachrücker aus dem Ausland schwerer.

Wo lässt sich im Ausland Medizin studieren?

  • In Österreich bieten die Hochschulen in Wien, Graz und Salzburg ein Medizinstudium an, in der Schweiz sind es die Unis in Basel, Zürich und Bern.
  • Bei der Semmelweis Universität in Budapest wird das Studium teilweise auf Deutsch angeboten. www.semmelweis-medizinstudium.org
  • An der Karlsuniversität Prag, der Universität in Martin (Slowakei) oder der Riga Stradins Universität in Lettland wird auf Englisch gelehrt.