8 Apr 2020
Auslandssemester in den USA

Interview mit Hendrik von der University of Minnesota

Autor: Niklas Gruber

Hendrik berichtet uns von seinem Auslandssemester an der UMN!

Für viele klingt ein Study Abroad-Semester in den USA verlockend – doch nur wenige denken dabei sofort an den Mittleren Westen. Jedoch gibt es mehr als nur einen guten Grund, das Auslandssemester im Midwest zu verbringen, wie wir euch in einem unserer letzten Artikel zeigen konnten.

Hendrik von der Ruhr-Universität Bochum war sich schon seit langem sicher, dass er unbedingt im Mittleren Westen studieren möchte. Im Interview erzählt er uns, wie es zu seinem Auslandssemester an der University of Minnesota (UMN) kam und welche Erfahrungen er an unserer renommierten Partneruniversität machen konnte.


College Contact:
Hallo Hendrik! Du warst ja bis Ende letzten Jahres an der University of Minnesota. Wie war denn die Rückkehr nach Deutschland?

Hendrik:
Ich bin kurz vor Weihnachten wieder aus meinem Auslandssemester zurückgekommen. Am Anfang war es schon ein bisschen komisch, muss ich zugeben, ich hab das Campusleben, was man an der UMN hatte, und meine ganzen Freunde schon ganz schön vermisst. Aber anderen Leuten, die ich dort kennengelernt habe, ging es auch so (lacht).

College Contact:
Wie kam dir eigentlich der Gedanke, ein Auslandssemester zu machen und das dann speziell in den USA?

Hendrik:
Über ein Auslandssemester habe ich eigentlich schon immer nachgedacht, mich aber vorerst nicht mit der Planung beschäftigt. Als ich mich jedoch mit einem Freund unterhalten habe, der selber in Kalifornien war, war ich super motiviert, mich darum zu kümmern und die Sache anzugehen. Ziemlich schnell kam ich auf euch und durch eure Beratung war’s dann auch klar, dass es der Midwest für mich sein soll.

Mit den USA habe ich mich schon länger beschäftigt, ich hatte dort auch schon vorher Freunde, mittlerweile natürlich mehr (lacht). Während der Organisationsphase war ich im Urlaub in den USA, ich fand’s total cool in Detroit, was ja auch im Mittleren Westen liegt, und ab dem Zeitpunkt wusste ich, dass das das Richtige sein wird!

College Contact:
Wie waren denn die ersten Wochen und Monate an der University of Minnesota für dich?

Mit seinen Freunden besuchte Hendrik die State Parks der Region.

Hendrik:
Anfangs fand ich es schon ein bisschen komisch, man kam an, viele Leute waren noch nicht da, da der Moving-in Day noch nicht stattgefunden hatte und der Campus war relativ leer. Ich war alleine in meinem Dorm und dachte ich mir so: "Okay, das ist schon ein bisschen seltsam gerade, aber ich glaube das ändert sich noch." Dadurch, dass ich in Deutschland keinen Sprachtest abgelegt, sondern den Test vor Ort gemacht habe, habe ich zufällig bei der Anmeldung eine Deutsche und schließlich auch eine Gruppe internationaler Studenten getroffen. Als ich die dann kennengelernt hatte, war's ziemlich cool und im Laufe des Semesters habe ich dann auch Kontakt zu amerikanischen Studenten schließen können.

Dementsprechend waren die ersten Wochen schon sehr spannend, es waren nur die ersten paar Tage, an denen man sich denkt: "Oh Gott, hoffentlich bleibt das nicht so", aber im Nachhinein war die Angst völlig unbegründet.

College Contact:
Das freut mich zu hören! Magst du uns ein bisschen von der Einführungswoche selbst erzählen?

Hendrik:
Die Orientation Week von GO-Minnesota hat eine Woche vor Semesterstart stattgefunden. Neben den organisatorischen Dingen haben wir uns vorab schon einmal ein paar Sachen in Minneapolis angeguckt, sind zu Sehenswürdigkeiten in der Nähe gefahren und haben sowohl die Uni als auch die anderen Studierenden kennengelernt. Ich hatte zu dem Zeitpunkt ja schon einige Leute getroffen und das hat echt mega Spaß gemacht. Man wurde nicht so ins kalte Wasser geworfen, wie man vielleicht erst gedacht hat. Die Kennenlernspiele waren echt witzig und die drei Organisatoren, die die O-Week geleitet haben, waren selber noch jung und haben alles gegeben!

College Contact:
Welche Kurse hast du eigentlich in deinem Auslandssemester belegt?

Hendrik:
Da ich Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum studiere, habe ich mir Kurse ausgesucht, die ich mir problemlos anerkennen lassen konnte. Ich hatte einen Einführungskurs, Introduction to Managerial Accounting, der einzige meiner Veranstaltungen, den ich in einer großen Gruppe hatte.  Da war der Dozent total cool und hatte wie eigentlich alle anderen Professoren auch viel Praxiserfahrung. Die anderen Kurse drehten sich die Themen Finance, Marketing und Human Resources. Auch da waren die Professorinnen super engagiert, egal, ob man das Fach jetzt mochte oder nicht. Zwar waren die Kurse doch ganz schön schwierig, aber die Noten sind im Endeffekt doch ganz gut ausgefallen.

College Contact:
Was hältst du denn persönlich von den vielen Assignments und der Struktur der Kurse? Kamst du damit gut damit zurecht oder war's eher schwierig?

Hendrik:
Ich weiß tatsächlich immer noch nicht, was ich besser finde. Ich habe das Gefühl, ich fände eine Mischung aus beidem ganz gut. Der Accounting-Kurs war eher eine klassische Veranstaltung, wie man sie aus Deutschland kennt. Zwar hatte ich auch Hausaufgaben, aber Gruppenarbeiten waren da gar nicht möglich, weil das so ein riesiger Kurs war. Generell fand ich’s ganz cool, mal die Sichtweisen der Leute dort kennenzulernen. In dem HR-Kurs zum Beispiel gab es keine Klausur, aber da mussten wir ein Buch lesen, hatten Hausaufgaben, Reflexionen, eine Präsentation und ein Paper, das war schon relativ viel. Trotzdem war alles immer ein wenig kürzer, das Paper war zum Beispiel nur fünf Seiten lang und die Präsentation haben wir zu viert gehalten, das lief dann auch.

Generell habe ich aber auch festgestellt, dass die Benotung dort nicht so streng ist im Vergleich zu dem, was ich an meiner deutschen Universität gewohnt bin. Die Tests sind zwar nicht laxer, aber die Verteilung ist ein bisschen anders. Ich möchte nicht sagen, dass es total einfach war, aber mit ein bisschen Einsatz und kontinuierlicher Mitarbeit war es doch möglich, in einigen Fächern das Beste rauszuholen, auch als nicht einheimischer Student. In der Summe würde ich sagen, dass man im Auslandssemester vielleicht schon ein bisschen mehr gelernt hat, weil man permanent angehalten war, sich mit der Materie zu beschäftigen.

Sportbegeisterte kommen an der UMN voll auf ihre Kosten!

College Contact:
Hattest du eher Kontakt mit Leuten von dort oder mit anderen Internationals?

Hendrik:
Ich habe immer versucht zu schauen, dass ich auch einheimische Leute kennenlerne, weil man ja auch gerade deswegen ein Auslandssemester macht. Ich habe im Finance-Kurs zum Beispiel eine Kommilitonin kennengelernt, mit der ich immer noch befreundet bin. Generell kommt man mit vielen Leuten einfach ins Gespräch, da viele mehr darüber wissen wollten, wo ich herkomme und mir dann erzählt haben, dass sie auch deutsche Vorfahren haben.

Im Go Minnesota-Programm waren auch viele Asiaten und an der Carlson School waren es fast 50% Europäer, würde ich sagen, aber auch Leute aus Südamerika und Neuseeland. Im Großen und Ganzen waren Leute aus der ganzen Welt da, mit denen man Freundschaften schließen konnte.

College Contact:
Wie lief es denn mit der Kommunikation? Gab es bei dir irgendeine Sprachbarriere?

Hendrik:
Anfangs habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie das wohl in den Kursen so sein wird und ob man die Dozentinnen immer versteht, aber nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass ich damit kein Problem hatte. Selbst in den Marketingkursen, wo man manche Fachbegriffe zwischendrin einfach nicht verstanden hat, ging's durch den Kontext trotzdem. Ich habe das Gefühl, dass die Leute in Minnesota sowieso ein relativ klares Englisch sprechen, an und für sich versteht man sie total gut und sie geben sich wiederum echt Mühe, sobald sie merken, dass du kein Einheimischer bist.

College Contact:
Magst du uns ein wenig vom Campus der UMN erzählen?

Hendrik:
Der Campus ist schon eine kleine Stadt für sich, was aber auch daran liegt, dass er in zwei Stadtteile hineinragt und man den Übergang in die Stadt selbst kaum gemerkt hat. Meine Heimatuni in Bochum ist zwar auch eine Campusuni, aber an der UMN war das schon etwas anderes, weil das komplette Unileben sich dort abgespielt hat. Man konnte rausgehen und ist immer wieder Leuten begegnet, die man von irgendwo her schon kannte.

College Contact:
Und was waren deine Lieblingsspots auf dem Campus?

Hendrik:
Da gab es zum einen die Washington Avenue Bridge, die über den Mississippi geht und von der man die Skyline sehen konnte. Gerade bei Sonnenuntergang war das echt cool und man hat einige schöne Fotos machen können. Dann gab es auch einen großen Platz zwischen dem Auditorium und einem Hauptgebäude der Student Union mit einer riesigen Wiese und vielen Bäume, da ließ es sich auch gut aushalten. In der Nähe des Campus gab es auch zwei Bars, wo wir uns mit anderen Studenten öfter mal getroffen haben.

College Contact:
Hast du auch auf dem Campus gelebt?

Hendrik:
Ja, ich habe in der Yudof Hall in einem Vierer-Apartment zusammen mit drei jüngeren Amerikanern gewohnt. Anfangs wusste ich nicht, ob das wirklich gut funktionieren würde, mit einer Person zusammen in einem Zimmer zu leben, aber ich bin ganz froh, dass ich diese Erfahrung zumindest für vier Monate gemacht habe. Meine Mitbewohner waren alle super nett und es war auch wirklich nie ein Problem, wenn man mal lernen wollte. Die Location war echt perfekt, ich hatte es am kürzesten zu den Vorlesungen und war direkt auf dem Campus.

College Contact:
Wie sah es denn mit der Verpflegung an der Uni und in der Umgebung aus?

In Dinkytown ist immer etwas los!

Hendrik:
Die beiden Stadtteile nahe des Campus, Dinkytown und Stadium Village, sind extrem belebt, da war immer unglaublich viel los. Dort hast du wirklich alles, jede amerikanische Kette, die es gibt, aber auch kleinere Diners an jeder Ecke, zu denen man umso lieber gegangen ist. Wir waren aber auch öfters mal in der Stadt, ich war auch gerne Downtown und fand's ganz cool da.

College Contact:
Wenn wir gerade beim Thema sind, wie war denn das Freizeitangebot der Gegend?

Hendrik:
Dadurch, dass St. Paul und Minneapolis zwei Großstädte sind, die direkt beieinander liegen, wurde einem sporttechnisch extrem viel geboten. Wir waren beim Eishockey, zwei- oder dreimal beim Basketball und der Campussport an sich war auch sehr cool. In Minneapolis gibt es ein paar kleinere Parks, die auch sehr schön waren, einer davon mit einem riesigen Wasserfall. Die Mall of America ist natürlich auch nicht ganz so weit, die ist auch einen Besuch wert.

Mit dem Go Minnesota-Programm waren wir auch in Duluth, ein schönes Städtchen, das am Lake Superior liegt. Außerdem gibt es unzählige State Parks mit schönen Wasserfällen, Flüssen und Wäldern. Klaro, besucht man da jetzt nicht jeden einzelnen, aber ein, zwei sind auf jeden Fall sehr interessant.

College Contact:
Hast du auch noch andere Trips durch die Staaten unternommen?

Hendrik: Mit einer Vierergruppe sind wir während des Semesters nach Madison, Milwaukee und dann runter nach Chicago gefahren. In Madison haben wir uns die UW Madison angeschaut und ein Foto mit dem Badger dort gemacht (lacht). In Chicago war ich ein halbes Jahr vorher schon mal und das ist eine mega coole Stadt, absolut empfehlenswert! Später bin ich mit einer Freundin zusammen nach San Diego geflogen und habe dann noch einen Freund in Fort Lauderdale besucht. Das ging auch alles während des Semesters ganz gut, ich hatte am Wochenende trotz der knapp 30 ECTS, die ich dort belegt habe, viel Freizeit.

College Contact:
Kannst du zukünftigen UMN-Studenten einen Ratschlag mit auf den Weg geben?

Den Winter in Minnesota sollte man keinesfalls unterschätzen!

Hendrik:
Wenn man vor Ort ist, sollte man alles mitmachen, was geht! Ich habe mir auch Sachen angeguckt, die mich sonst vielleicht nicht interessiert hätten. Baseball zum Beispiel, ich finde es eigentlich stinklangweilig, trotzdem bin ich mitgefahren und hab's mir angeschaut. Ich hab nichts verstanden und die ganze Zeit auch nur gequatscht, aber ich war dabei und habe es gesehen (lacht). So gilt das für viele Sachen, geh also zu jeder Veranstaltung auf dem Campus, auch, wenn sie noch so verrückt klingt! Es gibt unzählige Student Unions, die viele Events veranstalten, und meistens gab's dort auch Essen und Freebies, das lockt einen Studenten ja sowieso her (lacht). Wenn Freunde sagen, ich fahre nächstes Wochenende irgendwo hin, geh auf jeden Fall mit, die Zeit nimmt einem niemand mehr!

Außerdem sollte man für die Zeit in Minneapolis auf jeden Fall genug Winterklamotten mitnehmen, aber auch nicht zu viele! Ich bin mit nur einem Koffer angereist und habe zwei wieder mit nach Hause genommen. Man kann auch vieles dort kaufen, die Mall of America ist nicht weit und Klamotten sind sogar teilweise günstiger. Der Winter ist gar nicht so schlimm, ich hab’s gemocht, obwohl ich normalerweise nicht so der Winter-Fan bin. Auch wenn es dann sehr schnell, sehr sehr kalt wurde, fand ich’s trotzdem ganz cool, das Gefühl hatte irgendetwas. Da sollte man sich gut einpacken und auch nicht zu lange draußen bleiben, mit guter Kleidung und Handschuhen kann man bei -20° aber tatsächlich noch rausgehen (lacht).

College Contact: Und was war dein persönliches Highlight an der UMN?

Hendrik:
Die Antwort ist vielleicht ziemlich allgemein, aber das Campusleben an sich war auf jeden Fall mein Highlight. Das war ein krass anderes Lebensgefühl, man kann's auch gar nicht wirklich vergleichen, das vermisst man auch drei Monate danach immer noch. Ich bin auch einer derjenigen, der definitiv so mal wieder nach Minneapolis zurückgehen wird, auch, weil man so viele Leute dort kennengelernt hat.

College Contact:
Vielen Dank für das schöne Interview!


Das Gespräch mit Hendrik hat euch Lust auf ein Auslandssemester im Mittleren Westen gemacht? Alle Infos zur University of Minnesota bekommt ihr bei unserer Studienberaterin Maya!

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