10 Jul 2009
Chancensteigerung auf ein Studium an einer UC-Universität

Die Option Community College

Autor: Ramon Tissler

Golden Gate Bridge, San Francisco

Immer mehr ausländische Studierende finden heraus, dass sie ihre Chancen, einen Studienplatz an einer der renommierten Hochschulen im University of California-Verbund zu ergattern, erheblich steigern können, wenn sie ihr Bachelorstudium zunächst an einem der kalifornischen Community Colleges beginnen. Das Canadian Student Magazine (CSM) sprach vor kurzem mit Brian Davey, der als Berater für internationale Studierende am Diablo Valley College (DVC) in der San Francisco Bay Area arbeitet, über die Hochschullandschaft in Kalifornien und die Auswahl an Studienmöglichkeiten.

CSM: Die University of California genießt einen hervorragenden Ruf. Wie hat sie es geschafft, eine so gute Reputation aufzubauen?

Brian Davey: Die University of California, oft auch einfach nur UC genannt, ist eigentlich eine einzige Universität mit zehn Standorten, die über den ganzen Bundesstaat verteilt sind. Viele der UCs sind sehr bekannt, besonders UC Berkeley und UCLA, die in jedem internationalen Hochschulranking unter den Top 10 auftauchen. UC San Francisco, eine führende medizinische Forschungsuniversität, gilt als eine der besten medizinischen Hochschulen der Welt. Die anderen UCs - UC Davis, UC Irvine, UC Merced, UC Riverside, UC San Diego, UC Santa Barbara und UC Santa Cruz - sind auch relativ weit oben in den internationalen Unirankings zu finden. Nimmt man alle zehn UC-Standorte zusammen, stehen mehr als 150 Studiengebiete zur Auswahl, wovon mehr Fachbereiche unter den Top 10 rangieren als an jeder anderen staatlichen oder privaten Universität in den USA. So erklärt sich, warum ein Abschluss von einer UC ihren Absolventen viele Türen öffnet, für den Berufseinstieg wie für die weitere wissenschaftliche Ausbildung.

CSM: Bei so viel Prestige ist es sicher für Bewerber aus dem Ausland schwierig, als Studienanfänger zum Bachelorstudium an der University of California zugelassen zu werden.

Brian Davey: Es ist sehr schwierig. Die University of California ist eine öffentlich finanzierte Universität und muss deshalb den bestqualifizierten Absolventen der kalifornischen High Schools Priorität bei der Zulassung einräumen. Zwar nehmen alle UCs auch Studienanfänger von außerhalb Kaliforniens auf, aber diese machen lediglich 2% aller Erstsemester aus.

CSM: Wie kann ich denn meine Chancen, an einem UC-Campus zu studieren, verbessern?

Brian Davey: Die Chancen, an einer UC-Universität angenommen zu werden und dort einen Abschluss zu machen, steigen erheblich, wenn man zunächst sein Studium an einem der kalifornischen Community Colleges (California Community College, CCC) beginnt. Nach zwei Jahren kann man dann an einen UC-Campus wechseln und dort die restlichen zwei Jahre eines vierjährigen Bachelorstudiengangs absolvieren. Diese Transfer-Möglichkeit wird oft als "2+2 System" bezeichnet: 2 Jahre an einem CCC + 2 Jahre an der UC = Bachelorabschluss. Die Studierenden, die von einem Community College an die UC gewechselt sind, erhalten exakt den gleichen Abschluss, als wenn sie die kompletten vier Jahre dort verbracht hätten.

CSM: Gibt es eine Garantie, dass ich nach zwei Jahren am Community College an einem UC-Campus genommen werde?

Brian Davey: Einige UC-Standorte haben exklusive Vereinbarungen für diejenigen Studierenden getroffen, die von einem kalifornischen Community College in das UC-System wechseln möchten: die sogenannte Transfer Admission Guarantee (TAG). Wer am Community College Kurse im Umfang von mindestens 60 credits belegt - das dauert in der Regel zwei Jahre - und dabei den für die Zulassung erforderlichen Notendurchschnitt erreicht , bekommt einen Studienplatz an einer der UC-Hochschulen garantiert.

CSM: Aber ich kann mich immer noch direkt bei UC Berkeley und UCLA bewerben, richtig?

Brian Davey: Absolut! Mehr als 22% der Studierenden an Berkeley und 31% der Studierenden an der UCLA sind als "transfer students" von einer anderen Institution dorthin gewechselt. Und da CCC-Absolventen bei der Zulassung Vorrang haben, kommt die überwältigende Mehrheit aller "transfer students" von einem kalifornischen Community College.

CSM: Haben denn die CCC-Colleges diese TAG-Vereinbarungen nur mit der University of California?

Brian Davey: Die CCC-Colleges haben auch Transfervereinbarungen mit den California State Universities, z.B. San Francisco State University, San Diego State University und San José State University. Außerdem haben viele Community Colleges Transfervereinbarungen mit privaten Universitäten wie der University of Southern California, der University of San Francisco und der University of the Pacific.

CSM: Gibt es noch andere Argumente, die für ein Studium an einem Community College in Kalifornien sprechen?

Brian Davey: Wer sein Studium an einem kalifornischen Community College beginnt, spart eine Menge Geld. Grob geschätzt liegen die Studiengebühren für ein Vollzeitstudium an einem CCC nur bei etwas mehr als 5.000 US-Dollar für ein akademisches Jahr -- nicht viel, wenn man bedenkt, das manche Universitäten bis zu viermal so viel kosten. Mit dem Studium an einem Community College zu beginnen, bedeutet also nicht zuletzt eine große Kostenersparnis. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Kurse an einem CCC weniger voll sind als die entsprechenden Lehrveranstaltungen an den meisten UC-Standorten. Die durchschnittliche Kursgröße an einem Community College liegt zwischen 25 und 35 Studierenden.

CSM: Was sind die Voraussetzungen, um an einem CCC zugelassen zu werden?

Brian Davey: Alle CCCs haben eine "open admission policy" - das bedeutet, man benötigt lediglich einen High School Abschluss oder muss mindestens 18 Jahre alt sein. Das klingt jetzt vielleicht zu schön um wahr zu sein, aber die Aufgabe der Community Colleges besteht ja unter anderem darin, so vielen Menschen wie möglich einen Zugang zur Hochschulbildung zu ermöglichen und einen bezahlbaren Weg zum College-Abschluss aufzuzeigen.

Ein weit verbreitetes Vorurteil besteht darin, dass nur diejenigen Studierenden auf ein Community College gehen, die es nicht geschafft haben, an einer guten Universität angenommen zu werden. Das stimmt aber hinten und vorne nicht. Viele bekannte Journalisten, Geschäftsleute und Wissenschaftler haben den Weg zu ihrem Universitätsabschluss an einem Community College begonnen. Zu den berühmtesten Ehemaligen der Community Colleges zählen z.B. Calvin Klein, Clint Eastwood, Steven Spielberg und George Lucas. Auch der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat an einem kalifornischen Community College angefangen.

In den gesamten Vereinigten Staaten gibt es rund 11,6 Millionen Studierende, die an einem Community College eingeschrieben sind. Das sind 46% aller Studierenden in grundständigen Studien- und Ausbildungsgängen und 45% aller Studienanfänger.

CSM: Schön und gut. Aber die Kurse, die ich an einem Community College belege, sind doch bestimmt weniger anspruchsvoll als vergleichbare Kurse an einer renommierten UC-Universität.

Brian Davey: Lassen Sie sich nicht von den liberalen Zulassungsregelungen aufs Glatteis führen! Die Kurse sind anspruchsvoll und bewegen sich auf demselben Niveau wie jeder vergleichbare UC-Kurs.

CSM: Ein Studium an einem Community College in Kalifornien scheint für ausländische Studierende in akademischer wie in finanzieller Hinsicht eine gute Option zu sein. Haben Sie noch einen Tipp zum Schluss?

Brian Davey: Es gibt so viele Studienmöglichkeiten da draußen, und der Weg über ein Community College ist sicher nicht die beste Option für alle Studierenden. Aber aus persönlicher Erfahrung kann ich nur sagen, dass es für mich funktioniert hat. Da ich damals keine Ahnung hatte, was ich studieren wollte und ich es für unmöglich hielt, an einer UC-Universität angenommen zu werden, beschloss ich, dass es das Beste wäre, für ein Jahr eine Auszeit zu nehmen. Das habe ich gemacht und ein bisschen Geld verdient. Nach ein paar Monaten wurde mir schnell klar, dass ich ohne Hochschulabschluss im Leben nicht weit kommen würde. Also habe ich mich am Diablo Valley College in meinem Heimatort Pleasant Hill eingeschrieben, und nach zwei Jahren wechselte ich an die UC Berkeley. Ohne die Möglichkeit, meinen Bachelorabschluss an einem Community College zu beginnen, wäre ich niemals an Berkeley angenommen worden.

CSM: Hey … arbeiten Sie nicht jetzt für das Diablo Valley College?

Brian Davey: Stimmt. Wer hätte gedacht, dass ich mal für ein Community College in meinem Heimatort tätig sein würde? Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, für den Job qualifiziert zu sein!