23 Dez
Erfahrungsbericht von Sascha D.

Comenius University - Jessenius Faculty of Medicine


Land: Slowakei
Kontinent: Europa
Studienrichtung: Humanmedizin
Studientyp: Sonstige Studiengänge
Zeitraum: 09/2015 bis 08/2020

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Nach anderthalb Jahren beim Deutschen Roten Kreuz kam bei mir erstmals der Wunsch auf, Medizin zu studieren. Natürlich war es für ein „Einser-Abi“ viel zu spät, also fing ich an, nach Möglichkeiten zu suchen, mit meinem Schnitt irgendwo einen Studienplatz zu bekommen. Natürlich sind die ersten Gedanken, ein gutes TMS Ergebnis zu bekommen oder Österreich. Für beide Varianten habe ich mich beworben, habe mich ordentlich vorbereitet, habe die Tests geschrieben, aber am Ende hat es trotz guter Ergebnisse nicht gereicht. Während dieser Zeit kam ich aber auch mit einem ehrenamtlichen Kollegen ins Gespräch, der vor ein paar Jahren genau dasselbe Spiel durchgemacht hat. Er hat mir dann das englischsprachige Medizinstudium in der Slowakei näher gebracht, sowie „College Contact“, da er so den Weg zum Studium gefunden hat. Also habe ich angefangen zu recherchieren und habe prompt einige Unis in verschiedenen osteuropäischen Ländern sowie verschiedene Vermittlungsorganisationen gefunden.

Um alles hier ein wenig abzukürzen, ich habe mich am Ende für College Contact und Martin in der Slowakei entschieden. Ehrlich gesagt waren zu dem Zeitpunkt die Kosten sowie der Aufwand für die Bewerbung für mich Ausschlag gebend. Mit College Contact habe ich eine wunderbare Organisation entdeckt die es einem wirklich ermöglicht, seinem Ziel etwas näher zu kommen. Also habe ich alle erforderlichen Dokumente zusammengesammelt, mich auf den Einglastest beworben und habe angefangen zu lernen. Hier könnte interessant sein, dass der Test bei College Contact in Münster geschrieben wird, die einzigen Kosten belaufen sich auf 50€ Anmeldegebühr. Der Test besteht aus jeweils 40 Fragen in Biologie und Chemie auf dem Niveau der gymnasialen Ober-/Kursstufe. Um zugelassen zu werden, müssen 60% der Fragen richtig beantwortet werden. Nach bestandener Prüfung gibt es ein paar Infos von den (sehr freundlichen, hilfsbereiten) Repräsentanten der Uni und ein paar Worte darüber, wie toll die Uni ist und so weiter. Nachdem ich dann endlich die restlichen Dokumente zusammengesammelt und eingeschickt habe, war es schon an der Zeit meine Sachen zu packen. Während der Zeit vor Studienbeginn konnte ich sehr gut regelmäßig E-Mails an den Professor der Uni schicken, der uns regelmäßig Infos zu allem möglichen zukommen ließ.

Jetzt mal noch ein paar Eckdaten, die für jeden Interessierten wichtig sein könnten: Das Studium kostet im Moment 9500€ im Jahr (kann aber semesterweise bezahlt werden), es dauert ganz normal 12 Semester, alles ist auf Englisch, man hat zusätzlich etwas Slowakisch-Unterricht, ansonsten zum Uni-Geschehen später mehr.

Der nächste wichtige Punkt, wenn man in ein fremdes Land zieht, ist sicher die Frage nach der Unterkunft. Die Universität organisiert, wenn gewünscht, ein Zimmer im Studentenwohnheim. Das war dann nach Ankunft auch schon so der erste kleine große Kulturschock. Als ich versuchte, mich an der Rezeption anzumelden, beziehungsweise ein Zimmer zu bekommen, gab es schon einmal die erste große Hürde: Die Dame sprach kein Wort Englisch. Mit Händen und Füßen schaffte ich es dann, ein Zimmer zu bekommen. Der zweite Schock: Da ich mit dem Auto angereist bin, habe ich alles (und damit meine ich wirklich ALLES) von zuhause mitgenommen, wovon ich dachte, es könnte von Nutzen sein. Als ich aber das Doppelzimmer betrat (das war vorher schon bekannt, dass wir zu zweit ein Zimmer bekommen), dachte ich nur: Ok, wohin mit dem ganzen Zeug? Das Zimmer war eigentlich genauso, wie man sich ein Wohnheimzimmer vorstellt, dennoch war es deutlich kleiner und spartanischer eingerichtet, als ich dachte. Mein Vater, der mit mir mitgefahren war, blieb eine Nacht in Martin, also konnte ich wenigsten mit jemanden das weitere Vorgehen planen, denn zu diesen Zeitpunkt war der Plan, Studentenwohnheim bis Weihnachten vielleicht und sich in der Zeit mal nach einer WG oder Wohnung umzuschauen. Schlussendlich schickte ich alle meine Sachen wieder nach Hause und behielt nur das Wichtigste.

Nach zwei Tagen Ankommen und schon mal ein bisschen die Stadt anschauen, ging es dann auch schon mit dem Chemie-Vorbereitungskurs los, für den ich mich vorher angemeldet hatte. Laut den Professoren vom Eingangstest, sollte dieser recht informativ sein und auch eine gute Wiederholung. Der einzige Vorteil an diesem Kurs war, Leute kennenzulernen. Ansonsten sind das 400€, die man ein wenig zum Fenster rausschmeißt, aber naja, konnte ich nicht wissen.

Hier aber ein extrem wichtiger Tipp! Kommt trotzdem in der Woche davor schon nach Martin, da in dieser Zeit die sogenannte „Buddyweek“, eine Art Ersti-Woche, stattfindet. Diese wird von älteren Studenten organisiert und ist rein dazu da, um Leute kennenzulernen, sowie die Stadt mit ihren Restaurants und Bars. Das war bisher auch die beste Zeit des ganzen Semesters, da dort sowohl Kontakte mit anderen Erstsemestern, sowie mit Studenten aus höheren Jahrgangsstufen geknüpft werden können, die, ich schreib es jetzt mal minimal übertrieben, überlebensnotwendig sind. Dazu auch später mehr.

Während dieser Woche galt es aber für so ziemlich jeden: „Raus aus dem Hostel!“. Dazu muss auch gesagt werden, dass ganz viele, vor allem norwegische und isländische Studenten (die im Übrigen auch die absolute Mehrheit der Studenten in Martin bilden), schon Wohnungen von zu Hause aus mieten. Das kann man natürlich machen, riskiert dabei aber deutlich, zu viel zu zahlen. Über Wohnungen sollte man sich in Martin aber absolut keine Sorgen machen, denn es gibt eine Seite auf Facebook, über die man alles und eben auch Wohnungen findet. Diese haben in der Regel auch sehr hohe Standards, zu vergleichbar günstigen Preise, natürlich immer davon abhängig, wie viel Platz man möchte und ob man alleine wohnen möchte. Nach 6 Nächten im Hostel und mithilfe der Buddyweek habe ich dann schon eine Wohnung, sowie jemanden zum Zusammenziehen gefunden. Ein paar Tage später ging dann das eigentliche Semester endlich los.

Hier jetzt mal ein paar Infos zum eigentlichen Studium. Zuerst bildet man sogenannte Studygroups, das heißt 8-10 Leute bilden eine Gruppe, mit denen man später immer seine Practicals zusammen hat. Die Woche ist eingeteilt in Vorlesungen am Morgen (immer 1,5 Stunden) welche freiwillig sind, am Anfang aber auf jeden Fall von Vorteil, gegen Ende des Semesters werden diese dann immer weniger besucht. Später am Tag hat man dann in denselben Fächern sogenannte Practicals, die von Fach zu Fach unterschiedlich abgehalten werden. Einige sind recht praktisch orientiert, manche weniger. Die Practicals sind verpflichtend und man sollte möglichst keine verpassen! Die Fächer des ersten Semesters sind Medical Biology, Medical Biophysik, Medical Chemistry, Anatomy, Basics in Medical Terminologie (also Latein, aber sehr vereinfacht und auf Fachausdrücke reduziert), Slowakisch und Basics in First Aid. Die Unterrichtsweise und das Englisch sind von Professor zu Professor recht unterschiedlich, ebenso unterscheiden sich die Departments stark in den Voraussetzungen.

Der nächste wichtige Punkt ist, dass die Uni sehr geizig mit Informationen ist. Das soll heißen, die Studenten müssen sich in gewisser Weise selbst um alles kümmern. Das läuft so ab, dass jede Gruppe einen Groupleader und jedes Fach einen Subjectleader hat, welche dann im Verlauf der Semester Kontakt zu den Professoren halten und Infos weitergeben. Hier kommen einem dann die vorher angesprochenen Kontakte (vor allem zu Leuten aus dem zweiten Jahr) sehr zugute, die ihr Wissen, sowie Unterrichtsmaterialien und alles Wichtige weitergeben. Nach 7 Wochen kommen dann schon die ersten Credit Tests. Hier ist die allgemeine Regel, dass 60% der Punkte zum Bestehen erreicht werden müssen, wenn man nicht besteht, hat man in der Regel 2 Retakes (wenn man beide nicht besteht, weiß ich nicht was passiert, ist noch nicht vorgekommen).

Mit der Zeit lebt man sich immer mehr ein, schließt Freundschaften und lernt langsam Land, Leute und Sprache kennen. An dieser Stelle möchte ich herausheben, was für eine Bereicherung das Studium mit internationalen Studenten ist, da man Leute aus ganz Europa, sogar bis aus Kuba oder den Seychellen kennen lernt, da alle sehr offen und herzlich sind. Das ist auch sehr wichtig, da man sich trotz der großen Entfernung nach Hause nie einsam fühlt. Nach weiteren 7 Wochen stand nun die zweite Credit Test-Phase an, welche schon deutlich knackiger war, als die erste. Mit einigem Lernaufwand und 99% weniger fröhlichem Studentenleben (so wie man sich tatsächlich das Medizinstudium vorstellt eben), habe ich das erste Semester nun fast bestanden. Die letzte Prüfung, welche einem dann noch bevorsteht, ist die mündliche Prüfung (welche man in jedem Fach hat, wenn man es „abschließt“) in Biophysics, über die ich jetzt aber noch nichts sagen kann, da mir dieses Grauen noch bevorsteht.

Zum Abschluss kann ich nur sagen, dass sich für mich die Entscheidung zum Medizinstudium in der Slowakei bisher mehr als gelohnt hat, da es mir nicht nur die Chance gegeben hat, überhaupt mit diesem Studium zu beginnen (die ich in Deutschland nicht hätte), sondern auch jetzt schon Erfahrungen gebracht hat, welche unbezahlbar sind. Vielen Dank an College Contact, die mir mit dem Start ins Studium geholfen haben!!!