22 Jun
Erfahrungsbericht von Maike G.

Seattle Central College


Stadt: Seattle
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studientyp: Academic Gap Year
Zeitraum: 01/2018 bis 03/2018

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Schon während meiner Schulzeit beschloss ich, dass ich nach meinem Abitur unbedingt ins Ausland wollte. Das war aber leider mit 17 Jahren relativ schwierig, weswegen ich mich letztendlich nach einigen Recherchen und Beratungen durch College Contact für ein Quarter, also drei Monate, am Seattle Central College (SCC in Seattle, Washington, USA), entschied. Dort habe ich an dem Programm General Studies teilgenommen, welches mir ermöglichte drei völlig verschiedene Kurse zu wählen und somit einfach ungebunden reinzuschnuppern und meine Interessen zu stärken. Zudem wohnt mein Onkel mit seiner Familie außerhalb von Seattle und so hatte ich auch eine gute und günstige Wohngelegenheit. Ich wohnte zwar nicht mitten in der Stadt, aber auch von den anderen College-Studenten lebten viele außerhalb und in den Kursen fand man trotzdem Anschluss und Freunde.

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Bewerbung

Nachdem ich mich nun also für das SCC entschieden hatte, begann ich mich mithilfe von College Contact zu bewerben. Dafür musste ich an einem extra Englisch Test (kostenpflichtig, IELTS) teilnehmen, da mein bereits erworbenes Cambridge-Zertifikat nicht anerkannt wurde. Als ich nun alle Unterlagen zusammen hatte (Kopie des Reisepasses, finanzielle Bestätigung, Englisch-Nachweis, Abiturzeugnis, Kontaktformular von College Contact und das Bewerbungsformular des SCC), schickte ich diese an College Contact, die die Unterlagen beim SCC einreichten. Also ziemlich bequem für mich, zumal es vorher von College Contact übersichtliche Hinweise gibt, was einzureichen ist und auch ein Ansprechpartner jederzeit für Fragen zur Verfügung steht. Als nächstes erhielt ich einen Zusagebescheid aus den USA, woraufhin ich die Anmeldegebühr bezahlen musste und weitere Unterlagen zugesandt bekam, auf Grundlage derer ich nun das Visum bei der Botschaft in Frankfurt beantragen konnte. Das Visumantragsgespräch war kein Problem und wenige Wochen später bekam ich meinen Reisepass inklusive Visum zurückgeschickt.


Kurswahl

Soweit war alles sehr simpel und erstmal erledigt, bis die Kurswahl ein paar Monate vor Abreise anstand. Ab da wurde es dann sehr stressig und ich war mit der Organisation des Seattle Central Colleges überhaupt nicht zufrieden. Anstelle der ursprünglich umfangreichen Liste der Kurse für General Studies gab es nur eine Liste von nur 15 Kursen, die ich der Reihe nach durchnummerieren musste, obwohl mich davon nur wenige Kurse interessierten. Danach erhielt ich die Mitteilung, dass ich meine Wahlfächer 7, 10 und 11 bekommen habe, aber z.B. keinen Englisch-Kurs. Daraufhin wandte ich mich an College Contact, die dies ebenfalls merkwürdig fanden und auf deren Nachfrage sich der Leiter des International Office persönlich darum kümmerte, so dass ich dann die ersten drei Kurse gemäß meiner Präferenzen bekam. An dem Punkt war ich allerdings immer noch nicht ganz glücklich, weil ich eigentlich Introduction into Business wählen wollte, was aber nicht in den 15 Möglichkeiten beinhaltet war. Dies sollte aber vor Ort noch zu ändern sein, also hieß es wieder einmal abwarten.


Anreise

Mein Auslandsaufenthalt rückte näher, mein Quarter startete offiziell am 02.01.2018, aber der Einführungstag war schon am 28.12.2017, woraufhin ich bereits am 26.12.2017 abflog. Leider dauerte die Immigration aufgrund des Feiertags knapp zwei Stunden und ich wurde auch noch von unfreundlichen Zollmitarbeitern kontrolliert, da zwei Koffer immer ein Grund zur Kontrolle seien, aber irgendwann durfte auch ich den Flughafen verlassen.

Da ich schon ein paarmal in Seattle war, kam mir vieles bekannt vor, doch das Bus- und Bahnfahren war neu für mich. Ich kaufte mir einen Orca-Pass, eine Fahrkarte, auf die man Geld auflädt und bei jeder Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einmal bzw. bei der Bahn auch zweimal scannt, woraufhin das Geld abgezogen wird. Das College bietet auch die Möglichkeit zum Erwerb dieses Tickets an, doch diese ist im Vergleich zu der Youth Version der Orca-Gesellschaft (bis 18 Jahre) deutlich teurer. Am College gibt es auch die Möglichkeit einen Parkschein für das Quarter zu kaufen und obwohl mein Onkel mir ein Auto zur Verfügung stellte, fuhr ich damit morgens nur bis zu einem Transit Center in meiner Nähe. Somit vermied ich das Überfahren der Evergreen Point Floating Bridge (die Zollbrücke auf meinem Weg) und nutzte stattdessen erst Bus und dann Bahn, was ziemlich einfach und bequem war, da die Anbindungen sehr gut sind und es überall carpool lanes und Spuren für Busse gibt.


Einführungstag

So fuhr ich also am 28.12.2017 zu dem Einführungstag der um 8 Uhr morgens begann und erst um 17.30 Uhr endete, was allerdings keinem der Anwesenden bewusst war. Für mich waren davon auch nur 30 Minuten insgesamt interessant, da viele Themen zur Sprache kamen, die nur die international students betrafen, die ihren Abschluss am College planten bzw. einen Transfer zur Universität. Auch die Organisation insgesamt ließ sehr zu wünschen übrig, wir bekamen nach Alphabet einen Advisor zugeordnet, der allerdings auch auf Emails eher so semi reagierte und bei Besuch wurde man dann eh demjenigen der gerade Zeit hatte zugewiesen. Zwischen den Informationen bekamen wir noch eine kleine Führung, die sich aber auf den Vorhof und die untere Etage beschränkte, sowie einen Plan des Gebäudes gezeigt. Am Ende des Tages hatte das International Office dann aber auch schon zu, weswegen ich tags darauf wiederkommen musste, um meine Kurse bzw. meinen einen Kurs zu ändern.


Kurswahl vor Ort

Ich war in English 101 (dem Pflichtkurs aller Studierenden), Psychology 100 (Einführung in die Psychologie) und Spanisch 121 eingeschrieben. Aber da ich noch kein Spanisch hatte und die Lehrerin uns bereits vor Weinachten mehrere Emails mit Büchern und Materialien und Vorwissen schickte, beschloss ich, dass ich Spanisch wechseln wollte. Also fuhr ich am 29.12 wieder zum College und wartete bis nach einer Stunde endlich ein Advisor Zeit hatte. Da alle Einführung-in-Business-Kurse bereits mehr als voll waren, empfahl meine Advisorin mir Human Resource Management (BTM 237) zu belegen (woran, wenn einem das System bekannt ist, schon an der Nummer zu erkennen ist, dass es sich nicht um einen Einführungskurs handelt, da diese im Bereich der 100/101 liegen). Die Beratung war daher auch sehr schlecht, da ich in einem Kurs landete, in dem alle Teilnehmer mindestens fünf Jahre älter waren als ich, Berufserfahrung hatten und kurz vor ihrem Abschluss standen. Also nicht die besten Voraussetzungen für mich, ohne Vorkenntnisse in amerikanischem Personalwesen.


Lehrveranstaltungen

Als am 2. Januar mein Quarter begann, war ich fast schon überrascht, wie leicht sich die Räume finden ließen. Das Gebäude ist zwar sehr verwinkelt, aber an jeder Ecke hängen Schilder, denen man nur noch folgen muss und an Treppen bzw. Aufzügen mangelt es auch nicht. Nach meinem ersten Tag war ich allerdings erstaunt über das sehr gemischte Publikum. Von HighSchool-Absolventen bis Ende 50-Jähriger war alles dabei. Auch die Zahl asiatischer internationaler Studierender lag deutlich höher als die anderer Nationalitäten. Aber, wie bei so vielem kann man Glück und Pech haben, genauso wie mit den Dozenten, die entweder 20 Minuten zu spät kommen oder um Punkt 10 Uhr (Unterrichtsbeginn immer um voll) die Tür schließen und niemanden mehr hereinlassen. Alles in allem war ich aber doch mit meinen Dozenten (wir konnten sie am Ende sogar anonym bewerten) zufrieden. Trotz den sehr gemischten Kursen, in denen mindestens ein Drittel kein Englisch konnte, oder einfach nicht wollte, habe ich auch ein paar (mittlerweile gute) Freunde gefunden.

Mit meiner Wahl Psychology und English war ich sehr zufrieden. Beide Dozentinnen waren sehr nett. Meine Psychologie-Dozentin war sehr organisiert und wir hatten einen Tag Vorlesung (zu einem Kapitel), woraufhin wir dann Hausaufgaben bekamen, die wir am nächsten Tag in Gruppen verglichen haben und eine „Masterlösung“ entwarfen, auf Grundlage derer wir am nächsten Tag einen Test schrieben. Meine Englisch-Dozentin hat sehr viel Freude für ihr Fach ausgestrahlt. Leider war die Einstellung einiger Studierender in Human Resource Management nicht sehr positiv, so dass der Unterricht trotz einer netten Dozentin nicht sehr effektiv war. Aber ich hatte trotzdem Glück mit meinen Kursen, denn eigentlich wird am Ende jedes Quarters ein final exam geschrieben, von dem ich allerdings verschont wurde: in Human Resource Management hielten wir eine Präsentation, in Psychology zählten die Tests und in English schrieben wir über das Quarter hin drei major papers. Also sah meine finals week so aus, dass ich mit meinem Onkel und Familie Urlaub machen konnte.

Den Unterricht fand ich nicht schwierig, da ich vieles schon aus dem Deutsch-, Englisch- und Pädagogik-Unterricht (LK sowie GK) kannte und obwohl mein Abi mittelmäßig ausfiel, hatte ich keine große Anstrengung ein A in all meinen Fächern zu bekommen, teilweise sogar mit 102% (also alles sehr entspannt). Was mich positiv überrascht hat war der wenige Zeitaufwand, da College Contact von einem Vollzeitjob sprach und ich nebenbei noch perfekt hätte arbeiten können (was einige students auch taten). Dadurch fiel meine Freizeit eben etwas geräumiger aus, die in Seattle aber nicht schwierig zu verbringen ist. Langeweile kam also eher weniger auf, zumal das College nur wenige Minuten von Downtown Seattle entfernt - und selbst in dem Ausgehviertel liegt, also waren eine kleine Shoppingtour oder ein Café-Besuch immer gut einzuschieben. Das Essen war unglaublich gut, was sich angenehm mit der College Gym ausgleichen lässt. Beides bietet sich in Seattle an, da es sehr sehr oft regnet und in dem Winter in dem ich dort war auch schneit.


Student Transcript

Was mich zum Ende hin noch etwas störte war wieder einmal die Organisation des SCCs. Ich musste eine `going home notice‘ ausfüllen, von der ich bis zuletzt nichts wusste und auch nur davon erfuhr, weil ich nach meinem Zertifikat fragte. Dies erhielt ich letztlich auch, allerdings wurde mir gesagt, dass es der einzige Nachweis wäre, den es gäbe (was mir aber, da keine Noten in irgendeiner Weise vermerkt waren, sehr komisch erschien). Nur wieder auf Anfrage von College Contact erfuhr ich von dem Student Transcript, auf dem meine Noten vermerkt waren und das ich mir online herunterladen konnte.


Fazit

Trotz einiger Unerfreulichkeiten und dem Mangel an Organisation, aber auch durch die Hilfe von College Contact, war es ein sehr schöner Aufenthalt an dem ich gewachsen bin und das nicht zuletzt durch die doch sehr gemischten Kurse. Natürlich läuft hier auch nicht alles super bei der Organisation, aber ich hatte den Eindruck, dass das am SCC eher die Regel ist. Für meinen weiteren Weg und vor allem bei der Entscheidung was ich nun mache, hat es mir sicherlich geholfen und kommt bei Unis/ Hochschulen gut an. Mein Fazit also: ich würde wieder dorthin.