31 Jan
Erfahrungsbericht von Kristina W.

California State University East Bay

Stadt: Hayward
Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: Psychologie
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 07/2013 bis 12/2013

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Meine Auslandserfahrung in den USA

Nachdem ich am 27. Juli in San Francisco spät abends gelandet war, fuhr ich gleich am nächsten Morgen zum Appartement in Hayward, in dem ich vorweg ein Zimmer zur Miete arrangiert hatte. Ich erinnere mich noch, wie aufregend das alles war: die Fahrt nach Hayward über die Bay Bridge mit spektakulärem Hintergrund des Pazifik-Ozeans, die Erkundung meiner neuer Nachbarschaftsumgebung und das Kennenlernen meiner drei Mitbewohner. Ich teilte das niedliche, typisch kalifornische Häuschen mit einer Amerikanerin, die ebenfalls an der Universität in Hayward studierte und zwei Mexikanern, die in Hayward arbeiteten. Der Vorteil dabei war, dass ich mich mit meinen Mitbewohnern nur auf Englisch verständigen konnte - das hat dann zur Erweiterung meiner Englischkenntnisse auch gut beigetragen.

Der erste Tag an der Uni startete mit einer sog. "orientation week". Alle internationalen Studenten, die sich für den fünf-wöchigen Englischprogramm eingeschrieben haben, wurden von einem Ort zum anderen quer durch die ganze Uni geführt, um sich unter anderem allgemein für die Kurse zu registrieren, Impfung vornehmen zu lassen, die Uni-Regeln zu erfahren und Sprachkenntnistests zu absolvieren.
Nach dem die Tests ausgewertet waren, wurden wir in verschiedene Kurse eingeteilt, die sich in unserem individuellen Sprachniveau unterschieden. Das Programm beinhaltete insgesamt fünf Englischkurse: Writing, Listening and Speaking, Reading and Vocabulary, Wahlpflichtkurs Hospitality und Bay Area Experience (den letzt genannten Kurs fand ich besonders interessant, da wir hier jede Woche die Hausaufgabe aufbekamen, in Gruppen bestimmte Orte aufzusuchen, worüber wir dann im Unterricht ein Referat halten mussten).

Rückblickend kann ich sagen, dass das Englischprogramm mir was gebracht hat und mich auf das anschließende Studium gut vorbereitet hat. Ich habe mir viel an neuem Vokabular angeeignet, mein Sprechen und Hören-Verstehen kontinuierlich geübt, das Schreiben von englischen Essays gelernt, Referate gehalten und das Lesen von akademischen Texten praktiziert. Das alles war für das anschließende Psychologie-Trimester sehr wichtig.

Zudem lernte ich viele neue Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern kennen, was ich unheimlich spannend fand. Ich war wie ein bunter Vogel in den Englischkursen, weil ich die einzige Europäerin war. So ließ ich mich in einige neue Kulturen einführen (Taiwan, Japan, China, Saudi-Arabien, Iran und natürlich USA), in dem wir unsere Bräuche austauschten, uns gegenseitig mit traditionellem Essen beköstigen und einfach von unserem Heimat-Leben erzählen ließen. Ich habe viele Einladungen zu Besuch nach Asien bekommen, denen ich eines Tages sicherlich nachkommen werde.
Zum Abschluss der Englischkurs-Wochen wurde zu unserem Ehren eine Feier veranstaltet - eine typisch amerikanische "Graduation". Jeder einzelne von uns, der die Kurse bestanden hatte, wurde nach vorn gerufen und bekam ein Zertifikat ausgehändigt. Überraschend war für mich, dass ich als "outstanding student" im Level 6 gekürt wurde (ich hatte dafür sogar einen Gutschein geschenkt bekommen).

Nach dem Englischprogramm hatte ich über drei Wochen frei bis zum Beginn des Trimesters. Diese Zeit nutzte ich ausgebieg mit Reisen, um die USA zu erkunden. Ich war mit dem Auto nach Las Vegas und nach Los Angeles gefahren, dann mit dem Flieger nach New York, bis runter nach Miami. Dort übernachtete ich in den Hostels, wo ich viele andere Menschen kennen lernte.

Gleich am nächsten Tag nach der Rückkehr in Hayward startete auch schon das Studium. Leider wurde ich schnell wieder auf den Boden zurück geholt: die drei Kurse, die ich für das Psychologie-Studium belegen wollte ("interpersonal relationships", "groups and organizations" und "social psychology"), waren komplett ausgebucht und hatten sogar lange Wartelisten, auf die ich mich als internationale Studentin nicht setzen lassen durfte und daher abwarten musste, ob der eine oder der andere Student seinen Platz freigeben würde. Es sah gar nicht gut für mich aus - man hat mir wiederholt nahe gelegt, mich nach anderen Kursen umzuschauen. Jedoch kam das für mich nicht in Frage. So sprach ich mehrmals mit den unterrichtenden Professoren, stand jeden Morgen bei dem Sekretariat des Psychologie-Departments an der Tür und kontaktierte sogar den Vorsitzendnen des Departments, um in die Kurse zu kommen. Das waren sehr schwierige zwei Wochen für mich. Zumal die Vorlesungen seit dem ersten Tag am Laufen waren und ich mich einerseits darauf konzentrieren sollte, andreseits ich aber nicht wusste, ob ich in den Kursen eingeschrieben werde (jeder durfte in den ersten beiden Wochen in die Kurse seiner Wahl einschnuppern - diese Zeit musste ich gleichzeitig "abwarten", weil erst nachdem die "Normal-Studierenden" sich endgültig in die Kurse eingeschrieben hatten, durften sich die internationalen Studenten - je nachdem, was an Kursen übrig blieb - offiziell registrieren lassen). Aber zum Glück kam ich in alle Kurse rein!
Alle drei Kurse setzten sich nur aus Amerikanern zusammen - es gab insgesamt nur einen weieteren internationalen Studenten, den habe ich aber nach der 3. oder 4. Woche im Kurs nicht mehr gesehen.

Schon nach einer Woche der Schnupperzeit wurde die erste schriftliche Prüfung angekündigt. Fünf von den insgesamt acht gestellten Prüfungen enthielten nur Fragen mit offenem Antwortformat, die anderen drei Klausuren wurden im Format Multiple-Choice-Aufgaben gestellt. Die Form, der Termin und die Zahl der Klausuren waren von dem jeweiligen Dozenten vorgegeben. Lediglich die sog. "finals" (Abschlussprüfungen) wurden von der Zentrale auf den letzten Tag des Trimesters terminiert.
Der Uni-Alltag sah so aus, dass ich jeden Morgen 2-3 Stunden Vorlesungen hatte und danach die umfangreiche Pflichtliteratur vorbereiten musste. Wie auch hier in Deutschland gab es dort keine Anwesenheitspflicht für die Studenten. Dies galt jedoch nicht für internationale Studenten wie mich, deren Visum an das Auslandsstudium geknüpft war. Somit war ich fast die einzige in allen drei Kursen, die kontinuierlich dabei war. Oft waren die Vorlesungsstunden sehr schwach besucht. Lediglich zu den Prüfungen waren wir immer vollzählig.

Alles in allem kann ich abschließend sagen, dass es eine großartige unvergessliche Erfahrung für mich war. Ich habe unterschiedliche Kulturen kennen gelernt und viele neue Freunde gewonnen, meine Englischkenntnisse etwas erweitert und mich persönlich weiter entwickelt. Ich würde so ein Auslandsstudium immer wieder machen!