1 Aug
Erfahrungsbericht von Kilian B.

University of California Riverside


Land: USA
Kontinent: Nordamerika
Studienrichtung: VWL
Studientyp: Auslandssemester
Zeitraum: 03/2017 bis 07/2017
Heimathochschule: Münster U

Hochschule:
Studieninhalte:
Studienbedingungen:
Freizeit:
Spaß:
Kosten:
Gesamtbewertung:

Ich habe das Spring Quarter 2017 an der UCR verbracht. Vieles aus vorangegangenen Erfahrungsberichten kann ich bestätigen, in einigen Punkten muss ich jedoch auch widersprechen. Wenn ihr Fragen habt, lasst euch gerne von College Contact meine Kontaktdaten geben und meldet euch smiley

Vorbereitungen

Die Vorbereitungen waren bei mir extrem aufwendig. Dabei ging es weniger um die Bewerbung an der UCR selbst, da musste ich einfach die Formulare von College Contact ausfüllen und die benötigten Dokumente einreichen und bekam ein paar Wochen später direkt meine Zusage.

Aufwendiger war dagegen die Beantragung des Visums, dazu müssen zahlreiche Formulare online ausgefüllt, Gebühren bezahlt und Dokumente organisiert werden. Einfach an die Anleitung von College Contact halten, dann klappt auch alles. Das Visainterview selbst war bei mir absolut unspektakulär und hat keine 2 Minuten gedauert. Solange man keine Zweifel lässt, dass man dort studieren und anschließend wieder zurückkehren will, sollte nichts schief gehen.

Auch die Abklärung der Anrechenbarkeit mit meiner Heimatuniversität lief erst nach jeder Menge Diskussionen darüber, ob ich als Masterstudent auch Upper-Division-Kurse belegen darf und wie viele Credits ich für die amerikanischen Units bekomme. Die Wohnungssuche wollte ich ebenfalls im Vorfeld erledigt haben, was auch sehr nervenaufreibend war, da die Amerikaner nicht dazu neigen, einem eindeutige Antworten zu geben. Letztlich hat aber alles gut geklappt. Ich empfehle außerdem, sich zu vergewissern, dass die UCR eure korrekte E-Mailadresse hat, da sind an mir und einigen Kommilitonen auch diverse Informationen vorbeigegangen.

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Ankunft

Ich bin eine halbe Woche vor der Orientation angereist und habe mich zunächst vom Pick-Up-Service der Universität vom Flughafen nach Riverside bringen lassen, wo ich die ersten zwei Tage in einem Hotel verbracht habe, bevor ich mein Wohnheimzimmer beziehen konnte. In der Orientation bekamen wir viele hilfreiche Informationen bezüglich Kurswahl und Dingen, die man im Alltag beachten sollte. Außerdem wurden uns Ansprechpartner für so ziemlich alle denkbaren Probleme vorgestellt und man hatte die Gelegenheit, erste Kontakte zu knüpfen. In dieser Woche habt ihr auch noch keine Vorlesungen, so dass noch genug Zeit zum Einleben zur Verfügung steht.

Kulturschocks sind bei mir weitgehend ausgeblieben, die USA und Deutschland sind sich doch ähnlicher als ich es zuvor vermutet hatte. Ein paar Dinge sollte man aber wissen: Man teilte uns z.B. direkt am Anfang einige Verbote in den USA mit. Man sollte auf keinen Fall in der Öffentlichkeit Alkohol trinken, querfeldein über die Straße gehen oder auf illegalen Seiten streamen. Was bei uns weitgehend toleriert wird, ist dort mit drakonischen Strafen verbunden.

Obdachlose gehören in den USA leider zum täglichen Anblick dazu, die tun einem aber nichts. Dennoch sollte man vorsichtig sein, man weiß ja auch nie, ob jemand bewaffnet ist. Uns wurde z.B. explizit davon abgeraten, Bettlern Geld zu geben, da es Begehrlichkeiten wecken kann, wenn man den Inhalt seines Portmonees offenbart.

Öffentliche Verkehrsmittel sind in der Region weitgehend ausgestorben, der Großraum Los Angeles ist total auf Autos ausgerichtet und Orte von Interesse oft weit voneinander entfernt. In meinem Fall hat es gut ohne Auto funktioniert, da mich fast immer jemand mitnehmen konnte, für ein Trimester ging es irgendwie. Wenn ihr länger dort seid, empfehle ich, euch am Anfang ein Auto zu kaufen und es am Ende mit möglichst wenig Verlust wieder zu verkaufen.

Mein erster Eindruck war jedoch sehr positiv. Die Amerikaner sind sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Auch der Umgang der Leute untereinander ist wesentlich lockerer als bei uns. Beispielsweise konnte man auch die meisten Professoren mit Vornamen anreden.


Wohnen

Wie so viele College-Contact-Studenten habe ich im Sterling Highlander gewohnt. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, ins International Village zu ziehen, das ist aber nicht so schön (kein Pool) und vor allem völlig überteuert. Im Vorfeld hatte ich mir auch überlegt, den Homestay in Anspruch zu nehmen und in eine Gastfamilie zu gehen, weil, so der Gedanke, das sicher stellen könne, dass man unter Einheimische kommt und deren Alltag kennen lernt. Davon würde ich im Nachhinein jedoch abraten. Man hat zwar einen Anspruch auf einen täglichen Transfer zur Uni, aber die Wohngebiete sind dort so weit ausgedehnt, dass es ohne Auto schwer bis gar nicht möglich ist, sozialen Kontakten nachzugehen. Die Wohnheime sind hingegen alle in Campusnähe, wobei man in den meisten nur für wesentlich längere Zeit mieten kann.

Mit dem Sterling Highlander habe ich leider keine so guten Erfahrungen gemacht wie andere, weil ich ziemliches Pech mit meinen Mitbewohnern hatte. Die waren dreckig, laut ohne Ende und auch nicht besonders freundlich. Daher habe ich nach zwei Wochen nochmal das Zimmer gewechselt. Für die restliche Zeit habe ich mit zwei Amerikanern, einem Franzosen und einem Schäferhund zusammen gewohnt. Die waren eigentlich in Ordnung, hatten aber auch kein großes Interesse an näherem Kontakt. Vermutlich würde ich aber wieder dort einziehen, man muss halt Glück mit seinen Mitbewohnern haben.

Außerdem gibt es auf dem Gelände jede Menge nützliche Einrichtungen wie den Pool, Plätze für BBQ und Basketball sowie einen PC-Raum, wo man kostenlos Drucken kann. Die Zimmer selbst sind zwar möbliert, Dinge wie Bettwäsche, Geschirr, Duschvorhang oder einen Mülleimer muss man aber selbst mitbringen. Früher konnte man das alles im K-Mart gegenüber kaufen, den gibt es aber nicht mehr! Glücklicherweise ist ein Mitarbeiter des Leasing Office mit mir und einem Franzosen zu Walmart gefahren, wo wir uns relativ günstig mit allem eindecken konnten. Mein Zimmer musste ich bis einschließlich August mieten, obwohl ich Riverside bereits im Juni verlassen habe. Zum Glück konnte ich einen Nachmieter finden, was zur Summer Break nicht selbstverständlich ist. Man kann dazu beim Leasing Office angeben, ab wann man einen Untermieter sucht und wenn jemand für einen kürzeren Zeitraum nach einem Zimmer fragt (was ihr natürlich von vornherein probieren könntet) benachrichtigen die einen. Beim Subleasing gilt first come - first serve, insofern ruhig direkt beim Einzug danach fragen.


Studium

Da es am Extension Center kein VWL gibt, stand für mich von Anfang an fest, dass ich Main-Campus-Kurse belegen muss. Ich habe im Vorfeld oft gehört, dass diese sehr anspruchsvoll seien und muss ganz ehrlich sagen, dass ich das so nicht bestätigen kann. Es bleibt auf jeden Fall genug Freizeit, wenn ihr euch also für einen dieser Kurse interessiert schreckt nicht davor zurück, außerdem bekommt ihr dort das eigentliche Campusleben mit ;-) Richtig ist, dass es am Main Campus etwas anspruchsvoller als am Extension ist, was aber eher daran liegt, dass die Extension-Kurse meiner Meinung nach ein schlechter Witz sind. Das führt mich auch direkt zu meiner Kurswahl:

Consumer-Behavior (3 Units)

Das war mein einziger Kurs am Extension-Center, den ich auch nur belegt habe, damit ich genau auf 12 Units komme. Dies kriegt man als Visumsauflage und für jede weitere Unit müsste man 250$ Studiengebühren nachbezahlen. Eigentlich hat der Dozent immer nur betont, dass man Konsumentenverhalten weder bewusst steuern noch absolut voraussagen kann und ansonsten hauptsächlich Youtube-Videos aufgelegt. Sämtliche Prüfungen konnte man mit nach Hause nehmen und teilweise Musterlösungen dazu googlen.

Urban-Economic Problems (4 Units)

Dieser Kurs befasst sich damit, warum Städte existieren und wie sie aus ökonomischer Sicht funktionieren. Insgesamt sehr interessant und Richard Arnott ist auch international kein unbekannter Professor. Im Lauf des Semesters muss man 4 Problem Sets abgeben sowie eine Hausarbeit schreiben und ein Midterm-Exam neben dem Final absolvieren.

Global Poverty (5 Units)

Dieser Kurs befasste sich mit der Messung und der Erklärung von Armut, es wurden Politikimplikationen diskutiert und es gab ein Kapitel zu Armut in den USA, insbesondere im Vergleich mit anderen Ländern. Auch diesen Kurs kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen. Neben dem Final gab es hier ebenfalls ein Midterm und eine Hausarbeit, in der jeder die Armutssituation in einem bestimmten Land beschreiben sollte. Zudem gab es in jeder Vorlesungen Cliquer-Questions, wozu jeder Student eine Art Fernbedienung hatte, mit der man Multiple-Choice-Fragen beantworten musste. Außerdem gab es wöchentlich eine Discussion, zu der jeder eine Frage mitbringen musste, über die dann gemeinsam gesprochen wurde.

Prinzipiell gibt es in den USA Anwesenheitspflicht, viele Dozenten sagen aber von sich aus, dass sie das nicht erwarten und ich habe auch nie erlebt, dass das kontrolliert worden wäre. Lediglich zur Beantwortung der Cliquer-Questions musste man bei Professor Helfand zwangsläufig anwesend sein, aber wenn man minimale Abstriche in der Bewertung in Kauf nimmt ist es auch da durchaus mal drinnen, nicht zur Uni zu gehen. Die Leistungsanforderungen sind allgemein nicht so hoch wie bei uns. Es gab zwischendurch einige (wenige) Wochen, wo ich tatsächlich etwas mehr zu tun hatte, das war aber alles Quantität und im Prinzip alles leicht zu verstehen. Für die VWLer unter euch: das ist eher Verbal-Ökonomik. Auch Prüfungen waren meist wohlwollend gestellt.

Da ich mich immer gefragt habe, wie das funktioniert, hier noch eine kurze Anleitung zum Class Crashing: In der Orientation werden dazu Formulare ausgeteilt, mit denen man normalerweise in der ersten Veranstaltung zum Dozenten geht, sich diesem vorstellt und fragt, ob man seinen Kurs besuchen darf. Der sagt einem dann entweder, dass das möglich ist, nicht geht oder dass man abwarten solle, ob noch ein Platz frei wird. In der VWL muss man sich die Erlaubnis jedoch direkt vom Department of Economics besorgen und sich vom zuständigen Dozenten zuvor bescheinigen lassen, dass man die Teilnahmevoraussetzungen erfüllt. Das unterschriebene Formular muss man dann für jeden Kurs am Extension-Center einreichen, welche einen dann in besagtem Kurs registrieren. Aber keine Sorge, das Procedere wird vor Ort nochmal ausführlich erklärt. Die Ungewissheit war zwar nervig, ich war jedoch ganz zufrieden mit den Kursen, die ich bekommen habe.

Alltag

Ich hatte die gesamte Zeit fast nur mit einheimischen Studenten zu tun. Auch wenn es am Anfang schwer sein mag, tut euch selbst den Gefallen, euch nicht von den ersten (Deutschen), die ihr kennen lernt, abhängig zu machen. Ich habe in einer Gemeinde auf dem Campus viele nette Leute kennen gelernt, die mich sehr lieb aufgenommen und direkt zu diversen Aktionen mitgenommen oder zu sich nach Hause eingeladen haben. Wenn ihr Einheimische kennen lernen wollt, tretet am besten irgendeiner Studentenorganisation bei. Es gibt dazu jeden Mittwoch auf dem Campus Infostände über so ziemlich alles, was es so gibt.

Unter der Woche war ich teilweise mit dem Studium beschäftigt, habe aber auch viel Zeit am Pool des Sterling Highlander verbracht. Abends hat man sich häufig noch zum Essen getroffen. Probiert auf jeden Fall mal die Heroes-Brauerei in Downtown Riverside sowie die Ketten Buffalo Wild Wings und Panda-Express aus. An den Wochenenden haben wir oft Tagesausflüge in die nähere Umgebung, z.B. nach Los Angeles, San Diego oder auch in die Natur unternommen (Big Bear Lake ist sehr zu empfehlen). San Diego ist meine absolute Lieblingsstadt geworden, da gibt es unter anderem ca. 200 Brauereien und jede Menge Kulturangebote. Auch vom Extension Center werden Tagesausflüge organisiert, diese sind jedoch etwas überteuert.

Das Wetter war die meiste Zeit sehr angenehm, das Spring Quarter dürfte in der Hinsicht auf jeden Fall die beste Zeit sein. Im März war es tagsüber meist um die 25° und bis Anfang Juni selten weit über 30°, so dass es sich gut aushalten lies. Regen habe ich nur ein einziges Mal erlebt.

Nach Vorlesungsende habe ich mit meiner Familie noch eine Rundreise gemacht. Wenn ihr während des Semesters viel reisen wollt, plant das frühzeitig, die Zeit vergeht wie im Flug. Ich war neben LA und San Diego am Grand Canyon, in Las Vegas, im Sequoia- und Yosemite-Nationalpark, in Sacramento, in San Francisco und in Santa Barbara. Die USA sind ein wunderschönes Land und so riesig, dass man auch in 5 Monaten nur einen kleinen Teil davon erkunden kann.


Kosten

Der Großraum Los Angeles ist unheimlich teuer. Da ich ein Einzelzimmer hatte, habe ich jeden Monat fast 800$ Miete bezahlt. Auch wenn man an Essen wirklich nur das Nötigste kauft, kommt man schnell auf mehr als das Doppelte an Ausgaben. Man landet auch oft in einer der zahlenlosen Fastfood-Ketten, weil selbst zu kochen nicht billiger ist. Mit Studien- und anderen Gebühren (es muss z.B. jeder eine von der Uni vorgeschriebene Krankenversicherung nehmen, die 650$ kostet) waren schon vor Beginn knapp 6000$ ausgegeben. Eintrittsgelder sind ebenfalls wesentlich höher als man es hier gewöhnt ist (z.B. Sea World 80$ oder Disneyland 124$ pro Person und Tag). Billig ist hingegen Autofahren, insbesondere Benzin, aber auch Klamotten sind nicht so teuer. Insgesamt bin ich auf fast 12000€ gekommen und je nach Lebensstil, Reiseplänen und aktuellem Wechselkurs kann es auch mehr werden. Ich bin aber überzeugt, dass diese tolle Zeit jeden Cent Wert war.


Fazit

Ich kann ein Auslandssemester an der Universtity of California Riverside auf jeden Fall weiterempfehlen. Wenn ihr die amerikanische Kultur kennen lernen und nebenbei noch etwas lernen wollt, seid ihr dort gut aufgehoben. Wer richtig Party machen will, sollte hingegen besser nach Santa Barbara oder San Diego. Im Vorfeld war ich ziemlich nervös, aber nachdem ich mich einmal eingelebt hatte, war ich einfach nur froh, dass ich mich dazu entschlossen hatte, dorthin zu gehen und das alles erleben durfte. Wenn ihr also ebenfalls Zweifel habt, tut euch den Gefallen und traut euch ;-) Ich hatte eine wirklich tolle Zeit, habe viel gesehen und viele nette Leute kennen gelernt, zu denen ich auch weiterhin Kontakt habe. Stellt euch außerdem darauf ein, nach eurer Rückkehr Heimweh nach Kalifornien zu haben, auch das Wiedereinleben kann eine gewisse Zeit dauern. In diesem Sinne wünsche ich euch ein ebenso tolles Auslandssemester wie ich es hatte.