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Studienführer Griechenland


Athen

Griechenland

Land der Götter

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In Griechenland haben die Universitäten eine herausragende Stellung in der Hochschullandschaft, denn das Hochschulsystem ist direkt mit der Enstehung des modernen Staates verknüpft. Die nationale Universität Kapodistrias in Athen, die heute 84.000 Studenten beherbergt, wurde 1837 gegründet und gilt heute als bedeutendste Universität ganz Südosteuropas. Nicht nur die Dozenten, sondern auch die Forschung halten sich stetig auf einem sehr hohen Niveau. Darüber hinaus war Athen auch der Ort der Gründung des ersten Polytechnikums im 19. Jahrhundert und der ersten Wirtschftsuniversität Anfang des 20 Jahrhunderts. 1925 kam die Universität von Thessaloniki hinzu, die heute mit 70.000 Studierenden die zweitgrößte Universität Griechenlands ist und in ihrer Umgebung Ausgrabungen zu bieten hat, die sie besonders für Archäologiestudenten interessant macht.
In Griechenland sind ungefähr 250.000 Studenten an den Hochschulen eingescghhrieben, davon etwa die Hälfte im Großraum Athen und Piräus sowie Thessaloniki. In den siebziger Jahren sind deshalb besonders viele Hochschulen in den Randgebieten entstanden wie beispielsweise in Patras, Thrakien, auf Kreta, auf Korfu und an anderen Orten. Zuletzt kam die Thessalische Universität in Larisa und Volos hinzu. Um die bis dahin sehr theoretische Ausbildung praxisnäher zu gestalten, sind im Jahr 1983 die Texnologika ekpaideytika Idrymata (TEI) gegründet worden. Sie sind vergleichbar mit den deutschen Fachhochschulen und verhelfen den Studenten zu einer Berufsausbildung. Momentan können sie unter 14 TEIs in ganz Griechenland wählen. Neben den technischen Fächern werden auch andere wie beispielsweise in den Bereichen Tourismus, Gesundheitswesen oder Design angeboten. Ein Studienprogramm dauert mindestens sechs Semester plus sechs Monate Praktikumszeit.
Da die griechische Verfassung vorsieht, dass die Ausbildung kostenlos sein muss, darf es eigentlich keine privaten Hochschulen geben, aber dennoch haben andere Länder wie die USA oder Frankreich Schlupflöcher gefunden und Zweigniederlassungen ihrer Hochschulen dort eröffnet. Das Kuriose ist, dass die angebotenen Studienabschlüsse nicht vom Staat anerkannt werden und die Studiengebühren extrem hoch sind, aber dennoch haben sie regen Zulauf und sind sehr beliebt.

Studiensystem und Abschlüsse in Griechenland
Es gibt in Griechenland die Unterteilung der Studiengänge in zwei Gruppen: Die eine Gruppe beinhaltet alle vierjährigen Studiengänge plus Medizin und Veterinärmedizin. Sie werden mit dem Ptichioúchos abgeschlossen. In der anderen Gruppe sind alle Fächer, die mit dem Diplomatoúchos beendet werden. Dazu gehören Architektur, Agrar- und Ingenieurwissenschaften. Diese beiden ersten Abschlüsse sind mit einem deutschen Diplom vergleichbar. Normalerweise dauern fast alle Studiengänge mindestens ein Jahr, aber ein Großteil der Studenten benötigt ein bis zwei Jahre länger. Ein Medizinstudium hat eine Regelstudienzeit von zwölf Semestern, Ingenieur- und Agrarwissenschaften sowie Veterinär- und Zahnmedizin zehn Semester. Nur in den ingenieur- und agrarwissenschaftlichen Studiengängen muss eine Diplomarbeit verfasst werden, ansonsten sind mündliche und schriftliche Prüfungen vorgesehen, die im Ermessen der Lehrperson liegen. Auch Haus- oder Seminararbeiten gibt es eher selten, da die meisten Veranstaltungen Vorlesungen sind. Alle schriftlichen Prüfungen werden auf einer Notenskala von eins bis zehn bewertet, wobei alles ab fünf Punkten als bestanden gilt. Wer sein Studium wie vorgesehen in vier Jahren abschließen möchte, muss je nach Hochschule etwa 30 Semesterwochenstunden absolvieren. Erst seit 1989 werden in Griechenland auch postgraduale Studiengänge gesetzlich organisiert. Sie bauen auf dem Grundstudium mit dem Diplomabschluss auf, und nach zwei Jahren führt das Studium dann zu einer Spezialisierung (Metaptychiako), die mit einem Aufbaustudium vergleichbar ist. Danach kann man dann ein Promotionsstudium beginnen, das in unseren Augen sehr stark strukturiert ist, weil in den ersten zwei Semestern noch Pflichtseminare stattfinden. Die Leistungsnachweise aus diesen Seminaren sind Voraussetzung, später verfasst man dann seine Dissertation und legt entweder eine mündliche Prüfung ab oder verteidigt öffentlich seine Arbeit.

Studieren an einer TEI
In den sechs Semestern, die ein Studium an der TEI dauert, besteht Anwesenheitspflicht bei allen im Lehrplan stehenden Veranstaltungen. Zusätzlich muss ein Praxissemester absolviert werden. Allerding gibt es bisher kaum Angebote für Aufbau- oder weiterführende Studiengänge, aber es werden einige Kurse angeboten, in denen die Studenten ihr Wissen vertiefen und sich in ihrem Fachgebiet spezialisieren können. Solche Kurse haben eine Dauer von höchstens zehn Monaten und beinhalten begleitende Praktika. Die erfolgreiche Teilnahme an einem solchen Programm wird mit einem Zertifikat bestätigt. Mit Hilfe einer Einstufungsprüfung kann das TEI-Diplom für einen Universitätsstudiengang angerechnet werden.

Das griechische Studienjahr ist wie auch in Deutschland in zwei Semester unterteilt, von denen eines 15 Wochen dauert, in denen zwei Prüfungswochen enthalten sind. Zu Weihnachten (in Griechenland im Januar) und zu Ostern haben die Studenten jeweils zwei Wochen kurze Ferien. Das akademische Jahr fängt normalerweise am 1. September an und dauert bis zum 5. Juli. Damit auch Berufstätige an den TEIs studieren können, werden zusätzlich spezielle Kurse zu den passenden Zeiten angeboten.

Anerkennung von Studienleistungen
Mit dem deutschen Abitur kann man ohne Weiteres ein Studium in Goechenland beginnen. Für einen TEI genügt das Zeugnis der Fachhochschulreife, mit dem man aber nicht an einer Universität zugelasen werden kann. Wer bereits in Deutschland ein Studium begonnen hat, wird in Griechenland von der jeweiligen Hochschule oder eventuell auch vom Erziehungsministerium in ein passendes Semester eingestuft. Wenn man sogar bereits einen akademischen Abschluss aus Deutschland besitzt und ein Postgraduierten-Studium in Griechenland aufnehmen möchte, entscheidet zunächst das ITE (Institut für Technologische Bildung) oder die DIKATSA (Zentrale Hochschulstelle zur Anerkennung ausländischer Studientitel, Zeugnisse und Diplome) über die Äquivalenz der Abschlüsse, bevor man sich direkt an die Hochschule seiner Wahl richtet.

Informationen über die Zentrale Hochschulstelle zur Anerkennung ausländischer Studientitel, Zeugnisse und Diplome:
http://www.hri.org/info/help/dikatsa.html
http://www.dikatsa.gr (nur in griechischer Sprache)

Für die Anrechnung in Griechenland erbrachter Studien- und Prüfungsleistungen nach der Rückkehr nach Deutschland gibt es keine bilateralen Regelungen. Wer aber z.B. ein paar Semester in einem Diplom- oder Magisterstudiengang an einer griechischen Hochschule studiert hat, wendet sich wiederum am besten and diejenige Universität in Deutschland, an der das Studium fortgesetzt werden soll. Im Allgemeinen dürfte dies gerade dank des European Credit Transfer System (ECTS) kein Problem darstellen.

Wer in Griechenland Fragen oder Probleme hat, wendet sich am besten an die so genannten Universitätsclubs, die den Studenten in allen möglichen Fragen, von Wohnung bis Versicherung, beratend unter die Arme greifen. Das gleiche gilt für die Sekretariate oder Büros für internationale Beziehungen der Hochschule. Außerdem existieren die mit den deutschen Studentenwerken vergleichbaren Sozialwerke, die Unterkünfte und Mahlzeiten für die Studenten bereithalten, Kultur- und Sportveranstaltungen organisieren sowie Bibliotheken und Freizeiteinrichtungen unterhalten. Für fast jede Interessensgruppe und jedes Problem kann man sich mittlerweile auch an eine der unzähligen Studentenvertretungen wenden, die ausländischen Studierenden gegenüber sehr offen sind.

Bewerbung
Zulassungsvoraussetzungen
Das Ministerium für Erziehung und Religion stimmt sich jedes Jahr aufs Neue mit den einzelnen Hochschulen, dem Rat für Hochschulbildung (SAP) und dem Senat ab, wie viele Studenten aufgenommen werden, denn in ganz Griechenland gibt es im Bereich der Tertiärbildung eine Numerus Clausus-Regelung. Das Abitur ist zwar Voraussetzung, aber schlussendlich entscheidet das Ergebnis bei der allgemeinen Aufnahmeprüfung über die Zulassung. Auch an den TEIs gilt diese Regelung, nur dass hier das Fachabitur ausreicht. Wenn ausländische Studierende ihr gesamtes Studium in Griechenland absolvieren wollen oder an keinem Austauschprogramm teilnehmen, betrifft diese Regelung auch sie; ansonsten haben sie es einfacher. Einige Studiengänge wie beispielsweise Musik oder Sport erfordern jedoch noch zusätzliche Voraussetzungen wie den Nachweis der künstlerischen Begabung oder Ähnliches. Daher haben Bewerber mit der allgemeinen Hochschulreife und ausreichenden Sprachkenntnissen keine Probleme bei der Zulassung, und diejenigen mit einer fachgebundenen Hochschulreife haben in der Regel Zugang zu den gleichen Fächern wie auch in Deutschland.
Jedes Jahr steht eine festgelegte Anzahl an Studienplätzen für Auslandsgriechen, Ausländer und Stipendiaten zur Verfügung. Daher gibt es an einigen Hochschulen Informationsbroschüren auf Englisch, die den deutschen Bewerbern auf jeden Fall wichtige Tipps und Informationen vermitteln können.

Bewerbungsverfahren
Wer sich für ein Studium in Griechenland bewerben möxhtem, muss meistens im August den Zulassungsantrag mit einem Passfoto beim Erziehungsministerium, Abteilung für Aufnahmeprüfungen, abgeben. Dieser Antrag muss von einer grichischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung oder das griechische Außenministerium übersetzt sein und persönlich oder von einem Bevollmächtigten eingereicht werden. Zum Antrag gehört eine verbindliche Auflistung der gewünschten Hochschulen und Studienfächer, die der Reihenfolge nach gewertet werden.
Zum Antrag gehören
- das Abiturzeugnis, eine Bestätigung der Durchschnittsnote des Abschlusses, übertragen auf eine Zwanziger-Skala (0-20), falls nicht auf dem Zeugnis ausgewiesen,
- eine Bestätigung, dass der Inhaber dieses Zeugnisses berechtigt ist, sich an einer Hochschule in Deutschland zu immatrikulieren,
- ein Staatsbürgerschaftsnachweis und die Geburtsurkunde vom Bewerber und seinen Eltern,
- und eine Erklärung des Bewerbers, dass er keinen Hochschulabschluss aus Griechenland innehat.
Wenn der Antragsteller zum Studium zugelassen wird, kann er sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes einschreiben. Diese Frist wird in der Tagespressse bekanntgegeben.

Ministerium für Erziehungswesen und Religion
http://www.ypepth.gr

Die Unterrichtssprache ist an den Hochschulen in Griechenland fast immer griechisch, und deshalb sind gute Sprachkenntnisse im Mündlichen und auch Schridtlichen absolut unerlässlich. Andernfalls kann man sich als deutscher Student nicht immatrikulieren, denn die Sprachkenntnisse müssen entweder durch ein griechisches Sekundarschulabschlusszeugnis oder ein Zertifikat vom Zentrum für neugriechische Sprache an der Universität Athen oder vom Institut für neugriechische Sprache der Universität Thessaloniki nachgewiesen werden. Dafür wendet man sich am besten direkt an diese Universitäten, um die neuesten Informationen zu Fristen usw. zu erhalten. Eine Sprachprüfung kann man mittlerweile auch in Heidelberg ablegen, und die Überprüfung der Ergebnisse erfolgt in Thessaloniki.

Kosten und Finanzierung
Griechische Studenten müssen für ein Studium in Griechenland nichts zahlen. Das gleiche gilt für Stipendiaten und Studierende, die aus Ländern stammen, wo Griechen ebenfalls keine Gebühren zahlen müssen. Stipendien gibt es eventuell bei folgenden Stellen für diejenigen, die keine Austauschstudenten in Griechenland sind:

Die Nationale Stipendienstiftung (IKY)
Die Nationale Stipendienstiftung (IKY) in Athen wurde 1988/1989 gegründet und dient im Rahmen der Sokrates / Erasmus-Programms als nationale Stelle für die Verteilung von Stipendien für Studenten. Folgende Programme sind für deutsche Studenten interessant:
- Griechische Sprache und Kultur (THYESPA),
- Stipendienprogramm für Doktoranden aus Mitgliedsstaaten des Europarats,
- Forschungsstipendien für Promovierte,
- Stipendienprogramm für griechische Sprache und Kultur für Nichtgriechen.
Auskunft über diese und andere Programme gibt es bei der Botschaft Griechenlands in Berlin.
Botschaft der Republik Griechenland:
http://www.griechenland-botschaft.de
E-Mail: info@griechenland-botschaft.de

EU-Programme
Auch die EU-Kommission bietet Programme mit Förderungsmöglichkeiten für ein Studium in Griechenland an. Aus den Mitteln der EU-Programme können Teilnehmer an einem Auslandsstudienprogramm ihrer jeweiligen Heimathochschule an einer griechischen Gasthochschule studieren und einen Zuschuss zu den auslandsbedingten Mehrkosten erhalten.

Stipendien im Rahmen von Hochschulpartnerschaften
Bei den Akademischen Auslandsämtern oder den Partnerschaftsbeauftragten der Hochschulen bekommt man Informationen zu bestehenden Partnerschaften und Förderungsmöglichkeiten.

Diejenigen, die zu den Bewerbern aus dem Ausland zählen und Teilnehmer an EU-Austauschprogrammen oder Stipendiaten der griechischen Regierung sind, werden bevorzugt behandelt. Jedes Wohnheim hat 8 % der Plätze für Gaststudenten reserviert, von denen 20 % für Studienanfänger zur Verfügung stehen. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl für ein Wohnheim ist die finanzielle Situation der jeweiligen Familie.
Andere Voraussetzungen sind:
- die Einschreibung an einer griechischen Hochschule
- kein vorhandener Hochschulgrad
- kein Familienwohnsitz am Studienort
- Alter von unter 25 Jahren
- keine Antragstellung bei mehreren Wohnheimen

Wohnen
Studenten aus dem Ausland können in Wohnheimen am günstigsten unterkommen, denn hier kann man schnell Kontakt zu Kommilitonen knüpfen. Anträge für ein Wohnheimzimmer müssen zwischen dem 15. Mai und 15. Juni bei der Nationalen Jugendstiftung eingehen. Diese ist für die Belange der Studierenden in Griechenland in Hinblick auf Unterkunft und Verpflegung zuständig. Die notwendigen Informationen wie eine Liste von Wohnheimen, Bewerbungsunterlagen usw. bekommt man am besten über die griechische Botschaft.
Studenten zahlen für ein Wohnheimzimmer zwischen 60 und 100 Euro im Monat, aber oft ist bei einem Tagessatz von etwa zehn Euro auch die Verpflegung in Form von drei Mahlzeiten pro Tag eingeschlossen. Wer an einem EU-Austauschprogramm teilnimmt, zahlt nur drei Euro pro Tag. In manchen Städten gibt es neben den staatlichen Wohnheimen auch konfessionell ausgerichtete oder private Wohnheime; Informationen bekommt man bei den Universitätsklubs und den Sekretariaten der Hochschulen. Diese können auch bei der Suche nach einer privaten Wohnmöglichkeit helfen, wobei man dann allerdings eine Miete von mindestens 150 Euro monatlich einplanen sollte. Das ist aber lediglich ein Richtwert, wie überall unterschieden sich die Mieten sehr stark; vor allem in Athen dürfte eine Unterkunft wesentlich teurer sein.

Lebenshaltungskosten
Zwischen den Universitätsstädten sind die Unterschiede in den Lebenshaltungskosten sehr groß, was die Nennung eines bestimmten Betrages unmöglich macht. Am teuersten ist ein Studium in Athen, auf Kreta oder in Thessaloniki. Bei bescheidener Lebensführung kann man durchschnittlich in etwa mit monatlichen Kosten von ca. 360 Euro rechnen; wer an einem EU-Austauschprogramm teilnimmt, kommt mit etwa 210 Euro davon. Dies können allerdings keine verbindlichen Angaben sein.

Visum und Krankenversicherung
Als Mitglieder der EU können deutsche Staatsbürger mit einem gültigen Personalausweis problemlos nach Griechenland einreisen. Wer aber für sein Studium länger als drei Monate dort bleiben möchte, muss sich in seinem Studienort bei der Ausländerbehörde melden.
Jeder Student in Griechenland kann seinen Anspruch auf kostenlose Behandlungen im Krankenhaus sowie ärztliche und pharmazeutische Versorgung wahrnehmen. Wer das tun möchte, muss bei seinem ersten Arztbesuch das sogenannte Berechtigungsheft für studentische Versorgung vorlegen; man bekommt es bei der Einschreibung. Dennoch kann man sich am besten noch zu Hause bei seiner Krankenkasse über Versicherungsschutz und eventuelle Zusartversicherungen erkundigen, denn wenn man beispielsweise nur für einen Sprachkurs nach Griechenland geht, bekommt man kein Berechtigungsheft.




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