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Studienführer Frankreich
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Frankreich hat internationalen Studenten, wie andere Länder auch, eine Menge zu bieten. Dennoch gehört es nicht zu den beliebtesten Ländern für einen Auslandsaufenthalt, was eventuell an den relativ hohen Lebenshaltungskosten und an der Sprache liegt - die meisten wollen beim Auslandsstudium ihr Englisch aufbessern. Derzeit gibt es dennoch gut zwei Millionen Studenten an Frankreichs Hochschulen.
Waren es zu Beginn der 1990er noch jährlich 170.000 ausländische Studenten, so wollten gegen Ende des Jahrzehnts nur noch 125.000 hier studieren. Etwa die Hälfte von ihnen stammt aus Afrika, gefolgt von Europäern. Das französische Bildungsniveau ist sehr gut, und auch Land und Leute sind in jedem Fall eine Reise wert.
Gründe für ein Studium in Frankreich
Studenten, die für einen Auslandsaufenthalt Frankeich als Ziel wählen, werden dies keinesfalls bereuen, denn französische Hochschulen halten ihr besonders gutes Niveau mit Hilfe von hoch qualifizierten Lehrkräften aus Wissenschaft und Berufspraxis. Aber auch der touristische Aspekt sollte nicht vernachlässigt werden, denn Landschaft, Kultur und Gastronomie können ebenfalls durchaus mithalten.
Studiensystem Frankreich
Das gesamte Studiensystem in Frankreich ist eher komplex und unübersichtlich, denn es gibt universitäre und nicht-universitäre Hochschulen, sowohl auf staatlicher als auch auf privater Seite. Sie unterscheiden sich alle im Hinblick auf ihr Studienangebot und ihrer Abschlüsse, und deshalb werden im Folgenden die wichtigsten Institutionen vorgestellt, die für Gaststudenten relevant sein könnten.
Das sind in erster Linie die Universitäten, aber auch die Instituts Universitaires, die zu den staatlichen Hochschulen gehören, aber dennoch ziemlich eigenständig sind, und die angesehenen Grandes Ecoles.
An den französischen Universitäten gibt es wie in Deutschland eine Einteilung in Fachbereiche, die sogenannten Unités de Formation et de Recherche (UFR) oder facultés. Das Studium wird in drei Abschnitte unterteilt: Der 1er cycle entspricht in etwa dem Grundstudium und ist eher allgemein gehalten. Nach zwei Jahren macht man das diplôme d´études universitaires générales (DEUG), das mit der deutschen Zwischenprüfung oder dem Vordiplom vergleichbar ist.
Danach folgt der 2ème cycle, der ebenfalls zwei Jahre dauert. Dabei wird das erworbene Basiswissen vertieft, und man kann sich spezialisieren. Nach dem ersten Jahr dieses Abschnitts erlangt man die licence, und nach dem zweiten Jahr bekommt man den akademischen Titel maîtrise, der mit unserem deutschen Magister oder Diplom vergleichbar ist.
Im dritten Abschnitt, dem 3ème cycle, bewegt man sich langsam auf seine Promotion zu. Je nach Studienfach dauert er ein bis fünf Jahre und besteht aus einer Art Aufbaustudium mit besonderen Abschlüssen.
Die Instituts Universitaires gehören zwar zu den staatlichen Universitäten, sind aber relativ eigenständig. Zu ihnen zählen die Instituts Universitaires Professionnalisés (IUP), die sich auf hauptsächlich kaufmännische, technische und naturwissenschaftliche Studiengänge spezialisiert haben und einen direkten Berufsbezug aufweisen. Um hier aufgenommen zu werden, müssen die Studenten bereits ein Jahr in der relevanten Fachrichtung studiert haben. Die IUPs ähneln den deutschen Fachhochschulen, denn sie arbeiten eng mit Unternehmen aus der Wirtschaft zusammen und sind sehr praxisorientiert. Nach drei Jahren des Studiums schließt man hier sein Studium mit dem Ingénieur-maître ab.
Auch die Instituts Universitaires de Technologie (IUT) sind sehr berufsorientiert und bilden in ihren zweijährigen Kurzstudiengängen hauptsächlich Assistenten und Techniker für den Industrie- und Dienstleistungsbereich aus. Diese erlangen nach erfolgreichem Studium das diplôme universitaire de technologie (DUT). Ähnliche Studiengänge kann man auch an den Lycées und privaten Einrichtungen absolvieren. Sie enden dann beispielsweise mit dem Brevet de Technicien Supérieur (BTS) oder der licence professionelle. Allerdings dürften diese fachspezifischen, sehr praxisbezogenen Studiengänge nur diejenigen interessieren, die nach dem Abitur schnell in das Berufsleben einsteigen und lieber eine Art Lehre machen möchten.
Die Luxusvariante der universitären Ausbildung stellen die Ecoles Supérieures oder die Grandes Ecoles dar, die meistens nur eine Fachrichtung anbieten und gebührenpflichtig sind. Hier werden die zukünftigen Führungskräfte an ihre Aufgaben herangeführt. Es versteht sich von selbst, dass die Zulassung nicht ganz einfach ist, sondern mit Hilfe verschiedener Eignungstests sowie der Beurteilung des Bewerbers durch einen pädagogischen Ausschuss erfolgt. Abhängig von der jeweiligen Hochschule können Bewerber entweder direkt nach dem Abitur, nach der Teilnahme an ein- bis zweijährigen Vorbereitungskursen (classes préparatoires) oder nach dem normalen Grundstudium an einer Grande Ecole aufgenommen werden. Wer später in die Wirtschaft, Politik oder ins Rechtswesen gehen möchte, sollte eventuell eine solche Hochschule in Erwägung ziehen.
Aufnahmekriterien Frankreich Studium
Für die Zulassung zum ersten Studienabschnitt in Frankreich reicht in der Regel die deutsche Hochschulzugangsberechtigung aus. Wer aber im zweiten Studienabschnitt seinen Master machen möchte, benötigt den ersten akademischen Grad; das Vordiplom oder die Zwischenprüfung reichen in diesem Fall nicht aus. Dank des Bologna-Prozesses ist es in der Regel kein Problem mehr, innerhalb Europas den deutschen Bachelor- oder Masterabschluss anerkennen zu lassen.
Bewerbungsprozedur an Universitäten in Frankreich
Für ein Grundstudium an einer französischen Hochschule kann man sich einfach direkt einschreiben. Wer mit einem Haupt- oder Aufbaustudium beginnen möchte, muss sich direkt bei der Hochschule bewerben. Die dafür notwendigen Unterlagen bekommt man ebenfalls dort; Ausnahmen sind aber Bewerbungen im Großraum Paris oder für die Studiengänge Medizin, Pharmazie oder Zahnmedizin - hier sind die französische Botschaft oder die französischen Kulturinstitute zuständig. Zu einer Bewerbung gehören ein Anschreiben, beglaubigten Kopien und Übersetzungen bisher erlangter Zeugnisse und Scheine sowie die übersetzte oder internationale Geburtsurkunde.
Besonders wichtig ist der Nachweis über ausreichende Sprachkenntnisse. Dieser wird entweder durch eine befriedigende Abiturnote im Leistungskurs oder durch den anerkannten Sprachtest DALF erbracht. Da aber jede Universität ihre eigenen Zulassungsvoraussetzungen bestimmen kann, sollte man sich auf jeden Fall im Vorfeld genau erkundigen.
Kosten und Finanzierungen eines Studiums in Frankreich
In Frankreich muss man nur an den Grandes Ecoles Studiengebühren zahlen. Sie reichen von 250 bis 1.000 Euro pro Studienjahr an öffentlichen Einrichtungen und beginnen bei 1.500 Euro bei privaten Ecoles. Aber auch an den Universitäten kommt man nicht ganz ohne Bezahlung davon, denn auch hier gibt es Immatrikulationskosten zwischen 50 und 200 Euro sowie verschiedene Bearbeitungs- oder Prüfungsgebühren.
Bei finanziellen Engpässen kann man verschiedene Arten der Unterstützung bekommen, zum Beispiel in Form von Teilstipendien, Bildungskrediten oder Auslandsbafög. Manchmal hilft sogar die französische Regierung oder das Studentenwerk mit Stipendien beim Ermöglichen des Auslandsstudiums.
Anerkennung von Studienleistungen
Studenten, die mit universitären Austauschprogrammen nach Frankreich kommen, haben es bei der Anrechnung ihrer erbrachten Studienleistungen relativ einfach, da dies meistens schon im Vorfeld geregelt ist. Alle anderen sollten sich rechtzeitig beim heimischen Prüfungsamt über eine sinnvolle Kurswahl informieren, um nicht umsonst zu studieren.
Zwischen Frankreich und Deutschland gibt es außerdem ein Gleichstellungsabkommen, das bestimmte Studienabschnitte einander gleichstellt. Der französische Abschluss DEUG entspricht daher der deutschen Zwischenprüfung oder dem Vordiplom, und die maîtrise ist das gleiche wie die Magister- bzw. Diplomprüfung. Dennoch haben die zuständigen Stellen und Behörden immer noch das letzte Wort bei derartigen Entscheidungen.
Visum und Krankenversicherung für Frankreich
Als EU-Bürger kann man mit einem gültigen Personalausweis jederzeit in Frankeich einreisen, braucht aber bei Aufenthalten über drei Monate eine Aufenthaltsgenehmigung vom zuständigen Rathaus oder Polizeikommissariat.
Wenn man sich in Frankreich einschreiben möchte, muss man entweder einen Versicherungsnachweis erbringen, der auch von einer deutschen Krankenkasse ausgestellt sein kann, oder Mitglied in der studentischen Sozialversicherung Frankreichs sein. Wer privat versichert ist, sollte sich im Vorfeld bei seiner zukünftigen Hochschule erkundigen, denn die Nachweise privater Krankenkassen werden erst seit kuzem an französischen Hochschulen akzeptiert. |
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