Das leidige Thema Studiengebühren
Sind Studiengebühren der “Untergang der Chancengleichheit” im deutschen Bildungssystem? Der Besuch einer US-Uni lässt mich zweifeln.
Sind Studiengebühren der “Untergang der Chancengleichheit” im deutschen Bildungssystem? Der Besuch einer US-Uni lässt mich zweifeln.
In diesem Semester schien es an meiner Uni kaum ein anderes Thema zu geben als die neueingeführten Studiengebühren. Ob in den Vorlesungen, beim Frühstück in der Cafeteria oder Mittags in der Mensa, es verging kaum ein Tag, an dem der “Untergang der Chancengleichheit” im deutschen Bildungssystem nicht beweint wurde. Die Uni sei dann wohl künftig nur noch etwas für Kinder reicher Eltern, hieß es, und man solle das ganze boykottieren, schließlich hätten wir alle ein Recht zu studieren.
Über solche Kommentare konnte ich nur schmunzeln. Im letzten Jahr ging ich für ein Auslandssemester in die USA, an die California State University in Northridge, einem Außenbezirk von Los Angeles. Nicht gerade eine Ivy-League Privatuni, sondern eher durchschnittlich. Und trotzdem kostete mich dieses eine Semester ein paar tausend Euro. In der Zeit, die ich an der CSUN verbrachte, hatte ich keineswegs den Eindruck, dass es sich bei den Studenten dort überwiegend um Nachkommen aus finanziell außergewöhnlich gut gestellten Familien handelt. Es schien mir eher so, als bestände kein großer Unterschied zu den Studenten an meiner Uni in Deutschland.
Es gab jedoch andere Seiten der US-Uni, bei denen die Unterschiede kaum zu übersehen waren: Die Gebäude waren renoviert, hell und freundlich, die Klassenräume bestens ausgestattet. Es gab weitläufige, gepflegte Sportanlagen und von der Bibliothek will ich gar nicht erst anfangen. Niemand beklagte sich wegen überfüllter Veranstaltungen, oder darüber einen Kurs wegen Überbelegung erst gar nicht besuchen zu können. Die Professoren waren hilfsbereit und Arbeiten wurden termingerecht korrigiert. Und vielleicht wurde ich gerade deswegen dort nicht ein einziges Mal Zeuge einer Debatte über die Rechtmäßigkeit von Studiengebühren.
Ich denke, dass ein Studium in Deutschland bei den zur Zeit verhältnismäßig geringen Beiträgen immer noch für jeden, der es wirklich will, durchaus finanzierbar ist - zumal man ja ein spezielles Darlehen aufnehmen kann. Und auch wenn es keiner zugeben mag, ein paar kleine Verbesserungen waren auch in diesem Semester schon spürbar: in der Bibliothek, beim Lehrangebot und in der Mensa. Ich hoffe die aggressive und verbitterte Stimmung wird im nächsten Semester nachlassen und man verwendet in Zukunft mehr Energie darauf, dafür zu sorgen, dass die neuen Gelder optimal eingesetzt werden, anstatt den aussichtslosen Kampf gegen die in meinen Augen nicht unbedingt negative Neuerung fortzusetzen.
Veröffentlicht am: 17.07.2007

Autor: Meena Lorraine
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