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Tech Music Schools Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht von Carolin H.
Hochschule: Tech Music Schools
Stadt: London
Land: England
Studiengang: Vocals
Studienart: Certificate / Diploma
Zeitraum: Juli 2010 bis September 2010
Bewertungen:
Studieninhalte:  (2.0)
Studienbedingungen:  (3.0)
Leben:  (1.7)
Fun:  (1.3)
Nutzen/Referenz:  (1.7)
Kosten:  (2.3)
Durchschnittsbewertung:  (2.0)
Bericht:
Zu meiner Person

Da ich Englisch und Musik auf Lehramt (Gymnasium) studiere, habe ich relativ früh den Entschluss gefasst, für eine längere Zeit ins englischsprachige Ausland, am liebsten England, zu gehen.
Da aber die von der Universität angebotenen Auslandssemester sich nur auf Englisch beziehen und ich so in Musik ein Urlaubssemester hätte nehmen müssen, habe ich mich entschlossen, mir selbst ein Auslandsstudium zu organisieren und somit keine Zeit zu verlieren. Ich suchte also ein Studium, das ich während der Semesterferien im Sommer machen kann. So entdeckte ich college-contact.com und wurde schnell in der Rubrik „Kurzstudium“ fündig. Hier fand ich ein dreimonatiges Gesangsstudium von Juli bis Ende September 2010 an einer Musikhochschule in London. Die Schule ist eine moderne Musikhochschule im Bereich Pop/Rock und stellte somit für mich eine gelungene Abwechslung dar, weil ich in Deutschland nur klassischen Gesang studiere. Da ich hier die englische Sprache sogar noch mit der Musik verbinden konnte, schien dieses Studium perfekt zu meinen Wünschen zu passen.

Bewerbung

Nachdem ich bei der Bewerbung tatkräftig von college-contact.com unterstützt wurde, erhielt ich die erste Antwort der Tech Music School London. Um einen Eindruck von mir und meinen gesanglichen Fähigkeiten zu bekommen, verlangte die Schule ein so genanntes „assessment“. Wenn man nicht persönlich nach London fahren kann, ist es auch möglich eine Videoaufnahme einzuschicken. Da ich aber noch nie in London war und mir auch ein Bild der Schule machen wollte, flog ich letztes Jahr für ein paar Tage nach London, nahm dort an einem Open Day der Tech Music School teil und hatte dann gleich noch mein „assessment“. Ich musste einen vorbereiteten Song vorsingen und dann noch einige Übungen in Gehörbildung und Musiktheorie absolvieren, die jedoch sehr einfach gehalten waren. Nach 20 Minuten war das „assessment“ schon vorbei und ich war an der Schule genommen. Kurz danach schrieb ich mich an der Schule ein, indem ich die Kursgebühr von 1950 Pfund überwies und erhielt dann alle nötigen Unterlagen.

Anreise, Unterkunft

Um nach London zu kommen, nahm ich das Flugzeug bis zum Flughafen Heathrow, der der Schule am nächsten liegt. Von Heathrow aus ist man mit der U-Bahn in ca. 20 Minuten in Acton, dem westlichen Stadtteil Londons, wo sich die Tech Music School befindet. Da ich jedoch auf der Hinreise schon zu schweres Gepäck hatte und das nach ausgedehnten Shoppingtouren in London natürlich nicht leichter wurde, entschied ich mich, auf der Rückreise mit dem Zug (Eurostar) über Brüssel zurück nach Deutschland zu fahren. Somit konnte ich soviel Gepäck mitnehmen wie ich wollte, es war vergleichsweise zum Flug sehr günstig und auch wenn ca. 7 Stunden Fahrt auf den ersten Blick sehr lange erscheinen, dauert es auch nicht viel länger als mit dem Flugzeug, wenn man die Fahrt zum Flughafen und die Zeit zum Einchecken mitrechnet. Für mich war die Alternative mit dem Zug auf jeden Fall die bessere.
Die Unterlagen, die man von der Tech Music School bekommt, enthalten unter anderem auch einen sehr nützlichen „Accommodation Advice Pack“. Hier wird alles detailgenau erklärt. Da die Tech Music School selbst keine Studentenwohnheime hat, ist es am besten, man sieht sich nach einem Zimmer in einer WG um. Um schnellstmöglich ein geeignetes Zimmer zu finden, schaut man am besten auf der Facebook-Seite der Tech Music School nach. Dort bieten Studenten regelmäßig Zimmer an, sehr oft sogar in WGs, die nur aus Tech Music School Studenten bestehen. Über die Immobilienseite „gumtree.com“ findet man auch einige Angebote, wobei ich dort leider nicht sehr erfolgreich war. Bevor ich in London ankam, hatte ich über Facebook vier Besichtigungstermine für meinen ersten Tag ausgemacht, alles WGs von Studenten der Tech Music School. Ich hatte für die erste Nacht ein Hotelzimmer im „Blue-Star“-Hotel in Acton gebucht, was ich nur empfehlen kann. Zu meinem Glück war meine Zimmersuche erfolgreich und ich konnte schon am nächsten Tag in eine reine Sänger-WG einziehen. Die Wohnung war nur ca. 15 Minuten zu Fuß von der Schule weg, was morgens sehr praktisch war. Zur nächsten U-Bahn Station musste man allerdings sehr weit laufen oder den Bus nehmen und war so in ca. einer halben Stunde im Stadtzentrum. Wenn man also lieber zentraler wohnen möchte und dafür zur Schule pendeln will, würde ich Acton nicht empfehlen. Für mein Zimmer zahlte ich 500 Pfund im Monat und ca. 40 Pfund für Gas, Wasser, Internet. Die Wohnung war für englische Verhältnisse in angemessenem Zustand und die Preise für andere Zimmer ähnlich hoch.

Die Schule

Am 5.Juli 2010 startete mein erster Tag an der Tech Music School. Nach einer kurzen Einführung erhielten wir unseren Stundenplan. Die Tech Music School ist in einzelne Bereiche gegliedert. So kann man neben Gesang auch noch Schlagzeug, Gitarre, Bass oder Keyboard studieren. Die Studenten der einzelnen Instrumente sind in Klassen bis zu ca. 10 Schülern eingeteilt. Da ich über die Sommermonate studiert habe, wo die meisten anderen Studenten der Tech Music School Ferien haben, bestand meine Klasse allerdings nur aus 3, später sogar nur noch 2 Sängern. Dies war allerdings nicht so vorgesehen, da in einer Klasse mindestens 7-8 Schüler sein sollten, damit der Kurs überhaupt stattfinden kann. Die anderen Schüler, die sich angemeldet hatten, tauchten allerdings nie auf und so konnten wir die vielen Vorteile, aber auch ein paar Nachteile einer kleinen Klassengröße genießen.
Anders als erwartet, hatte ich nicht von Montag bis Freitag Unterricht, sondern 2 Tage, Mittwoch und Freitag blieben frei. Da wir aber immer relativ viel vorzubereiten hatten und manchmal ausgefallene Stunden an unseren freien Tagen nachgeholt wurden, war also nichts mit viel Freizeit.
Der Kurs, den ich belegte, das so genannte „3 month certificate“ stellt den Term 1 des „One Year Diploma“ dar, das aus 3 Terms besteht. Wenn man möchte, kann man also nach dem 3 month certificate einfach weiterstudieren und somit nach einem Jahr das Diploma vollenden. Es gibt eine Vielzahl an Fächern: Keyboard, Accompaniment Workshop (Klavierbegleitung zu Gesang), Music Theory, Sight Singing, Ensemble (Background-Harmonien einüben), Aural (Gehörbildung), Stage Technique, Styles, Voice Production, Songwriting, Live Performance Workshop (LPW). In der letzten Vorlesungswoche findet in allen Fächern eine Abschlussprüfung statt und man erhält das „3 month certificate“.
Durch diese Vielzahl an verschiedenen Fächern bietet der Kurs ein umfassendes Angebot im Bereich „Contemporary Music“. Was ich allerdings nicht wusste: Der Kurs fängt mit absoluten Grundkenntnissen und Basics an. Für jemanden, der also noch nie Klavier gespielt hat und in Musiktheorie nur äußerste Grundkenntnisse beherrscht, ist der Kurs wohl genau das richtige, da er von Null auf anfängt, aber dann sehr schnell vorangeht und man so viel neues in kurzer Zeit dazulernt. Da ich allerdings schon seit 14 Jahren Klavier spiele und durch mein bisher 2-jähriges Musikstudium auch in Musiktheorie einen höheren Wissensstand besitze, verstehe ich bis heute leider nicht, warum man mich überhaupt in diesen Kurs eingeteilt hat. Mit meiner Bewerbung habe ich nämlich auch eine Auflistung meiner bisherigen musikalischen Erfahrung einreichen müssen und hieraus hätte ersichtlich sein müssen, das die Hälfte der Fächer des 3 month certificate nicht gerade meinem Level entsprechen. Da ich also bereits in der ersten Woche feststellte, dass ich mich in einigen Fächern nur langweile und nichts neues dazulerne, redete ich mit einem der Organisatoren und glücklicherweise konnten wir uns einigen, dass ich anstatt der Fächer in der Klasse Privatstunden bekommen kann. Diese Regelung war im Endeffekt sehr praktisch. Alle Fächer, die mit Gesang zu tun hatten, waren jedoch neu und sehr interessant für mich, da ich wie gesagt bisher nur klassischen Gesang studiert habe.
Im Live Performance Workshop zum Beispiel bereitet man jede Woche einen vorgegebenen Song vor, der dann live mit einer Band, die aus anderen Studenten besteht, auf der Bühne performt und von einer Lehrerin benotet wird. Die Songs fangen bei alten Blues-Nummern an und reichen von Alanis Morissette über Pink bis hin zu Rocknummern von Lenny Kravitz oder den Foo Fighters. In „Styles“ haben wir verschiedene moderne Musikstile von Indie Pop über Dance Pop und Latin Pop mit ihren wichtigsten Vertretern besprochen und jede Woche einen passenden Song performt. In „Stage Technique“ lernten wir, wie man richtig mit dem Mikrofon umgeht, wie man sich auf der Bühne bewegt und wie man durch gekonnte Gestik und Mimik das Publikum für sich gewinnt. In „Songwriting“ schrieben wir zunächst zu einer vorgegebenen Melodie einen Songtext und erfanden dann die Musik zu einem vorgegebenen Text, was mir sehr viel Spaß gemacht hat und mich richtig dazu animiert hat, meine eigenen Songs zu schreiben.
Alle Lehrer waren immer sehr nett und hilfsbereit. Sie stammten meist aus der aktuellen Musikszene und haben bereits mit großen Stars zusammengearbeitet. Somit war der Unterricht also sehr aktuell und professionell.
Die Räumlichkeiten der Schule haben mich ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht. Für die Sänger gab es nur 3 Überäume, wovon bei einem das Keyboard in sehr schlechtem Zustand war und der andere Raum gerade mal die Größe einer Toilettenkabine besaß. Auch das System mit der Schlüsselverteilung ist sehr verbesserungsbedürftig. Selbst wenn kein anderer in dem gleichen Raum üben will, musste man trotzdem seinen Schlüssel immer zur vollen Stunde an der Rezeption abgeben und warten bis die Schlüssel neu verteilt werden. Es kam also einige Male vor, dass ich 3 Stunden im gleichen Raum war, aber 3 Mal vom 3. Stock runter an die Rezeption laufen musste, um meinen Schlüssel wieder abzugeben.
Auch die Organisation im Büro der Schule war sehr chaotisch. Wie schon erwähnt, waren eigentlich mehr Schüler zu meinem Kurs angemeldet, als jemals erschienen sind und keiner, weder Lehrer noch die Leute im Sekretariat wussten, was los war. Nach ca. 5 Wochen meldete sich eine unserer Kursteilnehmerinnen krank. Sie tauchte allerdings nie wieder auf und zunächst wusste auch keiner, was los war, bis wir dann nach Wochen erfuhren, dass das Mädchen den Kurs abgebrochen hatte aufgrund ihrer fehlenden Englischkenntnisse.
Zum Thema Englischkenntnisse ist zu sagen, dass man schon ein gutes bis sehr gutes Englisch besitzen sollte oder zumindest im Englisch Verstehen gut sein sollte, um dem Unterricht folgen zu können. Auch wenn die Schule es im Internet anfordert, braucht man für das 3 month certificate keinen Englischnachweis, was ich auch nicht wusste und den IELTS abgelegt habe. Nichtsdestotrotz ist ein Englischtest keine schlechte Möglichkeit, um sich besser einschätzen zu können. Für die höheren Kurse, wie z.B. den Master Performance Kurs oder den Degree wird allerdings ein Englischtest verlangt.

Die Stadt

London ist riesig und es wird einem garantiert nie langweilig. Auch in drei Monaten habe ich sicherlich noch nicht alles gesehen. Nachdem ich die üblichen Sightseeing-Attraktionen besichtig hatte, entdeckte ich noch sehr viele weitere schöne versteckte Ecken von London wie z.B. Camden Town mit dem wunderschönen Little Venice. Trotz der lauten pulsierenden Hauptstadt, findet man immer wieder riesige wunderschöne Parks wie z.B. der bekannte Hyde Park oder der traumhafte Regent Park, der zu meinen Favoriten zählt.
Für Shoppingbegeisterte ist London ein Paradies. Neben der riesigen Oxford Street, der Haupteinkaufsstraße Londons, findet man auch wunderschöne und meist recht billige Sachen auf verschiedenen Märkten wie z.B. dem Camden Town Market, Portobello Market oder für die Feinschmecker den Essensmarkt Borough Market nahe der London Bridge.
Abends gibt es auch unzählige Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen. Neben Bier trinken in einem richtigen britischen Pub kann man auch sehr gut essen gehen. Zudem gibt es fast jeden Abend irgendwo Live-Musik und auch wenn man in den Pubs nach 23 Uhr wegen der Sperrstunde nichts mehr zu trinken bekommt, kann man dann weiterfeiern in einem der unzähligen Clubs. Durch die Night-Buses ist es auch kein Problem zu jeder Tages-und Nachtzeit wieder heimzukommen.
Außerhalb von London und weniger als eine Zugstunde entfernt, gibt es auch sehr schöne Städte zu besichtigen, wie z.B. das Örtchen Brighton am Meer oder Windsor, wo man das Schloss der Queen besichtigen kann.

Fazit

Auch wenn der Kurs in einigen Punkten nicht meinen Erwartungen entsprach, hatte ich doch eine sehr schöne, erlebnisreiche und vor allem lehrreiche Zeit in London. Mein Ziel, fließender Englisch sprechen zu können, habe ich auf jeden Fall erreicht, auch wenn man an der Tech Music School abgesehen von den Lehrern nur sehr wenigen Native Speakern begegnet. Musikalisch gesehen habe ich auch ganz tolle Erfahrungen gemacht und vermisse die wöchentlichen Live-Auftritte jetzt schon

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